Hat der Mensch einen freien Willen? Die Diskussion um die Libet-Experimente


Facharbeit (Schule), 2017

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Vorgehensweise

2. Begriffserläuterungen
2.1 Determinismus
2.2 Interdeterminismus
2.3 Willensfreiheit und Handlungsfreiheit

3. Die Libet Experimente
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Durchführung
3.3 Die übliche Interpretation
3.4 Interpretation durch Libet und das bewusste Veto

4.Michael Pauen
4.1 Interpretation der Libet-Experimente durch Pauen
4.2 Überblick über die Theorie von Michael Pauen

5. Peter Bieri
5.1 Interpretation der Libet Experimente durch Bieri
5.2 Überblick über die Theorie von Peter Bieri

6. Schlussfolgerung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Grundsätzlich nehmen die meisten Menschen zunächst an sie seien in ihrem Handeln und ihrem Willen frei. Sie sind davon überzeugt, dass alle von ihnen getroffenen Entscheidungen bewusst und von ihnen selbst herbeigeführt worden sind. Doch all diese Menschen erkennen äußere Faktoren, die Einfluss auf ihre Entscheidung nehmen. Man kann annehmen, diese beiden Behauptungen stehen im Zusammenhang zueinander, obwohl das zunächst einmal nicht zu Problemen oder Einschränkungen in ihrem Leben führt, kann es bei genauerer Betrachtung zu Konflikten kommen. Werden beide Prämissen exakt genommen, müssten sie sich eigentlich ausschließen, denn es kann keine Willensfreiheit existieren, wenn der eigene Wille durch verschiedene Einflüsse beeinträchtigt wird. Sobald man den Gedanken, dass alles nach bestimmten Gesetzen abläuft und alles einen tieferen Ursprung hat, weiterspinnt kommt man zur Erkenntnis einer Unmöglichkeit von Willensfreiheit. Die Fragestellung der Willensfreiheit, welche in der Philosophie bereits seit der Antike zu den meistdiskutiertesten und vielschichtigsten Debatten gehört, der Willensfreiheit und die Relevanz der Libet-Experimente sowie ihre Interpretation durch die Philosophen Michael Pauen und Peter Bieri werden in dieser Facharbeit behandelt und versucht zu lösen.

Vorgehensweise

Um über die mit den Libet-Experimenten verbunden Diskussion nach einem freien Willen sprechen zu können müssen zunächst einmal einige Begriffe geklärt werden, die in diesem Zusammenhang auftauchen. Deshalb habe ich zu Beginn meiner Facharbeit ein Kapitel zur Erklärung dieser Begriffe eingeführt. Ich habe mich dabei auf die groben Definitionen beschränkt und nicht auf weitere Differenzierungen der Begrifflichkeiten, da diese den Rahmen meiner Arbeit übersteigen würden. Zudem genügen die gegebenen Definitionen zum Verständnis aus und erfordern keine genauere Darbietung.

Im darauffolgenden Kapitel bin ich auf die Libet-Experimente selbst eingegangen und habe ihren Ablauf sowie ihre Auswertung dargestellt.

Um kritisierbare Aspekte und eine andere Sichtweise dieser Experimente aufzuführen, habe ich mich dann im dritten und vierten Kapitel auf Interpretationen der Libet-Experimente von Michael Pauen und Peter Bieri bezogen. Des Weiteren habe ich die Theorien der beiden Philosophen in den jeweiligen Kapiteln näher erläutert, um ihre Denkweisen ersichtlich zu machen.

2. Begriffserläuterungen

2.1 Determinismus

Der Begriff „Determinismus“ stammt aus dem Lateinischen und leitet sich von dem Wort „determinare“ ab, was mit „festlegen“ oder „begrenzen“ übersetzt wird. Er ist eine der drei Hauptpositionen in der Debatte um die Willensfreiheit. Unter Determinismus wird die Vorbestimmung von Ereignissen auf Grund verschiedener Faktoren, wie beispielsweise Naturgesetze, Erfahrungen oder Erbanlagen, verstanden. Deterministen gehen dem zufolge davon aus, dass alle Geschehnisse auf der Welt nach dem sogenannten Kausalgesetz ablaufen. Diesem Gesetz zu folge führen bestimmte Ursachen zu bestimmten Wirkungen und diese Wirkungen lassen sich mittels Naturgesetze vorherbestimmen (=determinieren). Jedem Ereignis gehe eine Ursache voraus, der wiederum eine andere Ursache vorausgeht und immer so weiter. Fachsprachlich wird dieser Zusammenhang als Kausalnexus bezeichnet. Zudem hätten gleiche Ursachen gleiche Wirkungen, unterschiedliche Ursachen können jedoch gleichzeitig zu unterschiedlichen oder gleichen Wirkungen führen.1 Es existieren noch einige weitere Differenzierungen des Determinismus, an dieser Stelle genügt jedoch die allgemeine Auffassung und Definition.

Bis auf wenige Ausnahmen verneinen Deterministen die Möglichkeit eines freien Willens, weshalb es viele Zweifel an dieser Auffassung gibt und in Form des Interdeterminismus geäußert werden. Zudem gibt es auch Philosophen, wie Michael Pauen und Peter Bieri, die behaupten, dass sich Determinismus und Willensfreiheit nicht zwangsläufig ausschließen. Auf diese Verknüpfung von Willensfreiheit und Determinismus, die als Kompatibilismus bezeichnet wird, wird im weiteren Verlauf der Arbeit eingegangen.

2.2 Interdeterminismus

Der Interdeterminismus beschreibt die gegenteilige Auffassung zum Determinismus, in der Ereignisse nicht durch kausale Faktoren beeinflusst sind. Dadurch sei Willensfreiheit und die Existenz eines wirklichen Zufalls möglich.

2.3 Willensfreiheit und Handlungsfreiheit

Doch was genau wird unter dem Begriff Freiheit bzw. Willens- oder Handlungsfreiheit verstanden? Die Debatte um die Willensfreiheit wird durch unterschiedliche Definitionen erschwert, da Freiheit das ist, was man aus ihr macht. Dennoch kann man grundsätzlich von zwei Bedeutungen ausgehen. Die erste bezieht sich auf den Kompatibilismus und meint das Handeln nach eigenen Wünschen und Veranlagungen und ist so auch mit dem Determinismus vereinbar. Die zweite Definition entsteht durch den Libertarismus (= Freiheit entstanden durch Abhanden sein von inneren und äußeren Zwängen) und erkennt weder den Determinismus noch den Zufall an, da sie die Annahme von absoluter Autonomie beschreibt.

MZudem existiert noch eine Handlungsfreiheit, die sich bedeutend einfacher definieren lässt und auch allgemein als die Abwesenheit von äußeren Zwängen anerkannt wird.

3. Die Libet Experimente

3.1 Vorüberlegungen

Als Grundidee für die sogenannten „Libet-Experimente“ diente dem US- Amerikaner Benjamin Libet die Fragestellung „Haben wir einen freien Willen?“. Ausgangspunkt für Libets experimentelle Überprüfungen, in denen er die Willensfreiheit beweisen wollte, war eine Entdeckung von Kornhuber und Deecke. Die beiden Wissenschaftler bewiesen, dass einer einfachen Hand- oder Fußbewegung eine messbare elektrische Negativität vorausgeht, die sich am Kopfscheitel befindet. Ungefähr 800ms vor der Vollziehung einer Willenshandlung tritt diese elektrische Veränderung auf und wird fachsprachlich als Bereitschaftspotenzial, kurz BP, betitelt.

Im Experiment des Physiologen, der im Alter von 29 Jahren im Jahre 1939 an der Universität von Chicago promovierte, wurde versucht die zeitliche Abfolge zwischen einer bewussten Entscheidung und der Einleitung der Bewegung auf neuronaler Ebene zu bestimmen. Libet wählte dafür die Bezeichnung „symmetrisches Bereitschaftspotenzial. Es handle sich dabei um ein negatives elektrisches Potential, das aufgrund von neuronalen Aktivtäten vor allem im supplementär motorischen Areal beider Hirnhälften auftritt und offenbar in einem engen Zusammenhang mit der Einleitung willkürlicher Bewegungen steht. Der Zeitpunkt an dem dieses Potential auftritt, lasse Schlüsse darüber zu, wann das Gehirn mit der Vorbereitung von Bewegung beginne. Wichtig für die Interpretation des Experiments ist, dass aufgrund der Schwäche des Potentials die Messung nur über eine Vielzahl von Versuchsdurchläufen stattfinden konnte und somit die ermittelten Angaben nur Durchschnittswerte aus ca. 40 Messungen sind.2

3.2 Durchführung

Den Probanden wurde die Aufgabe eines plötzlichen Krümmens oder Beugens des Handgelenks bzw. der Finger aufgetragen und sich gleichzeitig mittels einer schnelllaufen Uhr den Moment zu merken, an dem sie den bewussten Drang zur Handlung verspürt haben. Dieser Drang wurde häufig auch als bewusste Intention oder Entscheidung bezeichnet. Um den Zeitpunkt der Handlungsentscheidung zu bestimmen, benutzte Libet eine Art Uhr. Diese Uhr wird als Kathodenstrahloszilloskop bezeichnet und erzeugt einen Lichtpunkt, der sich auf einer kreisförmigen Skala bewegt. Für gewöhnlich markiere der äußere Rand des Bildschirms der Oszilloskopröhre 60 Sekunden, was auch bei Libet der Fall gewesen sei, bei ihm verlief der Lichtfleck jedoch in 2.56 Sekunden um den Kreis und sei somit fünfundzwanzigmal so schnell wie der Normalfall gewesen. Durch diese Anpassung der Markierungen auf etwa 43 Millisekunden konnte ein für die Untersuchung höchst relevantes Kriterium erfüllt werden, welches beinhaltete den Zeitpunkt der Wahrnehmung auf einen Bereich von Hundertmillisekunden zu beschränken. Um den Zeitpunkt zu bestimmen, fixierten sich die Versuchspersonen, sitzend in einem Abstand von 2.3 Metern zu dem Oszilloskop, auf die Mitte des Bildschirms und merkten sich zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung die Position des Lichtpunkts auf der Skala, um sie im Nachhinein den Versuchsleitern mitzuteilen.3

Abbildung des Kathodenstrahloszilloskops aus Libet, 2005, S. 166

Währenddessen erfolgte die wissenschaftliche und bedeutend einfachere Messung des Bereitschaftspotentials mittels eines Elektroenzephalogramm an der Kopfhaut und der Registrierung des Beginns der Muskelaktivität durch ein Elektromyogramm. Im weiteren Verlauf wurde der Zeitpunkt der bewussten Entscheidung mit dem Zeitpunkt des gemessenen Bereitschaftspotentials verglichen und aufgewertet.

[...]


1 Aßmann, L., Henke, R. W., Schulze, M., & Sewing, E.-M. (2015). Zugänge zur Philosophie - Qualifikationsphase. Berlin: Cornelsen Schulverlage GmbH.

2 vgl. Libet, Benjamin (2005). Mind Time Wie das Gehirn Bewusstsein produziert. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S.160

3 vgl. Libet, 2005, S. 162

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Hat der Mensch einen freien Willen? Die Diskussion um die Libet-Experimente
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V375215
ISBN (eBook)
9783668524446
ISBN (Buch)
9783668524453
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Libet-Experimente, Benjamin Libet, Peter Bieri, Michael Pauen, Willensfreiheit
Arbeit zitieren
Melissa Lenzen (Autor), 2017, Hat der Mensch einen freien Willen? Die Diskussion um die Libet-Experimente, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375215

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