Kann Thales wirklich als Begründer des philosophischen Denkens genannt werden? Dieser Frage gehe ich in der vorliegenden Arbeit nach. Mit Hilfe einer kleinen Auswahl an Fachliteratur versuche ich zu analysieren, ob Thales zu recht als der erste Philosoph bezeichnet werden kann, so wie es uns Aristoteles überliefert hat. Aristoteles war es auch, der berichtete, dass „die meisten unter denen, die zuerst angefangen haben zu philosophieren, die Ursprünge im Bereich des Materiellen suchten“. Dies ist auch der Ansatz der von Ruffinger vertreten wird, nachdem sich Thales bemühte „ein Grundprinzip der Natur nicht mehr im zeitlichen Sinne, sondern im Sinne eines Urgrundes oder Urstoffes zu finden.“ Nach Aristoteles sollen diese Urgründe das eigentliche Wesen der Dinge ausmachen: „aus ihnen würden sie entstehen und in sie wieder zurückkehren. Sie wären darum die Elemente.“ Doch zieht man zu der Aussage über das Wasser den Satz des Thales hinzu, in dem er behauptet, dass alles voll mit Göttern sei, so wird ein Widerspruch in dem erkennbar, was die Autoren in die materiellen Gedankengänge interpretierten. Hier wird die ganze Tragweite des Dilemmas zwischen neuartig nämlich philosophischen Denken und mythologischer Tradition erkennbar. Einer der größten Zweifler an der Theorie, dass Thales der erste Philosoph war, ist Weischelde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Wasser als Ursprung des Lebens
2.2 Der mythologische Ursprung des Sein
3 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Einordnung des Thales von Milet, insbesondere die Frage, ob seine Thesen als Beginn des rationalen, philosophischen Denkens oder noch als Fortführung mythologischer Erklärungsmodelle zu werten sind.
- Die materielle Bestimmung des Wassers als Urgrund aller Dinge.
- Die Analyse des scheinbaren Widerspruchs zwischen rationalem Urstoff-Denken und mythologischen Göttervorstellungen.
- Die kritische Auseinandersetzung mit den Interpretationen bekannter Fachautoren wie Aristoteles, Weischedel und Hirschberger.
- Das Spannungsfeld zwischen archaischer Weltsicht und dem Streben nach philosophischer Allgemeingültigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1 Wasser als Ursprung des Lebens
Aus den Überlieferung des Aristoteles wissen wir, das Thales das Prinzip von allem im Wasser gesehen hat. Warum gerade im Wasser, wusste Aristoteles selbst nicht mehr sicher. Wir wissen heute, dass Wasser eine chemische Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff ist. Doch das konnte Thales noch nicht wissen. Auch nicht, dass der menschliche Körper zu über 70 % aus Wasser besteht und auch nicht, dass der größte Teil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist. Obwohl man unter Berücksichtigung seines Lehrspruchs, dass die Erde auf dem Wasser wie eine Holzschale ruhe, davon ausgehen müsste, dass er bereits erahnte, dass der größte Teil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist. Er ging vermutlich eher von der Bedeutung des Wassers als Grundvoraussetzung für das Leben aus und dass ein Mangel an Wasser bei vielen Lebewesen zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führt, so auch beim Menschen. Aus seinen Beobachtungen sah Thales sicherlich, dass ohne Wasser keine Landwirtschaft möglich ist. In Mesopotamien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris und auch dem alten Ägypten sind damals bereits recht fruchtbar Regionen und weisen bereits seit Ende des vierten Jahrtausends bedeutende technologische Errungenschaften zur effektiven Bewässerung der Felder auf. Daraus konnten sich erstmals größere Städte herausbilden. Ohne diese Bewässerung hätte das niederschlagsarme Gebiet keine erfolgreiche und produktive Landwirtschaft unterhalten können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage, ob Thales von Milet zu Recht als erster Philosoph bezeichnet wird, und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen rationalem Denken und mythologischer Überlieferung.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert das Konzept des Wassers als Lebensursprung sowie die problematische Einbindung der Göttervorstellung in das Weltbild des Thales unter Hinzuziehung verschiedener philosophischer Interpretationen.
3 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass bei Thales eine ursprüngliche Einheit von Stoff und Leben vorliegt, die zwar den Beginn philosophischen Fragens markiert, sich jedoch nicht vollständig von mythologischen Denkmustern lösen konnte.
Schlüsselwörter
Thales von Milet, Philosophiegeschichte, Urstoff, Wasser, Mythologie, Rationalität, Weltbild, Aristoteles, Ursprung des Seins, Hylozoismus, Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, griechische Antike, Denken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Einordnung des Thales von Milet und der Frage, ob seine Aussagen bereits als rein philosophisch oder noch als mythologisch geprägt zu verstehen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Materie und Geist, der Stellenwert der Mythologie in der frühen griechischen Philosophie sowie die Interpretation der antiken Überlieferungen über Thales.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Status des Thales als "ersten Philosophen" kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob sein Denken tatsächlich den Übergang vom Mythos zum Logos vollzogen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der Aussagen antiker Quellen wie Aristoteles durch moderne philosophische Interpretationen (z.B. von Weischedel und Hirschberger) ergänzt und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Bedeutung des Wassers für die Landwirtschaft und das Leben beleuchtet, gefolgt von einer tiefgehenden Diskussion über den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Wasser als Urstoff und der Behauptung, alles sei voller Götter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Philosophiegeschichte, Urstoff, Wasser, Mythologie, Rationalität und Erkenntnistheorie charakterisiert.
Wie erklärt Thales laut der Arbeit den Zusammenhang zwischen Wasser und Leben?
Die Arbeit vermutet, dass Thales Wasser vor allem als eine lebensnotwendige Grundvoraussetzung erkannte, deren Mangel in den antiken Hochkulturen unmittelbare existenzielle Konsequenzen für die Landwirtschaft und das Stadtleben hatte.
Welche Rolle spielt die Aufforderung des Heraklit im Kontext der Argumentation?
Die Aufforderung "Tretet ein, auch hier sind Götter" dient als Vergleich, um zu verdeutlichen, dass auch in der beginnenden Philosophie die religiöse Dimension oft nicht vollständig ausgeblendet wurde.
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- Oliver Gutheil (Author), 2017, Wasser als Ursprung. Sind die Aussagen des Thales von Milet bereits philosophisch oder noch mythologischen Ursprungs?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374682