In der folgenden wissenschaftlichen Arbeit wird zunächst abweichendes Verhalten charakterisiert und im Anschluss daran, mithilfe von Ansätzen von Cohen und Thrasher versucht, eine Erklärung für das Auftreten dieser Verhaltensweisen und die Entstehung von jugendlichen Banden zu finden. Abschließend werden Präventions- und Interventionsmöglichkeiten beleuchtet und in einen Zusammenhang mit der zukünftigen Entwicklung gebracht. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, ob es sichere Möglichkeiten gibt, Gewalt bei Jugendlichen zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.
Mit steigender Häufigkeit erfährt man durch die Medien, dass sich Lehrkräfte über Schülerinnen und Schüler beschweren, welche sich durch mangelnde Disziplin, auffälliges Verhalten und durch ein hohes Gewaltpotential auszeichnen. Der gerade genannte Habitus wird oft als „Problemverhalten“ bezeichnet und beschreibt eine Wahrnehmung, welche auf Subjektivität fußt und je nach Person unterschiedlich bewertet wird.
Dieses hohe Gewaltverhalten spielt sich jedoch nicht nur in der Schule ab, sondern manifestiert sich unter anderem auch in kriminellen Übergriffen von jugendlichen Banden. Als aktuelles Beispiel lässt sich die Jahreswende von 2015 auf 2016 mit den Vorkommnissen in Köln nennen. Hierbei wurden Banden, bestehend aus jungen Männern, gewalttätig gegenüber Frauen. Genannte Angriffe sind, in Banden organisierten, Kriminellen zuzuordnen.
Gliederung
1. Hinführung
2. Definitionen
2.1. Subkultur
2.2. Abweichendes Verhalten/Devianz
3. Klassische Ansätze als Erklärungsversuche für abweichendes Verhalten
3.1. Subkulturtheorie nach Cohen
3.2. The Gang nach Thrasher
3.3. Bewertung und Würdigung der theoretischen Konstrukte
4. Prävention
4.1. Soziale Kontrolle
4.2. Prävention durch Sozialarbeit
4.3. Soziale Interventionen
4.4. Bewertung
5. Ausblick/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe steigender Jugendkriminalität, indem sie theoretische Erklärungsmodelle zur Entstehung abweichenden Verhaltens analysiert und darauf aufbauend präventive sowie intervenierende Maßnahmen der Sozialarbeit diskutiert.
- Theoretische Grundlagen abweichenden Verhaltens und Subkulturtheorien
- Analyse der Ansätze von Albert K. Cohen und Frederic M. Thrasher
- Soziale Kontrolle als Instrument zur Delinquenzprävention
- Strategien der Sozialarbeit und Gewaltpräventionsmodelle wie „Faustlos“
- Prognostische Einschätzungen zur Entwicklung der Jugendkriminalität
Auszug aus dem Buch
3.1. Subkulturtheorie nach Cohen
In den Grundzügen beschreibt die Subkulturtheorie nach Cohen eine gemeinschaftliche Antwort auf Probleme bei der Anpassung, welche sich durch unterschiedliche Lebenslagen bilden und für die eine bereits vorhandene Kultur keine angemessenen Lösungsmöglichkeiten bietet oder bieten kann. Hierbei beschreibt Cohen eine „Basis-Subkultur“ (ebd., S. 153), welche mit der höchsten Häufigkeit auftritt und welche als „negativistisch, non-utilitaristisch und bösartig“ (ebd., S. 157) zu verstehen ist. Zudem nennt Cohen fünf weitere Arten, die er nach den jeweiligen Delikten aufteilt. Grundstein seiner Überlegungen ist, dass Jugendliche die vorgegebenen Standard-Werte, welche auf die Mittelschicht ausgerichtet sind, nicht erreichen und deshalb permanent versuchen, diese Angleichungsproblematik zu lösen. Diese Bemühungen bilden den Ausgangspunkt der Theorie nach Cohen, welche voranstellt, dass das Handeln aller Menschen, eine Reihe von Anstrengungen ist, Probleme zu lösen (vgl. Cohen, 1971, S.50). Um diese Hindernisse zu bewältigen offenbaren sich den Jugendlichen drei Möglichkeiten: Zunächst die legitime Lösung, dann der Wechsel der Bezugsgruppe, oder zuletzt ein Zusammenschluss mit Gleichgesinnten. Letzteres beschreibt die Entstehung einer Subkultur, da Jugendliche durch Interagieren Normen und Werte entwickeln und sich bewusst gegen die der Mittelschicht stellen und diesen zuwiderhandeln (vgl. Dollinger & Raithel, 2006, S.88). Lukrativ erscheint dies, da Subkulturen ihren Mitgliedern mehr Anerkennung verleihen als sie sonst bekommen würden und beispielsweise Selbstvorwürfe minimieren (vgl. Lamnek, 2001, S.152-160).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Gewaltverhalten bei Jugendlichen und definiert den Rahmen der Untersuchung, welche auf Theorien von Cohen und Thrasher basiert.
2. Definitionen: In diesem Abschnitt werden die zentralen Begriffe „Subkultur“ und „Abweichendes Verhalten/Devianz“ theoretisch hergeleitet und kontextualisiert.
3. Klassische Ansätze als Erklärungsversuche für abweichendes Verhalten: Das Kapitel diskutiert die Subkulturtheorien von Cohen und Thrasher und bewertet deren wissenschaftliche Konstrukte hinsichtlich ihrer Erklärungskraft für Bandenkriminalität.
4. Prävention: Hier werden Möglichkeiten zur Eindämmung von Delinquenz durch soziale Kontrolle, gezielte Sozialarbeit und spezielle Interventionsmodelle wie „Faustlos“ vorgestellt.
5. Ausblick/Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Wirksamkeit der vorgestellten Maßnahmen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Jugenddelinquenz.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Subkulturtheorie, Abweichendes Verhalten, Devianz, Bandenbildung, Soziale Kontrolle, Prävention, Gewaltprävention, Sozialarbeit, Interventionsmaßnahmen, Faustlos, Jugenddelinquenz, Soziale Ungleichheit, Mittelschichtsnormen, Delinquenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Ursachen von Jugendkriminalität und Bandenbildung unter Rückgriff auf klassische soziologische Theorien und bewertet praktische Ansätze zu deren Prävention.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Subkulturtheorie, den Mechanismen sozialer Kontrolle, der Wirksamkeit pädagogischer Gewaltprävention sowie den sozioökonomischen Faktoren von Delinquenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Entstehung jugendlicher Kriminalität zu gewinnen und zu prüfen, inwieweit pädagogische und präventive Konzepte zur Minderung dieser Problematik beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der bestehende soziologische Modelle und Forschungsergebnisse zur Jugendkriminalität zusammengeführt und kritisch diskutiert werden.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Cohen und Thrasher sowie eine detaillierte Darstellung und Bewertung von Präventionsinstrumenten und Interventionsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die zentralen Charakteristika sind Begriffe wie Subkultur, Devianz, soziale Kontrolle und Gewaltprävention, die den Bogen von der theoretischen Ursachenforschung bis zur praktischen Anwendung spannen.
Inwiefern unterscheiden sich die Ansätze von Cohen und Thrasher?
Während Cohen die Subkultur als gemeinschaftliche Antwort auf die Nichterreichbarkeit von Mittelschichtsnormen sieht, verfolgt Thrasher einen stärker deskriptiven Ansatz, der Banden als „Zwischengruppen“ in benachteiligten Strukturen begreift.
Was besagt das Programm „Faustlos“ zur Gewaltprävention?
Faustlos ist ein strukturiertes Programm für Schulen und Kindergärten, das durch die Förderung von Empathie, Impulskontrolle und Kompetenzen im Umgang mit Ärger Gewalt bereits im Frühstadium neutralisieren soll.
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- Frederik Thomas Dötzer (Author), 2016, Prävention und Intervention angesichts steigender Jugendkriminalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374929