Zusammenfassung
Basierend auf theoretischen Grundlagen zum Lernen mit bebilderten Texten und dem Einfluss des individuellen Vorwissens des Lerners auf den Lernerfolg, wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, ob Lernen mit illustrierten Texten einen größeren Wissenszuwachs mit sich bringt als das Lernen mit unbebilderten Texten. Zusätzlich wird geprüft, inwieweit das Vorwissen eines Lerners sich auf diesen Lernerfolg auswirkt.
Es zeigt sich, dass Lerner, die mit bebilderten Texten lernen eine signifikant bessere Lernleistung erzielen als Lerner, die mit reinen Texten lernen. Zusätzlich ergibt sich für die Annahme, dass das Vorwissen einen Einfluss darauf hat, wie hilfreich Textillustrationen für einen Lerner sind, dass das Vorwissen keine bedeutende Rolle spielt. Experten und Novizen lernen mit illustrierten Texten gleich viel hinzu. Daraus ergibt sich eine weitere Fragestellung: Gibt es einen Unterschied im Lernerfolg bei Experten und Novizen, wenn diese mit unbebilderten Texten arbeiten? Die Untersuchung hierzu ergibt eine signifikant bessere Lernleistung der Novizen.
Ein Ausblick soll zeigen, welche Möglichkeiten und Konsequenzen sich aus den Ergebnissen ergeben.
Schlagworte: Lernen mit illustrierten Texten – Funktionen von Abbildungen – mentale Modelle – Bildverstehensmodelle – Einfluss des Vorwissens auf den Lernerfolg – Novize – Experte
Inhaltsverzeichnis
1. ZIELSETZUNG DER ARBEIT
2. LERNEN MIT ILLUSTRIERTEN TEXTEN
2.1 WISSENSERWERB MIT INFORMIERENDEN BILDERN
2.2 MODELLE DER BILDVERARBEITUNG
2.2.1 PRÄ-ATTENTIVE UND ATTENTIVE PROZESSE BEIM BILDVERSTEHEN
2.2.2 ÖKOLOGISCHES UND INDIKATORISCHES BILDVERSTEHEN
2.3 AUFBAU VON MENTALEN MODELLEN DURCH BILDER
2.3.1 MENTALE MODELLE
2.3.2 EXKURS: BILDER ALS MATERIAL ZUM AUFBAU MENTALER MODELLE
2.4 FUNKTIONEN VON TEXTILLUSTRATIONEN
2.5 THEORIEN ZUM LERNEN MIT ILLUSTRIERTEN TEXTEN
2.5.1 DAS MODELL DER VERARBEITUNG VON BILDERN IN TEXTEN VON SALOMON
2.5.2 DAS MODELL DES BILDVERSTEHENS VON WEIDENMANN
2.6 RAHMENMODELL MIT ALLEN BEKANNTEN KOMPONENTEN
2.7 EMPIRISCHE BEFUNDE ZUR LERNFÖRDERNDEN WIRKUNG VON BILDERN IN TEXTEN
2.8 ZUSAMMENFASSUNG
3. DER EINFLUSS DES VORWISSENS AUF DAS LERNEN MIT BILDERN
3.1 DER EINFLUSS DES VORWISSENS AUF DEN LERNERFOLG BEIM LERNEN MIT ILLUSTRIERTEN TEXTEN
3.2 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
4. FRAGESTELLUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
4.1 ALLGEMEINE FRAGESTELLUNG
4.2 HYPOTHESEN DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
5. METHODE
5.1 ERHEBUNG DES BEREICHSSPEZIFISCHEN WISSENS UND DESSEN VERÄNDERUNG
5.2 PILOTSTUDIE
5.2.1 DIE PILOTSTUDIE UND IHRE ERGEBNISSE
5.2.2 KONSEQUENZEN FÜR DIE AKTUELLE STUDIE
5.3 UNTERSUCHUNGSMATERIALIEN
5.3.1 DER INFORMATIONSTEIL DER CD-ROM LOVELINE
5.3.2 DAS LIEBESLEXIKON DER INTERNETSEITE WWW.LOVELINE.DE
5.3.3 INFOTEIL VERSUS LIEBESLEXIKON
5.4 VERSUCHSTEILNEHMER UND UNTERSUCHUNGSPLAN
5.5 ABLAUF DER UNTERSUCHUNG
6. ERGEBNISSE
6.1 DER EINFLUSS VON ILLUSTRATIONEN AUF DEN LERNERFOLG
6.2 DER EINFLUSS DES VORWISSENS AUF DEN LERNERFOLG BEIM LERNEN MIT BEBILDERTEN TEXTEN
6.3 WEITERE ERGEBNISSE
7. DISKUSSION DER ERGEBNISSE
7.1 DER EINFLUSS VON ILLUSTRATIONEN AUF DEN LERNERFOLG
7.2 DER EINFLUSS DES VORWISSENS AUF DEN LERNERFOLG BEIM LERNEN MIT BEBILDERTEN TEXTEN
7.3 WEITERE ERGEBNISSE
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Illustrationen und bereichsspezifischem Vorwissen auf den Lernerfolg. Dabei wird empirisch geprüft, ob illustrierte Texte einen signifikant höheren Wissenszuwachs erzielen als reine Texte und welche Rolle das Vorwissen der Lernenden spielt, um Bildautoren Anhaltspunkte für die didaktische Gestaltung von Lehrmaterialien zu geben.
- Wirksamkeit von Textillustrationen
- Einfluss des Vorwissens auf den Lernerfolg
- Modellbildung beim Lernen mit Bildern
- Vergleich von illustrierten vs. unbebilderten Lerntexten
- Didaktische Gestaltung von Lehrmaterialien
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Prä-attentive und attentive Prozesse beim Bildverstehen
Durch die Analyse der Aktivitäten bei der Bildverarbeitung lassen sich prä-attentive von attentiven Prozessen unterscheiden (Weidenmann, 1994).
Nach Weidenmann (1994) laufen prä-attentive Prozesse automatisch und ohne direkten Einfluss des Bewusstseins ab. Bei bekannten Objekten kann der Rezipient das Abbild schon nach einer Zehntelsekunde zutreffend erkennen (Weidenmann, 1993). Grund für diese schnelle Verarbeitung sind parallel arbeitende Prozesse, die unter anderem das Objekt identifizieren, die verarbeiteten Muster erkennen und die Wahrnehmung des Betrachters organisieren. Der Wahrnehmungsapparat des Rezipienten scheint so organisiert zu sein, dass ein möglichst schnelles Erfassen der Grundaussage des Bildes im Vordergrund steht (Loftus & Bell, 1975). Details werden erst später bei genauerem Hinsehen verarbeitet. Ob ein Objekt schnell erkannt wird, hängt von seiner Darstellung ab.
Den prä-attentiven Prozessen stehen die attentiven Rezeptionsprozesse gegenüber. Sie dauern länger, sind dem Bewusstsein zugänglich (Salomon, 1987) und mit einer gezielten Suche zu vergleichen (Shiffrin & Schneider, 1977). Der Rezipient richtet seine Aufmerksamkeit dabei auf einzelne Details, analysiert und interpretiert diese und versucht, aufgabenrelevante Informationen aus dem gebotenen Bild zu erhalten. Die neuen Informationen vergleicht er mit bereits vorhandenen, zieht daraus Schlüsse und verbindet die Bild- mit den Textinformationen (Weidenmann, 1994).
Zusammenfassung der Kapitel
1. ZIELSETZUNG DER ARBEIT: Einführung in die Bedeutung von Abbildungen in Lerntexten und Darstellung der Forschungsfrage zur Wirkung von Bildern in Abhängigkeit vom Vorwissen.
2. LERNEN MIT ILLUSTRIERTEN TEXTEN: Theoretische Fundierung über Bildverarbeitungsprozesse, mentale Modelle und verschiedene Funktionen von Illustrationen in Lehrtexten.
3. DER EINFLUSS DES VORWISSENS AUF DAS LERNEN MIT BILDERN: Analyse bestehender empirischer Befunde zur Bedeutung von bereichsspezifischem Wissen für den Lernerfolg bei der Arbeit mit bebilderten Materialien.
4. FRAGESTELLUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Herleitung der konkreten Forschungsfragen und Hypothesen für die durchgeführte experimentelle Untersuchung.
5. METHODE: Beschreibung des Studiendesigns, der eingesetzten Materialien (LoveLine), der Versuchsteilnehmer und des Ablaufs der Datenerhebung.
6. ERGEBNISSE: Präsentation der statistischen Auswertungen bezüglich des Einflusses von Illustrationen sowie des Vorwissens auf den Lernerfolg der Probanden.
7. DISKUSSION DER ERGEBNISSE: Interpretation der Studienergebnisse im Kontext der theoretischen Modelle und Diskussion der Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Lerneffektivität.
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Resümee der Arbeit sowie Ableitung von Empfehlungen für die Gestaltung von Lehrmaterialien und zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Lernen mit illustrierten Texten, Funktionen von Abbildungen, mentale Modelle, Bildverstehensmodelle, Einfluss des Vorwissens, Lernerfolg, Novize, Experte, Wissenserwerb, Medienpsychologie, Instruktionsdesign, Textverständlichkeit, multimediales Lernen, kognitive Prozesse, Bildverarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die Kombination von Text und Bild auf den Lernerfolg von Schülern hat und welche Rolle dabei das individuelle Vorwissen spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Studie befasst sich mit Medienpsychologie, kognitiven Modellen der Bildverarbeitung, dem Aufbau mentaler Modelle sowie der didaktischen Gestaltung von Lehrmaterialien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob durch die Illustration von Lerntexten ein signifikanter Lernzuwachs entsteht und wie dieser mit dem Vorwissen der Lernenden korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine experimentelle Vergleichsstudie durchgeführt, bei der Versuchsgruppen mit zwei verschiedenen Lernsystem-Versionen (illustriert vs. Text) gearbeitet haben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Grundlagen der Bildverarbeitung) und einen empirischen Teil (Analyse der Hypothesen durch Tests).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere mentale Modelle, informierende Bilder, Novize, Experte, Wissenszuwachs und instruktionale Gestaltung.
Was ergab der Vergleich zwischen illustrierten und unbebilderten Texten?
Die Ergebnisse zeigten, dass Lerner, die mit bebilderten Texten arbeiteten, eine signifikant höhere Lernleistung erbrachten als jene, die nur mit reinen Texten lernten.
Wie unterscheidet sich der Lernerfolg bei Experten und Novizen?
Die Studie ergab entgegen der Ausgangshypothese, dass Experten und Novizen mit den illustrierten Texten gleich viel lernten; es konnte kein signifikanter Unterschied im Wissenszuwachs nachgewiesen werden.
Warum schätzen Lernende den Nutzen von Bildern oft gering ein?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Lernende die Bilder nur flüchtig betrachten (prä-attentive Prozesse) und sie eher als Auflockerung statt als strategisches Lernwerkzeug wahrnehmen.
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- Karin Hiltl (Author), 2004, Lernen mit illustrierten Texten - Eine Studie zum Einfluss von Abbildungen und bereichsspezifischem Vorwissen auf den Lernerfolg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37506