Priskos‘ Gesandtschaftsbericht. Diplomatie zwischen dem Oströmischen Reich und den Hunnen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
17 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Priskos von Panion ... 3
3. Gesandtschaftsbericht von Priskos ... 4
4. Zusammenfassung ... 15
5. Bibliografie ... 17

3
1. Einleitung
Diplomatie bezeichnet ,,völkerrechtliche Regeln für außenpolitische Verhandlungen"
1
, ebenso
wie ,,kluges, geschicktes Verhalten"
2
. Für das Römische Reich ist die Diplomatie unabding-
bar, um eine dauerhafte Rechtsordnung zu gewährleisten. Kluge Diplomaten bringen das Rö-
mische Reich nach vorne, sie vergrößern die Einflusssphären. Wohingegen leichtfertige
Staatsmänner den inneren und äußeren Frieden nachhaltig beeinflussen können. Die Diploma-
tie stellt also neben der ,,Befriedung" ein wichtiges Medium für das Römische Reich dar, um
die Rechtsordnung zu wahren und sie erfolgreich gegen Feinde zu verteidigen. Ein diplomati-
scher Fehltritt kann also schon ausreichen um das Gemeinwesen nachhaltig zu schädigen, um
einen Krieg heraufzubeschwören. Um die Vormachtstellung zu behalten, musste sich das
Römische Reich also immer klug gegenüber seiner Nachbarn verhalten. Solange die Anrainer
des Römischen Reichs sich auf diplomatische Beziehungen einlassen, gibt es keinen Grund
für Beanstandungen. Als aber im vierten und fünften Jahrhundert n. Chr. die Völker in der
römischen Umgebung zunehmend wandern, fällt es dem Römischen Reich immer schwerer
nachhaltige diplomatische Beziehungen zu den ,,Barbaren" zu halten. Die römischen Foedera-
ti merken zunehmend wie unstabil das Römische Reich ist, denn innenpolitisch gibt es nicht
mehr nur einen Herrscher, sondern mehrere zerstrittene Konfliktparteien, was 395 n. Chr.
letztlich zur Reichsteilung führt. Kluge ,,Barbaren" nutzen diese innenpolitische Krise für sich
aus: Sie fordern immer höhere Tributzahlungen zur Beibehaltung von Frieden, die das Ge-
meinwesen zunehmend in nicht nur finanzielle Bedrängnis bringen. Der einstiege Unterdrü-
cker, das Römische Reich, scheint nun im Laufe der Zeit zum Unterdrückten geworden zu
sein. Jedenfalls deutet die Abhängigkeit vom Gutdünken der Barbaren bei Tributzahlung
sichtlich daraufhin.
Wie sich dies zwischen dem Oströmischen Reich und den Hunnen äußert, wird in dieser
Hausarbeit zu klären sein. Als Hauptquelle zur Untersuchung dient mir dabei der Gesandt-
schaftsbericht von Priskos von Panion, der an einer diplomatischen Mission zum Hunnenkö-
nig Attila teilnimmt.
2. Priskos von Panion
Priskos ist wohl um 420 n. Chr. im thrakischen Panion geboren. In den Jahren 448/449 beglei-
tet er als Adsessor (Gehilfe) des kaiserlichen Comes (Vertrauter) Maximinus diesen auf einer
Gesandtschaft zum Hunnenkönig Attila. Ein Jahr später nimmt er an einer diplomatischen
1
vgl. Diplomatie in: Duden. Das Fremdwörterbuch, 235.3
2
ebd.

4
Mission nach Rom teil. Danach folgen eine weitere Gesandtschaft zusammen mit Maximinus
nach Arabien und Ägypten 452/453 und wiederum das Amt des Adsessors, diesmal beim ein-
flussreichen Magister Officiorum Euphemius, im Jahre 456, bevor er nach 472 verstirbt.
Priskos, der immer im engen Kontakt zu den Herrschern steht, wie seine ausgeübten Ämter
zeigen, ist allerdings kein Politiker, sondern gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten im
Gemeinwesen, ,,die entweder an den wichtigen Ereignissen beteiligt [sind] oder auf die dama-
lige Politik Einfluss [ausüben]."
3
Vielmehr ist er aber als Historiker von Bedeutung. Nach
dem Ende seiner politischen Laufbahn verfasst er ein Geschichtswerk in acht Büchern, in dem
er die Ereignisse seiner Zeit schildert. Von diesen Büchern sind allerdings nur noch wichtige
Fragmente erhalten, darunter auch eines der beachtlichsten Abschnitte über die Gesandtschaft
zu Attila, woran er selbst teilnimmt.
4
In diesem Ausschnitt beschreibt Priskos sehr ausführlich
den Ablauf dieser Mission und gewährt uns somit einen detaillierten Einblick in die hunnisch-
oströmische Diplomatie. Da er die Erlebnisse doch sehr differenziert und sehr glaubwürdig
darstellt, kann davon ausgegangen werden, dass seine Angaben der Wahrheit entsprechen.
Aufgrund dieser Erkenntnis zeichnet sich der Abschnitt als eine herausragende Quelle aus,
um das diplomatische Verhältnis zwischen dem Oströmischen Reich und den Hunnen näher
zu untersuchen.
3. Gesandtschaftsbericht von Priskos
Priskos macht relativ klar deutlich, dass das Römische Reich sich lieber von den Hunnen er-
pressen lässt, als einen Krieg zu riskieren.
5
Dies deutet daraufhin, dass das Oströmische Reich
nicht in der Lage ist genug Ressourcen für einen Krieg bereitzustellen und dass es infolge
eines Krieges droht eine Niederlage zu erleiden. Demzufolge versucht es möglichst alles dip-
lomatisch so zu lösen, dass ihnen die Hunnen möglichst gutgesinnt gegenüberstehen, was
diese wiederum für sich ausnutzen. Außerdem habe Ostrom noch genügend andere schwer-
wiegende Probleme, so Priskos: ,,die Parther rüsteten zum Krieg, die Vandalen machten die
Küsten unsicher, die Isaurier unternahmen fortwährend Raubzüge, die Sarazenen verheerten
die Ostgebiete des Reiches in immer neuen Einfällen; obendrein standen auch die äthiopi-
3
Brodka, 2012, 145
4
Daten über Priskos: Johne, in DNP 10
5
Priskos, TA Doblhofer 22f.: ,,Nach dem Abschlu[ss] des Friedensvertrages schickte Attila sogleich wieder
Gesandte zu den Oströmern [...]. Die Rhomäer empfingen die Gesandten beschenkten sie reich [...]. Darauf
schickte Attila eine zweite Gesandtschaft, die nicht weniger reich bedacht wurde, ihr folgten eine dritte und eine
vierte. Attila nützte die Freigiebigkeit der Rhomäer, welche diese aus Furcht vor einem Verstoß gegen den Ver-
trag übten, weidlich aus, ersann immer neue Anlässe und fand immer wieder einen Vorwand Gesandtschaften zu
schicken [...]. Die Rhomäer gehorchten Attila in allem aufs Wort und nahmen seine Forderungen wie Befehle
ihres rechtmäßigen Herrschers hin."

5
schen Stämme zum Kriege gerüstet."
6
Hierdurch wird deutlich, dass sich Ostrom gegen viele
Feinden verteidigen muss und scheinbar alles dafür tut, dass es nicht noch mehr werden. Das
oströmische Gemeinwesen versucht die Probleme erst einmal diplomatisch zu regeln, bevor
das Militär eingreift. Ein Beweis dafür sind die Gesandtschaften, die aus Byzanz ausgehen
und so auch diejenige, an der Priskos teilnimmt.
Im Jahre 448 n. Chr. empfängt Kaiser Theodosius II. in Konstantinopel den hunnischen Ge-
sandten Edekon und mit ihm den Römer Orestes, die ihm einen Brief von Attila übergeben. In
diesem Schreiben fordert Attila die Oströmer unter Kriegsdrohung auf, ihn die hunnischen
Überläufer zu überlassen und weiterhin den Baustopp auf dem eroberten Gebiet.
7
Attila ver-
langt weiter, dass Gesandte geschickt werden, um die Probleme zu lösen, ,,aber nicht die ers-
ten besten, sondern Männer von konsularischer Würde."
8
Damit macht Attila seine starke
Machtposition deutlich, dass er eben nur mit den einflussreichten oströmischen Männern
sprechen möchte. Als Antwort auf Attilas Brief schickt Theodosius II. den Maximinus, zu
dessen Gefolge Priskos gehört und auf dessen Bitte er mitreist, sowie Edekon und den hunni-
schen Übersetzer Vigilas mit Orestes zu dem Hunnenkönig, allerdings nicht ohne Hinterge-
danken. Bei dem Treffen mit Attila soll dieser durch Vigilas unter Edekons Befehl umge-
bracht werden, zur Durchführung habe Edekon fünfzig Pfund Gold zu erwarten. Dieses solle
er dafür einsetzen, dass er andere überzeugt, mit ihm den Mordanschlag zu unternehmen.
9
Mit diesem Vorhaben begeben sie sich nun auf die Reise zu Attila. Während dieser Reise
kommt es zum ersten Mal zu einem Zwischenfall bei einer Rast in Serdika, wo die Gesandten
und ,,Barbaren" gemeinsam essen. Bei Tisch loben die Hunnen ihren König Attila, die Ost-
römer aber Theodosius, was Vigilas dazu veranlasst, auszusprechen: ,,[M]an dürfe doch Gött-
liches nicht mit Menschlichem vergleichen; Attila sei schließlich nur ein Mensch, Theodo-
si[u]s aber ein Gott."
10
Dieser Ausspruch ist denkbar ungünstig gewählt in dem Kontext die-
ser Gesandtschaftsreise zu den Hunnen. Derartige ,,Beleidigungen" sind diplomatisch sehr
unklug, bedenkt man doch Ostroms schwache Position als Bittsteller. Die Hunnen zeigen sich
über diesen Ausspruch sehr verärgert und müssen erst einmal beruhigt werden. Nach dem
Abendmahl übergibt Maximinus Geschenke an Edekon und Orestes, wie es der diplomatische
Brauch ist. Maximinus wird gelobt, dass er sie neben dem Beschenken auch zum Essen ein-
6
vgl. Priskos, TA Doblhofer 23
7
ebd.
8
vgl. Priskos, TA Doblhofer 24
9
Priskos, TA Doblhofer 24ff.
10
vgl. Priskos, TA Doblhofer 27

6
lud, da dies im Palast wohl nicht geschehen sei.
11
Auch hier zeigt sich, dass die Oströmer sehr
behutsam mit den Gesandten umgehen müssen, um nicht bei den Hunnen in Ungnade zu fal-
len. Außerdem wird auch wieder deutlich wie abhängig die Oströmer von den Hunnen sind,
sodass sie mit jedem Mittel versuchen, einen Krieg mit ihnen zu verhindern. Am nächsten
Tag erfahren die oströmischen Gesandten von Vigilas, wie es sich mit der hunnischen Rang-
folge verhält: Edekon sei ein sehr wichtiger hunnischer Adliger, weil er sich im Krieg ausge-
zeichnet hätte, wohingegen Orestes als Schreiber Attilas im Rang viel weiter unten stehe und
keine so großen Ehren erwarten könne.
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Die Gesandtschaft zieht weiter Richtung Norden,
wobei sie an mehreren von den Hunnen zerstörten Orten vorbeikommen bis hinter Naissos,
wo ein oströmischer Heerführer fünf hunnische Gefangene übergeben muss, um Attilas Auf-
lagen zu erfüllen. Dann ziehen sie wieder weiter gen Norden, wo sie mit von den Hunnen
selbst gebauten Einbäumen die Donau überqueren. Die Frage, warum die Hunnen dort sind,
beantwortet Priskos selbst: ,,[F]reilich waren sie nicht unseretwegen dort zur Stelle, sondern
um ein Barbarenheer überzusetzen, das uns unterwegs begegnen sollte, weil Attila auf rhömä-
isches Gebiet übertreten wollte, unter dem Vorwand dort zu jagen. In Wirklichkeit aber rüste-
te er zum Krieg, weil ihm angeblich nicht alle Flüchtlinge ausgeliefert worden seien."
13
Die
oströmischen Gesandten sehen hier also die große Bedrohung, die von den Hunnen ausgeht,
sollten sie sich nicht auf dem diplomatischen Wege mit ihnen einigen. Diese Gesandtschaft
kann also nicht drängender sein, um den drohenden Krieg abzuwenden. Nach der Überque-
rung der Donau und einer weiteren Reisestrecke von siebzig Stadien mit den Hunnen erreicht
die Gesandtschaft ein Feld, wo sie Halt machen müssen. Edekon und sein Gefolge reiten vo-
raus, um die Ankunft bei Attila zu melden und erst am Abend kommen zwei hunnische Rei-
ter, um sie zu dem Hunnenkönig zu geleiten. Die Oströmer laden die Reiter dagegen zum
Abendbrot ein und reiten erst am nächsten Tag zu den Zelten Attilas weiter, wo sie dann zur
neunten Stunde eintreffen. Mit der Einladung der hunnischen Reiter zeigen sich die oströmi-
schen Gesandten betont freundschaftlich, um zu signalisieren, dass sie ihnen wohlgesinnt sind
und sie als diplomatische Partner ernst nehmen. Als die Oströmer nun vor den vielen hunni-
schen Zelten stehen, wollen sie ihre eigenen auf einem nahegelegenen Hügel aufstellen. Al-
lerdings wird es ihnen verwehrt, denn kein Zelt dürfe das des Attilas überragen.
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Die Oströ-
mer beachten dies, um ihre Verhandlungspartner nicht missgünstig zu stimmen. Hier wird
besonders die Machtposition Attilas deutlich, der seinen Rang mit dem höchsten Zelt erkennt-
11
Priskos, TA Doblhofer 27f.
12
Priskos, TA Doblhofer 28
13
vgl. Priskos, TA Doblhofer 29
14
Priskos, TA Doblhofer 29
Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Priskos‘ Gesandtschaftsbericht. Diplomatie zwischen dem Oströmischen Reich und den Hunnen
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Attila. Ein biographischer Versuch
Note
2,3
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V374632
ISBN (eBook)
9783668529816
ISBN (Buch)
9783668529823
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Attila, Hunnen, Diplomatie, Spätantike, Ostrom, Römisches Reich
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Priskos‘ Gesandtschaftsbericht. Diplomatie zwischen dem Oströmischen Reich und den Hunnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374632

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