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Im Dienste des Reiches. Hans Dominik und die deutsche Science Fiction der 1920er und 30er Jahre

Title: Im Dienste des Reiches. Hans Dominik und die deutsche Science Fiction der 1920er und 30er Jahre

Term Paper , 2005 , 31 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Alexander Renner (Author)

Literature - Modern Literature
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Summary Excerpt Details

Einleitung

„Gorm! Seine Werke, seine Taten, immer größer, gewaltiger! Unmöglich sich mit ihm zu messen...für jeden anderen Menschen dieser Erde. Alles, was der begann, führte zum Sieg. Seine Größe so übermenschlich!“ 1 So beschreibt einer der erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Science Fiction–Autoren der 1920er und 30er Jahre, der ehemalige Ingenieur Hans Dominik, den deutschen Helden seines Zukunftsromans „Das Erbe der Uraniden“. Der Roman erschien erstmals 1928, also nur wenige Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, als die Mehrheit der Deutschen einem in ihren Augen ähnlich gewaltigen Führer zujubelte. Dominiks Romane sind voller antisemitischer, rassistischer und antiamerikanischer Klischees, hinzu kommt ein gewisser Hang zu Esoterik und Okkultismus, insbesondere zu germanischnordischen Mythen. Sie sind also mitunter plastische Spiegelbilder deutscher Befindlichkeiten der damaligen Zeit. Doch dazu später mehr. Darüber hinaus aber folgen sie in der Regel einem immergleichen Schema. Sie entwerfen eine Welt der einfachen Gegensätze: auf der einen Seite mutige und geniale deutsche Ingenieure, Erfinder und Kampfflieger, auf der anderen Seite Franzosen, Engländer, Chinesen oder, wie etwa in „Das Erbe der Uraniden“, die „roten Sowjetkräfte“. 2 Es kommt zum unerbittlichen Kampf, der schließlich durch wundersame technische Erfindungen zugunsten der ‚Guten‘ entschieden wird. Am Ende steht die Erkenntnis der Superiorität der ‚weißen Rasse‘ und vor allem der Deutschen.

Den Autor und einige seiner Romane, die bis heute in zum Teil hohen Auflagen vertrieben werden, möchte ich in der folgenden Arbeit kurz vorstellen. Doch wäre dies allein zu wenig. Darüber hinaus soll auch die Frage beantwortet werden, ob und wenn ja inwieweit Dominik für die deutsche Variante der Science Fiction, für den technischen Zukunftsroman, als typischer Vertreter gelten kann. Der deutsche Zukunftsroman – dies sei vorweg genommen - war allerspätestens nach 1918 eine klare Domäne der politisch extrem rechten Autoren, die einen völkischen Nationalismus mit starken Führerfiguren propagierten und deren fiktive Rassekriege im Normalfall mit dem Sieg Deutschlands endeten...

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes

2.1. Inhaltliche Abgrenzung: die Science Fiction und ihre wesentlichen Motive

2.2. Personelle und zeitliche Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes

3. Hans Dominik. Ingenieur und Schriftsteller

3.1. Biographisches

3.2. „Die Macht der Drei“ (1922)

3.3. „Atlantis“ (1925)

3.4. „Das Erbe der Uraniden“ (1928)

3.5. Zusammenfassung

4. Hans Dominik. Ein Einzelfall?

4.1. Der deutsche technische Zukunftsroman vor 1918

4.2. Der deutsche technische Zukunftsroman nach 1918

4.3. Exkurs: Euthanasie, Rassenlehre und Antisemitismus in Friedrich Freksas „Druso oder: Die gestohlene Menschenwelt“ (1931)

4.4. Ausblick: Der deutsche technische Zukunftsroman nach 1933

5. Schlussbetrachtungen: Science Fiction, „Aufforderung zum faschistischen Staatsstreich“?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Werke des Science-Fiction-Autors Hans Dominik im Kontext der politisch rechten Strömungen der 1920er und 1930er Jahre in Deutschland, um zu klären, inwieweit das Genre der Science Fiction selbst Affinitäten zu faschistischen Weltbildern aufweist.

  • Analyse des Weltbildes in Hans Dominiks Zukunftsromanen
  • Untersuchung des "technischen Zukunftsromans" als Propagandainstrument
  • Identifikation ideologischer Schnittstellen zwischen Science Fiction und Nationalsozialismus
  • Diskussion über die Rolle der Science Fiction bei der Herrschaftskonsolidierung
  • Vergleich zwischen Hans Dominiks Werk und anderen Genre-Autoren der Zeit

Auszug aus dem Buch

3.2. „Die Macht der Drei“ (1922)

1922 erscheint im Berliner Scherl Verlag sein erster Zukunftsroman „Die Macht der Drei“. Nur vier Jahre zuvor waren Deutschlands Träume von der Weltmacht im ersten Weltkrieg zerschlagen worden, Gebietsverluste und Reparationszahlungen waren die Folge. Nicht wenige Autoren reagierten unmittelbar auf diese veränderte Situation und schon bald erschienen die ersten Zukunftsromane, die die Niederlage mit den Mitteln der Fiktion vergessen machen wollten und ein neues starkes Deutschland imaginierten.

Genau in dieser Tradition steht auch Dominiks Buch. So heißt es am Ende des Romans etwa:

„...und da waren wir ganz unten. Man wußte in Deutschland nichts mehr von Bismarck und seinem Vermächtnis. Die anderen im Osten und Westen machten mit uns, was sie wollten, solange wir es uns gefallen ließen...gefallen lassen mußten. Europa war krank, weil sein Herz krank war.“

Die Handlung des Romans ist schnell erzählt. Das britische Imperium ist kurz davor zu zerfallen und gerät in ernsthafte Konflikte mit den USA. Letztendlich scheint ein Krieg zwischen den beiden Mächten unausweichlich, der jedoch die gesamte Welt in Mitleidenschaft ziehen würde. Das wissen auch die drei Männer, ein Deutscher, ein Schwede und ein Inder, die mit einer wundersamen Waffe in den Konflikt eingreifen. Der Deutsche nämlich hat es geschafft, einen sogenannten telenergetischen Strahler zu konstruieren, der es ihnen ermöglicht, an jedem beliebigen Punkt der Welt mit Hilfe von Atomenergie Brände zu entfachen oder Explosionen hervorzurufen. Die drei benutzen ihre Waffe natürlich nur, um den Frieden auf der Welt wieder herzustellen, doch werden ihre Pläne von einem bösen, mit hypnotischen Fähigkeiten ausgestatteten Amerikaner durchkreuzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, beleuchtet das Weltbild Hans Dominiks und stellt die Forschungsfrage, ob das Genre der Science Fiction selbst faschistische Affinitäten besitzt.

2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes: Dieses Kapitel definiert den Begriff Science Fiction für die Arbeit und erläutert die Auswahl der betrachteten Texte anhand typischer Motive.

3. Hans Dominik. Ingenieur und Schriftsteller: Es wird die Biographie des Autors skizziert und seine wichtigsten Romane sowie deren ideologisches Fundament analysiert.

4. Hans Dominik. Ein Einzelfall?: Hier wird untersucht, ob Dominiks Werk ein singuläres Phänomen war oder ob der deutsche Zukunftsroman insgesamt ein Transporteur nationalistischer und faschistischer Ideologien darstellte.

5. Schlussbetrachtungen: Science Fiction, „Aufforderung zum faschistischen Staatsstreich“?: Im Fazit wird reflektiert, ob die Science Fiction als "systemerhaltendes Krisenmanagement" fungierte und welche Rolle sie im gesellschaftlichen Kontext der 1920er und 30er Jahre spielte.

Schlüsselwörter

Hans Dominik, Science Fiction, technischer Zukunftsroman, Nationalsozialismus, Völkischer Nationalismus, Faschismus, Rassenlehre, Antisemitismus, Propaganda, Ingenieursliteratur, Weltanschauung, Weimarer Republik, Ideologie, Technikverherrlichung, Sozialdarwinismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Science-Fiction-Romane von Hans Dominik in den 1920er und 1930er Jahren und deren ideologischer Einbettung in das nationalsozialistische Weltbild.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind Technikgläubigkeit, Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und die Funktion von Unterhaltungsliteratur als Propagandainstrument.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit das Genre der Science Fiction eine systemkonforme und faschistoide Struktur aufweist, die für die Zwecke nationalistischer Ideologien besonders anschlussfähig war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine textanalytische Untersuchung ausgewählter Romane in Kombination mit literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur, um das Weltbild in Dominiks Werken zu kontextualisieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Romane Dominiks, die Entwicklung des deutschen technischen Zukunftsromans sowie den Einfluss von Rassentheorien auf die phantastische Literatur der Zeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hans Dominik, Science Fiction, Ideologie, Nationalsozialismus, Völkischer Nationalismus und Rassenlehre charakterisiert.

Warum wird Friedrich Freksas "Druso" als Exkurs aufgeführt?

Freksas Roman wird als radikales Beispiel gewählt, da er bereits 1931 das gesamte Programm des Nationalsozialismus – inklusive Rassenlehre und Euthanasie – vorwegnimmt.

Wie bewertet der Autor die Rolle des technischen Fortschritts in diesen Romanen?

Der Autor argumentiert, dass technischer Fortschritt in diesen Romanen oft zum Selbstzweck verkommt und lediglich zur Inszenierung phantastischer Machtfantasien dient, ohne die gesellschaftliche Realität kritisch zu reflektieren.

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Details

Title
Im Dienste des Reiches. Hans Dominik und die deutsche Science Fiction der 1920er und 30er Jahre
College
University of Hagen  (Kulturwissenschaften)
Course
Europäische Literatur der Neuzeit - Kulturelle Fremderfahrung im Spiegel der Literatur
Grade
2,0
Author
Alexander Renner (Author)
Publication Year
2005
Pages
31
Catalog Number
V37508
ISBN (eBook)
9783638368315
Language
German
Tags
Dienste Reiches Hans Dominik Science Fiction Jahre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Renner (Author), 2005, Im Dienste des Reiches. Hans Dominik und die deutsche Science Fiction der 1920er und 30er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37508
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