Der Nationalsozialismus in München. Planung einer Exkursion im Rahmen des Geschichtsunterrichts Gymnasium Oberstufe


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis
I.
Einleitung ... 3
II.
München 1923-1945: Eine Exkursion zu Orten und Gebäuden im
Geschichtsunterricht des Gymnasiums ... 4
II.1.
Fachwissenschaftliche Einführung in das Thema ... 4
II.1.1.
Warum überhaupt eine Exkursion? ... 4
II.1.2. Eine mögliche Typisierung der historischen Orte ... 8
II.2.
Lernziele und Lehrplanbezug ... 11
II.3.
Skizze der geplanten Umsetzung ... 13
III.
Schluss ... 19
IV.
Literaturverzeichnis ... 21

3
I.
Einleitung
Immer wieder wird in der Geschichtsdidaktik das motivierende Moment der Be-
schäftigung mit Lokal- und Regionalgeschichte betont.
1
In diesem Sinne drängt es
sich förmlich auf, bei der Behandlung des Themas Nationalsozialismus eine Bege-
hung der, diese Zeit betreffenden, Örtlichkeiten in den normalen Schulbetrieb ein-
zufügen. Im hier vorliegenden Fall wird im Wesentlichen die Lokalgeschichte
Münchens fokussiert, indem die Begehung ­ einem imaginären Zeitstrahl folgend
­ entlang der Ludwigstraße erfolgt.
2
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Abschnitte, zuerst wird versucht,
Gründe für eine historische Exkursion zu liefern und zu erläutern, was an den un-
terschiedlichen historischen Orten gelernt werden kann. Auch wenn bei der Typi-
sierung der Lernorte schon auf die angesteuerten Orte eingegangen wird, so kon-
kretisiert der zweite Abschnitt die eher allgemeinen Aussagen zu Exkursionen auf
die Orte und Gebäude in München, die für den Zeitraum 1923 bis 1945 von Bedeu-
tung waren.
Eine weitere Frage, die sich bei der Planung ergab, war, wie man bei solch einer
Exkursion dem Lehrplan gerecht werden und die, in Fachprofil und Jahrgangsstu-
fenplan geforderten, Ziele verfolgen kann. Auch auf diese Frage wird im zweiten
Abschnitt der Arbeit eingegangen.
Als besonders hilfreich zeigte sich im Verlauf der Planung auch der Entwurf eines
Quellenheftes, das die Exkursion unterstützen soll und im normalen Unterricht im-
mer wieder herangezogen werden kann. Dieses Quellenheft betont noch einmal den
lokal- und regionalgeschichtlichen Charakter Münchens als ,,Hauptstadt der Bewe-
gung" während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die geplante Exkursion richtet sich in ihrer Art und den verfolgten Lern- und Er-
kenntniszielen ausschließlich an die Jahrgangsstufe 11/12 des G8; dabei handelt es
sich um eine skizzierte Planung, die bisher in der Praxis noch nicht umgesetzt
1
s.: Ulrich Mayer: Historische Orte als Lernorte, in: Ulrich Mayer, Hans-Jürgen Pandel, Gerhard
Schneider (Hrsg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (Forum Historisches Ler-
nen). Schwalbach/Ts. 2004, S. 394f.; Helmut Beilner: Heimatgeschichte als Regional- und
Lokalgeschichte, in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grund-
lagen historischen Lernens. Bd. 2. Neuried 1999, S. 803-827.
2
Gerade in München, der ehemaligen ,,Hauptstadt der Bewegung" bietet sich eine Exkursion an,
da sie eine reichhaltige Möglichkeit bietet, geschichtswissenschaftliches Arbeiten zu erproben
­ sei es nun der Königsplatz, die Residenz oder die Ludwigstraße.

4
wurde. Auch das Quellenheft hat noch keine praktische Erprobung erlebt und rich-
tet sich an eine rein fiktive Klasse der Jahrgangsstufe 11/12 des G8.
Eine fachwissenschaftliche Einführung in die historischen Themen, die im Verlauf
der Exkursion thematisiert werden, erfolgt im Rahmen dieser Arbeit nicht, da die
benötigten Fakten und Entwicklungen als bekannt vorausgesetzt werden.
II. München 1923-1945: Eine Exkursion zu Orten und Gebäuden im
Geschichtsunterricht des Gymnasiums
In der vorliegenden Arbeit sollen zum Einen Gründe und Anreize für eine Ex-
kursion skizziert und dargestellt werden, wobei dabei immer wieder auf die ge-
plante Exkursion verwiesen wird, um diese in ihrer Art zu begründen.
3
Zum Ande-
ren wird der Lehrplanbezug hergestellt, dabei soll auch erläutert werden, wie die
gestellten Lernziele in der Planung erreicht werden können.
II.1. Fachwissenschaftliche Einführung in das Thema
In diesem Abschnitt der Arbeit werden die Vorzüge und Gründe für eine Exkursion
vorgestellt und in einem weiteren Schritt soll versucht werden, die historischen Orte
zu typisieren. Auf die Grenzen und Schwierigkeiten, die einer Exkursion inhärent
sind, wird von Fall zu Fall in der Skizzierung und Planung ­ dargestellt in Abschnitt
II.2. und II.3. ­ eingegangen.
II.1.1. Warum überhaupt eine Exkursion?
Bevor eine Exkursion angestrebt wird, muss folgende Frage geklärt werden: Was
können SchülerInnen außerhalb des Klassenzimmers lernen, das sie innerhalb des
Schulhauses nicht erlernen können?
Dietmar von Reeken führt zur Beantwortung dieser Frage zunächst den Begriff des
authentischen Lernens an. Demnach ist es so, dass an außerschulischen Lernorten
3
Dabei sei angemerkt, dass eine Typisierung der einzelnen Exkursionstypen aus Platzgründen nicht
im Detail vorgenommen werden kann. Dazu sei auf eine mögliche Einteilung von Waltraud
Schreiber verwiesen: Waltraud Schreiber: Geschichte lernen an historischen Stätten: die histori-
sche Exkursion, in: Waltraud Schreiber: Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen histo-
rischen Lernens (Bayerische Studien zur Geschichtsdidaktik, Bd. 1). Neuried 2004, S. 636-642.

5
,,das selbstständige Lernen und das Lernen mit allen Sinnen eher möglich ist."
4
Da-
mit greift Reeke einen wesentlichen Gedanken Bernd Heys auf, der im ,,learning
by going"
5
eine Möglichkeit zur ganzheitlichen Auseinandersetzung der SchülerIn-
nen mit der Geschichte sieht.
6
Dazu gehört zum Einen das Erleben der räumlichen
Dimension von historischen Objekten, die noch über die Dreidimensionalität hin-
ausgeht: Im Regelfall befindet sich ein historisches Gebäude noch an seinem origi-
nalen Standort und Zusammenhang ­ ganz im Gegensatz zu Museums-Exponaten,
die aus ihrem Kontext herausgerissen wurden, um dann re-kontextualisiert zu wer-
den.
7
Der historische Ort bietet also die Möglichkeit, die räumlichen Dimensionen
von Geschichte in einer weitestgehend authentischen Umgebung über alle Sinne zu
erfahren.
8
Hinzukommt, dass die fehlende didaktisch-methodische Aufbereitung
des historischen Ortes eine eigene Erkenntnisarbeit ermöglicht und somit dem ge-
schichtsdidaktischen Prinzip der Rekonstruktivität Rechnung getragen wird.
9
Zum Anderen zu dieser Ganzheitlichkeit andere Sinneseindrücke, wie bspw. Gerü-
che, Lichtwirkung und Temperatur ­ gewissermaßen eine sinnliche Dimension his-
torischer Objekte. All diese Faktoren beeinflussen den Eindruck, den SchülerInnen
von einem historischen Ort mitnehmen und etwas auslöst, das gemein hin als ,,his-
torischer Schauder" bezeichnet werden kann.
10
Ein Effekt dieser Ganzheitlichkeit ist der Umstand, dass die Imagination der Schü-
lerInnen diese dazu befähigt, sich bestimmte Sachverhalte plastischer vorstellen zu
können. Diese Imagination kann aber im Klassenzimmer und in der Auseinander-
setzung mit Text- und Bildquellen, u. a. nur bedingt erreicht werden.
11
Hierbei muss
4
Dietmar von Reeken: Gegenständliche Quellen und museale Darstellungen, in: Hilke Günther-
Arndt (Hrsg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2003,
S. 137-151.
5
Hey, Bernd: Das Museum draußen : Historische Lehrpfade, Geschichtsstraßen und Lernlandschaf-
ten, in: Geschichtsdidaktik 11/1986, S. 341.
6
Ders.: Das Museum draußen, S. 336-348.
7
Vgl.: Waltraud Schreiber: Geschichte lernen an historischen Stätten: die historische Exkursion, in:
Waltraud Schreiber: Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens (Bay-
erische Studien zur Geschichtsdidaktik, Bd. 1). Neuried 2004, S. 631.
8
Vgl.: Baumgärtner: Historische Orte. S. 14; Reeken: Gegenständliche Quellen. S. 145; Ulrich Ma-
yer: Historische Orte als Lernorte, in: Ulrich Mayer, Hans-Jürgen Pandel, Gerhard Schneider
(Hrsg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (Forum Historisches Lernen), Schwal-
bach/Ts. 2004, S. 392f.
9
Ulrich Mayer: Historische Orte als Lernorte, in: Ulrich Mayer, Hans-Jürgen Pandel, Gerhard
Schneider (Hrsg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (Forum Historisches Lernen),
Schwalbach/Ts. 2004, S. 394.
10
Baumgärtner: Historische Orte, S. 14.; Wobei angemerkt sei, dass der ,,historische Schauder"
nicht nur über die diese sinnliche Dimension erreicht wird, sondern eher als Zusammenspiel von
räumlicher und sinnlicher Dimension zu sehen ist.
11
Baumgärtner: Historische Orte, S. 14.

6
noch berücksichtigt werden, dass die Imagination, die sich im Klassenzimmer ein-
stellt, immer eine vermittelte bzw. präsentierte ist, die immer vom Lehrenden ge-
steuert wird. Beim Besuch vor Ort wird diese Vermittlung umgangen und somit
wird auch dem geschichtsdidaktischen Prinzip der Multiperspektivität Rechnung
getragen.
12
Ein weiterer Effekt der sich beim authentischen Lernen einstellt ist, dass nach neu-
eren lernpsychologischen Überlegungen, Wissensbildungsprozesse und Behaltens-
leistungen ganz besonders gefördert werden.
13
Die SchülerInnen eignen sich somit
Wissen leichter und schneller an und werden darüber hinaus dazu befähigt, be-
stimmte Informationen nachhaltiger aufzunehmen. Dabei spielt natürlich auch der
historische Schauder hinein, der durch sein emotional motivierendes Moment in
besonderer Art und Weise zur Auseinandersetzung mit Geschichte anregt, da er ei-
nen ,,direkteren und nicht nur kognitiv bestimmten Zugang zu einem geschichtli-
chen Phänomen" bietet.
14
Ein weiterer Grund für eine Exkursion ist, dass sie zu einer zunehmenden Öffnung
von Schule beiträgt und damit Schule und außerschulisches Leben wieder stärker
zusammenführt.
15
Dem entspricht eine Forderung Schreibers, die Exkursionen ein
höheres fachspezifisches Gewicht zuschreibt und dabei den reinen Motivationswert
sogar eher hintergründig sieht. Im Vordergrund müsse stehen, ,,dass die Schüler aus
der Summe der Exkursionen (...) ein Instrumentarium gewinnen, um Geschichte
an ihrem originalen Ort selbst entdecken und erschließen zu können."
16
Für sie geht
es bei einer historischen Exkursion darum, die SchülerInnen dazu zu befähigen, zu
erkennen, dass die ,,Vergangenheit in die Gegenwart hineinragt"
17
und sich aus die-
sen Überresten die Geschichte selbst zu erschließen. Schreiber sieht in diesen Über-
resten, die für sie Quellen an historischen Stätten sind, ein wesentliches und lebens-
weltliches Motiv für die Zuwendung zur Geschichte, weswegen es für sie unab-
dingbar ist, sich mit der Geschichte am historischen Ort auch im Unterricht intensiv
zu beschäftigen.
18
Der Lehrer darf also eine Exkursion nicht wie ein Fremdenführer
leiten, sondern muss auch hier die Methodenkompetenz der SchülerInnen schulen,
12
Mayer: Historische Orte, S. 393.
13
Reeken: Gegenständliche Quellen, S. 145.
14
Baumgärtner: Historische Orte, S. 15.
15
Reeken: Gegenständliche Quellen, S. 145.
16
Schreiber: Geschichte lernen, S. 636
17
Ebd. S. 635.
18
Ebd. S. 635f.

7
dann kommt sie auch der Forderung Reekens nach, dass Schule und außerschuli-
sches Leben wieder stärker zusammengeführt werden müssen.
19
Zur Motivation, an einem historischen Ort zu lernen, zählt auch ­ und vor allem ­
das emotionale Moment. Der historische Schauder ­ wie ihn Baumgärtner nennt
20
­ stellt sich nach Mayer SchülerInnen an einer historischen Stätte wie folgt dar: ,,Es
handelt sich um Altes, manchmal auch ehrwürdig Altes, das einmal von wirklichen
Menschen erdacht, hergestellt und genutzt wurde."
21
Die Lernenden können also
vor Ort erkennen, dass die im Klassenzimmer konstruierte Geschichte, auf echten
fassbaren Quellen außerhalb des Klassenzimmers basiert. Dabei kann das bisher
Gelernte bzw. Konstruierte kritisch abgewägt und verifiziert bzw. falsifiziert wer-
den.
Gerade in der Regional- und Lokalgeschichte kommt dem emotionalen Moment
besondere Bedeutung zu, da zur räumlichen Nähe von Geschichte ,,enge soziale
oder individuell emotionale Bindungen"
22
hinzukommen. Die SchülerInnen erken-
nen dabei, dass Orte, an denen sie Tag für Tag achtlos vorübergehen, durchaus von
historischer Bedeutung sind. Es ist also von einer Art Bewusstseinswandel zu spre-
chen, der dazu beiträgt, die eigene Umwelt mit anderen Augen wahrzunehmen und
auch bewusst zu machen.
23
Neben dem Umstand, dass sich eine Besichtigung des
regionalen Nahraums leichter organisieren lässt, wird hier deutlich, dass der Lern-
gegenstand von den SchülerInnen auch immer wieder selbst besucht werden kann
und so eine nachfolgende Auseinandersetzung mit Geschichte aus der persönlichen
Motivation heraus leichter stattfinden kann ­ neben die räumliche Nähe der Objekte
tritt also auch eine emotionale Annäherung an Geschichte.
24
Was an den einzelnen Orten gelernt werden kann, lässt sich am besten erkennen,
wenn man versucht, sie zu typisieren. Dies soll im Folgenden versucht werden und
auf die einzelnen Orte der geplanten Exkursion durch München wird eingegangen.
19
Reeken: Gegenständliche Quellen, S. 145.
20
Vgl.: Baumgärtner: Historische Orte, S. 14.
21
Mayer: Historische Orte, S. 392.
22
Mayer: Historische Orte, S. 394.
23
Mayer: Historische Orte, S. 394f.
24
Es ist klar zu erkennen, dass die Beschäftigung mit Regional- und Lokalgeschichte für Schülerin-
nen und Schüler an einem historischen Ort leichter zu bewerkstelligen ist, als bspw. die Ausei-
nandersetzung mit der Geschichte des Roms, die im Zusammenhang mit einer Klassenfahrt vor
Ort fokussiert wurde. Vgl. dazu: Mayer: Historische Orte, S. 394f.
Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Nationalsozialismus in München. Planung einer Exkursion im Rahmen des Geschichtsunterrichts Gymnasium Oberstufe
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte)
Veranstaltung
Erschließung lokal- und regionalgeschichtlicher Quellen im Geschichtsunterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V375145
ISBN (eBook)
9783668526709
ISBN (Buch)
9783668526716
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichtsdidaktik, geschichte vor ort, exkursion, quellenerschließung
Arbeit zitieren
LAss Thomas Kaffka (Autor), 2009, Der Nationalsozialismus in München. Planung einer Exkursion im Rahmen des Geschichtsunterrichts Gymnasium Oberstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375145

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