Das indonesische Schattentheater. Kulturelle, religiöse und politische Einflüsse auf das "wayang" und ihre Ausprägung in der Aufführungspraxis


Hausarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das indonesische Schattentheater – eine Annäherung

2. Die Bedeutung des Wortes wayang

3. Die kulturellen, religiösen und politischen Einflüsse auf das wayang
3.1. Die Anfänge in der Zeit der Ureinwohner
3.2. Die hindu-javanische Periode
3.3. Das Vordringen des Islam
3.4. Unter niederländischer Kolonialherrschaft
3.5. Im Kampf um die Unabhängigkeit
3.6. Nach 1950
3.7. Im Zeitalter von Tourismus und neuen Medien

4. Die Ausprägung der verschiedenen Einflüsse in der Aufführungspraxis des wayang
4.1. Die Handlung im wayang
4.2. Die Stoffe und Themen
4.3. Die Gestalt der Figuren
4.4. Die Bühne und einzelne Bühnenelemente
4.5. Die Rituale der Aufführung

5. Das wayang verstehen

Quellenverzeichnis

Zur Schreibweise:

Wörter die javanischen oder indonesischen Ursprungs sind setzte ich kursiv und schreibe sie klein, wie z.B. wayang. Eigennamen beginnen jedoch mit einem Großbuchstaben. Da im Javanischen oder Indonesischen der Plural nicht durch das Anfügen eines s deutlich gemacht wird, verzichte ich ebenfalls auf diese Schreibweise (wie z.B. dalangs). Ob es sich bei dem jeweiligen Wort um Singular oder Plural handelt wird entweder durch den vorangestellten Artikel oder aus dem Kontext klar.

1. Das indonesische Schattentheater – eine Annäherung

Als Europäer oder zumindest vom westlichen, vermeintlich „zivilisierten“ Kulturkreis geprägten Menschen erscheint die Welt der asiatischen Theaterformen oft fremd, undurchsichtig und geheimnisvoll. Doch auch wenn wir vielleicht nie ganz verstehen werden, worin das Geheimnis der Theaterwelt des asiatischen Raumes beruht, so ist es doch lohnenswert sich mit ihr auseinanderzusetzen, um einen Gewinn für sein eigenes Erleben, seine eigene Wahrnehmung zu ziehen. Mit der vorliegenden Arbeit verfolge ich das Ziel, mich der Schattenwelt Indonesiens anzunähern.

Um in die Welt des indonesischen Schattentheaters und seiner Jahrtausende alter Tradition einzudringen ist es – im Gegensatz zu westlicher Dramatik oder Theaterästhetik – von größter Wichtigkeit sich v.a. mit den religiösen, kulturellen und später auch politischen Einflüssen auf diese Theaterform zu beschäftigen. In diesen anthropologischen, soziokulturellen Untersuchungen liegt der Schlüssel zum Verständnis des Schattenspiels in Indonesien verborgen, da rein ästhetische Betrachtungen ungenügend wären.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich zuerst versuchen eine Begriffsbestimmung des Wortes wayang – welches ich in dieser Arbeit stellvertretend für das indonesische Schattentheater wie es v.a. auf Java zu finden ist, verwenden werde – zu unternehmen. Anschließend werde ich chronologisch die Entwicklung des Schattentheaters von seinen Anfängen bis heute untersuchen um die entscheidenden Einflüsse auf diese Theaterform deutlich zu machen. Im zweiten Teil wende ich mich der Frage zu, inwiefern sich eben jene Einflüsse auf die Inhalte, die Ästhetik und Aufführungspraxis ausgewirkt haben. Die Themenwahl, die Stoffe des indonesischen Schattenspiels und die Gestaltung der Figuren, bestimmte Bühnenelemente und die Rituale, die eine Vorführung begleiten, stelle ich hierbei in den Fokus.

2. Die Bedeutung des Wortes wayang

Das Wort wayang entstammt dem Indonesischen und ist als Oberbegriff für zahlreiche Theaterformen, für „so ziemlich alle szenischen Darstellungsformen mit kultischem Hintergrund“[1] zu verstehen. Um eine klare Unterscheidung oder Definition des äußerst vielschichtigen Begriffs zu ermöglichen werden meist Zusatzbezeichnungen wie wayang kulit oder wayang golek angefügt, welche z.B. Aufschluss geben über die verwendeten Figuren, die behandelten Themen oder das vornehmliche Gebiet der Aufführung. In der indonesischen Literatur sind bis zu 100 verschiedenen wayang -Formen bekannt.[2]

Allerdings ist das Wort wayang wesentlich mehr als ein Gattungsbegriff: In seiner ursprünglichen javanischen Bedeutung steht wayang für „Schatten“ – im Sinne von Geist oder Ahne. Hier deutet sich bereits an, dass das wayang -Spiel für Indonesien mehr ist als eine reine Unterhaltungsform. Das Schattentheater besitzt für die Menschen einen wesentlich höheren Wirklichkeitswert, es ist magisch und real zugleich:

„Das Schattenspiel ist das Spiel des Lebens, von dem unsere sichtbaren Taten Wiederspiegelungen sind. Diese Schatten sind die ursprüngliche Ursache für die Existenz des natürlichen Menschen, die ewigen Muster, nach denen er geschaffen wurde.“[3]

3. Die kulturellen, religiösen und politischen Einflüsse auf das wayang

Das wayang wurde im Laufe seiner Geschichte fast immer dazu genutzt, neue Ideen, Weltbilder oder die Interessen der Elite zu verbreiten. „Änderungen in der wayang -Tradition bedeuten und bedeuteten immer auch Änderungen in der javanischen Geistes- u. Kulturge-schichte“[4]. Aufgrund seines langen Bestehens und seiner engen Verknüpfung mit den Einwohnern Indonesiens ist das wayang der ideale Ausgangspunkt, um Einblicke in das Leben in Indonesien zu gewinnen.

3.1. Die Anfänge in der Zeit der Ureinwohner

Das wayang ist wahrscheinlich bereits in der Zeit der indigenen Bevölkerung Indonesiens entstanden, also weit vor Christi Geburt. Im Zentrum der damaligen Kultur stand ein animistischer Glaube, d.h. Totenkult und Verehrung von Ahnen hatten einen enormen Stellenwert und prägten das Leben. In okkulten Ritualen und Zeremonien wurden die Geister der unlängst Verstorbenen aber auch die der für die Gemeinschaft gottähnlichen Ahnen um Hilfe oder Rat angerufen, ihr Wohlwollen war ausschlaggebend für das Wohlergehen der Menschen. Diese Beschwörungen gingen einher mit dem Opfern von Büffelblut. Der Büffel wurde als „Geleiter der Totengeister in die Welt der Ahnen“[5] angesehen und sein Blut war das Verbindungsstück zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten.

[...]


[1] Spitzing, Günter: Die Schattenwelt Indonesiens: wayang als Weg zum Verständnis der Menschen auf Bali, Java und Lombok. Hamburg: Asu poleng, 2002, S. 28.

[2] Dittrich, Iris: Wayang Kulit: Mythos und Provokation im indonesischen Schattentheater. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2001, S. 21.

[3] Spitzing 2002, S. 14.

[4] Dittrich 2001, S. 39.

[5] Spitzing 2002, S. 38.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das indonesische Schattentheater. Kulturelle, religiöse und politische Einflüsse auf das "wayang" und ihre Ausprägung in der Aufführungspraxis
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar II: Einführung in asiatische Theaterformen
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V375146
ISBN (eBook)
9783668541252
ISBN (Buch)
9783668541269
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indonesien, indonesisch, Schattentheater, wayang, Theater, Bühne, Schauspiel, Figuren, Figurentheater, Asien, asiatisch, Schattenspiel, Aufführung, Aufführungspraxis, Ureinwohner, Islam, Niederlande, Kolonialherrschaft, Propaganda, Politik, indonesisches Schattentheater, wayang kulit, wayang golek, Hinduismus, Puppen, Puppentheater, Schatten
Arbeit zitieren
Robert Müller (Autor), 2009, Das indonesische Schattentheater. Kulturelle, religiöse und politische Einflüsse auf das "wayang" und ihre Ausprägung in der Aufführungspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375146

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