Einleitung
Der Begriff Text1 lässt sich vom lateinischen Verb texere ableiten, was soviel heißt wie weben2. Der Text kann somit als Gewebe betrachtet werden. Schaut man sich das Gewebe eines Stückes Stoff unter dem Mikroskop genauer an, so sieht man, dass zwischen die vertikalen Fäden immer abwechselnd oben und unten ein horizontaler Faden gezogen wurde. Zieht man einen Faden aus dem Stoff heraus, so entsteht eine Lücke, bei lockerer gewebten Stoffen verändert sich vielleicht die ganze Struktur des Stoffes.
Der Vergleich des Stückes Stoff mit einem Text bringt uns zum Thema dieser Arbeit. Was versteht man eigentlich gemeinhin und sprachwissenschaftlich unter einem Text? Und woraus besteht er? Wie werden die Einzelteile eines Textes miteinander verknüpft und verwoben? Und was hält den Text in seiner Gesamtheit zusammen? Gibt es vielleicht einen „roten Faden“, der sich durch den ganzen Text zieht? Dies sind natürlich nicht alle Bereiche, die eine Textanalyse umfasst. Das Schwergewicht liegt in dieser Arbeit auf dem Themenbereich Kohärenz und Referenz und deren sprachlicher Verwirklichung. Natürlich sollen diese Erläuterungen auch immer einen praktischen Bezug haben, indem im zweiten Teil der Arbeit zwei Schüleraufsätze nach den im ersten Teil erläuterten Punkten analysiert werden. Ziele dieser Arbeit sind somit: eine Defintion für den Begriff Text zu finden die Proposition als grammatikalische Analyseeinheit zu bestimmen und am konkreten Textbeispiel Propositionen herauszufinden Möglichkeiten zur Herstellung von Textkohärenz darzustellen und am Textbeispiel zu konkretisieren darzustellen, wie Schüler in ihren Texten referieren, d.h. welche Themen bzw. Topikketten sich durch den Schülertext ziehen und wie diese sprachlich realisiert sind
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Theoretische Erläuterungen
2.1 Das linguistische Verständnis von Text
2.2 Die Struktur eines Textes
2.2.1 Struktureinheiten des Textes: Satz und Proposition
2.2.1.1 Versuch einer Definition
2.2.1.2 Verbvalenzgrammatik als Unterstützung bei der Suche nach Propositionen
2.2.2 Kohärenz und Kohäsion: Tiefen- und Oberflächenstruktur eines Texts
2.2.2.1 Begriffsabgrenzung
2.2.2.2 Kohärenz- Texttiefenstruktur
2.2.2.3 Kohäsion- Sprachliche Mittel der Textverknüpfung
2.2.2.2.1 Konjunktionen und Konjunktionaladverbien
2.2.2.2.2 Wiederaufnahme
2.2.3 Referenz in Texten: Topikketten als „roter Faden“ durch den Text
3.0 Praktischer Teil: Analyse von Schüleraufsätzen
3.1 Beschreibung des Materials
3.2 Analyse nach Themen
3.2.1 Propositionen und Verbvalenzen
3.2.2 Erzeugung von Textkohärenz mit Hilfe kohäsiver Mittel
3.2.3 Topikketten in den Schülertexten
4.0 Schlusszusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht theoretische Grundlagen der Textanalyse, insbesondere in den Bereichen Kohärenz, Kohäsion und Referenz, um diese anschließend auf konkrete Schüleraufsätze anzuwenden und die sprachliche Strukturierung narrativer Texte zu bewerten.
- Definition des Textbegriffs und der Proposition
- Anwendung der Verbvalenzgrammatik zur Textanalyse
- Untersuchung von Kohärenz- und Kohäsionsmitteln
- Analyse von Topikketten als "roter Faden" in Schülertexten
- Praktische Überprüfung der theoretischen Erkenntnisse an Schüleraufsätzen
Auszug aus dem Buch
2.2.1.2 Verbvalenzgrammatik als Unterstützung bei der Suche nach Propositionen
Um eine Proposition aus einem Satz sozusagen herauszufiltern, nimmt man die Ansätze der Verbvalenzgrammatik zur Hilfe. Dieser Ansatz sieht im Verb das „Organisationszentrum des Satzes“. Man geht dabei davon aus, dass jedes Verb in einem Satz Leerstellen eröffnet, die durch Satzglieder besetzt werden. Es gibt Leerstellen, die besetzt werden müssen und solche, die besetzt werden können. In erstere treten sogenannte obligatorische Ergänzungen, so fordert z.B. das Verb loben ein Akkusativobjekt wie in Jens lobt seinen Bruder.
Ergänzungen, die ein Verb zulässt, aber nicht zwingend braucht, bezeichnet man als fakultative Ergänzungen oder freie Angaben. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden fällt nicht immer leicht, weshalb man in der Verbvalenzgrammatik Probeverfahren zur Feststellung und Klassifizierung der Ergänzungen benutzt. Diese seien hier kurz vorgestellt:
Zur Feststellung von obligatorischen Ergänzungen wird meist die Weglassprobe verwendet, d.h. es werden alle Satzglieder (außer dem Verb und dem Subjekt) einmal weggelassen, z.B. Ich lege mich ins Bett. Probe: *Ich lege/ *Ich lege ins Bett/*Ich lege mich. Alle Sätze werden bei dieser Probe ungrammatisch, d.h. sowohl mich als auch ins Bett sind obligatorische Ergänzungen zum Verb legen.
Um zwischen fakultativen Ergänzungen und freien Angaben unterscheiden zu können, benutzt man die Umformungsprobe. Ein Beispiel hierfür wäre: Er aß sein Brot in der Schule. Probe: Er aß sein Brot. Und das geschah in der Schule. Man sieht an diesem Beispiel, dass sich freie Angaben in eigene Sätze umformen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung führt in die Metapher des Textes als Gewebe ein und definiert den Fokus auf die Themenbereiche Kohärenz und Referenz in Schülertexten.
2.0 Theoretische Erläuterungen: Dieses Kapitel erläutert linguistische Grundlagen, darunter das Textverständnis, die Bestimmung von Propositionen mittels Verbvalenzgrammatik sowie Konzepte der Textkohärenz, Kohäsion und Referenz.
3.0 Praktischer Teil: Analyse von Schüleraufsätzen: Hier werden zwei Schüleraufsätze anhand der theoretischen Konzepte untersucht, wobei besonders die Verwendung kohäsiver Mittel und der Aufbau von Topikketten analysiert werden.
4.0 Schlusszusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die theoretischen und praktischen Analysen und leitet daraus Empfehlungen für den Grammatikunterricht zur Wortschatzerweiterung ab.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Kohärenz, Kohäsion, Proposition, Verbvalenzgrammatik, Referenz, Topikketten, Wiederaufnahme, Textanalyse, Schülertexte, Grammatik, Semantik, Textstruktur, Sprachwissenschaft, Erzähltexte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Analyse der sprachlichen Struktur von narrativen Schülertexten auf Basis textlinguistischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich primär auf Kohärenz, Kohäsion, Referenz sowie die Einteilung von Texten in Propositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, theoretische Konzepte der Textlinguistik zu definieren und diese praktisch auf Schüleraufsätze anzuwenden, um deren Kohärenz und Referenzstrukturen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein textlinguistischer Ansatz verfolgt, der unter anderem die Verbvalenzgrammatik zur Identifikation von Propositionen und die Untersuchung von Wiederaufnahmerelationen umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Textstruktur und einen praktischen Teil, in dem zwei Schüleraufsätze hinsichtlich Kohäsionsmitteln und Topikketten analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Textlinguistik, Kohärenz, Kohäsion, Proposition und Topikketten.
Warum spielt die Verbvalenzgrammatik für diese Arbeit eine Rolle?
Sie dient als Analyseeinheit, um Texte in handhabbare Propositionen zu zerlegen und die grammatische Struktur der Sätze präzise zu bestimmen.
Wie gehen die untersuchten Schüler mit dem "roten Faden" um?
Die Analyse zeigt, dass Schüler das Nachbarhaus als räumlichen Rahmen konsequent nutzen, jedoch bei der Verwendung von Proformen zur Vermeidung von Wiederholungen unterschiedliche Kompetenzen aufweisen.
- Quote paper
- Kerstin Kloos (Author), 2004, Analyse narrativer Schülertexte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37497