Diese Arbeit untersucht, inwiefern das Standbild exemplarisch als szenisches Verfahren einen Beitrag zur Förderung der Lesekompetenz leisten kann. Dabei soll in einer theoretischen Abhandlung zunächst der Begriff Lesekompetenz definiert und von anderen Begriffen aus dem Bereich der Leseförderung abgegrenzt werden. Weiterhin soll das szenische Verfahren Standbild (auch in seiner Funktion im Deutschunterricht) näher erläutert werden. Anschließend soll das geplante unterrichtliche Vorhaben sowie die vorher geklärten Begrifflichkeiten in den aktuellen Lehrplan eingeordnet werden, ohne dabei die Kompetenzorientierung dieser Arbeit aus den Augen zu verlieren.
Danach sollen die theoretischen Überlegungen durch die Darstellung der praktisch erprobten Unterrichtsversuche ergänzt, unterstützt und gegebenenfalls auch revidiert werden. Dazu soll zunächst eine Beschreibung der vierten Klasse, in welcher das Vorhaben erprobt wurde, erfolgen. Anschließend werden die durchgeführte Sequenz und ein exemplarischer Unterrichtsverlauf dargestellt. Im darauffolgenden Teil der Arbeit sollen die Ergebnisse der Unterrichtsversuche vorgestellt werden.
Dazu wird zunächst die diagnostische Vorgehensweise erläutert. Nach einer Beschreibung der praktischen Ergebnisse erfolgt eine Abwägung von Möglichkeiten und Grenzen des Standbilds zur Förderung der Lesekompetenz. Abschließend soll ein Fazit aus den vorherigen Überlegungen und Untersuchungen eine Antwort auf die Frage geben, inwiefern sich das szenische Verfahren Standbild dazu eignet, die Lesekompetenz von Schülern im Deutschunterricht der Grundschule zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Lesen als Bildungsauftrag heute
2. Theoretischer und begrifflicher Hintergrund
2.1 Der Begriff Lesekompetenz
2.2 Szenische Verfahren und ihre Berechtigung im Deutschunterricht
2.3 Das szenische Verfahren Standbild
3. Praktische Durchführung
3.1 Darstellung des unterrichtlichen Vorhabens
3.1.1 Einordnung des unterrichtlichen Vorhabens in Lehrplan und Bildungsstandards
3.1.2 Darstellung der individuellen Schülervoraussetzungen
3.1.3 Darstellung der Unterrichtssequenz
3.1.4 Exemplarische Darstellung eines Unterrichtsverlaufs
3.2 Erläuterung des diagnostischen Vorgehens
4. Darstellung und Interpretation der diagnostischen Ergebnisse
4.1 Darstellung der Ergebnisse
4.2 Interpretation und Reflexion der Ergebnisse
4.3 Einschränkungen, Grenzen und daraus resultierende Konsequenzen für die weitere Arbeit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das szenische Verfahren „Standbild“ exemplarisch als kreative und handlungsorientierte Methode dazu beitragen kann, die Lesekompetenz von Schülern einer vierten Grundschulklasse im Deutschunterricht gezielt zu fördern.
- Förderung der Lesekompetenz durch handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht
- Einsatz des szenischen Verfahrens „Standbild“ als Methode zur Textinterpretation
- Diagnose von Textverständnis, Leselust und Lesefähigkeit bei heterogenen Lerngruppen
- Verzahnung von kognitiven Lernprozessen mit affektiven und ästhetischen Erfahrungen
- Reflexion des Gelesenen durch Anschlusskommunikation und Perspektivübernahme
Auszug aus dem Buch
2.3 Das szenische Verfahren Standbild
Das Standbild ist ein szenisches Verfahren, das mit dem zunehmend eigenaktiven Anteil des Lesers im Deutschunterricht immer mehr in den Blickpunkt literaturdidaktischer Diskussionen rückt. Standbilder dienen hierbei zumeist der Interpretation von literarischen Texten. Das szenische Interpretieren kann sowohl als didaktisches Prinzip, das sich an der aktiven kulturellen Teilhabe orientiert und zu offenem Unterricht tendiert, als auch als methodisches Prinzip mit vielfältigen Tätigkeiten der Körpersprache, Motorik und sinnlichen Wahrnehmung erachtet werden. Dabei werden Vorstellungen von literarischen Figuren, Situationen, Handlungen und Beziehungen szenisch dargestellt und gedeutet. „Über das szenische Interpretieren sollen auf höchst genussvolle Weise Literaturerfahrungen möglich gemacht werden, in denen die sinnliche Wahrnehmung und die Körpersprache eine zentrale Vermittlerrolle spielen. Die Faszination der Literatur soll so wiederentdeckt oder intensiviert, das Lesen gefördert werden.“
Dabei wird nicht primär für die Zuschauer gespielt, sondern „als Annäherung an Texte, zur Erprobung von Deutungsmöglichkeiten und zur Vertiefung des Verstehens.“
Die Technik des szenischen Verfahrens Standbild geht zurück auf das Statuentheater des brasilianischen Theatermachers Augusto Boal. „Die Technik ist einfach: Die mitwirkenden Zuschauer werden aufgefordert, eine Statuengruppe zu bilden, die ihre kollektive Vorstellung […] ins Bild umsetzt.“ Wesentlich ist dabei nicht nur die körperliche Haltung der Figuren und ihre Mimik und Gestik, sondern auch ihre Anordnung im Raum; zum Beispiel ihre Nähe oder Entfernung, ob sie sitzen, stehen oder liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lesen als Bildungsauftrag heute: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Bedeutung der Lesekompetenz als Schlüsselqualifikation und Bildungsauftrag in der Grundschule sowie die Herausforderungen durch eine heterogene Medienkindheit.
2. Theoretischer und begrifflicher Hintergrund: Hier werden der Lesekompetenzbegriff, szenische Verfahren und spezifisch das „Standbild“ theoretisch fundiert und in den Kontext des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts eingeordnet.
3. Praktische Durchführung: Dieser Abschnitt beschreibt das unterrichtliche Vorhaben, die Schülergruppe, die methodische Unterrichtssequenz und das diagnostische Vorgehen zur Erfassung des Leseverstehens.
4. Darstellung und Interpretation der diagnostischen Ergebnisse: Die Ergebnisse aus Textverständnistests und Schülerbeobachtungen werden analysiert, interpretiert und kritisch hinsichtlich der Wirksamkeit des Standbild-Verfahrens reflektiert.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt, dass das szenische Verfahren Standbild als probate Methode für eine erweiterte Lesekompetenz geeignet ist.
Schlüsselwörter
Lesekompetenz, Grundschule, Deutschunterricht, Szenisches Verfahren, Standbild, Leseförderung, Literaturunterricht, Textverstehen, Handelnd-produktiver Unterricht, Medienkindheit, Schülerbeobachtung, Sinnkonstruktion, Ästhetische Bildung, Kooperatives Lernen, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Förderung der Lesekompetenz von Grundschülern durch den Einsatz von Standbildern als szenisches Verfahren im Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Verbindung von Textverständnis mit kreativer Handlung, die Bedeutung von Gruppenarbeit und die Reflexion von literarischen Figuren und Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob und wie das Standbild-Verfahren als Beitrag zur Leseförderung dienen kann und welche Auswirkungen es auf die Lesemotivation und das Textverstehen der Kinder hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Kombination aus theoretischer Literaturarbeit, der praktischen Erprobung in einer vierten Klasse sowie diagnostischen Verfahren wie Textverständnistests, systematischer Schülerbeobachtung und Selbsteinschätzungsbögen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die detaillierte Darstellung des unterrichtlichen Vorhabens inklusive einer Sequenzplanung und die Auswertung der empirisch erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lesekompetenz, Standbild, szenische Interpretation, Grundschule, handlungsorientierter Unterricht und Leseverstehen.
Warum wird das Standbild-Verfahren als vorteilhaft für die Leseförderung angesehen?
Es bietet einen handelnd-produktiven Zugang, der körperliche Erfahrungen mit kognitivem Textverstehen verknüpft und so besonders leseschwachen Schülern hilft, Subtexte und Gefühle von Figuren besser zu erfassen.
Welche Herausforderungen traten bei der Umsetzung in der Klasse auf?
Zu Beginn zeigten sich Unsicherheiten in der Rollenverteilung und im organisatorischen Ablauf; zudem nahm die Motivation gegen Ende der langen Sequenz ab, was auf eine Überreizung durch zu häufige Anwendung der Methode hindeutete.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Wirksamkeit?
Das Standbild ist eine sehr probate Methode, um eine „erweiterte“ Lesekompetenz zu fördern, sollte jedoch in den Literaturunterricht eingebettet werden und nicht als reine, zu häufig wiederholte Technik eingesetzt werden.
- Quote paper
- Julia Moosbauer (Author), 2013, Förderung der Lesekompetenz von Grundschülern durch das szenische Verfahren Standbild im Deutschunterricht einer vierten Klasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374949