Einleitung
Aus den „Didaktischen Hinweisen zur Vorbereitung und Durchführung der neu gestalteten mündlichen Abiturprüfung in Baden-Württemberg“: „Der Schüler, der vom Fach nichts versteht, aber eine raffinierte Präsentation gestaltet, muss ins Reich der Legenden verbannt werden.“1 Was hat dieses Zitat nun mit dem Thema dieser Arbeit, der Leistungsbeurteilung, zu tun?
Sehr viel, denn es zeigt die Problematik auf, die in dieser Arbeit behandelt werden soll: Wird in der Leistungsbeurteilung wirklich das bewertet, was eigentlich bewertet werden soll? Spielen nicht oftmals ganz andere Faktoren eine Rolle als die wirklich vom Schüler erbrachte Leistung? Es werden Tests geschrieben, die vorgeben, das Hörverstehen abzuprüfen. In Wirklichkeit testen sie aber eher die Fähigkeit des Schülers, Aufgabenstellungen zu interpretieren. Sogenannte „mündliche“ Noten für Mitarbeit hängen oft mehr von Sym- bzw. Antipathie des Lehrers gegenüber einem Schüler ab, als von der tatsächlichen Qua ntität und Qualität von dessen Wortmeldungen. Dies ist nur ein kleines Abbild der Probleme, die sich in der Schule auf dem Gebiet der Leistungsmessung und –beurteilung auftun. Zunächst wird in dieser Arbeit ein Versuch zur Definition des Begriffs Leistung vorgenommen, dann werden die Gütekriterien, die bei der Messung und Beurteilung einer Leistung wichtig sind, vorgestellt und erläutert. Anschließend werden Ziele, Methoden und Organisationsformen der Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung vorgestellt und am Beispiel des Englischunterrichts konkretisiert. Am Ende steht dann noch der Blick auf mögliche Alternativen zur gängigen Leistungsbeurteilung, die den Gütekriterien eher zu entsprechen versuchen. Die Notengebung und die Kritik daran soll in dieser Arbeit (soweit möglich) ausgespart werden, da sonst der Rahmen der Arbeit gesprengt würde.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Hauptteil
2.1 Was versteht man unter Leistung? Versuch einer Begriffsdefinition
2.2 Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung in der schulischen Praxis
2.2.1Begriffsabgrenzung:Leistungsmessung- Leistungsbeurteilung
2.2.2....Güte- bzw. Qualitätskriterien bei der Messung und Beurteilung von Leistungen
2.2.2.1Objektivität
2.2.2.2 Reliabilität
2.2.2.3 Validität
2.2.2.4 Weitere Gütekriterien in der Diskussion
2.2.3 Ziele der Leistungsmessung bzw. –beurteilung
2.2.4 Organisationsformen der Leistungsmessung und -beurteilung
2.3 Leistungsmessung und -beurteilung im Englischunterricht
2.3.1 Mündliche Leistungen im Englischunterricht
2.3.2 Schriftliche Leistungen im Englischunterricht
2.3.2.1 Pädagogisch-didaktische Überlegungen
2.3.2.2 Methodische Möglichkeiten zur Überprüfung schriftlicher Leistungen
2.4 Alternativen und Aussichten
2.4.1 Self-assessment oder Selbstbeurteilung
2.4.2 Das Portfolio
3.0 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Problematik der Leistungsbeurteilung im schulischen Kontext, mit einem spezifischen Fokus auf das Fach Englisch, um die Diskrepanz zwischen messbarer Leistung und subjektiver Notengebung aufzuzeigen und alternative Bewertungsansätze zu diskutieren.
- Definition des Leistungsbegriffs im pädagogischen Kontext
- Wissenschaftliche Gütekriterien für Leistungsmessung (Objektivität, Reliabilität, Validität)
- Spezifische Methoden der Leistungsmessung im Englischunterricht
- Kritik an klassischen Prüfungsformaten
- Vorstellung von Alternativen wie Selbstbeurteilung und Portfolios
Auszug aus dem Buch
2.3.2.2 Methodische Möglichkeiten zur Überprüfung schriftlicher Leistungen
Grundsätzlich kann man im Englischunterricht drei Testmethoden unterscheiden: 1. discrete point testing 2. integrative testing 3. pragmatic testing
Unter discrete point testing versteht man ein Verfahren, das punktuell über eine zeitlich limitierte Lernleistung eines Schülers informieren will, z.B. über einen bestimmten Wortschatz oder eine bestimmte grammatische Formulierung. In der Fachliteratur werden diese Verfahren auch zu den geschlossenen Aufgabenstellungen gezählt. Tests dieses Typs sind leicht zu erstellen, schnell vom Schüler zu bearbeiten und relativ schnell zu korrigieren. Sie prüfen allerdings, wie alle geschlossenen Aufgabenformen, nicht das Wissen auf der Anwendungsebene ab, sondern eher die Lernleistung bzw. den Fleiß, den der Schüler für die Vorbereitung auf den Test aufgebracht hat. Die bekannteste Form des discrete point testings sind multiple-choice Aufgaben, in einsprachiger oder zweisprachiger Form mit isolierten Einzelsätzen. Aus testpsychologischer Sicht sind diese Verfahren der Leistungsmessung sehr realitätsfern und nur wenig gültig, da sie nur geringe Auskunft über die tatsächliche Leistung eines Schülers geben.
Das integrative testing beinhaltet sogenannte halboffene Aufgaben, d.h. „ Bei dieser Form- die in sich widerum viele Varianten ermöglicht- verbindet der Autor der Aufgabe mit ihrer Formulierung bereits präzise Vorstellung über die Kriterien der Beantwortung“. Ein Beispiel wäre eine Bildergeschichte, bei der pro Bild etwa 5 Wörter vorgegeben sind, die später in der Verschriftlichung des Bildes vorkommen sollen. Dieser Aufgabentyp erfordert schon wesentlich mehr vom Schüler als das discrete point testing: Er muss „nicht nur die unregelmäßigen Verben beherrschen, sondern darüber hinaus eine Fülle von weiterführenden Sprachkenntnissen beweisen, z.B. ganze Sätze bilden, Sätze grammatisch und logisch miteinander verbinden etc.“.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der subjektiven Leistungsbeurteilung in der Schule ein und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen vor.
2.0 Hauptteil: Der Hauptteil beleuchtet theoretische Grundlagen, Gütekriterien der Leistungsbeurteilung, spezifische Anwendungen im Englischunterricht und alternative Prüfungsformate.
3.0 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere Einbeziehung der Schülerbedürfnisse zur Verbesserung der Beurteilungspraxis.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Leistungsmessung, Englischunterricht, Objektivität, Reliabilität, Validität, Schulleistung, Pädagogische Diagnostik, Selbstbeurteilung, Portfolio, Prüfungsformate, Schülerzentrierung, Fremdsprachendidaktik, Testmethoden, Notengebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Probleme bei der Bewertung von Schülerleistungen in der Schule, insbesondere im Hinblick auf Objektivität und Fairness.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der pädagogische Leistungsbegriff, wissenschaftliche Gütekriterien, verschiedene Organisationsformen der Prüfung sowie die Anwendung dieser Konzepte im Englischunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Problematik der Leistungsbeurteilung aufzuzeigen, die Unzulänglichkeiten klassischer Methoden zu analysieren und alternative, schülerorientierte Ansätze zu beleuchten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Anwendung fachdidaktischer Erkenntnisse der Fremdsprachendidaktik und Pädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Leistung, die Erläuterung der Gütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität), sowie die Diskussion über mündliche und schriftliche Prüfungsformen im Englischunterricht und moderne Alternativen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leistungsbeurteilung, Objektivität, Englischunterricht, Selbstbeurteilung und Portfolio charakterisiert.
Warum wird gerade das Fach Englisch als Beispiel gewählt?
Das Fach Englisch eignet sich besonders gut, da hier sowohl kommunikative als auch schriftliche Kompetenzen geprüft werden müssen, was die Schwierigkeiten der Standardisierung verdeutlicht.
Welche Bedeutung haben "Rating Scales" für die Bewertung?
Rating Scales dienen als Hilfsmittel, um den subjektiven Beurteilungsprozess durch operationalisierbare Lernziele zu systematisieren und transparenter zu gestalten.
Was macht ein Portfolio zu einer Alternative zur klassischen Prüfung?
Das Portfolio dokumentiert einen Lernprozess über einen längeren Zeitraum hinweg, anstatt nur eine einmalige, punktuelle Leistung abzufragen.
- Citation du texte
- Kerstin Kloos (Auteur), 2004, Problematik der Leistungsbeurteilung im Fach Englisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37499