Mädchenbildung in Deutschland. Geschichte des Berufs Lehrerin


Ausarbeitung, 2013
8 Seiten

Leseprobe

Der Lehrerinnenberuf

Geschichte der höheren Mädchenbildung in Deutschland, Schwerpunkt: Beruf Lehrerin

Diskurse, Reformbestrebungen und Institutionen

Im 19. Jahrhundert und bis etwa 1920 waren Lehrerinnen an Volksschulen, an höheren Mädchenschulen und in Privathaushalten angestellt. Es gab für sie noch keine einheitliche Ausbildung. So hatten einige von ihnen Lehrerseminare besucht und andere sich über Privatunterricht oder autodidaktische Studien auf die Lehrerinnenprüfung vorbereitet. Das Lehrerinnenseminar schloss sich meist in Form von Aufbauklassen an eine höhere Mädchenschule an. Im damaligen Bürgertum galt der Lehrerinnenberuf als eine der wenigen akzeptierten Berufstätigkeiten. Viele Frauen besuchten das Lehrerinnenseminar nur, um die Wartezeit bis zur Heirat zu überbrücken oder um ihre Heiratschancen zu verbessern. Die damalige Dreifachrolle der Frau als Gattin, Hausfrau und Mutter machte sie finanziell abhängig vom Ehemann. Deshalb sah man den Lehrerinnenberuf auch als Versorgung im Todesfall des Mannes an. Besonders auch Mädchen von Witwen aus bürgerlichen Kreisen strebten den Lehrerinnenberuf an.

Im Zuge der Kulturreform zu Beginn der Kaiserzeit wurden viele bisherige Privatschulen in öffentliche umgewandelt, und man beschäftigte sich unter anderem mit der Schulaufsicht und Lehrerbesoldung. Das führte zu einem allgemeinen Professionalisierungsanspruch. Viele akademisch gebildete Lehrer wechselten nun in Mädchenschulen über, weil ihnen dort eine Festanstellung sicherer war als an den Knabenschulen. Infolgedessen verloren viele Lehrerinnen ihre Stelle, insbesondere Direktorinnen wurden durch Männer ersetzt. Um die Professionalisierungsbestrebungen zu fördern, wurde unter anderem ein Lehrerinnenzölibat eingeführt. Sogar organisierte Lehrerinnen befürworteten das Zölibat. Sie strebten eine berufliche Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen an und sahen in der unregelmäßigen Amtsführung durch verheiratete Lehrerinnen diese Gleichstellung gefährdet. Nur eine Minderheit des „Landesvereins preußischer Volksschullehrerinnen" plädierte für die Abschaffung des Zölibats. Da Lehrerinnen zahlenmäßig im gleichen Umfang heirateten wie andere Frauen, wurden ständig Stellen frei und in der Regel durch männliche Kollegen ersetzt. Häufig waren dies Theologen, die auf eine Pastorenstelle warteten. Auch dadurch gab es eine hohe Fluktuation in den Kollegien der Volks- und Mädchenschulen. In einer Übergangszeit, in der auch verheiratete Lehrerinnen wieder unterrichten durften, verloren diese alle Vorteile eine Verbeamtung und wurden zu billigen Arbeitskräften, denen jederzeit gekündigt werden konnte.

Infolgedessen schlossen sich viele Lehrerinnen der damaligen bürgerlichen Frauenbewegung an und gründeten den „Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein" (ADLV), den Helene Lange über 30 Jahre leitete. Sie engagierte sich besonders für die höhere Mädchenbildung und beschäftigte sich - damit verbunden - auch mit der Lehrerinnenfrage. Erst wenn man an den Mädchenschulen das Abitur machen könnte, wäre eine mit den Männern gleichgestellte wissenschaftliche Lehrerausbildung möglich und könnten Lehrerinnen im höheren Schulwesen gleichberechtigt unterrichten.

Nach der preußischen Schulreform von 1908 standen den Mädchen in den Studienanstalten drei verschiedene Wege zum Abitur offen. Ein weiterer Weg ermöglichte den Frauen ab 1913 nach dem Besuch des höheren Lehrerinnenseminars im Anschluss an ein Oberlyzeum sich auch ohne Abitur an der philosophischen Fakultät einschreiben zu lassen. Dieser Weg löste besonders bei Universitätsprofessoren Empörung aus. Aber auch Helene Lange war gegen diesen so genannten vierten Weg, da sie darin eine nur unvollkommene Vorbereitung auf die Universität sah. Dieser Umweg zur Universität wurde noch bis 1920 von zahlreichen Frauen wahrgenommen. Als 1923 die obligatorische Grundschule eingeführt wurde und infolgedessen das Oberlyzeum als Institution abgeschafft wurde, verschwanden damit auch die höheren Lehrerinnenseminare.

Die ungünstigen Einstellungs- und Arbeitsbedingungen und die hier oben aufgezeigten Fakten veranlassten viele Lehrerinnen sich um eine Stelle im In-und Ausland als Hauslehrerin zu bewerben. Viele erhofften sich dadurch mehr Chancen auf eine 1. Anstellung oder auf eine Festanstellung. Die Verbesserung ihrer Fremdsprachenkenntnisse, die höheren Verdienstmöglichkeiten im Ausland oder einfach nur Abenteuerlust können als weitere Motivationen betrachtet werden, als Lehrerin im Ausland zu arbeiten.

[...]

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Details

Titel
Mädchenbildung in Deutschland. Geschichte des Berufs Lehrerin
Hochschule
Universität zu Köln
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V375169
ISBN (eBook)
9783668525344
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mädchenbildung, Lehrerinnenberuf, Reformbestrebungen
Arbeit zitieren
Susanne Pillmann (Autor), 2013, Mädchenbildung in Deutschland. Geschichte des Berufs Lehrerin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375169

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