"Partonopier und Meliur" ist ein Roman des bekannten, deutschen, mittelalterlichen Schriftstellers Konrad von Würzburg. Tatsächlich bediente sich Konrad der anonymen französischen Vorlage Partonopeu de Blois. Diese Version umfasst elftausend Verse, was deutlich weniger als Konrads Version ist.
Verschiedene Elemente werden in dieser Arbeit Schritt für Schritt analysiert, die man mit den typischen Eigenschaften der mittelhochdeutschen Literatur verbinden kann. Gleichzeitig werden verschiedene Parallelen mit der französischen Vorlage gezogen. Tatsächlich geht es um einen Vergleich der beiden Versionen der Schlafzimmerszene: Wie nah ist Konrad in dieser Szene an seiner Vorlage? Gehen die unterschiedenen Aspekte auf ihn zurück oder hat er sie übernommen?
Am Anfang dieser Arbeit beschäftige ich mich genauer mit der Schlafzimmerszene: Erstens vergleiche ich sie und analysiere den Aufbau. Zweitens untersuche ich die Spannungserzeugung, die mit der Emotionsdarstellung verbunden werden kann. Am Schluss fasse ich meine Arbeit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einen Vergleich der Schlafzimmerszene
2.1 Der Aufbau
2.2 Die Emotionsdarstellung und die Spannungserzeugung
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schlafzimmerszene im höfischen Roman "Partonopier und Meliur" von Konrad von Würzburg durch einen komparatistischen Vergleich mit der französischen Vorlage "Partonopeu de Blois". Ziel ist es, die strukturellen Ähnlichkeiten und Abweichungen in der Erzählweise sowie die psychologische Gestaltung der Gefühlsdarstellung und der Spannungserzeugung herauszuarbeiten.
- Vergleich der Erzählstruktur beider Romanfassungen
- Analyse der fünf Stufen der Liebe (quinque lineae amoris)
- Untersuchung der Emotionsdarstellung und Angstsymptomatik
- Spannungserzeugung durch das Spiel mit dem Verborgenen
- Konrad von Würzburgs Umgang mit der französischen Vorlage
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Aufbau
Der Hauptpunkt dieses Kapitels ist der Aufbau der beiden Texte, die von einigen Ausnahmen abgesehen, eine grosse Ähnlichkeit aufweisen. Beispielsweise beschreibt Partonopier in der französischen Vorlage nicht, was er während des Tages macht, wie er in der germanistischen Version macht:
„Dar umbe sult ir sîn gebeten, 1410 Daz ir genâde an mir begânt Unde ir mich belîben lânt, biz diu naht ein ende habe; sô gên ich von iu hin abe und rûme diese bettestat 1415 dar ûf ich âne schulde trat.’“
In der französischen Vorlage ist diese Passage nicht bemerkbar. Es gibt unter diesem Gesichtspunkt trotz grosser Ähnlichkeiten doch einige Abweichungen im Laufe der Geschichte. Beispielsweise ist die Entwicklung der Liebe zwischen Partonopier und Meliur von grosser Bedeutung.
In der Tat ist es wichtig, die fünf Stufen der Liebe (quinque lineae amoris) zu analysieren, die typisch in der mittelhochdeutschen Literatur sind, um unter anderem die Entstehung einer Liebe darzustellen. Nichtsdestoweniger hat die Erotik im Mittelalter nicht die heutige Bedeutung: „das ist zur Schau gestellte Schönheit im Medium der Sprache und Ikonographie: öffentliche Feier des roten Mundes, der weissen Arme, der runden Brüste“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk Konrads von Würzburg ein, skizziert den literarischen Kontext sowie die inhaltliche Handlung des Romans und definiert das methodische Vorgehen der vergleichenden Analyse.
2. Einen Vergleich der Schlafzimmerszene: Dieses Kapitel vergleicht zentral die Schlafzimmerszene bei Konrad von Würzburg mit der französischen Vorlage hinsichtlich narrativer Struktur und affektiver Gestaltung.
2.1 Der Aufbau: Dieser Abschnitt analysiert die strukturellen Gemeinsamkeiten und Abweichungen der beiden Texte und prüft die Anwendung der fünf Stufen der Liebe.
2.2 Die Emotionsdarstellung und die Spannungserzeugung: Hierbei wird die psychologische Tiefe der Gefühlsdarstellung, insbesondere der Angstsymptome und der erotischen Spannung, detailliert gegenübergestellt.
3. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Konrad von Würzburg trotz eigenständiger Erweiterungen eng an der französischen Vorlage operiert.
Schlüsselwörter
Konrad von Würzburg, Partonopier und Meliur, Partonopeu de Blois, Schlafzimmerszene, höfischer Roman, quinque lineae amoris, Literaturvergleich, Mittelhochdeutsch, Emotionsdarstellung, Spannungserzeugung, Erotik im Mittelalter, Feenmärchen, Rezeption, Erzählstruktur, Liebeskonzeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem literaturwissenschaftlichen Vergleich der Schlafzimmerszene aus Konrad von Würzburgs "Partonopier und Meliur" mit dessen französischer Vorlage "Partonopeu de Blois".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Aufbau der Erzählung, die Darstellung von Emotionen, die Anwendung der "fünf Stufen der Liebe" sowie der Einfluss des französischen Originals auf die deutsche Bearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, die Nähe von Konrad von Würzburg zu seiner Vorlage zu bestimmen und herauszuarbeiten, ob unterschiedliche Aspekte in der Szenerie auf den Autor selbst zurückzuführen sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?
Der Autor wendet eine komparatistische (vergleichende) Analyse an, bei der Textstellen der mittelhochdeutschen Fassung direkt mit der französischen Quelle gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Aufbaus der Schlafzimmerszene, die Analyse der fünf Stufen der Liebe sowie die detaillierte Betrachtung der Emotionsdarstellung und Spannungserzeugung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem höfischer Roman, quinque lineae amoris, literarischer Vergleich, Emotionen im Mittelalter und die spezifische Figurenkonstellation zwischen Partonopier und Meliur.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Angst in den beiden Fassungen?
Während Konrad von Würzburg die körperlichen Angstsymptome Partonopiers sehr subtil und detailliert beschreibt, um die psychologische Wandlung der Figur hervorzuheben, ist die Angst in der französischen Vorlage teils durch eine stärkere Dämonisierung des unbekannten Wesens geprägt.
Welche Rolle spielt das Motiv der Unwissenheit für die Spannung?
Da der Protagonist das Wesen im Dunkeln nicht sehen kann, entsteht eine hohe Spannungserwartung. Diese Unwissenheit führt zu einer spezifischen Angstdynamik, die erst durch die Nennung der Heiligen Maria und die darauf folgende Anziehungskraft aufgelöst wird.
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- Valentin Tanner (Author), 2017, Ein Vergleich der Schlafzimmerszene in Konrad von Würzburgs "Patronopier und Meliur" mit der französichen Vorlage "Partonopeu de Blois", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375336