Tinder-Studie zur Partnersuche bei jungen Erwachsenen im 21. Jahrhundert

Wie hat sich die Partnerwahl über die Zeit verändert und welche Auswirkungen haben Apps wie "Tinder"


Bachelorarbeit, 2017
89 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

2
Zusammenfassung
Diese Fragebogenstudie im Querschnittsdesign untersucht das Nutzungsverhalten und
die dahinterliegenden Motive sowie die Partnerwahlkriterien junger Erwachsener im 21.
Jahrhundert als Nutzer der Dating-Applikation Tinder. Die Grundlage dieser empiri-
schen Arbeit besteht in dem Gedanken, dass sich die Nutzungshäufigkeit und -motive
sowie die Partnerwahlkriterien hinsichtlich des Geschlechts und des Beziehungsstatus
der Nutzer unterscheiden. Darüber hinaus besteht die Annahme, dass den Nutzungsmo-
tiven und Partnerwahlkriterien eine faktorielle Struktur zugewiesen werden kann. Die
Stichprobe besteht aus 47 Tinder-Nutzern im Alter von 18­33 Jahren. Die Rekrutierung
erfolgte online über das soziale Netzwerk Facebook. Für die Datenerhebung wird ein
eigens konzipierter Fragebogen erstellt, der sowohl die Tinder-Nutzung und die
dahinterliegenden Motive als auch die Partnerwahlkriterien erfasst. Um mögliche Pro-
banden mit der Neigung zu sozial erwünschten Antworten zu vermeiden, wurde der
Fragebogen durch eine Lügenskala auf Basis einer Modifikation der Sozialen-
Erwünschtsheits-Skala-17 nach Stöber (1999) ergänzt. Für die Prüfung der Hypothesen
werden t-Tests für unabhängige Stichproben, einfaktorielle Varianzanalysen sowie
explorative Faktoranalysen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass signifikante Un-
terschiede für manche Nutzungsmotive sowie für einige Partnerwahlkriterien im Hin-
blick auf das Geschlecht und den Beziehungsstatus vorliegen. Den Nutzungsmotiven
konnte darüber hinaus eine faktorielle Struktur mit vier Faktoren zugewiesen werden,
wobei dies bei den Partnerwahlkriterien nicht möglich war.

3
Abstract
This cross-sectional study investigates the usage behavior and the motives of young
adults with regard to the Tinder dating application, as well as the partner choice criteria
of this group in the 21
st
century. This research is based on the hypothesis that the fre-
quency with which young adults use this application, their motives for doing so, and
their partner choice criteria differ depending on their gender and relationship statuses.
This research is based on the assumption that the usage motives and the criteria of part-
ner choice can be allocated a structure. A total sample of 47 Tinder users participated in
this study. The users who participated were between 18 and 33 years of age and were
recruited entirely online through the Facebook social media network. The study is con-
ducted via a survey that was specifically developed for this research: It measures the
respondents' Tinder usage and their motives for doing so, as well as their partner choice
criteria. To avoid participants who may have a tendency to provide socially acceptable
answers, the survey is amended by means of a specially developed lying scale, which is
based on the social desirability scale-17 (SDS-17) developed by Stöber (1999). In order
to test the hypothesis, t-tests for independent samples, a one-way analysis of variance
and an explorative factor analysis are performed. The results indicate a number of dif-
ferences in the usage motives and the criteria of partner choice with regard to the sub-
jects' gender and relationship statuses. The usage motives can be allocated a factorial
structure with four factors, which was not possible for the criteria of partner choice.

4
I
Inhaltsverzeichnis
II
Abbildungsverzeichnis ... 6
III
Tabellenverzeichnis ... 7
IV
Abkürzungs- und Formelzeichenverzeichnis ... 8
1
Einleitung ... 9
2
Theoretischer Hintergrund ... 10
2.1
Partnersuche in der Vergangenheit ... 11
2.1.1
Evolutionärer Ansatz zur Partnerwahl ... 12
2.1.2
Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts ... 14
2.2
Partnersuche im technologischen Zeitalter ... 15
2.2.1
Begriffsbestimmung und Definition von Online-Dating ... 16
2.2.2
Präferenzen bei der Partnerwahl ... 18
2.2.3
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Partnerwahl ... 20
2.2.4
Partnersuche 2.0 ­ Mobile-Dating ... 21
2.3
Dating-Applikation Tinder ... 23
2.3.1
Geschichte und Funktion... 23
2.3.2
Nutzungsverhalten und -motive ... 26
2.3.3
Physische Attraktivität ... 27
2.4
Risiken und Konsequenzen medialer Partnersuche ... 28
2.5
Bisherige Forschung ... 29
2.6
Forschungsfragen und Hypothesen ... 31
3
Methodik ... 32
3.1
Untersuchungsdesign und Durchführung der Datenerhebung ... 32
3.2
Stichprobe ... 33
3.3
Erhebungsinstrumente ... 35
3.3.1
Tinder-Nutzung und Nutzungsmotive... 36
3.3.2
Partnerwahlkriterien ... 37

5
3.3.3
Lügenskala auf Basis der SES-17 ... 39
3.3.4
Demographische Daten ... 40
3.4
Datenanalyse ... 41
4
Ergebnisse ... 42
4.1
Deskriptive Statistiken ... 42
4.2
Beantwortung der Forschungshypothesen ... 53
4.2.1
Ergebnisse der ersten Hypothese ... 53
4.2.2
Ergebnisse der zweiten Hypothese... 54
4.2.3
Ergebnisse der dritten Hypothese... 55
4.2.4
Ergebnisse der vierten Hypothese ... 60
4.2.5
Ergebnisse der fünften Hypothese ... 60
4.2.6
Ergebnisse der sechsten Hypothese ... 61
5
Diskussion ... 62
5.1
Interpretation und Diskussion der Ergebnisse ... 63
5.2
Limitationen der Studie ... 66
5.3
Fazit und Ausblick ... 68
V
Literaturverzeichnis ... 70
VI
Anhangsverzeichnis ... 81

6
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Dreiecksmodell der Liebe nach Sternberg (eigene Darstellung nach
Döring, 2003) ... 16
Abbildung 2: Boxplot Itemschwierigkeit Nutzung gesamt ... 44
Abbildung 3: Boxplot zu Item N_12 ... 44
Abbildung 4: Boxplot zu Item N_01 ... 45
Abbildung 5: Boxplot zu Item NH_01 ... 45
Abbildung 6: Boxplot zu Item NH_01 im Geschlechtsvergleich ... 46
Abbildung 7: Boxplot zu Item N_08 im Geschlechtsvergleich ... 46
Abbildung 8: Boxplot zu Item N_09 im Geschlechtsvergleich ... 47
Abbildung 9: Boxplot zu Item N_05 im Geschlechtsvergleich ... 47
Abbildung 10: Boxplot zu Item NH_01 im Beziehungsstatus-Vergleich ... 48
Abbildung 11: Boxplot zu Item N_03 im Beziehungsstatus-Vergleich... 49
Abbildung 12: Boxplot zu Item N_12 im Beziehungsstatus-Vergleich... 49
Abbildung 13: Boxplot Itemschwierigkeit Partnerwahlkriterien gesamt... 51
Abbildung 14: Boxplot zu Item P_05 im Geschlechtsvergleich ... 52
Abbildung 15: Boxplot zu Item P_17 im Beziehungsstatus-Vergleich ... 52

7
III Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Itemstatistik über die Nutzungs-Items anhand von Mittelwert,
Standardabweichung, Itemschwierigkeit ... 43
Tabelle 2: Itemstatistik über die Partnerwahl-Items anhand von Mittelwert,
Standardabweichung, Itemschwierigkeit ... 50
Tabelle 3: Zuordnung der Items auf die Faktoren (innerhalb der Faktoren sortiert nach
absteigendem Ladungsbetrag) ... 58
Tabelle 4: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Nutzung nach Geschlecht
... 86
Tabelle 5: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Nutzung nach
Beziehungsstatus ... 87
Tabelle 6: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Partnerwahlkriterien nach
Geschlecht ... 88
Tabelle 7: Übersicht nichtsignifikante Mittelwertsvergleiche Partnerwahlkriterien nach
Beziehungsstatus ... 89

8
IV Abkürzungs- und Formelzeichenverzeichnis
Abkürzungen
AV
=
Abhängige Variable
SDS-CM
=
Social Desirability Scale nach Crowne und Marlowe
SES-17
=
Soziale-Erwünschtheits-Skala-17
SPSS
=
Statistical Package for the Social Sciences
UV
=
Unabhängige Variable
Formelzeichen
=
Cronbach's Alpha
d
cohen
=
Effektgröße nach Cohen
F
=
Empirischer F-Wert der ANOVA
KMO
=
Kaiser-Meyer-Olkin-Maß
M
Mittelwert
ME
=
Median
N
=
Häufigkeit
p
=
Signifikanzwert
r
Korrelationskoeffizient nach Bravais-Pearson
=
Erklärte Streuung um den Gesamtmittelwert (ANOVA)
SD
=
Standardabweichung
t
=
empirischer t-Wert des t-Tests

9
1
Einleitung
Warum suchen die meisten Menschen ihr Leben lang nach einem geeigneten Partner?
Die menschliche Natur ist so geschaffen, dass wir nur dann überleben können, wenn
sich Mann und Frau vereinigen und sich fortpflanzen. Im Wandel der Zeit und beson-
ders durch die Expansion des Internets hat sich die Partnersuche über die Jahre erheb-
lich verändert. Unabhängig ob iPhone, Android oder Windows Phone; Smartphones
bieten heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten, um sich mit anderen Menschen zu
vernetzen. Gerade bei jungen Erwachsenen sind diese Möglichkeiten aus dem alltägli-
chen Leben nicht mehr weg zu denken. Während die digitalisierte Form des Kennenler-
nens in der Vergangenheit noch als verrucht und unakzeptabel galt, gehört sie heute zu
einer der modernsten Möglichkeiten, um neue Menschen kennenzulernen. In diesem
Kontext erfreuen sich Applikationen, sogenannte Apps, stets wachsender Beliebtheit.
Diese Apps dienen als Kommunikations- und Interaktionsinstrumente, um sowohl mit
bekannten Personen aus dem näheren Umfeld Kontakt aufrecht zu erhalten als sich auch
mit fremden Personen, unabhängig von geographischen Distanzen, auszutauschen.
Auch um natürliche Bedürfnisse wie den Wunsch nach Zugehörigkeit und Liebe zu be-
friedigen können zahlreiche webbasierte Plattformen die ersten Weichen stellen. In die-
sem Kontext spielten zunächst vor allem klassische Online-Dating-Portale und Partner-
vermittlungen eine große Rolle. Im Hinblick auf die stetig wachsende Nutzung von
Smartphones wurden darüber hinaus Mobile-Dating-Apps konzipiert, die den Nutzern
die Möglichkeit bieten, unabhängig von Zeit und Ort nach potentiellen Partnern zu su-
chen. Vor allem die Dating-App Tinder, die vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin
Forbes als ,,The world´s hottest app" (zitiert nach Apple Inc., 2017) betitelt wurde, ge-
wann in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren weltweit mehrere Millionen Nut-
zer. Den weiblichen als auch männlichen Nutzern dieser App bietet sich sowohl die
Option, nach Partnern für eine feste Beziehung zu suchen als auch lediglich sexuellen
Kontakt herzustellen. Das Phänomen Tinder wird allerdings eher als oberflächliches
und kritisches Medium angesehen. Grundannahme hierfür liegt in der Kontaktaufnah-
me, die ausschließlich durch die Beurteilung von Fotos erfolgt. Bis heute gibt es aller-
dings wenige empirische Befunde zu Tinder.
Aus den bisherigen Darstellungen und der oben skizzierten aktuellen Popularität von
Tinder stellt sich hinsichtlich der zu betrachtenden Thematik die zentrale Frage nach
dem Nutzungsverhalten und den Motiven dahinter. Die heutigen Partnerwahlkriterien

10
junger Erwachsener stellen dabei ebenfalls einen zentralen Aspekt dieser Arbeit dar.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob geschlechtsspezifische Unterschiede hinsicht-
lich der Partnerwahl und der Nutzungshäufigkeit sowie -motive existieren und welche
Rolle dabei der Beziehungsstatus der Nutzer spielt. Des Weiteren ist herauszufinden, ob
die Nutzungsmotive und die Partnerwahlkriterien zu Kategorien zusammengefasst wer-
den können. Ziel dieser Studie ist es, anhand von Tinder herauszufinden, wie sich die
Nutzung dieser App gestaltet und nach welchen Kriterien heutzutage ein Partner ausge-
wählt wird. Weiterhin wird untersucht, ob diesbezüglich geschlechtsspezifische Diffe-
renzen und Unterschiede in Bezug auf den Beziehungsstatus existieren und ob sich den
Motiven und den Partnerwahlkriterien eine Struktur zuordnen lässt.
Zur Beantwortung dieser Fragen wird die vorliegende Arbeit zunächst ist in fünf Teile
gegliedert. Den Anschluss an die Einleitung bilden die theoretischen Grundlagen. Ziel
dieses Kapitels ist es, die Herleitung der zu überprüfenden Hypothesen der empirischen
Forschung verständlich zu machen und eine Grundlage für die Forschungsfragen zu
schaffen. Zudem werden Ausschnitte aus dem bisherigen Forschungsstand gegeben, um
daraus die zu untersuchenden Forschungshypothesen ableiten zu können. Der dritte Teil
setzt sich aus der angewandten Methodik zusammen. Darunter fallen eine genaue Be-
schreibung der Durchführung und des Untersuchungsdesigns, der Stichprobe, der ver-
wendeten Erhebungsinstrumente sowie eine kurze Beschreibung des statistischen Vor-
gehens. Im vierten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Forschung dargestellt.
Dazu werden die deskriptiven Statistiken sowie die Ergebnisse der
Hypothesentestungen präsentiert. Den Schluss bildet die Diskussion, die eine Beschrei-
bung der Limitationen dieser Studie, eine Interpretation der Ergebnisse sowie ein Fazit
mit anschließendem Forschungsausblick für zukünftige Untersuchungen beinhaltet.
2
Theoretischer Hintergrund
Zunächst ist es von Relevanz, die theoretischen Grundlagen näher zu erläutern, um ein
Basiswissen für die empirische Untersuchung dieser Arbeit zu schaffen. Insgesamt glie-
dern sich diese Grundlagen in sechs Teile. Sie sollen einen Überblick über die zu be-
handelnde Thematik geben. Die Gliederung orientiert sich dabei am Titel der Arbeit.
Im ersten Teil wird die Partnersuche in der Vergangenheit thematisiert (vgl. 2.1). Neben
einer Definition von sozialen Beziehungen wird auch die Partnerwahl aus evolutions-
psychologischer Sicht betrachtet. Weiterhin wird die Partnersuche am Beispiel des 19.

11
und 20. Jahrhunderts vorgestellt. Der zweite Teil befasst sich mit der Partnerwahl im
heutigen technologischen Zeitalter (vgl. 2.2). Es folgen zunächst eine Definition des
Online-Datings sowie eine Beschreibung der allgemeinen Partnerwahlpräferenzen jun-
ger Erwachsener. Ebenso werden diesbezüglich geschlechtsspezifische Differenzen auf-
geführt. Den Schluss dieses Teilbereichs bildet eine Erläuterung des Mobile Datings.
Der dritte Teil beschreibt die Dating-App Tinder (vgl. 2.3), ihre Geschichte und Funkti-
onsweise, die Nutzung sowie deren Motive. Im Anschluss daran folgt eine Erläuterung
der Rolle der physischen Attraktivität. Im vierten Teil werden mögliche Konsequenzen,
die sich aus der Nutzung medialer Partnersuche ergeben können, näher beleuchtet (vgl.
2.4). Der fünfte Teil der theoretischen Grundlagen bezieht sich auf die bisherige For-
schung der behandelten Thematik (vgl. 2.5), aus der im sechsten Teil die Forschungs-
hypothesen dieser Arbeit abgeleitet werden, die in der empirischen Forschung geprüft
werden (vgl. 2.6).
2.1
Partnersuche in der Vergangenheit
In allen Phasen der Menschheit hat der Mensch einen Partner gesucht, mit dem er sich
verbunden fühlt und eine Familie gründen kann. Die Art und Weise, wie ein Partner
gefunden wird und welche Funktionen eine Partnerschaft hat, hat sich in den letzten
Jahren einem erheblichen Wandel unterzogen. Aufgrund dessen ist es äußerst interes-
sant zu erfahren, wie sich Liebe und auch die Suche nach einem Partner früher gestalten
ließ. Zunächst ist es wichtig zu klären, was unter dem Begriff einer sozialen Beziehung
sowie einer Liebesbeziehung zu verstehen ist. Letzteres ist in der vorliegenden Arbeit
von Relevanz.
Eine soziale Beziehung zwischen zwei Personen besteht, wenn ein mehrfacher gemein-
samer Kontakt besteht und somit zeitgleich interagiert und kommuniziert wird (Döring,
2003). Zwischenmenschliche Beziehungen existieren in vielen verschiedenen Kontexten
wie beispielsweise in der Nachbarschaft, im Sportverein oder im Beruf. Nach der Theo-
rie von Baumeister und Leary (1995) sind Menschen als soziale Wesen dazu geboren,
soziale Beziehungen zu suchen, zu formen, zu pflegen sowie zu beschützen. Da Men-
schen einer sozialen Gemeinschaft angehören, helfen diese Beziehungen, sich nicht al-
leine zu fühlen. Baumeister und Leary (1995) beschreiben Beziehungen als natürliches
Bedürfnis des Menschen, das befriedigt werden muss. An dieser Stelle kann die Be-
dürfnishierarchie nach dem Humanisten Abraham Maslow (1943) zum Verständnis her-
angezogen werden. Diese Theorie dient auch als Grundlage für das Motivationskonzept

12
des Menschen, einen Partner zu finden. Maslow (1943) ist der Überzeugung, dass jeder
Mensch über grundlegende Bedürfnisse verfügt, die es zu befriedigen gilt, um eine ge-
sunde Entwicklung zu erreichen. Diese Bedürfnisse sind pyramidenartig in fünf Stufen
angeordnet. An erster Stelle der Pyramide stehen die biologischen Bedürfnisse, unter
die beispielsweise die Sexualität fällt. Die zweite Stufe beinhaltet das Bedürfnis nach
Sicherheit. Die dritte und in diesem Kontext relevanteste Stufe beschreibt das Bedürfnis
nach Bindung, Zusammengehörigkeit und zu lieben und geliebt zu werden. Die vorletz-
te Ebene setzt sich aus dem Bedürfnis nach Wertschätzung zusammen. Die fünfte und
höchste Stufe beschreibt die Selbstverwirklichung des Individuums (Maslow, 1943).
Bevor allerdings eine höhere Ebene erreicht werden kann, müssen zunächst die Bedürf-
nisse der vorherigen Stufe befriedigt werden (Chapman, 2011).
Laut Zimbardo und Gerrig (2008) lässt sich die in Ebene drei dargestellte zwischen-
menschliche Anziehung unter anderem durch Nähe, physische Attraktivität, Ähnlichkeit
und Reziprozität definieren. Um einen Vergleich zur heutigen modernen Partnersuche
zu erhalten, wird im Folgenden die Partnersuche aus vergangener Sicht thematisiert.
Dabei werden sowohl evolutionspsychologische Ansätze zur Partnerwahl als auch die
Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts näher beschrieben.
2.1.1
Evolutionärer Ansatz zur Partnerwahl
Die evolutionäre Auslese hat in vielen Bereichen das menschliche Leben und Handeln
beeinflusst. Aus der Sicht der allgemeinen Evolutionstheorie verändern sich alle Orga-
nismen auf der Erde aufgrund einer Anpassung an die Umwelt (Frost, 2012). Im Prozess
der Partnersuche, auch intersexuelle Selektion genannt, wird ein Partner für eine längere
oder kürzere Zeitperiode auserwählt (Frost, 2012). Dieser hat grundsätzlich ein alleini-
ges Recht auf die Fortpflanzung und kann somit seine Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass
er die eigenen Gene an die nachfolgende Generation weitergeben kann. Dieser Erfolg
bei der Fortpflanzung wird durch die Fitness
1
eines Lebewesens bestimmt (Aronson,
Wilson & Akert, 2014). Hierbei spielt auch die Selektion durch den Sexualpartner eine
zentrale Rolle. Dieser hat spezifische Präferenzen im Hinblick auf bestimmte Merkmale
und Eigenschaften des Partners, die besonders für Stärke, Gesundheit und gute Gene
stehen (Frost, 2012). Mit der Zeit werden somit die populären Merkmale selektiert und
1
Aronson, Wilson und Akert (2014) definieren Fitness als die Fähigkeit, seine eigenen Gene an die fol-
gende Generation weiterzugeben.

13
in der Population verbreitet. Eigenschaften, die sich bei der Fortpflanzung nicht durch-
setzen können, gehen nach einiger Zeit in der Bevölkerung verloren (Frost, 2012). Auf-
grund dessen haben das Aussehen und die Beziehungen heutiger Lebewesen, unter an-
derem des modernen Menschen (Homo sapiens), ihren Ursprung in der evolutionären
Geschichte (Zrzavý, Storch, Mihulka, Burda & Begall, 2009). Viele Verhaltensweisen
und Merkmale sind das Ergebnis einer Anpassung vergangener Generationen (Frost,
2012).
Auch im Hinblick auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Partnerwahl existie-
ren interessante Vorhersagen aus evolutionspsychologischer Perspektive. Diese geht
davon aus, dass Frauen und Männer unterschiedliche Ziele verfolgen, da sie unter-
schiedliche Rollen während und auch nach der Fortpflanzung einnehmen (Aronson et
al., 2014). Da für Frauen die Erzeugung von Nachkommen sehr viel Zeit, Kraft und
Mühe kostet, suchen sie sich sorgfältig einen geeigneten Partner und Zeitpunkt aus und
paaren sich weniger häufig. Für sie ist die Fortpflanzung ein ernstzunehmendes Thema.
Neben Belastungen und Risiken der Schwangerschaft tragen Frauen in der Regel auch
die Hauptverantwortung für die Fürsorge ihrer Nachkömmlinge (Aronson et al., 2014).
Der Fortpflanzungserfolg wird für sie demnach in einer erfolgreichen Aufzucht erfasst,
der sich teilweise aufgrund der hohen Kosten und Gewährleistung des Überlebens
schwierig gestalten lässt. Dagegen ist die Fortpflanzung für Männer von einem kurzfris-
tigen und kostengünstigen Einsatz geprägt. Für sie liegt der Fortpflanzungserfolg im
Gegensatz zu den Frauen in einer großen Anzahl an Paarungen mit vielen Weibchen.
Die Quantität der Nachfahren soll so die Menge an überlebenden Jungen maximieren
(Aronson et al., 2014).
Ein weiterer relevanter evolutionärer Ansatz zur Entscheidung für einen bestimmten
Partner liegt in der Darstellung der eigenen äußeren Hinweisreize, also Aspekte einer
Person, die sie attraktiv erscheinen lassen (Aronson et al., 2014). Auch hier existieren
geschlechtsspezifische Differenzen. Frauen werden eher nach Männern suchen, die be-
rufliche und wirtschaftliche Leistungen aufweisen, um die benötigte Unterstützung und
Ressourcen für die Aufzucht zu erhalten. Männer dagegen werden auf das körperliche
Aussehen von Frauen reagieren, weil Alter und Gesundheit Indizien für die Fortpflan-
zungsfähigkeit darstellen (Buss, 1989). Viele Studien konnten diese Vorhersagen des
Psychologen David M. Buss bestätigen, worauf in Punkt (vgl. 2.2.3) näher eingegangen
wird.

14
Da im empirischen Teil dieser Arbeit die Partnersuche im 21. Jahrhundert untersucht
wird, ist es erforderlich, die Entwicklung der Partnerschaft im Laufe der Jahrhunderte
zu betrachten, um zu erkennen, dass mit diesen Veränderungen erst die Möglichkeiten
der modernen Partnersuche geschaffen wurden. Im Folgenden wird die Partnersuche am
Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts näher beleuchtet.
2.1.2
Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts
Die Rollenverteilung von Mann und Frau veränderte sich im 19. Jahrhundert stark, so-
dass eine freie und ungebundene Suche nach einem Partner nicht denkbar war. Aus ei-
nem partnerschaftlichen Verhältnis von Frauen und Männern im 18. Jahrhundert entwi-
ckelte sich ein Unterordnungsverhältnis, bei dem das männliche Geschlecht eine domi-
nierende Rolle einnahm (Spree, 2011). Hauptsächlich ging der Mann arbeiten, um den
finanziellen Hintergrund der Familie zu sichern. Die Aufgaben der Frau bestanden da-
rin, sich um den Haushalt zu kümmern, ihren Partner zu unterstützen sowie sich um die
Erziehung der Kinder zu kümmern. Frauen wurden von gesellschaftlichen und vor allem
politischen Mitwirkungen ausgeschlossen (Budde, 1994). Diese Faktoren stellten für sie
eine große Schwierigkeit dar, in ihrer untergeordneten Rolle ein festes Selbstwertgefühl
zu entwickeln. Hinzu wirkte der Aspekt erschwerend, dass ein Altersunterschied zwi-
schen zehn und 15 Jahren bei der Eheschließung zu dieser Zeit die Regel darstellte (Ro-
senbaum, 1982). Der Grund hierfür lag primär im Wunsch der Eltern: Der potentielle
Partner ihrer Tochter sollte über ein gewisses Maß an Lebenserfahrung verfügen, über
das junge Frauen aufgrund ihrer strikten Einbindung in den Haushalt nicht verfügen
konnten (Rosenbaum, 1982). Zu dieser Zeit galt die Ehe dementsprechend als Mittel
zum Zweck und wurde stark durch äußere Komponenten beeinflusst, im Gegensatz zu
einer Partnerschaft, die einer bedingungslosen Liebe zugrunde liegt. Die soziale und
rechtliche Unterdrückung von Frauen traf am Ende des 19. Jahrhunderts erstmals auf
Widerstand. Dieser wurde allerdings durch den ersten Weltkrieg und den Nationalsozia-
lismus vor allem in Deutschland zunächst unterdrückt (Spree, 2011).
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Stimmen der Bewegung lauter und
Frauen forderten neben der klassischen Rolle innerhalb der Familie immer mehr gesell-
schaftliche Rechte. Des Weiteren wurde den Frauen durch die Entwicklung von techni-
schen Geräten das alltägliche Leben im Haushalt erleichtert, sodass sie nun mehr Zeit
für sich gewinnen konnten und aktiver wurden (Augst & Lendzian, 2010). Frauen fin-
gen an, mit Freundinnen auszugehen, mit denen sich die Möglichkeit ergab, bei Aktivi-

15
täten wie einem Besuch im Eiscafé oder bei einer Tanzveranstaltung Personen vom an-
deren Geschlecht kennen und später, bei gutem Verstehen, auch lieben zu lernen (Agen-
tur belmedia GmbH, 2012). Die Möglichkeit der konkreten Suche nach einem Partner
im Internet war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Der erste Kontakt fand somit im
echten Leben statt, wodurch das Gegenüber direkt kennengelernt werden konnte. Die
heutige technologisch geprägte Partnersuche, die häufig online stattfindet, bietet diese
Möglichkeit nicht.
2.2
Partnersuche im technologischen Zeitalter
Dieser Teil der theoretischen Grundlagen, der zur Beantwortung der Kernfrage der em-
pirischen Forschungsarbeit notwendig ist, befasst sich mit dem zentralen Thema dieser
Arbeit ­ der Partnersuche im 21. Jahrhundert bei jungen Erwachsenen. In den vergan-
genen zwanzig Jahren ist die Anzahl der Singles in Deutschland kontinuierlich gestie-
gen. Laut Statista GmbH gibt es 2015 ca. 16.875.000 Einpersonenhaushalte. Mit dem
Aufkommen der Emanzipation der Frau bekommt die Partnerwahl einen neuen gesell-
schaftlichen Stellenwert. Einen nicht unwesentlichen Aspekt spielt dabei aber auch die
Entwicklung und Bedeutung des Internets, dessen wesentliche Merkmale seine Ge-
schwindigkeit und Dynamik darstellen (Döring, 2003). Das Internet ist nicht nur ein
weltumspannendes Datennetz, sondern auch ein weit verbreitetes Kommunikationsmit-
tel geworden. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich die Möglichkeit, einen Partner
kennenzulernen, auf das Prinzip der mediatisierten Partnersuche übertragen hat (Döring,
2003). Doch was bedeutet es, jemanden zu lieben und geliebt zu werden? Laut Stern-
berg (1986) lassen sich Liebesformen in drei Komponenten unterteilen: Intimität
(intimacy), Leidenschaft (passion) und Verbindlichkeit (commitment) (siehe Abbildung
1). Primär basiert eine kameradschaftliche Liebe auf der Intimität und Verbindlichkeit,
wobei dagegen bei der Vernarrtheit lediglich die Leidenschaft dominiert (Döring, 2003).

16
Abbildung 1: Dreiecksmodell der Liebe nach Sternberg (eigene Darstellung nach Döring, 2003)
In den folgenden Kapiteln werden zunächst der Begriff und die Definition des Online-
Datings näher erläutert. Daraufhin folgen die relevanten theoretischen Grundlagen der
Partnerpräferenzen bei jungen Erwachsenen. Darüber hinaus werden geschlechtsspezifi-
sche Unterschiede im Hinblick auf die Partnerwahl aufgegriffen, um einen Bezug zu
den Hypothesen dieser Arbeit herzustellen. Abschluss dieses Kapitels bildet die Erläute-
rung der Partnersuche 2.0 ­ das sogenannte Mobile-Dating.
2.2.1
Begriffsbestimmung und Definition von Online-Dating
Als Online-Dating oder auch Internet-Dating wird eine internetgestützte Form der Kon-
taktaufnahme bezeichnet (Skopek, 2012). Dieser Neologismus wird auch im deutschen
Sprachraum verwendet, da sich eine eindeutige Übersetzung schwierig gestaltet. Dabei
bezeichnet das amerikanische Wort Dating einen zwischenmenschlichen
Kennenlernprozess, der auf eine Bereitschaft zur Annäherung zielt (Pflitsch, Wiechers
& Moucha, 2015). Der Begriff Online fügt lediglich hinzu, dass dieser Prozess über das
Internet stattfindet (Skopek, 2012). Mit Hilfe von spezialisierten Webseiten wie zum
Beispiel Online-Kontaktbörsen wird somit der Prozess des zwischenmenschlichen
Kennenlernens erleichtert (Skopek, 2012). Bevor sich die Nutzer also Face-to-Face (in
einer realen Situation am selben Ort) treffen, haben sie so die Möglichkeit, über das
Dating-Portal zu interagieren (Finkel, Eastwick, Karney, Reis & Sprecher, 2012). Men-
schen suchen dabei meist einen Partner für eine intime Beziehung, sei es ein Freizeit-,
Sympathie
Vernarrt-
heit
vollendete
Liebe
leere Liebe
Intimität
Verbindlichkeit
romantische
Liebe
Leidenschaft
Kameradschaft-
liche Liebe

17
Lebens- oder auch Sexualpartner. Das Gegenteil zum Online-Dating bildet das soge-
nannte Offline-Dating, bei der auf herkömmliche Weise ein potentieller Partner in rea-
len Alltagssituationen und nicht über das Internet kennengelernt wird (Finkel et al.,
2012). Über 30 % aller Beziehungen entstehen heute online, wobei 16,4 % aller Ehen
ihren Ursprung im Internet haben (Pflitsch et al., 2015). Online-Dating ist somit zu ei-
ner normalen Möglichkeit geworden, um neue Bekanntschaften zu schließen (Whitty &
Carr, 2006).
Eine mittlerweile große Verfügbarkeit von Internetzugängen in der modernen Gesell-
schaft hat die technologische Grundlage für die online-gestützte Partnersuche geschaf-
fen. Die Möglichkeit, online nach Partnern zu suchen, gehört also immer mehr zur All-
tagsrealität und wird von einer stetig steigenden Anzahl an Internetnutzern genutzt. Laut
Statista GmbH beläuft sich 2015 die Anzahl der aktiven Nutzer von Online-Dating auf
8,4 Millionen Menschen. So wird die Online-Partnersuche neben den herkömmlichen
Methoden zu einer neuen Gelegenheitsstruktur für Singles (Bühler-Ilieva, 2006). Die
spezifischen Web-Plattformen dienen daher als digitale Partnermärkte, ,,(...) da sie Po-
pulationen von Suchenden bündeln und entsprechende Möglichkeiten zur Herstellung
von Kontaktbeziehungen bereitstellen" (Skopek, 2012, S. 30). Bereits 2007 soll es
2.700 Dating-Seiten gegeben haben, auf denen über die Hälfte der Nutzer auf der Suche
nach einer festen Partnerschaft waren und aufgrund dessen auch bereit sind, für diese
Dienste Gebühren zu bezahlen (Geser, 2007).
Betrieben werden diese Online-Kontaktbörsen meist von kommerziell ausgerichteten
Unternehmen (Skopek, 2012). Pflitsch et al. (2015) klassifizieren diesbezüglich drei
wesentliche Dimensionen von Online-Dating-Angeboten: die Technik, z. B. Vermitt-
lungsverfahren oder Kontaktanzeigen zum Selbstsuchen; die Zielgruppe, z. B. Sexkon-
takte, Lebenspartner oder Flirts; und das Preismodell, z. B. Flatrates, kostenfrei, werbe-
finanziert oder Zahlung pro Aktion.
Das größte und bedeutendste Marktsegment ist laut Pflitsch et al. (2015) das klassische
Kontaktanzeigen-Portal wie beispielsweise Friendscout24, auf dem hauptsächlich 25­
50 Jahre alte Nutzer auf eine lockere Art mittels eines eigens erstellten Inserats nach
Flirts oder Dates suchen. Eine Weiterentwicklung der Idee der Online-
Partnervermittlung wie z. B. Parship.de oder Elitepartner.de setzt sich als zweitgrößtes
Marktsegment durch. Hier werden durch einen Eingangstest Persönlichkeitsmerkmale
gemessen, anhand derer eine Vorauswahl passender Partnervorschläge getroffen und für

18
die Nutzer als Unterstützung angezeigt wird. Vor allem befinden sich hier Singles über
30 Jahre (Pflitsch et al., 2015). Weitere Marktsegmente bilden die Nischenanbieter, die
sich auf spezifische Populationen wie religiöse oder behinderte Singles fokussieren
(z. B. handicap-love.de) und das Adult-Dating, bei der die Suche auf erotische Kontakte
ausgerichtet ist (Pflitsch et al., 2015). Trotz der Vielzahl an Angeboten und Unterschie-
den bleibt bei allen Portalen die Registrierung, die Erstellung eines Nutzerprofils sowie
eine Kontaktanbahnung mittels textbasierter Kommunikation erhalten (Skopek, 2012).
Vorteile des Online-Datings liegen besonders in der Unabhängigkeit von Raum und
Zeit, in der Anonymität der Nutzer sowie in einer großen Auswahl an potenziellen Part-
nern (Aretz, Demuth, Schmidt & Vierlein, 2010). Nutzer können demnach überall wo
sie Internet besitzen zu einer großen Anzahl an Singles Kontakt aufnehmen und darüber
hinaus entscheiden, welche persönlichen Daten sie von sich preisgeben möchten. Dabei
ist es irrelevant, welchen soziodemographischen und soziokulturellen Hintergrund sie
haben.
Valkenburg und Peter (2007) sowie McKenna, Green und Gleason (2002) beschreiben
Online-Dating-Nutzer als schüchtern, wenig äußerlich attraktiv, sozial ängstlich und
einsam, wobei andere Befunde zeigen, dass sie gesellig sind (Brym & Lenton, 2001)
und ein hohes Selbstvertrauen haben (Kim, Kwon & Lee, 2009). Die zwei stärksten
Prädiktoren für die Nutzung von Dating-Portalen liegen dabei in der Nutzung des Inter-
nets sowie gleichzeitig im Single-sein (Sautter, Tippett & Morgan, o.J.). Ebenso wird
nach einer Trennung oder einem Umzug häufig auf Online-Dating-Seiten zugegriffen.
Darüber hinaus nehmen vor allem alleinerziehende Personen oder Personen, die viel
arbeiten das Angebot des Online-Datings wahr (James, 2015).
2.2.2
Präferenzen bei der Partnerwahl
Neben der Art und Weise, wie Menschen ihren Partner suchen, besteht ein weiterer re-
levanter Fokus auf den Kriterien bzw. Präferenzen
2
, anhand derer Männer und Frauen
ihren potenziellen Partner auswählen. Der Begriff der Partnerwahl bezeichnet hier das
Ziel eines zwischenmenschlichen Prozesses, aus einer Population einen möglichst opti-
malen Partner zu erhalten (Neuwirth, 2008).
2
Laut Wood und Brumbaugh (2009) sind Präferenzen im Hinblick auf die Partnerwahl Eigenschaften
eines Menschen, von denen sich andere Individuen angezogen fühlen.

19
Die Wahl eines Partners kann durch viele verschiedene Faktoren wie beispielsweise
eigene Vorlieben, die Erreichbarkeit von Partnern oder durch die Einstellung der Eltern
beeinflusst werden (Neuwirth, 2008). Generell neigen Menschen dazu, sich zu einer
anderen Person hingezogen zu fühlen, wenn diese räumlich nahe ist und ein häufiger
Kontakt zueinander besteht (Zimbardo & Gerrig, 2008). Weiterhin zeigen Belege zu
dem Sprichwort Gleich und gleich gesellt sich gern, dass die Ähnlichkeit von Personen
im Hinblick auf Einstellung, Alter, Religion, physische Attraktivität oder Freizeitinte-
ressen etc. die Entstehung von Sympathien deutlich prägt (Neuwirth, 2008). Einer die-
ser Belege stammt von Dijkstra und Barelds (2008), bei denen Menschen den Ergebnis-
sen nach einen Partner suchen, der ihnen in Bezug auf ihre eigene Persönlichkeit ähnelt,
was ebenfalls mit der Zufriedenheit und Dauer von Ehen korreliert. Diese Paarbildung
aus alltagspsychologischer Sicht wird in der Wissenschaft als gerichtete Partnerwahl
bezeichnet (Klopp, o.J.). Diese kann einer Person das Gefühl von persönlicher Bestäti-
gung vermitteln, während Unähnlichkeit oft zu starker Abneigung führt (Zimbardo &
Gerrig, 2008). Der Ansatz der Komplementarität, der sich auf das Sprichwort Gegensät-
ze ziehen sich an bezieht, macht hingegen deutlich, dass auch komplementäre Eigen-
schaften einer Person, sprich Eigenschaften, die eine andere Person besitzt, und die man
selbst gerne besäße, attraktiv finden kann. So zum Beispiel sucht eine hilflose Person
eher nach einem Partner, der ihm Schutz und Halt gewährt (Neuwirth, 2008). Diese
Partnerwahl wird in der Wissenschaft als assortative Partnerwahl bezeichnet (Klopp,
o.J.). Ferner besagt das Prinzip der Reziprozität, dass Menschen häufig dazu tendieren,
diejenigen Menschen zu mögen, von denen sie glauben, auch gemocht zu werden
(Zimbardo & Gerrig, 2008). Ebenso spielt bei der Selektion von Kontaktpartnern die
Bedeutung des Bildungsniveaus eine entscheidende Rolle. Gerade vor dem Hintergrund
des Online-Datings dient die Bildung als ein wichtiges Signalkriterium, da aufgrund der
Anonymität eine viel größere Unsicherheit besteht und weniger Informationen zur Ver-
fügung stehen als im Alltag (Skopek, 2012). Ein weiterer interessanter Befund nach
Roberts et al. (2005) und Thornhill et al. (2003) zeigt die Bedeutung des Körpergeruchs
bei der Partnerwahl. Neben dem visuellen Sinn gibt der Geruch Auskunft über den
Gesundheitszustand sowie das Immunsystem des Gegenübers.
Da im Kontext dieser empirischen Arbeit Geschlechtsunterschiede eine zentrale Rolle
spielen, werden diese im darauffolgenden Kapitel hinsichtlich weiterer Partnerwahlkri-
terien getrennt betrachtet.
Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Tinder-Studie zur Partnersuche bei jungen Erwachsenen im 21. Jahrhundert
Untertitel
Wie hat sich die Partnerwahl über die Zeit verändert und welche Auswirkungen haben Apps wie "Tinder"
Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
89
Katalognummer
V374767
ISBN (eBook)
9783668533264
ISBN (Buch)
9783668533271
Dateigröße
1708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dating, Tinder, Partnersuche, 21. Jahrhundert, Junge Erwachsene, Studie, Partner, Beziehung
Arbeit zitieren
Carolin Jacobs (Autor), 2017, Tinder-Studie zur Partnersuche bei jungen Erwachsenen im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374767

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