Lesen kann im Wesentlichen definiert werden als das Aufnehmen und Verstehen schriftlich niedergelegter, sprachlich formulierter Gedanken. Auch heute noch wird die visuelle Worterkennung als Hauptbestandteil des Leseprozesses angesehen. Mit dem Prozess des Lesens beschäftigte sich auch Coltheart. Im Gegensatz zu vielen Anderen bezog er vor allem auch die lautliche Seite des Lesens in seine Überlegungen mit ein. So entwickelte sich das so genannte Zwei-Wege-Modell, welches zwei Wege der Wortidentifikation unterscheidet: den direkten und den indirekten Weg.
Bei Beiden steht am Anfang die visuelle Analyse. Auf dem direkten Weg werden beim Leser dann sofort phonologische, grafische und semantische Merkmale eines Wortes aktiviert, woraus sich die Aktivierung der Wortbedeutung ergibt. Dies geschieht mit Hilfe des so genannten inneren Lexikons, in dem diese Merkmale bereits gespeichert sind. Den direkten Weg kann allerdings nur ein erfahrener Leser gehen, der ein großes inneres Lexikon hat und somit auf sein Langzeitgedächtnis zurückgreifen kann.
Leseanfänger gehen zunächst den indirekten Weg der Wortidentifikation. Er besteht aus der Phonologischen Kodierung und der anschließenden Dekodierung. Dabei werden zunächst einzelne Grapheme in Phoneme übersetzt. Darauf folgen die Präsenthaltung dieser Phoneme und anschließend die Phonemsynthese, welche die größte Schwierigkeit beim Lesenlernen darstellt. Erst wenn all diese Schritte vollzogen sind, kann die Wortbedeutung erfasst werden.
Gliederung
1. Was versteht man unter Lesen?
1.1. Lesen als Prozess
1.2. Schwierigkeiten und Voraussetzungen beim Erstlesen
2. Phonologische Bewusstheit
2.1 Begriff „phonologische Bewusstheit“
2.2 Bedeutung der phonologischen Bewusstheit
2.3 Trainingsmöglichkeiten
3. Stufenmodelle zum Schriftspracherwerb
3.1 Grundlagen
3.1.1 Neue Tendenzen und Sichtweisen
3.1.2 Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb
3.2 Vorstellung eines Stufenmodells
3.2.1 Erwerb des Schreibens
3.2.2 Erwerb des Lesens
3.3 Reflexion über Chancen und Grenzen von Modellen
3.4 Übungs- und Förderbeispiele
4. Texte Verfassen
4.1 Prinzipien und Grundsätze des Lernbereichs Texte verfassen
4.2 Praktische Umsetzung
5. Richtig schreiben
5.1. Übergang zur orthografischen Stufe – Merkmale, Voraussetzungen und Schwierigkeiten
5.2 Grundsätze zur Schulung des orthografisch richtigen Schreibens
5.3 Praktische Umsetzung
6. Abschließende Reflexion
Zielsetzung & Themen
Dieses Portfolio dokumentiert theoretische Grundlagen und praktische Ansätze zum Schriftspracherwerb in der Grundschule. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, den Prozess des Lesen- und Schreibenlernens als stufenweise Entwicklung zu verstehen und für angehende Lehrkräfte konkrete didaktische Methoden zur Förderung der Schüler zu reflektieren.
- Phonologische Bewusstheit als fundamentale Lernvoraussetzung
- Entwicklungsstufen des Schreibens und Lesens nach Renate Valtin
- Prinzipien und Methoden des Lernbereichs "Texte verfassen"
- Didaktik des orthografisch richtigen Schreibens
- Praktische Unterrichtsbeispiele und Förderkonzepte
Auszug aus dem Buch
1.1. Lesen als Prozess
Lesen kann im Wesentlichen definiert werden als das Aufnehmen und Verstehen schriftlich niedergelegter, sprachlich formulierter Gedanken. „Bis in die siebziger Jahre wurde Lesen als eine Aufgabe des visuellen Erkennens isolierter Wörter begriffen.“ Auch heute noch wird die visuelle Worterkennung als Hauptbestandteil des Leseprozesses angesehen.
Mit dem Prozess des Lesens beschäftigte sich auch Coltheart. Im Gegensatz zu vielen Anderen bezog er vor allem auch die lautliche Seite des Lesens in seine Überlegungen mit ein. So entwickelte sich das so genannte Zwei-Wege-Modell, welches zwei „Wege“ der Wortidentifikation unterscheidet: den direkten und den indirekten Weg. Bei Beiden steht am Anfang die visuelle Analyse. Auf dem direkten Weg werden beim Leser dann sofort phonologische, grafische und semantische Merkmale eines Wortes aktiviert, woraus sich die Aktivierung der Wortbedeutung ergibt. Dies geschieht mit Hilfe des so genannten inneren Lexikons, in dem diese Merkmale bereits gespeichert sind. Den direkten Weg kann allerdings nur ein erfahrener Leser gehen, der ein großes inneres Lexikon hat und somit auf sein Langzeitgedächtnis zurückgreifen kann.
Leseanfänger gehen zunächst den indirekten Weg der Wortidentifikation. Er besteht aus der Phonologischen Kodierung und der anschließenden Dekodierung. Dabei werden zunächst einzelne Grapheme in Phoneme übersetzt. Darauf folgen die Präsenthaltung dieser Phoneme und anschließend die Phonemsynthese, welche die größte Schwierigkeit beim Lesenlernen darstellt. Erst wenn all diese Schritte vollzogen sind, kann die Wortbedeutung erfasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Was versteht man unter Lesen?: Dieses Kapitel definiert den Leseprozess und erläutert das Zwei-Wege-Modell der Wortidentifikation sowie grundlegende Herausforderungen für Leseanfänger.
Phonologische Bewusstheit: Hier wird die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit als grundlegende Lernvoraussetzung analysiert und es werden verschiedene Trainingsmöglichkeiten für den Unterricht aufgezeigt.
Stufenmodelle zum Schriftspracherwerb: Das Kapitel stellt Stufenmodelle des Schreib- und Leselernens vor, reflektiert deren pädagogischen Nutzen und gibt praktische Anregungen zur Förderung an den Übergängen der Phasen.
Texte Verfassen: Dieses Kapitel behandelt die Prinzipien des Lernbereichs Texte verfassen und illustriert die praktische Umsetzung anhand eines Unterrichtsentwurfs zur Einführung des Akrostichons.
Richtig schreiben: Hier liegt der Fokus auf dem Übergang zur orthografischen Stufe, den Grundsätzen zur Schulung der Rechtschreibung und dem konstruktiven Umgang mit Fehlern im Unterricht.
Abschließende Reflexion: In diesem Kapitel reflektiert die Verfasserin ihre Erkenntnisse aus dem Seminar und bewertet die Bedeutung des Schriftspracherwerbs für die eigene künftige pädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Lesen, Schreiben, Phonologische Bewusstheit, Stufenmodell, Wortidentifikation, Rechtschreibung, Grundschule, Erstlesen, Alphabetisierung, Sprachdidaktik, Motivation, Unterrichtsentwurf, Orthografie, Fehlerkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und praktischen Grundlagen des Schriftspracherwerbs in der Grundschule, insbesondere mit den Prozessen des Lesen- und Schreibenlernens.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die phonologische Bewusstheit, die Entwicklungsstufen des Schreibens und Lesens, das Verfassen von Texten sowie die Vermittlung orthografischer Kompetenzen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die stufenweise Entwicklung der Lese- und Schreibfähigkeit zu vermitteln und Lehrkräften methodische Ansätze für den Unterricht an die Hand zu geben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Aufarbeitung von Fachliteratur, der Darstellung von Stufenmodellen nach Renate Valtin sowie der Ausarbeitung konkreter unterrichtspraktischer Beispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der phonologischen Bewusstheit, die detaillierte Darstellung von Entwicklungsstufen des Schreibens und Lesens sowie didaktische Konzepte zur Textproduktion und Rechtschreibförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schriftspracherwerb, Stufenmodell, phonologische Bewusstheit, Orthografie und Lese- bzw. Schreibmotivation geprägt.
Wie definiert die Autorin den Umgang mit Fehlern im Schriftspracherwerb?
Fehler werden nicht als Defizite, sondern als hilfreiche Diagnosemittel betrachtet, die Aufschluss über den individuellen Entwicklungsstand des Kindes geben und dem Lehrer Hinweise für die passende Förderung bieten.
Welche Bedeutung kommt der Motivation im Schriftspracherwerb zu?
Die Motivation wird als essenziell eingestuft, insbesondere da der Schriftspracherwerb ein langwieriger und herausfordernder Entwicklungsprozess ist, bei dem Kinder ohne Freude am Tun schnell entmutigt aufgeben können.
- Arbeit zitieren
- Julia Moosbauer (Autor:in), 2008, Stufenmodelle zum Schriftspracherwerb und eine praktische Umsetzung des Lernbereichs "Texte verfassen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374956