Die Konversion von Juden in der frühen Neuzeit. Eine religiöse Grenzüberschreitung


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung ... 2
2. Der Konversionsbegriff ... 3
3. Konversionsgründe ... 4
4. Der Konversionsprozess ... 6
5. Das Leben nach der Taufe ... 9
6. Fazit ... 9
7. Literaturverzeichnis ... 10

2
1. Einleitung
Da die Konversion von Juden zum Christentum im selbigen als eines der ersten Anzeichen für
die Wiederkunft Jesu gewertet wird, haben Konversionen im Christentum eine besondere
Bedeutung
1
. Gerade deshalb sind Konversionsberichte, welche detailliert Auskunft über den
Konversionsprozess liefern, keine Seltenheit. Daher gibt es, auch wenn von 1590-1710
lediglich 516 Fälle von freiwilligen Judentaufen bekannt sind
2
, viele Einblicke in das Leben
von Konvertiten in der frühen Neuzeit. Diese Arbeit beschäftigt sich nur mit den Konversionen,
welche freiwillig begangen worden sind. Dafür wird der Konversionsbegriff erläutert und sich
im Folgenden mit der Motivation und den Beweggründen von Juden, welche sich für eine
Konversion
entschieden
haben,
auseinandergesetzt.
Anschließend
soll
der
Konversionsprozess erläutert werden und einen kurzen Einblick auf das Leben nach der Taufe
geben. Hierbei soll im Rahmen des Themas Grenzen, die Frage geklärt werden, inwieweit sich
Konvertiten auf Grenzen, seien es natürliche oder von Menschen geschaffene, bewegen.
Einleitend dazu ein Zitat des aus Litauen stammenden Juden Malachia Ben-Samuel, welcher
in Brauchschweig als Paulus Christian getauft wurde
3
, indem er hervorragend beschreibt, auf
welchem schmalen Grat er in seiner Glaubensfrage wandelte. Er beschreibt es als den Kampf
zwischen Gott und dem Teufel ­ der Grenze zwischen Gut und Böse.
,,Ich hatte Tag und Nacht kein Ruh /
Der Teuffel satzt mir hefftig zu /
Wie Ich so Übl hieran gethan /
Ich hätt das Buch solln bleiben lahn /
Es wehr wider mein eigen Lehr.
Dem hett ich geben bald gehör /
Und wolt das Buch beyseiten schaffn.
Doch gedacht Ich / wird Gorr auch straffn?
Vielleicht ist es sein Will gewesn
Das du das Buch hast müssen lesn /
1
Carl, Gesine: Zwischen zwei Welten? Übertritte von Juden zum Christentum im Spiegel von
Konversionserzählungen des 17. und 18. Jahrhunderts. 1. Aufl. Hannover. 2007. S. 25.
2
Ebd. S.26.
3
Ebd. S.81.

3
Wiltu demselben widerstrebn /
Wer will dir solche Sünd vergebn?
Was solt ich thun? Was solt ich machen?
Wel solt ich sagn von diesen Sachn?
Hett es ein einigr Jud vernomn /
Ich wer umb Leib und Lebn komn."
-
Paulus Chrsitian in Carl, Gesine (2007): Zwischen zwei Welten? Übertritte von Juden zum Christentum im Spiegel von
Konversionserzählungen des 17. und 18. Jahrhunderts. 1. Aufl. Hannover. S. 107.
2. Der Konversionsbegriff
Der Begriff Konversion ist aufgrund von weitgefächerten Bedeutungen nicht ganz einfach zu
definieren. Es ist sowohl möglich, seinen Ursprung im griechischen Wort , welches
für ,sich umkehren, umwenden` steht
4
; als auch bei der biblischen , der ,inneren
Umkehr` zu suchen
5
. Während sich jene Begriffe mehr auf den inneren Wandel fokussieren,
stellt die conversio, lat. für ,Umkehr, Bekehrung`, einen Wechsel der Religion dar, der nicht
nur das Anerkennen eines neuen Glaubens verlangt, sondern auch den Widerruf der alten
religiösen Überzeugung erfordert
6
. Dies ist bei der conversio die Annahme des Christlichen
Glaubens
7
. Da eine derartige Konversion religionsethnologisch als ein Identitätsverlust
bewertet wird, kann man darin auch die Möglichkeit auf eine religiöse Wiedergeburt und
folglich ein neues Leben sehen
8
. Der Konvertit wechselt bei einer Konversion nicht nur den
Glauben, sondern verlässt dabei auch seine Heimat, Sprache, sowie sein soziales Umfeld.
Heutzutage wurde der Begriff Konversion meist durch Begriffe wie Kirchenübertritt und
Konfessionswechsel ersetzt
9
.
In der katholischen Kirche wird lediglich ein Übertritt zum eigenen Glauben als Konversion
anerkannt
10
. Jene die aus der katholischen Kirche in eine andere Glaubensgemeinschaft
4
Gerlitz, Peter: Konversion. URL: https://www.degruyter.com/view/TRE/TRE.19_559_8?pi=0 [27.04.2016].
5
Rädle, Fiedel: Konversion, Zur Einführung in: Niewöhner, Friedrich; ders. (Hg.): Konversionen im Mittelalter
und in der Frühneuzeit. Hildesheim. 1999. Seite 1.
6
Gerlitz, Peter: Konversion. URL: https://www.degruyter.com/view/TRE/TRE.19_559_8?pi=0 [27.04.2016].
7
Ebd. [27.04.2016].
8
Ebd. [27.04.2016].
9
Ebd. [27.04.2016].
10
Ebd. [27.04.2016].

4
konvertieren, werden lediglich als Ausgetretene angesehen
11
. Auch Juden, welche zu einem
anderen Glauben konvertieren wollten, wurden von ihrer Gemeinschaft nicht völlig
anerkannt, da ein Austritt aus dem Judentum prinzipiell gar nicht möglich ist. Dies wird
begründet damit, dass jeder der von einer jüdischen Mutter geboren wurde, Jude ist und auch
Jude bleibt
12
. Um als Christ anerkannt zu werden, reicht jedoch ein innerer Wandel nicht aus,
sondern erfordert ein öffentliches Bekenntnis vor Zeugen, bei dem sich der Konvertit
öffentlich von seiner alten Religion abgrenzt: die Taufe
13
. Diese stellt einen wichtigen
Meilenstein während der Konversion dar, da sie einen wichtigen Schritt zur Eingliederung ins
Christentum darstellt und der Konvertit ohne sie ausgegrenzt werden würde
14
.
3. Konversionsgründe
Die Gründe und Motivationen, die zu einer Konversion führen können sind vielfältig. Daher ist
es wichtig, aus verschiedenen Perspektiven auf das Thema zu blicken. Obwohl die Taufe laut
Kirchenrecht ein freiwilliger Akt sein sollte, waren Zwangstaufen nicht ungewöhnlich
15
. Diese
fanden sowohl im großen Stil statt, wobei ganze Gemeinden zur Konversion gedrängt
wurden
16
; als auch die Taufe jener, welche zu Tode verurteilt wurden und bereit waren, ihre
persönliche religiöse Grenze zu überschreiten, um der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen
zu entgehen, da dies die Form der Urteilsausführung war, welche Nicht-Christen zustand
17
. Da
der Fokus dieser Arbeit sich allerdings auf die freiwilligen Konversionen richtet, wird darauf
nicht weiter im Detail eingegangen.
11
Gerlitz, Peter: Konversion. URL: https://www.degruyter.com/view/TRE/TRE.19_559_8?pi=0 [27.04.2016].
12
Carl, Gesine: Zwischen zwei Welten? S. 14.
13
Carl, Gesine; Schaser Angelika: Konversionsberichte des 17. bis 19. Jahrhunderts als Selbstzeugnisse gelesen:
Ergebnisse und Forschungsperspektiven URL: http://www.geschkult.fu-
berlin.de/e/konversionen/ergebnisse/beitraege/Konversionsberichte_als_Selbstzeugnisse_gelesen.pdf
[27.04.2016].
14
Carl, Gesine: Zwischen zwei Welten? S. 75.
15
Ebd. S. 25-26.
16
Weiss, Ulman: Habet Erbarmen mit meiner armen Jüden=Seele!, Judentaufen im kurmainzischen Erfurt, in:
Brecht, Martin, et al.(Hg.): Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Protestantismus.
Band 21. Göttingen. 1995. S. 305.
17
Carl, Gesine: Zwischen zwei Welten? S. 26.
Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Konversion von Juden in der frühen Neuzeit. Eine religiöse Grenzüberschreitung
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V375355
ISBN (eBook)
9783668526334
ISBN (Buch)
9783668526341
Dateigröße
819 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konversion, Juden, frühe Neuzeit, Religion, Grenzüberschreitung, religiöse Grenzüberschreitung
Arbeit zitieren
Anika Hagemeier (Autor), 2016, Die Konversion von Juden in der frühen Neuzeit. Eine religiöse Grenzüberschreitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375355

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