In meiner Hausarbeit werde ich mich mit einem der wichtigsten Stellvertreter des Surrealismus, Max Ernst, auseinandersetzen. Max Ernst beschäftigt sich in seinem Schaffen grundlegend mit der Übertragung des Unbewussten auf seine Kunst. Er entdeckt, zufällig oder bewusst, verschiedene, künstlerische Techniken wie die Frottage, eine Abreibetechnik, und die daraus mittels einer Übertragung dieser Technik auf die Ölmalerei hervorgerufene Grattage. Des Weiteren entwickelt er die Collagetechnik als einen eigenen, individuellen Umgang mit dem Zufall. Diese unterstützen das Abbilden seiner meditativen und halluzinatorischen Gedanken, deren Motive auch stark beeinflusst von kindheitlichen Erlebnissen sind.
Im Anschluss daran werde ich den Mitbegründer des Nouveau Réalisme Yves Klein, und den zu Beginn der sechziger Jahre eingeführten Begriff der Anthropometrie der "Blauen Epoche" aufgreifen, um einen Vergleich zwischen zwei verschiedenen Vorgehensweisen und Konzeptionen in Bezug auf das Verständnis des Zufallsbegriffes in der Kunst herauszuarbeiten.
Der Surrealismus entstammt der Psychoanalyse Freuds und besitzt seinen Ursprung als Methode eines künstlerischen Schaffensprozesses in der Literatur. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Einführung des Surrealismus in die Malerei, die vor allem durch Max Ernst ihre Legitimation als bildnerisches Verfahren findet. Dieser untersucht mithilfe von verschiedenen Techniken, die er auf seine Kunst überträgt, einen Ausgleich zwischen absolutem und vom Bewusstsein reflektierten Zufall.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Problemstellung und Intention der Arbeit.
2. Hauptteil
Unterschiedliche Auffassungen von Zufall in künstlerischen Gestaltungsprozessen.
2.1 Das Zufallsverständnis bei Max Ernst.
2.1.1 Ursprünge des Surrealismus und Ernsts Einfluss.
2.1.2 Techniken.
2.1.2.1 Die Collage.
2.1.2.2 Die Frottage.
2.2 Das Zufallsverständnis bei Yves Klein.
2.2.1 Die Idee der Anthropometrie.
2.2.2 Technik und Konzept.
2.2.2.1 Anthropometrien in den Feuerbildern.
3. Schluss
3.1 Vergleich der Zufallsverständnisse bei Ernst und Klein.
4. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das unterschiedliche Verständnis und die Anwendung des Zufallsbegriffs in den künstlerischen Schaffensprozessen von Max Ernst und Yves Klein. Ziel ist es, durch einen Vergleich ihrer Techniken – von den surrealistischen Collagen und Frottagen Ernsts bis zu den performativen Anthropometrien Kleins – aufzuzeigen, wie beide Künstler durch den Einbezug des Unplanbaren neue künstlerische Ausdrucksformen jenseits rationaler Kontrolle entwickelten.
- Surrealismus und der Einfluss der Psychoanalyse auf die Kunst
- Methoden des kontrollierten Zufalls: Collage, Frottage und Grattage bei Max Ernst
- Performative Körperkunst: Die Anthropometrien der „Blauen Epoche“ von Yves Klein
- Die Rolle der Künstlerschaft und die Abkehr vom klassischen Schöpfertum
- Vergleich der Vorgehensweisen und ihre Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
2.1.2.1 Die Collage.
„Ich erinnere mich gut an die Gelegenheit als Tzara, Aragon, Soupault und ich die Collagen von Max Ernst zum erstenmal entdeckten. Wir waren gerade alle in Picabias Haus, als sie von Köln (1921) ankamen. Sie bewegten uns auf eine Weise, wie wir es nie wieder erlebten. Das äußerste Objekt war herausgerückt aus seiner gewohnten Umgebung, seine einzelnen Teile hatten sich aus dem gegenständlichen Zusammenhang in einer Weise befreit, daß sie völlig neue Beziehungen mit anderen Elementen eingehen konnten.“ André Breton ist fasziniert von Ernsts Collagen, die in Anlehnung an das automatische Schreiben entstehen. Er lädt ihn 1921 zu einer ersten Ausstellung nach Paris ein, wo Ernst sich anschließend ein Jahr später niederlässt. Die Kombinatorik in Ernsts Collagen und Frottagen sind der Impuls dafür, dass dieser als einziger surrealistischer Maler in dem Manifest des Surrealismus verewigt wird.
Im Gegensatz zu den Kubisten, die in ihre Collagen hauptsächlich Fragmente aus Katalogen und Illustrationen integrieren, beabsichtigt Ernst in seinen Collagen die Verwendung von Materialien, die eine beachtliche Selbstständigkeit besitzen. Diese Selbstständigkeit geht zurück auf die Tatsache, dass das Wesen der Collage-Technik ihren Ursprung in der Literatur hat.
Die Collage sei für Ernst die „Alchemie der visuellen Vorstellung; das Wunder der gänzlichen Umgestaltung von Wesen und Gegenständen mit oder ohne Veränderung ihres physischen oder anatomischen Aussehens.“ Seine Auffassung deutet auf das Zusammentreffen von Elementen an einem imaginären Ort, die in Wirklichkeit keinen erklärbaren oder gar kausalen Bezug zueinander finden könnten, und knüpft somit an die Anregung des französischen Dichters Isidore Lucien Ducasse an, der die Schönheit im Unvereinbaren sieht, so wie in der zufälligen Begegnung eines Regenschirms mit einer Nähmaschine auf dem Operationstisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Ziel der Arbeit vor, das Verständnis des Zufalls bei Max Ernst und Yves Klein durch einen Vergleich ihrer künstlerischen Strategien zu untersuchen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Auffassungen vom Zufall, wobei bei Ernst Techniken wie Collage und Frottage und bei Klein die performativen Anthropometrien im Fokus stehen.
3. Schluss: Dieses Kapitel vergleicht die Ansätze beider Künstler und zieht Bilanz über ihre gemeinsamen und unterschiedlichen Strategien der Integration des Zufalls in den künstlerischen Akt.
4. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur, Filme und Online-Ressourcen.
Schlüsselwörter
Zufall, Surrealismus, Max Ernst, Yves Klein, Anthropometrie, Collage, Frottage, Dadaismus, Psychoanalyse, Automatischer Prozess, Künstlerschaft, Körperabdrücke, Feuerbilder, Kunstgeschichte, Moderne Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle des Zufalls als schöpferische Instanz in der Kunst des 20. Jahrhunderts anhand der gegensätzlichen Arbeitsweisen von Max Ernst und Yves Klein.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der Surrealismus, das Konzept des „automatischen Schreibens“ bzw. der „peinture automatique“, die Entwicklung spezifischer künstlerischer Techniken und die performative Einbeziehung des Körpers.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Die Arbeit vergleicht die Vorgehensweisen von Ernst und Klein, um zu zeigen, wie beide Künstler traditionelle Vorstellungen von künstlerischer Genialität und Kontrolle durch den gezielten Einsatz des Zufalls herausfordern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse und einen komparativen Vergleich, der sowohl kunsttheoretische Konzepte (wie die Psychoanalyse nach Freud) als auch konkrete Werkbeschreibungen und biografische Hintergründe einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er widmet sich erst Max Ernsts Techniken wie Collage und Frottage und beleuchtet anschließend Yves Kleins Anthropometrien und Feuerbilder.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Begriffe sind der Zufallsbegriff, der Surrealismus, die Anthropometrie, der Automatismus und die Dekonstruktion des traditionellen Künstlerbegriffs.
Wie unterscheidet sich Kleins Einsatz des Zufalls von dem bei Ernst?
Während Ernst den Zufall in seinen Collagen und Frottagen oft als Methode zur Anregung des Unterbewussten nutzt, setzt Klein bei seinen Anthropometrien den Körper direkt als „lebenden Pinsel“ ein und inszeniert dies als rituelles, fast telekinetisches Ereignis.
Warum spielt die Psychoanalyse eine Rolle für das Verständnis von Max Ernsts Werk?
Ernst war stark von Freuds Theorien beeinflusst. Dies zeigt sich in seiner Suche nach Ausdrucksformen für unterdrückte Bewusstseinsinhalte und in seiner Verwendung von persönlichen Kindheitserlebnissen als Leitmotiv für seine Kunst.
Welchen Bezug stellen die Feuerbilder von Yves Klein zur Zeitgeschichte her?
Klein verknüpft die Brandspuren seiner Feuerbilder mit den eingebrannten Schatten von Menschen nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und thematisiert damit existenzielle und politische Konsequenzen.
- Arbeit zitieren
- Taylan Akkas (Autor:in), 2017, Der Surrealismus bei Max Ernst und Yves Klein. Zufall als künstlerisches Gestaltungsprinzip, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375299