Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fehleranalyse nach Hegele und Pommerin. Diese wird in dem Buch „Gemeinsam Deutsch lernen. Interkulturelle Spracharbeit mit ausländischen und deutschen Schülern“ auf drei Ebenen beschrieben: Erfahrung, Kommunikation und Grammatik. Bevor die so genannte „EKG – Analyse“ jedoch genauer erläutert wird, beschäftigt sich das Werk zunächst mit der gegenwärtigen Situation der Einwanderer und ihrer Kinder sowie diversen bildungspolitischen Modellen, um dann auf der Basis des Konzepts einer interkulturellen Erziehung die theoretischen Grundlagen und praktischen Realisationen eines Sprachunterrichts in der multinationalen Regelklasse aufzuzeigen.
Im ersten Kapitel des Buches wird die Bildungsmisere angesprochen. Dabei wird deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich als Lehrer mit den Lebensschicksalen seiner Schüler auseinanderzusetzen und diese möglichst differenziert zu erfassen. Darüber hinaus wird der Sprache eine grundlegende Bedeutung beigemessen. Die deutsche Sprache ist für das ausländische Kind Sozialisationssprache und damit ein „unverzichtbares Instrument zur Selbstfindung und Selbstdarstellung, zur Verständigung mit anderen und zur Erschließung von Wirklichkeit“. Die Lebenssituation der Schüler soll daher in mündlicher und schriftlicher Form geäußert werden.
Das zweite Kapitel befasst sich mit verschiedenen bildungspolitischen Modellen des deutschen Schulsystems, die die Situation ausländischer Kinder bestimmen. Das Bayerische Modell beispielsweise schlägt die Bildung nationalhomogener bilingualer Schulklassen vor, welche die gesamte Schullaufbahn hindurch bestehen sollen. Das Bildungskonzept einer Integration ausländischer Kinder in die deutsche Regelklasse, bei dem Muttersprache, Religion und heimatliche Landeskunde nur ein Zusatzangebot darstellen, wird ebenfalls diskutiert. In diesem Entwurf wird durch die direkte Integration einerseits die Chancengleichheit von ausländischen und deutschen Kindern verbessert, andererseits ergibt sich aber möglicherweise eine Entwurzelung von deren Herkunftssprache und -kultur. Im weiteren Verlauf des Buches wird die interkulturelle Erziehung thematisiert. Sie soll gegenseitige Vorurteile abbauen, Verständnis für fremdes Verhalten wecken und deutschen und ausländischen Schülern ermöglichen, voneinander zu lernen. Die Schule soll dabei eine Begegnungsstätte für die deutsche und ausländische Bevölkerung darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spracherwerb und Erfahrungsgewinn
3. Die EKG – Analyse
3.1. Erfahrungsanalyse
3.2. Kommunikationsanalyse
3.2. Grammatikanalyse
4. Textanalyse – individuelle Sprachbiographie, Sprachtests und operationale Verfahren
5. Planungshilfen für einen interkulturellen Sprachunterricht
6. Quellenangabe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem von Hegele und Pommerin entwickelten Konzept der "EKG-Analyse" auseinander. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine ganzheitliche Fehlerdiagnose im Deutschunterricht für ausländische Schüler gelingen kann, indem sie nicht nur grammatikalische Aspekte, sondern auch die individuellen Erfahrungen und kommunikativen Fähigkeiten der Lernenden in den Mittelpunkt stellt.
- Die theoretische Verankerung von Spracherwerb und Erfahrungsgewinn.
- Die drei Säulen der EKG-Analyse (Erfahrung, Kommunikation, Grammatik).
- Die Bedeutung der individuellen Sprachbiographie und alternativer Analyseverfahren.
- Methodische Ansätze für einen interkulturellen und lebensweltorientierten Unterricht.
Auszug aus dem Buch
3. Die EKG – Analyse
Um eine isolierte Fehlerdiagnose zu vermeiden empfehlen Hegele und Pommerin eine Analyse auf den bereits in der Einleitung erwähnten Ebenen der Erfahrungsinhalte, der Kommunikationsstrategien sowie der Grammatik und Orthographie. Diese drei Analysekriterien von Schülertexten müssen dabei stets zueinander in Beziehung gesetzt betrachtet werden.
Für die meisten Lehrer ist es üblich, sich die Fehler und Defizite in einem Text zunächst nur unter formalem Aspekt als grammatische bzw. orthographische Abweichung von der sprachlichen Norm zu betrachten. Nach dem Konzept von Hegele und Pommerin ist der Ansatzpunkt dagegen die Erfahrungsebene der Sprachlerner. Demgemäß ist es sinnvoll, das Augenmerk zuerst auf die inhaltlichen Aussagen zu legen, die der Schüler mitgeteilt hat bzw. mitteilen wollte, um so gleichzeitig die kommunikativen Strategien und sprachlichen Mittel zu hinterfragen. „Erst in der sicheren Kenntnis der Diskrepanz zwischen Ausdrucksbedürfnis und Ausdrucksfähigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt des Zweitspracherwerbsprozesses kann der Lehrer den ausländischen Schüler gezielt und individuell fördern.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Hegele und Pommerin ein und erläutert die Bedeutung der Spracharbeit in der multinationalen Regelklasse sowie die Notwendigkeit einer interkulturellen Erziehung.
2. Spracherwerb und Erfahrungsgewinn: Dieses Kapitel stellt den zentralen Zusammenhang zwischen Sprache und Erfahrung dar und betont die Rolle des kontaktbezogenen Spracherwerbs im interkulturellen Unterricht.
3. Die EKG – Analyse: Hier wird das Kernkonzept der Arbeit vorgestellt, das eine Fehleranalyse auf den drei Ebenen Erfahrung, Kommunikation und Grammatik als ganzheitlichen Ansatz definiert.
3.1. Erfahrungsanalyse: Dieses Kapitel definiert Kriterien, um die persönlichen Themen, Sprachnot und Sprachgewohnheiten der Schüler zu erfassen.
3.2. Kommunikationsanalyse: Der Abschnitt erläutert die Untersuchung kommunikativer Kompetenzen, wie etwa die Fähigkeit zu Sprechakten, Redestrategien und der Umsetzung von Redeintentionen.
3.2. Grammatikanalyse: Dieser Teil befasst sich mit der Analyse von Wortschatz, Syntax und Orthografie unter besonderer Berücksichtigung von Interferenzfehlern und Übergeneralisierungen.
4. Textanalyse – individuelle Sprachbiographie, Sprachtests und operationale Verfahren: Das Kapitel diskutiert die Ergänzung der Textanalyse durch Beobachtungen, biografische Daten und Sprachproben, um ein umfassendes Bild des Schülers zu erhalten.
5. Planungshilfen für einen interkulturellen Sprachunterricht: Der Abschluss gibt praktische Anregungen zur Themenwahl und Unterrichtsgestaltung, die Schülerinteressen in den Mittelpunkt stellen.
6. Quellenangabe: Dieses Kapitel führt die verwendete Literatur des Werkes von Hegele und Pommerin auf.
Schlüsselwörter
EKG-Analyse, Interkulturelle Erziehung, Fehleranalyse, Zweitspracherwerb, Erfahrungsgewinn, Kommunikationsanalyse, Grammatikanalyse, Sprachbiographie, Sprachdiagnose, Sprachhandlungsanlässe, Interferenzfehler, Sprachunterricht, multinationale Regelklasse, Sprachproben, Fremdsprachenpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das von Hegele und Pommerin konzipierte Verfahren der "EKG-Analyse", das eine differenzierte Fehlerdiagnose bei ausländischen Schülern im Deutschunterricht ermöglicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Zusammenhang von Spracherwerb und Erfahrung, die Notwendigkeit interkultureller Bildung und die methodische Analyse von Schülertexten auf verschiedenen Ebenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer über eine rein formale Korrektur hinaus eine individuelle Förderung erreichen können, die die Lebenswelt und die Kommunikationsbedürfnisse der Schüler einbezieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Werkes "Gemeinsam Deutsch lernen" und der systematischen Darstellung des darin beschriebenen EKG-Ansatzes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der EKG-Analyse (Erfahrung, Kommunikation, Grammatik), ergänzende diagnostische Verfahren sowie didaktische Planungshilfen für den interkulturellen Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind EKG-Analyse, interkulturelle Erziehung, Spracherwerb, Fehleranalyse und sprachliche Lebenswirklichkeit.
Warum kritisieren die Autoren die isolierte Fehlerdiagnose?
Eine isolierte Diagnose, die nur grammatikalische Fehler betrachtet, vernachlässigt das Ausdrucksbedürfnis des Kindes und behindert eine individuelle, auf die Kommunikationsstrategien ausgerichtete Förderung.
Welche Rolle spielt die Muttersprache in diesem Konzept?
Die Muttersprache ist essenziell für die Identitätsfindung und dient als Vergleichsbasis, um Interferenzfehler zu verstehen und das wahre Ausdrucksvermögen des Kindes besser einschätzen zu können.
Was sind operationale Verfahren in diesem Kontext?
Operationale Verfahren sind Sprachproben wie Klang-, Umstell- oder Ersatzproben, die Schülern ermöglichen, sprachliche Mittel spielerisch zu testen und ihre eigenen Texte aktiv zu verbessern.
Wie sollen Lehrer laut Hegele und Pommerin bei der Themenwahl vorgehen?
Themen sollen sich aus den Interessen und Lebensgeschichten der Schüler ergeben, um deren Motivation zu steigern und einen Raum für kulturellen Austausch zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Julia Moosbauer (Autor:in), 2010, EKG - Analyse nach Pommerin und Hegele. Der Sprachenunterricht in einer multinationalen Regelklasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374954