Diese Fragebogenstudie im Querschnittsdesign untersucht das Nutzungsverhalten und die dahinterliegenden Motive sowie die Partnerwahlkriterien junger Erwachsener im 21. Jahrhundert als Nutzer der Dating-Applikation Tinder. Die Grundlage dieser empirischen Arbeit besteht in dem Gedanken, dass sich die Nutzungshäufigkeit und -motive sowie die Partnerwahlkriterien hinsichtlich des Geschlechts und des Beziehungsstatus der Nutzer unterscheiden. Darüber hinaus besteht die Annahme, dass den Nutzungsmotiven und Partnerwahlkriterien eine faktorielle Struktur zugewiesen werden kann. Die Stichprobe besteht aus 47 Tinder-Nutzern im Alter von 18–33 Jahren. Die Rekrutierung erfolgte online über das soziale Netzwerk Facebook. Für die Datenerhebung wird ein eigens konzipierter Fragebogen erstellt, der sowohl die Tinder-Nutzung und die dahinterliegenden Motive als auch die Partnerwahlkriterien erfasst. Um mögliche Probanden mit der Neigung zu sozial erwünschten Antworten zu vermeiden, wurde der Fragebogen durch eine Lügenskala auf Basis einer Modifikation der SozialenErwünschtsheitsSkala17 nach Stöber ergänzt. Für die Prüfung der Hypothesen werden t-Tests für unabhängige Stichproben, einfaktorielle Varianzanalysen sowie explorative Faktoranalysen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass signifikante Unterschiede für manche Nutzungsmotive sowie für einige Partnerwahlkriterien im Hinblick auf das Geschlecht und den Beziehungsstatus vorliegen. Den Nutzungsmotiven konnte darüber hinaus eine faktorielle Struktur mit vier Faktoren zugewiesen werden, wobei dies bei den Partnerwahlkriterien nicht möglich war.
Warum suchen die meisten Menschen ihr Leben lang nach einem geeigneten Partner? Die menschliche Natur ist so geschaffen, dass wir nur dann überleben können, wenn sich Mann und Frau vereinigen und sich fortpflanzen. Im Wandel der Zeit und besonders durch die Expansion des Internets hat sich die Partnersuche über die Jahre erheblich verändert. Unabhängig ob iPhone, Android oder Windows Phone; Smartphones bieten heutzutage eine Vielzahl an Möglichkeiten, um sich mit anderen Menschen zu vernetzen. Gerade bei jungen Erwachsenen sind diese Möglichkeiten aus dem alltäglichen Leben nicht mehr weg zu denken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Partnersuche in der Vergangenheit
2.1.1 Evolutionärer Ansatz zur Partnerwahl
2.1.2 Partnersuche am Beispiel des 19. und 20. Jahrhunderts
2.2 Partnersuche im technologischen Zeitalter
2.2.1 Begriffsbestimmung und Definition von Online-Dating
2.2.2 Präferenzen bei der Partnerwahl
2.2.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Partnerwahl
2.2.4 Partnersuche 2.0 – Mobile-Dating
2.3 Dating-Applikation Tinder
2.3.1 Geschichte und Funktion
2.3.2 Nutzungsverhalten und -motive
2.3.3 Physische Attraktivität
2.4 Risiken und Konsequenzen medialer Partnersuche
2.5 Bisherige Forschung
2.6 Forschungsfragen und Hypothesen
3 Methodik
3.1 Untersuchungsdesign und Durchführung der Datenerhebung
3.2 Stichprobe
3.3 Erhebungsinstrumente
3.3.1 Tinder-Nutzung und Nutzungsmotive
3.3.2 Partnerwahlkriterien
3.3.3 Lügenskala auf Basis der SES-17
3.3.4 Demographische Daten
3.4 Datenanalyse
4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Statistiken
4.2 Beantwortung der Forschungshypothesen
4.2.1 Ergebnisse der ersten Hypothese
4.2.2 Ergebnisse der zweiten Hypothese
4.2.3 Ergebnisse der dritten Hypothese
4.2.4 Ergebnisse der vierten Hypothese
4.2.5 Ergebnisse der fünften Hypothese
4.2.6 Ergebnisse der sechsten Hypothese
5 Diskussion
5.1 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
5.2 Limitationen der Studie
5.3 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das Nutzungsverhalten, die Motive sowie die Partnerwahlkriterien junger Erwachsener bei der Nutzung der Dating-App Tinder, unter besonderer Berücksichtigung von Geschlechtsunterschieden und Beziehungsstatus.
- Analyse des Nutzungsverhaltens von Tinder-Anwendern im Alter von 18-35 Jahren.
- Erforschung geschlechtsspezifischer Differenzen bei Nutzungsmotiven und Partnerwahl.
- Einfluss des Beziehungsstatus auf die Intensität und Absicht der App-Nutzung.
- Identifikation faktorieller Strukturen hinter Nutzungsmotiven und Partnerwahlkriterien.
- Methodische Anwendung einer modifizierten Lügenskala zur Kontrolle sozialer Erwünschtheit.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Evolutionärer Ansatz zur Partnerwahl
Die evolutionäre Auslese hat in vielen Bereichen das menschliche Leben und Handeln beeinflusst. Aus der Sicht der allgemeinen Evolutionstheorie verändern sich alle Organismen auf der Erde aufgrund einer Anpassung an die Umwelt (Frost, 2012). Im Prozess der Partnersuche, auch intersexuelle Selektion genannt, wird ein Partner für eine längere oder kürzere Zeitperiode auserwählt (Frost, 2012). Dieser hat grundsätzlich ein alleiniges Recht auf die Fortpflanzung und kann somit seine Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass er die eigenen Gene an die nachfolgende Generation weitergeben kann. Dieser Erfolg bei der Fortpflanzung wird durch die Fitness eines Lebewesens bestimmt (Aronson, Wilson & Akert, 2014). Hierbei spielt auch die Selektion durch den Sexualpartner eine zentrale Rolle. Dieser hat spezifische Präferenzen im Hinblick auf bestimmte Merkmale und Eigenschaften des Partners, die besonders für Stärke, Gesundheit und gute Gene stehen (Frost, 2012). Mit der Zeit werden somit die populären Merkmale selektiert und in der Population verbreitet. Eigenschaften, die sich bei der Fortpflanzung nicht durchsetzen können, gehen nach einiger Zeit in der Bevölkerung verloren (Frost, 2012). Aufgrund dessen haben das Aussehen und die Beziehungen heutiger Lebewesen, unter anderem des modernen Menschen (Homo sapiens), ihren Ursprung in der evolutionären Geschichte (Zrzavý, Storch, Mihulka, Burda & Begall, 2009). Viele Verhaltensweisen und Merkmale sind das Ergebnis einer Anpassung vergangener Generationen (Frost, 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der digitalen Partnersuche ein und umreißt die Relevanz der App Tinder für junge Erwachsene, während sie gleichzeitig die Forschungsfrage nach den Motiven und dem Nutzungsverhalten definiert.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung durch die Betrachtung historischer Partnersuche, evolutionärer Ansätze, moderner digitaler Dating-Konzepte und spezifischer Tinder-Mechanismen sowie der bisherigen Forschungslage.
3 Methodik: Hier wird das quantitative Untersuchungsdesign erläutert, welches eine Online-Befragung mittels eines eigens konzipierten Fragebogens und einer integrierten Lügenskala umfasst.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren deskriptive Daten sowie die inferenzstatistische Hypothesenprüfung, wobei signifikante Unterschiede hinsichtlich Geschlecht und Beziehungsstatus aufgezeigt werden.
5 Diskussion: Abschließend werden die erhobenen Daten interpretiert, in den bestehenden Forschungskontext eingeordnet, die Limitationen der Studie dargelegt und ein Fazit für zukünftige Untersuchungen gezogen.
Schlüsselwörter
Tinder, Mobile-Dating, Online-Dating, Partnersuche, Nutzungsmotive, Partnerwahlkriterien, Geschlechtsunterschiede, Beziehungsstatus, Selbstwertbestätigung, Querschnittstudie, Fragebogen, Sozialer Erwünschtheit, Faktorenanalyse, Impression Management, junge Erwachsene
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Verhalten junger Erwachsener bei der Nutzung der Dating-App Tinder und untersucht dabei, welche Motive und Partnerwahlkriterien für die Nutzer ausschlaggebend sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder umfassen die Evolution der Partnerwahl, die Auswirkungen digitaler Mediatisierung auf soziale Beziehungen und die spezifischen Interaktionsmuster innerhalb von Mobile-Dating-Applikationen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob sich Nutzungshäufigkeit, Motive und Präferenzen bei der Partnerwahl signifikant zwischen den Geschlechtern oder in Abhängigkeit vom Beziehungsstatus unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Es wurde ein quantitatives Querschnittsdesign gewählt, bei dem mittels einer Online-Fragebogenstudie Daten von Tinder-Nutzern erhoben und anschließend mittels t-Tests, Varianzanalysen und explorativer Faktorenanalyse ausgewertet wurden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den theoretischen Grundlagen der Partnersuche, der Geschichte und Funktionsweise von Tinder, der Rolle physischer Attraktivität sowie der empirischen Überprüfung verschiedener Hypothesen anhand der Stichprobendaten.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Mobile-Dating, Nutzungsmotive, Partnerwahlkriterien, Selbstwertbestätigung und die Anwendung von Faktorenanalysen im Kontext der digitalen Selbstdarstellung.
Warum spielt die Lügenskala eine so wichtige Rolle in der Methodik?
Da Partnersuche und Selbstdarstellung stark von sozialer Erwünschtheit beeinflusst sind, wurde die Skala genutzt, um Probanden mit Antworttendenzen zu filtern und so die Datenqualität zu erhöhen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Tinder-Nutzung durch Liierte?
Die Studie deutet darauf hin, dass Tinder von bereits liierten Personen primär als Instrument zur Erzielung von Bestätigung genutzt wird, was Fragen nach der Beziehungszufriedenheit aufwirft.
- Quote paper
- Carolin Jacobs (Author), 2017, Tinder-Studie zur Partnersuche bei jungen Erwachsenen im 21. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374767