Der Orientalismus/Okzidentalismus damals. Seine Relevanz in der heutigen Religionswissenschaft


Essay, 2017
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Aufnahme von Theorien der Gender-Studies in die Religionswiss
2.1 Der aktuelle Forschungsstand
2.2 Kritik an der Kategorie „Gender“

3. Das Problemfeld Forschung

4. Das Beispiel der Abtreibungsproblematik

6. Die Relevanz

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Auf der Suche nach Informationen zum Thema Orientalismus/Okzidentalismus stößt man immer wieder auf das Werk „Orientalism“ des US-amerikanischen Literaturtheoretikers und –kritikers Edward W. Said. Es versteht sich schnell, dass der Begriff Orientalismus entscheidend von Said geprägt und durch sein Werk sogar im Kontext eben dieses Diskurses geschaffen wurde. Sein Werk fasst die im Westen geführte Debatte über den sogenannten Orient zusammen. Dessen Grundlage ist die Trennung zwischen Orient und Okzident, die offenbar auf der Suche nach Identitätsbildung und vorherrschenden Machtinteressen entstanden ist. Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage welche Relevanz die Debatte um Orientalismus/Okzidentalismus für die religionswissenschaftliche Darstellung von Religionen hat. Als Grundlage für die Beantwortung dieser Frage habe ich somit „Orientalism“ besonders einbezogen. Somit befasse ich mich zunächst mit der Definition und Entstehung der Begriffe Orientalismus und Okzidentalismus in der Religionswissenschaft und anschließend mit dem Autor des Werkes „Orientalism“ und dem Werk selbst. Anschließend möchte ich eine vorherrschende Meinung zum Orient und zum Islam in Deutschland anhand kurzer Beispiele darstellen. Darauf folgt ein Kapitel, indem ich mich mit der gravierenden veränderten westlichen Meinung zum Osten seit den Anschlägen des 11. September 2001 befasse. Die Frage der Relevanz der Debatte um die beiden Phänomene wird im Laufe der Kapitel beantwortet. Im Fazit gehe ich jedoch nochmals darauf ein.

2. Die Aufnahme von Theorien der Gender-Studies in der Religionswiss.

In den 1970er-Jahren entwickelten sich feministische Theorien und Denkansätze zur kritischen Auseinandersetzung mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern. Kultur- und Gesellschaftsanalysen führten zu der Erkenntnis einer Frauen gegenüber diskriminierenden Norm. So geriet eine Abweichung dieser Norm in den Fokus, mit dem Ziel soziale Ungleichheiten aufzudecken und Lebenssituationen von Frauen zu verbessern. Das Geschlecht wurde dabei als eine unveränderliche Gegebenheit der Natur festgelegt, weshalb man von einer weiblichen Identität aller Frauen ausging.[1] In den 1990er-Jahren entstanden aus dieser Forschungsrichtung die Gender Studies, dessen Grundannahme eine sozial/kulturell entstandene Geschlechterdifferenz war. Der Begriff „Gender“ bezeichnet somit durch Gesellschaft und Kultur geprägte Geschlechtseigenschaften einer Person, unabhängig von ihrem Geschlecht. Das Antonym zum Begriff „Gender“ bildet der Begriff „Sex“, der lediglich das anatomische Geschlecht bezeichnet.[2] Die Forschungsziele der Gender Studies sind die Analyse der Konstruktionsprozesse und der Geschlechteridentität und ihrer Vielfältigkeit. Zudem werden Prozesse der Um- und Neudeutung der Differenz analysiert.[3] Aufgrund der Komplexität des Verständnisses von „Geschlecht“ fließen in die Genderforschung Beiträge aus verschiedenen Forschungsrichtungen, sowie der Kulturwissenschaft, Soziologie, Sozialwissenschaft oder Theologie ein. Da das Verständnis des Begriffs „Religion“ ebenso komplex ist, erfolgt der Zugang von Genderforschung in die Disziplin der Religionswissenschaft zunächst über die Verankerung als eine Kategorie. Insofern lassen sich beide Begriffe als „transdisziplinäre“ Kategorien bezeichnen.[4] Gender und Religion sind jedoch unabhängig von der Religionswissenschaft kohärent. „Zum einen sind die religiösen Traditionen, Anschauungen, Symbole und Praktiken nicht geschlechtsneutral, sondern geschlechtsspezifisch geprägt. Weiters stehen die Geschlechterrollen, die Bilder, Stereotype, Ideale und das Selbstverständnis von Frauen und Männern im Rahmen einer bestimmten Kultur in der ständigen Wechselwirkung mit dem jeweiligen religiös-philosophischen Erbe.“[5] Zudem ist die Geschichte der traditionellen Erforschung und Darstellung von Religionen von Männern für Männer verfasst worden. Frauen blieben dabei weitgehend unerwähnt. Die ersten Perspektivenwandel auf religionswissenschaftliche Forschung ermöglichte die kritisch-feministische Theorie. Obwohl alle Bereiche des menschlichen Lebens auf einer wechselseitigen Beziehung der Geschlechter basieren, ist die Gender-Forschung im Rahmen der Religionswissenschaft überwiegend Frauenforschung, um die vorherrschende Ungleichheit zu tilgen. Jedoch fand genau diese überwiegend männliche Forschung auf keiner sozio-kulturellen Grundlage statt, somit sei es ebenso wichtig ein Bewusstsein für das „Mannsein“ zu konstruieren und dieses kritisch zu betrachten.[6] Einen besonders aufschlussreichen Einwand für die religionswissenschaftliche Forschung brachte in den siebziger Jahren Rita Gross mit ihrer Androzentrismus-Kritik. Im androzentrischen Weltbild wird der Mann bzw. das Männliche als eine Norm für die Menschheit angesehen. Dabei werden Frauen nicht zwangsläufig als minderwertig bezeichnet, jedoch als „das Andere“ zusammengefasst und diskutiert. Der Androzentrismus geschieht in der Regel unbewusst, weshalb die Gleichsetzung von Mensch mit Mann oftmals nur schwer zu erkennen und auch von Frauen tief verinnerlicht ist.[7] Menschliche Religiosität bezieht sich jedoch auf beide Geschlechter und um diese erforschen und verstehen zu können, kann Man(n) die Frauen als religiöse Subjekte in keinem Fall ausschließen. Aus der Androzentrismus-Kritik ergibt sich automatisch die Forderung eines Paradigmenwechsels zur Erneuerung der bisherigen Forschungsergebnisse.[8] Im folgenden Kapitel soll die vorhandene Kritik an dem Umgang der Ergebnisse der Gender- und Frauenforschung im Fach der Religionswissenschaft dargestellt werden.

2.1 Der aktuelle Forschungsstand

In religionswissenschaftlichen Texten werden Faruen selten als homines religiosi[9], das heißt mit einer eigenen Theologie, eigenen Ritualen, eigenen Gottheiten, Symbolsystemen und Handlungen darfestellt. In den meisten Fällen wird die Frau in Beziehung zum Mann gesetzt und Sexualpartnerin, Mutter oder Tochter wahrgenommen. Die androzentrisch geprägte Forschungssituation lässt eine Geschlechtertrennung meist unbegründet aus oder es wird den Frauen meist ein Kapitel gegen Ende eines Buches gewidmet. Da sich Frauen von der männlichen Norm unterscheiden, müssen sie zumindest erwähnt werden, was wiederum bedeutet, dass sie im androzentrischen Denken nur als Objekte außerhalb des Menschlichen/Männlichen seins eingeordnet werden. Dabei wird ihnen dieselbe Position wie anderen Objekten, die außerhalb dieser Norm stehen aufgedrängt. Andere Lebewesen oder Pflanzen werden auf derselben Ebene diskutiert um eine Erfahrung oder Situation zu verständlich zu machen.[10] Da die Erforschung der patriarchalen Großreligionen einer langen Tradition zugrunde liegt, die von Beginn an androzentrisch geprägt war, ist es nicht auszuschließen, dass sich Vorurteile und Tabus, die geistesgeschichtlich, theoretisch, terminologisch und moralisch tief verankert sind und die Realität verschleiern. Somit ruft ein fokussierter Blick auf das Geschlechterverhältnis oftmals eine irritierende gar abwertende Reaktion hervor.[11] Somit sind Gender-Studies bislang nicht in die ganze Breite des Forschungsspektrums einbezogen worden.

2.2 Kritik an der Kategorie „Gender“

Die Aufnahme von Gendertheorien in der Religionswissenschaft ist zwar ein Fortschritt für die Wissenschaft, unterliegt jedoch auch diversen Kritiken. Beginnend damit, dass die religiösen Traditionen und die Ergebnisse der dazugehörigen wissenschaftlichen Forschung nun weitgehend durch die Androzentrismus-Kritik grundlegend verändert sind. Spezifische Fragestellungen können nur richtig beantwortet werden, wenn diese aus beiden Blickwinkeln betrachtet werden. Dafür ist zunächst ein wesentlicher Paradigmenwechsel notwendig. Gender-Forschung ist mit der Religionswissenschaft in Beziehung zu setzen und wie die Analysekategorien Rasse, Klasse, Schicht oder Alter in die Untersuchungen einzubinden.[12]

3. Das Problemfeld Forschung

4. Das Beispiel der Abtreibungsproblematik

Der Begriff der Religion fasst eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen zusammen, deren Grundlage der Glaube an übersinnliche – man könnte auch sagen magische oder spirituelle - Kräfte ist. Dieser Glaube und die dazugehörigen heiligen Objekte, die von Religion zu Religion variieren, lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Weshalb sie in der europäischen Welt vielleicht schon immer ein Faktor in der Wahrnehmung fremder Kulturen gewesen sind. Während der Kolonialisierung, die nach Said eine sehr wichtige Rolle für das heutige Bild des Orients spielt, trafen westliche Imperialisten, die stark wissenschaftlich und rational geprägt waren auf religiöse und ihrer Meinung nach nicht fortgeschrittene Kulturen. Der Orient, mit dem man zu Anfang den mittleren Osten bezeichnete, wurde gleichgesetzt mit der in den meisten seiner Länder vorherrschenden Religion, dem Islam. So war es in der westlichen Denktradition des Mittelalters und der Renaissance der Fall (Vergl. Said 141). Der Europäer definierte sich mit einer Vorhandenen Geschichte, Tradition, Entwicklung und somit einem Fortschritt als die Norm menschlicher Existenz. Während der Nichteuropäer als Sonderling definiert wurde. Dieses „Bild“ des Orients trug sich lange Jahre in die Welt hinaus und ist teilweise bis heute im „aufgeklärten“ Westen eingeprägt. Trotz des gemeinsamen Ursprungs und der Geschichte, die der Islam und das Christentum in einer Zeit der „Convivencia“ - des Zusammenlebens – gemeinsam haben. An dieser Stelle übernimmt die Religionswissenschaft eine wichtige Rolle, denn sie wird zum Schnittpunkt transkultureller Begegnungen (Vergl. Schlüsselwerke der Postcolonial Studies, S. 327).

Da sich diese Geisteswissenschaft damit befasst Religion insbesondere empirisch und historisch zu erforschen und somit alle konkreten Religionen, religiöse Gemeinschaften, sowie religiöse Weltanschauungen und Ideologien der Vergangenheit und Gegenwart zu betrachten (Vergl. RGG4 Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 2004). Hierbei vergleichend den gemeinsamen geographischen Ursprung des Christentums und des Islams und das Zusammenleben in der Vergangenheit, sowie in der Gegenwart. Dennoch wurde der Islam seit dem Ende der Rückeroberung im Mittelalter als das wohl wichtigste „Andere“ der Europäer bzw. der lateinischen Christen wahrgenommen und weitgehend konstruiert. Was ausdrücken will, dass Europäer oder Christen oftmals ihre eigene Identität bestimmten, indem sie sich zugleich vom Islam und von Muslimen abgrenzten. Das galt während der Kolonialisierung ebenso für andere „unaufgeklärte“ Kulturen.

5. Die Relevanz

Die heutige religionswissenschaftliche Debatte um den Orientalismus und den Okzidentalismus befasst sich ebenso mit der Frage, ob es die Philosophen der Aufklärung waren, die die Welt von Mythen und einer übersinnlichen Denkweise „befreiten“ und damit den Grundstein für Vernunft und Fortschritt gelegt haben, die in Orientalism als Rechtfertigung für die Herabwürdigung des Orients genutzt wurde (Vergl. Missverständnis Orient, S.62, Z. 24ff.). Max Weber, der 1864 in Erfurt geborene Soziologe, begründete den Begriff der „Entzauberung der Welt“ in seinem Vortrag Wissenschaft als Beruf von 1917. Mit diesem an vielen Stellen seines Vortrags verwendetem Begriff, erklärt er die schlussfolgende Entwicklung, die durch die Rationalisierung und Intellektualisierung stattfand und vor Allem die Wissenschaft stark veränderte.

[...]


[1] Schößler, F.: Einführung in die Gender Studies, Berlin 2008, S.9

[2] vergl. Schößler, S.10

[3] vergl. dies., S.9

[4] Moser, M.E. / Lanwerd, S.: Frau-Gender-Queer. Gendertheoretische Ansätze in der Religionswissenschaft, Würzburg 2010, S.11

[5] Heller, B.: Gender und Religion, in …

[6] vergl. dies., S.759-760

[7] Lexikon nachschlagen

[8] vergl. Heller, S.761

[9] Lexikon Definitinon

[10] Pahnke, D.: Blickwechsel. Frauen in Religion und Wissenschaft, Marburg 1993, S.21-22

[11] vergl. Pahnke, S.22

[12] vergl. Heller, S.761

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Details

Titel
Der Orientalismus/Okzidentalismus damals. Seine Relevanz in der heutigen Religionswissenschaft
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V374725
ISBN (eBook)
9783668519503
ISBN (Buch)
9783668519510
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orientalismus, Okzidentalismus, Orient, Okzident, Religion, Religionswissenschaft, Orientalism, Edward Said, 9/11, Islam
Arbeit zitieren
Dominika Warmuth (Autor), 2017, Der Orientalismus/Okzidentalismus damals. Seine Relevanz in der heutigen Religionswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374725

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