Analyse narrativer Schülertexte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

30 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Theoretische Erläuterungen
2.1 Das linguistische Verständnis von Text
2.2 Die Struktur eines Textes
2.2.1 Struktureinheiten des Textes: Satz und Proposition
2.2.1.1 Versuch einer Definition
2.2.1.2 Verbvalenzgrammatik als Unterstützung bei der Suche nach Propositionen
2.2.2 Kohärenz und Kohäsion: Tiefen- und Oberflächenstruktur eines Texts
2.2.2.1 Begriffsabgrenzung
2.2.2.2 Kohärenz- Texttiefenstruktur
2.2.2.3 Kohäsion- Sprachliche Mittel der Textverknüpfung
2.2.2.2.1 Konjunktionen und Konjunktionaladverbien
2.2.2.2.2 Wiederaufnahme
2.2.3 Referenz in Texten: Topikketten als „roter Faden“ durch den Text

3.0 Praktischer Teil: Analyse von Schüleraufsätzen.17
3.1 Beschreibung des Materials
3.2 Analyse nach Themen
3.2.1 Propositionen und Verbvalenzen
3.2.2 Erzeugung von Textkohärenz mit Hilfe kohäsiver Mittel
3.2.3 Topikketten in den Schülertexten

4.0 Schlusszusammenfassung

Anhang:
4 Anlagen

1.0 Einleitung

Der Begriff Text[1] lässt sich vom lateinischen Verb texere ableiten, was soviel heißt wie weben[2]. Der Text kann somit als Gewebe betrachtet werden. Schaut man sich das Gewebe eines Stückes Stoff unter dem Mikroskop genauer an, so sieht man, dass zwischen die vertikalen Fäden immer abwechselnd oben und unten ein horizontaler Faden gezogen wurde. Zieht man einen Faden aus dem Stoff heraus, so entsteht eine Lücke, bei lockerer gewebten Stoffen verändert sich vielleicht die ganze Struktur des Stoffes.

Der Vergleich des Stückes Stoff mit einem Text bringt uns zum Thema dieser Arbeit. Was versteht man eigentlich gemeinhin und sprachwissenschaftlich unter einem Text? Und woraus besteht er? Wie werden die Einzelteile eines Textes miteinander verknüpft und verwoben? Und was hält den Text in seiner Gesamtheit zusammen? Gibt es vielleicht einen „roten Faden“, der sich durch den ganzen Text zieht? Dies sind natürlich nicht alle Bereiche, die eine Textanalyse umfasst. Das Schwergewicht liegt in dieser Arbeit auf dem Themenbereich Kohärenz und Referenz und deren sprachlicher Verwirklichung.

Natürlich sollen diese Erläuterungen auch immer einen praktischen Bezug haben, indem im zweiten Teil der Arbeit zwei Schüleraufsätze nach den im ersten Teil erläuterten Punkten analysiert werden.

Ziele dieser Arbeit sind somit:

- eine Defintion für den Begriff Text zu finden
- die Proposition als grammatikalische Analyseeinheit zu bestimmen und am konkreten Textbeispiel Propositionen herauszufinden
- Möglichkeiten zur Herstellung von Textkohärenz darzustellen und am Textbeispiel zu konkretisieren
- darzustellen, wie Schüler in ihren Texten referieren, d.h. welche Themen bzw. Topikketten sich durch den Schülertext ziehen und wie diese sprachlich realisiert sind

2.0 Theoretische Erläuterungen

2.1 Das linguistische Verständnis von Text

Die sprachwissenschaftliche Disziplin, die für die Analyse von Texten zuständig ist, ist die Textlinguistik. Sie hat zum Ziel

„die Struktur, d.h. den grammatischen und thematischen Aufbau, sowie die kommunikative Funktion konkreter Texte transparent zu machen.“[3]

Zu Beginn muss gesagt werden, dass es dieser wissenschaftlichen Disziplin bislang nicht gelungen ist, eine einheitliche Definition für den Begriff Text zu finden. Dies liegt vor allem daran, dass jeder Wissenschaftler einen anderen Schwerpunkt legt. Die Bandbreite der Definitionen reicht von grammatischen Ansätzen bis zu kommunikationsorientierten Sichtweisen auf diese linguistischen Phänomene. Hier soll nun versucht werden, einen Abriss von zwei Ansichten aufzuzeigen, welche auch für die folgende Analyse der Schülertexte sinnvoll scheinen.

Als Text werden im alltäglichen Gebrauch hauptsächlich Schriftgebilde bezeichnet. So wird niemand bestreiten, dass die Gebrauchsanweisung in einer Arzneimittelpackung ein Text ist, was ist jedoch mit einem Bild oder einem Comic?

Für die Textlinguistik ist die Begrenzung der Defintion eines Textes auf rein schriftliche Fixierung von Sprache nicht haltbar. Nach Vater[4] gibt es etliche Variationsformen, in denen Texte auftreten können: sie können sowohl mündlich als auch schriftlich sein, ihre Länge kann von einem Wort bis zu mehreren Bänden eines Buches reichen, sie können sowohl in Monolog- als auch in Dialogform auftreten und auch andere Kommunikationsformen können zur rein sprachlichen hinzutreten.

Vater[5] sieht es jedoch als sinnvoll an, nur solche Gebilde als Text anzusehen, die sprachliche Einheiten enthalten. Ein Comic, der nur aus Bildern besteht, wäre nach ihm somit kein Text, die Mickey Maus- Reihe jedoch schon, da hier fast jedes Bild mit einem Text versehen ist.

Brinker versucht in seiner Textdefinition, die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze der Textlinguistk zu integrieren: „Der Terminus Text bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“[6]

Er stellt im Gegensatz zu Vater auch klar, dass es der Textlinguistik hauptsächlich um Texte geht, die „sowohl in grammatischer als auch in thematischer Hinsicht einen höheren Komplexitätsgrad aufweisen“[7]. Kleine sprachliche Einheiten wie „Hilfe!“ seien zwar in manchen Situationen auch als Texte anzusehen, jedoch für die Wissenschaft nicht von hoher Relevanz.

2.2 Die Struktur eines Textes

2.2.1 Struktureinheiten des Textes: Satz und Proposition

2.2.1.1 Versuch einer Definition

Ebenso wie es für den Begriff Text keine eindeutige Definition gibt, lässt sich auch für den Ausdruck Satz keine klare Definition finden. Um jedoch einen Text analysieren zu können, muss er in kleinere sprachliche Einheiten aufgeteilt werden. Hier bietet sich natürlich die Aufteilung in Sätze an. Doch wie kann man einzelne Sätze extrahieren, gerade in einem Schülertext, in dem die Interpunktion oft nur fehlerhaft oder gar nicht vorhanden ist? Hierfür muss der Versuch einer Definition gewagt werden:

Nach Glinz[8] lassen sich im Deutschen mehrere Deutungen des Ausdrucks Satz finden. So sei ein Satz zunächst beim Sprechen abgegrenzt durch Senkung und Hebung der Stimme. Beim stillen Lesen werde ein Satz dadurch separiert, dass der Leser weiß, dass am Ende des Satzes ein Schlusszeichen zu stehen hat und der Satz mit einem Großbuchstaben zu beginnen hat.

Systematischer gesehen ist ein Satz eine Einheit der grammatischen Struktur, die sich durch das Verb und weitere Satzglieder zusammensetzt. Neben solchen verbbezogenen Einheiten können auch ganze Wortgruppen stehen, z.B. „ Heute aber ohne mich, sagte sie“[9].

Man unterscheidet zwischen einfachen und zusammengesetzten Sätzen. Letztere bestehen aus sogenannten Teilsätzen und werden nach Haupt- und Nebensätzen unterschieden. Somit kann ein einziger Satz ein sehr komplexes Gebilde darstellen, welches widerum schwer zu analysieren ist.

Eine geeignetere Unterteilung eines Textes scheint deshalb die in Propositionen zu sein. Die Idee kommt aus den sprachwissenschaftlichen Forschungen Englands und Frankreichs. In den Sprachen dieser Länder wird, im Gegensatz zum Deutschen, genauer unterschieden: Die von Glinz zuerst genannte Definition von Satz, nämlich die durch Interpunktion und Großschreibung abgetrennte Einheit, wird im Englischen als „sentence“ und im Französischen als „phrase“ bezeichnet. Die verbbezogene grammatische Struktureinheit dagegen trägt die Bezeichnung „clause“ oder eben „proposition“[10]. Glinz bezeichnet also den verbbezogenen Struktursatz mit dem Begriff Proposition.

Jeder Satz besteht somit aus einer oder mehreren Propositionen. Ein Satz, der aus einer Proposition besteht, ist ein einfacher Satz. Sätze, die aus mehreren Propositionen bestehen, sei es linear angeordnet oder verschachtelt, sind dann als Sätze mit Teilsätzen anzusehen, bei denen jede Proposition einen Teilsatz darstellt. Diese Sichtweise eignet sich besser für die Textanalyse als die Ansicht, ein Satz sei die minimale grammatische Struktureinheit. Die Einteilung in Propositionen lässt eine genauere und strukturiertere Analyse zu. Somit sieht Glinz es als angebracht an, bei der Textanalyse auf diese Einheit zurückzugreifen.

Ein Beispiel verdeutlicht die Darstellung:

Einteilung in Sätze: Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.

Einteilung in Propositionen: (1) Der Mond ist aufgegangen; (2) die goldnen Sternlein prangen; (3) am Himmel hell und klar; (4) der Wald steht schwarz und schweiget; (5) und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.[11]

2.2.1.2 Verbvalenzgrammatik als Unterstützung bei der Suche nach Propositionen

Um eine Proposition aus einem Satz sozusagen herauszufiltern, nimmt man die Ansätze der Verbvalenzgrammatik zur Hilfe. Dieser Ansatz sieht im Verb das „Organisationszentrum des Satzes“[12]. Man geht dabei davon aus, dass jedes Verb in einem Satz Leerstellen eröffnet, die durch Satzglieder besetzt werden. Es gibt Leerstellen, die besetzt werden müssen und solche, die besetzt werden können. In erstere treten sogenannte obligatorische Ergänzungen, so fordert z.B. das Verb loben ein Akkusativobjekt wie in Jens lobt seinen Bruder.

Ergänzungen, die ein Verb zulässt, aber nicht zwingend braucht, bezeichnet man als fakultative Ergänzungen oder freie Angaben. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden fällt nicht immer leicht, weshalb man in der Verbvalenzgrammatik Probeverfahren zur Feststellung und Klassifizierung der Ergänzungen benutzt. Diese seien hier kurz vorgestellt:

Zur Feststellung von obligatorischen Ergänzungen wird meist die Weglassprobe verwendet, d.h. es werden alle Satzglieder (außer dem Verb und dem Subjekt) einmal weggelassen, z.B. Ich lege mich ins Bett. Probe : *Ich lege/ *Ich lege ins Bett/*Ich lege mich. Alle Sätze werden bei dieser Probe ungrammatisch, d.h. sowohl mich als auch ins Bett sind obligatorische Ergänzungen zum Verb legen.

Um zwischen fakultativen Ergänzungen und freien Angaben unterscheiden zu können, benutzt man die Umformungsprobe. Ein Beispiel hierfür wäre: Er aß sein Brot in der Schule. Probe: Er aß sein Brot. Und das geschah in der Schule. Man sieht an diesem Beispiel, dass sich freie Angaben in eigene Sätze umformen lassen.

Da freie Angaben nicht von der Valenz des Verbs abhängen, lassen sie sich durch einen weiteren Test von fakultativen Ergänzungen separieren: Beim Ersetzen des Verbs durch ein nicht strukturähnliches Verb (z.B. durch die absoluten oder einwertigen Verben schlafen und arbeiten) können freie Angaben stehen bleiben, fakultative Ergänzungen aber nicht. Ein Beispiel: Am Abend nahm der Junge den Chemiekasten in sein Zimmer. Probe: Am Abend arbeitete der Junge *den Chemiekasten *in sein Zimmer.

Somit kann gesagt werden, dass eine Proposition aus einem Verb, dessen obligatorischen und fakultativen Ergänzungen und denin beliebeiger Anzahl hinzufügbaren freien Angaben besteht.

[...]


[1] Hinweis: Zur leichteren Unterscheidung beim Lesen werden alle Ausdrücke, über die gesprochen wird, kursiv geschrieben

[2] http://www.commtec.de/wb/index.php

[3] Vater, 1992, S.9

[4] Vater, 1992, S. 16

[5] s. dazu Vater, 1992, S.18

[6] Brinker, 1988, S. 17

[7] Brinker, 1988, S. 18

[8] Glinz, 1994, S. 36

[9] Glinz, 1994, S. 36

[10] s.dazu auch Duden, 1998, S. 609

[11] Bsp. von Brinker, 2001, S. 23

[12]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Analyse narrativer Schülertexte
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
30
Katalognummer
V37497
ISBN (eBook)
9783638368209
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Schülertexte
Arbeit zitieren
Kerstin Kloos (Autor), 2004, Analyse narrativer Schülertexte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37497

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Titel: Analyse narrativer Schülertexte



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