Diese Arbeit konzentriert sich darauf, einen Überblick über die Organisation einer Sprachdatenerhebung zu geben. Dabei soll auch darauf geachtet werden, auf möglichen Schwierigkeiten innerhalb der Planung und Durchführung hinzuweisen. Das besondere Augenmerk liegt dabei aber auf den verschiedenen Methoden der Sprachdatenerhebung, die auf ihre Vor- und Nachteile hin untersucht werden sollen. Zum Schluss soll durch den Vergleich der Vorgehensweise des „Wortatlas der deutschen Umgangssprachen“ von Jürgen Eichhoff mit der modernen Methode des „Atlas der deutschen Alltagssprache“ von Stephan Elspaß und Robert Möller aufgezeigt werden, für welche Untersuchungsgegenstände die jeweilige Vorgehensweise am besten geeignet ist.
Innerhalb der empirischen Sprachforschung ist die Sprachgeographie ein wichtiger Forschungsbereich. Sie beschäftigt sich damit, sprachliche und metasprachliche Phänomene an bestimmten Punkten zu verorten und dann durch Kartierung zu veranschaulichen. Doch immer wieder trifft man dabei auf die gleiche Frage: Welchen Nutzen kann man aus empirischer Sprachforschung ziehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Planung und Durchführung einer empirischen Sprachdatenerhebung
2.1. Hypothesenbildung und Planung
2.2. Methoden eines Samplings
2.3. Methoden der Sprachdatenerhebung / Feldtechniken
2.3.1. Experiment
2.3.2. Beobachtung
2.3.3. Befragung
2.3.3.1. Interview
2.3.3.2. Rasche und anonyme Datenbefragung
2.3.3.3. Fragebogenerhebung
3. Der Wortatlas der deutschen Umgangssprachen
3.1. Das Untersuchungsgebiet und der Aufnahmeort
3.2. Gewährspersonen
3.3. Auswahl der abgefragten Begriffe
3.4. Die Methode der Befragung
3.5. Die Kartierung
4. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache
4.1. Einleitendes
4.2. Das Untersuchungsgebiet
4.3. Die Gewährspersonen
4.4. Auswahl der abgefragten Begriffe
4.5. Methode der Befragung
4.6. Die Kartierung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Organisation und die Herausforderungen empirischer Sprachdatenerhebungen. Ziel ist es, verschiedene Erhebungsmethoden kritisch zu vergleichen und aufzuzeigen, für welche Forschungszwecke die jeweiligen Ansätze – insbesondere im Hinblick auf den traditionellen "Wortatlas der deutschen Umgangssprachen" und den modernen "Atlas der deutschen Alltagssprache" – am besten geeignet sind.
- Methoden der empirischen Sprachdatenerhebung (Experiment, Beobachtung, Befragung)
- Kritische Analyse von Stichprobenverfahren und Fehlermöglichkeiten
- Vergleich traditioneller Fragebogenmethoden mit modernen Online-Erhebungen
- Organisation und Kartierung sprachgeographischer Daten
- Herausforderungen bei der Dokumentation sich wandelnder Sprachverhältnisse
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Experiment
Bei einem Experiment manipuliert man unter streng kontrollierten Bedingungen „eine Variable und betrachtet, ob eine Änderung in dieser Variablen (der unabhängigen Variablen) eine Auswirkung auf eine andere Variable zeigt (die abhängige Variable).“14 Dabei ist es wichtig, dass einerseits beide Variablen eindeutig definiert und andererseits alle anderen Störvariablen ausgeschaltet werdem. Bei einer empirischen Sprachdatenerhebung lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Typen des Experiments unterscheiden - Das Laborexperiment und das Feldexperiment.
Das Laborexperiment zeichnet sich grundsätzlich durch ein hohes Maß an Kontrolle aus, da sowohl Räumlichkeiten, als auch Thema vollständig vorgegeben sind. Doch kann dies dazu führen, dass die Erhebungssituation für die Gewährspersonen derart künstlich erscheint, dass eine natürliche und authentische Sprechsituation gar nicht zustande kommen kann.15 Damit werden aber auch zwangsläufig bedeutende Variablen und Varianzen von der Gewährsperson ausgeschlossen, da sie sich selbst in einer Art kontrolliertem Leistungsnachweis wiederfindet und daher eher auf ein möglichst hohes Sprachniveau ausweicht.
Das Feldexperiment hingegen versteht sich als eine Art „research study in a realistic situation in wich one or more independent variables are manipulated by the experimenter under as carefully controlled conditions as a situation will permit.“16 Diese Aussage ist jedoch recht widersprüchlich, wenn man bedenkt, dass sich das Feldexperiment darauf beruft, möglichst realistisch und natürlich zu sein, obwohl auch hier die Durchführung in höchstem Maße kontrolliert werden sollte. Und so liegt die Problematik der soziolinguistischen Studien, die sich auf das Feldexperiment berufen17, meist darin, dass durch die Fokussierung auf Realitätsnähe die Kontrolle über bedeutsame Variablen aus dem Blickfeld fallen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der empirischen Sprachforschung heraus und definiert das Ziel der Arbeit, Methoden der Sprachdatenerhebung kritisch zu untersuchen und zu vergleichen.
2. Planung und Durchführung einer empirischen Sprachdatenerhebung: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Hypothesenbildung, verschiedene Sampling-Methoden sowie spezifische Feldtechniken wie Experimente, Beobachtungen und verschiedene Befragungsformen.
3. Der Wortatlas der deutschen Umgangssprachen: Hier wird die traditionelle Vorgehensweise von Jürgen Eichhoff bei der Erhebung und Kartierung von Sprachdaten detailliert analysiert und kritisch hinterfragt.
4. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache: Dieses Kapitel beleuchtet das moderne Nachfolgeprojekt und dessen Online-Methodik, inklusive der Vorteile durch Digitalisierung und der Herausforderungen bei der Online-Datenerhebung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Vor- und Nachteile der untersuchten Methoden zusammen und betont die Relevanz der modernen Online-Befragung für die Dokumentation aktueller Sprachverhältnisse.
Schlüsselwörter
Empirische Sprachforschung, Sprachgeographie, Datenerhebung, Sprachdatenerhebung, Alltagssprache, Fragebogen, Sampling, Beobachterparadox, Kartierung, Online-Befragung, Wortatlas der deutschen Umgangssprachen, Atlas der deutschen Alltagssprache, Sprachwandel, Gewährspersonen, Soziolinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Methoden der empirischen Sprachdatenerhebung und analysiert deren Aufbau, Vorteile sowie potenzielle Fehlerquellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Planung von Erhebungen, verschiedene Stichprobenverfahren, Techniken wie Experimente und Beobachtungen sowie ein Vergleich zwischen traditionellen und digitalen Datenerhebungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Organisation einer Sprachdatenerhebung zu geben und durch den Vergleich klassischer und moderner Methoden aufzuzeigen, welche Vorgehensweise für spezifische Untersuchungsgegenstände am besten geeignet ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden methodischen Ansatz, indem sie die Vorgehensweisen des "Wortatlas der deutschen Umgangssprachen" und des modernen "Atlas der deutschen Alltagssprache" gegenüberstellt und anhand linguistischer Forschungsliteratur bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen der Stichprobenauswahl, verschiedene Feldtechniken (Experimente, Beobachtungen, Befragungen) sowie die detaillierte Analyse der Methoden von Eichhoff sowie Elspaß und Möller.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Empirische Sprachforschung, Sprachgeographie, Online-Befragung, Sprachwandel und verschiedene Methoden der Sprachdatenerhebung.
Warum spielt das Beobachterparadox eine zentrale Rolle in der Arbeit?
Das Beobachterparadox ist ein zentrales Problem der Linguistik, da Gewährspersonen ihr Verhalten ändern, wenn sie sich beobachtet fühlen; die Arbeit untersucht, wie Forscher dieses Problem minimieren können.
Welchen Vorteil bietet die Online-Erhebung laut der Arbeit?
Die Arbeit hebt hervor, dass Online-Erhebungen eine schnelle, kostengünstige und effiziente Möglichkeit bieten, große Mengen an Daten zu erheben und diese nahezu automatisch zu kartieren.
- Arbeit zitieren
- Claudia Kless (Autor:in), 2013, Methoden der empirischen Sprachforschung. Vor- und Nachteile der modernen Online-Erhebung im Vergleich mit üblichen Methoden der Sprachdatenerhebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374675