Beitrag zur Ermittlung der Schnittfestigkeit von Schutzhandschuhen nach DIN EN 388


Bachelorarbeit, 2014

60 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Zusammenfassung der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Ermittlung der Schnittfestigkeit von Schutzhandschuhen
nach den Vorgaben der DIN EN 388. Zunächst werden die Inhalte dieser Norm vorgestellt
und das dort beschriebene Prüfverfahren erörtert. Es werden die Stärken und Schwächen
des Verfahrens beschrieben. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Problem, dass die
Prüfmethode nach EN 388 bei modernen Schutzhandschuhen keine reproduzierbaren Er-
gebnisse liefert. Die Hauptursache dafür sind harte Fasern (anorganische Fasern, z.B.
Glas, Metall) und Fasern mit derartigen Bestandteilen (Hybridfasern), die die im Test ein-
gesetzte Rundklinge stumpf werden lassen. Anschließend werden Anforderungen an ein
mögliches neues Testverfahren beschrieben, die erfüllt werden müssen um auch bei mo-
dernen Schutzhandschuhen vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Wichtigster Aspekt
hierbei ist der Klingenwechsel nach jedem Schnitt.
Im zweiten Teil der Arbeit wird das neu entwickelte Prüfverfahren beschrieben. Es werden
die benötigten Komponenten benannt und der Aufbau der Apparatur geschildert. Zudem
wird der genaue Ablauf der Prüfung erörtert, genauso wie die spätere Auswertung und
Festlegung der neuen Schutzlevel. Weiterhin werden die für die Arbeit getesteten Schutz-
handschuhe vorgestellt. Es werden jeweils fünf unterschiedliche Handschuhe mit Schnitt-
schutzlevel von 1-5 untersucht.
Im Hauptteil der Arbeit finden sich die Ergebnisse der Versuche und eine darauf basieren-
de Diskussion. Zunächst werden einige Vorversuche ausgewertet. Diese waren notwendig
um zum Beispiel einen negativen Einfluss des verwendeten Trennpapiers auf die Tester-
gebnisse auszuschließen. Die Messergebnisse der getesteten Handschuhe werden in Di-
agrammen und Boxplots dargestellt und analysiert. Zur Vergleichbarkeit mit den Einstu-
fungen zur Schnittfestigkeit nach der EN 388 wird eine neue Schutzlevel-Tabelle entwi-
ckelt. Mit Hilfe dieser Tabelle ist es möglich die neuen Messergebnisse ebenfalls in
Schutzlevel von 1-5 einzuteilen.
Es stellt sich heraus, dass die Ergebnisse der neuen Prüfmethode teilweise deutlich von
denen der EN 388 abweichen. Gleichzeitig werden Stärken und Schwächen des neuen
Verfahrens herausgestellt. Ein Problem ist die große Streuung der Messwerte bei einem
der getesteten Handschuhe. Alles in allem liefert die neue Prüfmethode aber zufriedenstel-
lende Ergebnisse, auf deren Grundlage man weiter an einem alternativen Verfahren zu
dem der EN 388 forschen könnte.

Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... I
Abbildungsverzeichnis ... III
Tabellenverzeichnis ... IV
Abkürzungsverzeichnis ... V
1.
Einleitung ... 1
1.1
Schutz der Hände durch den Einsatz von Schutzhandschuhen ... 1
1.2
Vorstellung der DIN EN 388 ... 2
1.3
Prüfverfahren für die Schnittfestigkeit ... 3
1.4
Schwächen der EN 388 Prüfmethode ... 4
1.5
Bisherige alternative Prüfmethoden zur EN 388 ... 5
1.6
Einflüsse auf die Schnittfestigkeit von Handschuhen ... 6
1.7
Anforderungen an ein neues Prüfverfahren ... 7
1.8
Voraussetzungen und Grundidee für ein neues Prüfverfahren ... 8
2.
Material, Untersuchungsgut und Methoden ... 10
2.1
Getestete Handschuhe ... 10
2.1.1
UVEX - C500 M FOAM ... 10
2.1.2
W+R SEIZ - Bremen 1 ... 11
2.1.3
Marigold Industrial - Cutstar W1 ... 12
2.1.4
Sänger Gartenhandschuh ... 13
2.1.5
LUX-TOOLS Pflasterer-Handschuh ... 14
2.2
Statischer Schnitttest mit senkrechter Krafteinwirkung ... 15
2.2.1
Prinzip ... 15
2.2.2
Ausrüstung und Aufbau ... 15
2.2.3
Prüfmuster ... 20
2.2.4
Prüfverfahren ... 21
2.2.5
Die Auswertung ... 22
3.
Ergebnisse ... 23
3.1
Vorversuche... 23
3.1.1
Vorver
such mit Handschuh ,,UVEX
-
C500"
... 23
3.1.2
Einfluss des Trennpapiers auf die Messergebnisse ... 24
3.2
Schnittversuche mit verschiedenen Handschuhen ... 26
3.2.1
UVEX - C500 M FOAM ... 26

Inhaltsverzeichnis
II
3.2.2
W+R SEIZ - Bremen 1 ... 27
3.2.3
Marigold industrial - Cutstar W1... 28
3.2.4
Sänger Gartenhandschuh ... 29
3.2.5
LUX-TOOLS Pflasterer-Handschuh ... 29
4.
Diskussion ... 31
4.1
Bewertung der Ergebnisse ... 31
4.1.1
Vorversuche mit dem UVEX C500 ... 31
4.1.2
Vorversuche mit Trennpapier ... 31
4.1.3
Prüfung der ausgewählten Schutzhandschuhe ... 32
4.2
Einfluss anderer Kenngrößen mechanischer Belastbarkeit ... 35
4.3
Neueinstufung der Handschuhe in Schutzlevel ... 38
4.4
Bewertung des neuen Testverfahrens ... 40
4.5
Gefährdungsbeurteilung von Schnittgefährdungen ... 43
5.
Zusammenfassung ... 44
5.1
Alternative Messmethode zur DIN EN 388 ... 44
5.2
Die neu entwickelte Messmethode ... 44
5.3
Sinnhaftigkeit der alternativen Messmethode ... 45
5.4
Aussicht ... 45
Anhang 1
­
Messwerte UVEX C500 ... VI
Anhang 2
­
Messwerte Seiz Bremen 1 ... VII
Anhang 3
­
Messwerte Marigold Cutstar ... VIII
Anhang 4
­
Messwerte Lux Tools Pflasterer-Handschuh ... IX
Anhang 5
­
Messwerte Vorversuche Trennpapier ... X
Anhang 6
­
Messwerte Vorversuche zur Abstumpfung ... XI
Literaturverzeichnis ... XII

Abbildungsverzeichnis
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Kennzeichnung eines Handschuhs zum Schutz gegen mechanische
Risiken gemäß EN 388; Quelle: DIN EN 388 [3] ... 3
Abbildung 2: OLFA Rundklinge RB 45, Quelle: www.olfa.co.jp ... 5
Abbildung 3: UVEX C500 FOAM
­
Foto ... 10
Abbildung 4: W+R Seiz Bremen 1 - Foto ... 11
Abbildung 5: Marigold Cutstar W1
­
Foto ... 12
Abbildung 6: Sänger Gartenhandschuhe - Foto ... 13
Abbildung 7: LUX Pflasterer-Handschuhe - Foto ... 14
Abbildung 8: Martor Industrieklinge, Quelle: http://www.martor.com ... 15
Abbildung 9: Auflagefläche für Handschuhprüfmuster
­
Zeichnung ... 16
Abbildung 10: Auflagefläche
­
Foto ... 17
Abbildung 11: Klingenaufnahme - Zeichnung ... 18
Abbildung 12: Klingenaufnahme - Foto 1 ... 18
Abbildung 13: Klingenaufnahme - Foto 2 ... 19
Abbildung 14: Klingenaufnahme - Foto 3 ... 19
Abbildung 15: Prüfstand
­
Foto ... 20
Abbildung 16: Prüfmuster - Foto 1 ... 20
Abbildung 17: Prüfmuster - Foto 2 ... 21
Abbildung 18: Diagramm - Ergebnisse Vorversuch "UVEX - C500" ... 24
Abbildung 19: Diagramm - Vorversuch Trennpapier ... 25
Abbildung 20: Diagramm - Ergebnisse UVEX C500 FOAM ... 26
Abbildung 21: Boxplot UVEX C500 ... 26
Abbildung 22: Diagramm - Ergebnisse W+R Seiz - Bremen 1 ... 27
Abbildung 23: Boxplot W+R Seiz - Bremen 1 ... 27
Abbildung 24: Diagramm - Ergebnisse Marigold - Cutstar W1 ... 28
Abbildung 25: Boxplot Marigold Cutstar W1 ... 28
Abbildung 26: Diagramm - Ergebnisse LUX-Tools - Pflasterer Handschuh .. 29
Abbildung 27: Boxplot Lux Tools Pflasterer Handschuh ... 30
Abbildung 28: UVEX C500 "Double Face Prinzip"; Quelle: [8] ... 32
Abbildung 29: Diagramm - Einzelmessungen im Vergleich ... 34
Abbildung 30: Diagramm - Boxplots der Messwerte im Vergleich ... 34
Abbildung 31: Diagramm - Vgl. der EN 388 Einstufung zu den Testergebnissen 35
Abbildung 32: Vgl. der Abriebfestigkeit zu den Testergebnissen ... 36
Abbildung 33: Vgl. der Reißfestigkeit zu den Testergebnissen ... 37
Abbildung 34: Vgl. der Stichfestigkeit zu den Testergebnissen ... 38

Tabellenverzeichnis
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Leistungsstufen der Schnittfestigkeit nach EN 388 ... 3
Tabelle 2: Schnittbeständigkeit verschiedener Materialien, Quelle: [1] ... 7
Tabelle 3: Grenzwerte zur Neueinstufung der Schnittschutzlevel ... 39
Tabelle 4: Neue Schnittschutzlevel der getesteten Handschuhe ... 39

Abkürzungsverzeichnis
V
Abkürzungsverzeichnis
ABS
Acrylnitril-Butadien-Styrol
BHV
Bundesverband Handschutz e.V.
NPS
Normenausschuss Persönliche Schutzausrüstung

1. Einleitung
1
1. Einleitung
1.1 Schutz der Hände durch den Einsatz von Schutzhandschuhen
Für nahezu jede Aufgabe, die im Berufsalltag ausgeführt wird, benötigt der Mensch die
Hände. Nicht weiter verwunderlich, aber dennoch besorgniserregend ist es deshalb, dass
Verletzungen der Hand und des Handgelenks in den Statistiken der Unfallversicherungs-
träger (DGUV) auf Platz 1 der meldepflichtigen Arbeitsunfälle liegen. Im Jahr 2007 betra-
fen 42% aller Arbeitsunfälle Hand, Unterarm, Handgelenk und Handwurzel. Dies entspricht
einer Anzahl von 391.479 registrierten Handverletzungen im Jahr 2007, wovon wiederrum
etwa jeder dritten eine Schnittverletzung zugrunde liegt. Somit ist insgesamt jeder siebte
Arbeitsunfall auf eine Schnittverletzung der Hände zurückzuführen. Nicht enthalten sind
hier Arbeitsunfälle, bei denen die anschließende Arbeitsunfähig weniger als drei Tage be-
trug. Die eigentliche Zahl der Schnittverletzungen der Hände ist daher sicherlich deutlich
höher, da man auch mit einem kleinen Schnitt an der Hand in der Regel ohne längeren
Ausfall weiter arbeiten kann. (vgl. [1])
Umso wichtiger ist es daher, die Hände angemessen gegen berufsbedingte Gefährdungen
zu schützen. Sofern dies nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen reali-
siert werden kann, kommt persönliche Schutzausrüstung in Form von Schutzhandschuhen
zum Einsatz.
Grundsätzlich wird persönliche Schutzausrüstung in drei Kategorien unterteilt:
1.
,,
PSA-Kategorie I (geringe Risiken): In diese Kategorie gehören solche persönlichen
Schutzausrüstungen, bei denen man davon ausgeht, dass der Benutzer selbst die
Wirksamkeit gegenüber geringfügigen Risiken beurteilen kann und deren Wirkung,
wenn sie allmählich eintritt, vom Benutzer rechtzeitig und ohne Gefahr wahrge-
nommen werden kann (z.B. Handschuhe für Gartenarbeiten, leichtes Schuhwerk).
2. PSA-Kategorie II (mittlere Risiken): Zu dieser Kategorie gehören alle persönlichen
Schutzausrüstungen, die weder der Kategorie I noch der Kategorie III zuzuordnen
sind (z.B. Arbeitsschutzhelme, Schutzschuhe, Gehörschützer)
3. PSA-Kategorie III (hohe Risiken): Zu Kategorie III gehören komplexe persönliche
Schutzausrüstungen, die gegen tödliche Gefahren oder ernste und irreversible Ge-
sundheitsschäden schützen sollen, und bei denen man davon ausgehen muss,
dass der Benutzer die unmittelbare Wirkung der Gefahr nicht rechtzeitig erkennen
kann (z.B. Atemschutzgeräte, persönliche Schutzausrüstungen zum Schutz gegen
Absturz)." [2]

1. Einleitung
2
Schutzhandschuhe fallen hierbei also im Regelfall in die PSA-Kategorie I. Weiterhin unter-
scheidet man Schutzhandschuhe nach ihrem Einsatzgebiet und den sich daraus ergeben-
den Gefährdungen. Es wird unterschieden zwischen chemischen Gefährdungen, physika-
lischen Gefährdungen (z.B. mechanische, thermische oder elektrische Gefährdungen) und
biologischen Gefährdungen.
Ein wesentlicher Teil der physikalischen Gefährdungen ist, wie eingangs erwähnt, die Ge-
fährdung der Hände durch Schnitte. Von besonderer Bedeutung ist es also sicherzustel-
len, dass bei Schutzhandschuhen einheitliche Standards eingehalten werden. Realisiert
wird dies bisher durch die Prüfung und anschließende Zulassung nach den Vorgaben der
DIN EN 388.
1.2 Vorstellung der DIN EN 388
Seit 1994 gibt
es die europäische Norm ,,
EN 388 - Schutzhandschuhe gegen mechanische
Risiken"
in der festgelegt ist, wie Schutzhandschuhe auf die unterschiedlichen mechani-
schen Risiken zu prüfen sind. Die letzte Aktualisierung dieser Norm wurde im Jahr 2003
vom Normenausschuss Persönliche Schutzausrüstung (NPS) vorgenommen.
Die Prüfung der Handschuhe und deren anschließende Zulassung werden von benannten
Stellen, dafür speziell akkreditierten Prüfstellen durchgeführt.
Für die Zulassung eines Schutzhandschuhs der PSA Kategorie II nach den Kriterien der
DIN EN 388 werden vier Anforderungen geprüft und in unterschiedliche Kategorien einge-
teilt: Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißkraft und Durchstichkraft. Das Ergebnis
der einzelnen Prüfungen, also in wieweit ein Handschuh die Anforderungen einer Prüfung
erfüllt, werden wird in Zahlenwerten von 0 bis 4 oder 5 angegeben, wobei 0 für das nicht
Erfüllen einer Anforderung steht und 4 bzw. 5 der jeweils beste zu erreichende Wert ist.
Ein geprüfter Handschuh darf dann mit den Ergebnissen der Prüfung in Ziffernform und
dem Piktogramm für mechanische Risiken gekennzeichnet werden (siehe Abbildung 1).

1. Einleitung
3
Abbildung 1: Kennzeichnung eines Handschuhs zum Schutz gegen mechanische
Risiken gemäß EN 388; Quelle: DIN EN 388 [3]
Anhand der Ziffern kann abgelesen werden, inwiefern der Handschuh die Anforderungen
der Prüfungen zur Abriebfestigkeit, zur Schnittfestigkeit, zur Reißfestigkeit und zur Stich-
festigkeit erfüllt.
1.3 Prüfverfahren für die Schnittfestigkeit
In dieser Arbeit wird ausschließlich das Testverfahren zur Ermittlung der Schnittfestigkeit
von Schutzhandschuhen betrachtet.
Das Prinzip der Prüfung nach EN 388 ist
folgendes: ,,Prüfmuster werden geschnitten mit
einer kreisförmig rotierenden Klinge, die sich unter festgelegter Belastung auf dem Prüf-
muster hin und her bewegt und sich entgegen dieser Bewegung dreht
"
[3]. Dabei wird ge-
zählt, wie viele Zyklen die rotierende Klinge benötigt, um das Prüfmuster zu zerschneiden.
Dieser Wert wird mit dem eines Kontrollmusters verglichen und ein Index berechnet. An-
hand des Indexwertes wird dann die entsprechende Leistungsstufe festgelegt (siehe Ta-
belle 1). (vgl. [4])
Leistungsstufe 1
2
3
4
5
Index
1,2
2,5
5,0
10,0
20,0
Tabelle 1: Leistungsstufen der Schnittfestigkeit nach EN 388

1. Einleitung
4
1.4 Schwächen der EN 388 Prüfmethode
Seit einiger Zeit gibt es Zweifel daran, ob die Prüfmethode nach EN 388 bei den heutzuta-
ge produzierten Handschuhen noch reproduzierbare Ergebnisse liefert. So machte der
Bundesverband Handschutz e.V. (BHV) bereits 2011 darauf aufmerksam, dass die Prüf-
methode nach EN 388 deutliche Schwächen ausweist. So heißt es zum Beispiel in einem
Informationsschreiben aus dem März 2011:
,,Heute
existieren etliche Faserkonstruktionen
(Hybride), mit denen die Eigenschaften und die Leistung des gestrickten Handschuhs in
gewissem Maße gelenkt werden können. Die Methode zur Bestimmung der Schnittfestig-
keit nach EN 388 liefert für harte Fasern (anorganische Fasern, z.B. Glas, Metall) und Fa-
sern mit derartigen Bestandteilen (Hybridfasern) ganz offensichtlich keine reproduzierba-
ren Werte. Sobald die zum Einsatz kommende Klinge auf diese Fasern trifft, wird ihre
Schneidewirkung drastisch verringert
­
sie wird stumpf
"
[5].
Des Weiteren wird bei der Methode nach EN 388 zur Prüfung der Schärfe der Klinge ein
Kontrollmuster verwendet. Es kommt jeweils vor und nach dem Schneiden eines Prüfmus-
ters zum Einsatz und besteht aus einem bestimmten Baumwollgewebe. Allerdings ist frag-
lich ob diese Kontrollmuster wirklich in allen Prüfinstituten genau gleiche Eigenschaften
aufweisen. Es gibt keine zentrale Stelle zur Herstellung der Muster, lediglich einen Ver-
weis in der EN 388 auf die französische Firma
,,
Collamtis
"
. Weiterhin heißt es aber:
,,Gleichwertige Produkte dürfen verwendet werden, wenn sie nachweisbar zu den gleichen
Ergebnissen führen"
[3]. Zudem konnte ich bei meinen Internetrecherchen keinen Hinweis
darauf finden, dass die Firma Collamtis überhaupt noch existiert.
Dasselbe Problem ergibt sich laut BHV bei der Beschaffung der Rundmesser. Es werden
heutzutage nicht mehr ausreichend baugleiche Rundmesser für alle Prüfinstitute herge-
stellt. So kommt es zu großen Unterschieden in der Schärfe der verwendeten Rundmesser
(vgl. [6]).
Die EN 388 empfiehlt die Klinge ,,Ref OLFA RB" vom japanischen Klingenherste
l-
ler ,,OLFA CORPORATION". Auf deren Internetpräsenz ist diese Klinge auch erhältlich
(Stand 30.06.2014) (siehe Abbildung 2). Es sollte also theoretisch immer noch möglich
sein, baugleiche Klingen zu bekommen. Allerdings gibt es auch hier in der EN 388 den
Verweis auf die Legitimität von gleichwertigen Klingen.

1. Einleitung
5
Abbildung 2: OLFA Rundklinge RB 45, Quelle: www.olfa.co.jp
Auch die Herstellung der Prüfapparatur wird von jedem Prüflabor eigenständig in Auftrag
gegeben. Diese wird zwar in der EN 388 recht genau beschrieben, lässt aber gewissen
Freiraum in der Umsetzung. Ob sich bei so präzisen Messungen nicht schon kleine Unter-
schiede in der Bauweise auf die Messergebnisse auswirken ist fraglich.
Zusammengefasst lässt sich also festhalten, dass sowohl das schnelle Abstumpfen der
Klinge durch moderne Faserkonstruktionen ein zunehmendes Problem darstellt, als auch
die Reproduzierbarkeit des Testverfahrens aufgrund von nicht einheitlichen Kontrollmus-
tern, Rundklingen und Prüfapparaturen.
1.5 Bisherige alternative Prüfmethoden zur EN 388
Eine alternative Prüfmethode zur EN 388 wird in der europäischen Norm
,,
EN ISO 13997
"
beschrieben. Hierbei wird eine Klinge über eine Strecke von 20 mm über
ein Prüfmuster gezogen. Bei jedem Schnitt wird die Klinge mit einer konstanten Kraft auf
das Prüfmuster gedrückt. Diese Kraft wird nach jedem Durchgang erhöht, bis sie aus-
reicht, um das Prüfmuster gerade zu durchschneiden. Der Wert der zuletzt aufgebrachten
Schneidkraft wird zur Einstufung des Schutzlevels der Probe verwendet (vgl. [7]). Bei jeder
Prüfung müssen mindestens 15 Messungen erfolgen, wobei für jede Messung eine unge-
brauchte Klinge verwendet wird.
Der Vorteil der EN ISO 13997 gegen über der EN 388 liegt beim Test von Handschuhen
mit modernen Faserkonstruktionen. Da die Klinge nur einmal über das Prüfmuster gezo-
gen wird, minimiert sich der Einfluss der abstumpfenden Klinge auf das Testergebnis. Ein

1. Einleitung
6
weiterer Vorzug ist, dass die eingesetzten Messer offensichtlich in ausreichender Menge
und mit gleichen Eigenschaften beschaffbar sind (vgl. [6]).
Dennoch spricht nicht alles für dieses Testverfahren. Die Einstufung von Schutzhand-
schuhen in Schutzlevel nach EN 388 hat sich in Europa über Jahrzehnte etabliert. Auch
die EN ISO 13997 beschreibt die Leistung von Materialien in Schutzlevel von 1-5, nur ha-
ben diese keinerlei Relation zur EN 388. Dadurch sind die beiden Prüfmethoden nicht mit-
einander vergleichbar (vgl. [6]).
1.6 Einflüsse auf die Schnittfestigkeit von Handschuhen
Schnittschutzhandschuhe werden zum Teil aus natürlichen Materialien (z.B. Leder) und
auch aus künstlich produzierten, synthetischen Fasern hergestellt. Vergleicht man die Ein-
stufungen nach EN 388 fällt auf, dass höchste Schnittschutzlevel nur mit synthetischen
Fasern zu erreichen sind. Auch die Fingerbeweglichkeit und das Tastempfinden sind bei
Handschuhen aus künstlichen Fasern meist besser. Dagegen weisen Handschuhe aus
Leder in der Regel eine deutlich höhere Durchstichfestigkeit auf. So werden viele Hand-
schuhe auch als Kombination aus Lederhandschuh mit eingenähtem, schnittfestem Syn-
thetik-Handschuh angeboten (vgl. [1]).
Bei gestrickten Schnittschutzhandschuhen haben folgende Eigenschaften Einfluss auf die
Schnittfestigkeit:
Art des Gestrickes (Interlock, Jersey, etc.)
Dicke und Flächengewicht des Handschuhes
Strickfeinheit des Strickhandschuhes (Gauge-Zahl)
Beschichtung des Schutzhandschuhes
Eingesetzte Strickgarne und Fasermischungen
Entscheidenden Einfluss auf die Schnittfestigkeit haben aber vor allem die unterschiedli-
chen eingesetzten Materialien, wie:
Aromatische Polyamide (Aramide: Kevlar®, Nomex®, Twaron®)
Ultrahochmolekulares Polyethylen (UHMW-PE: Dyneema®, Spectra®)
Metallfasern (INOX®)
Glasfasern
Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Beitrag zur Ermittlung der Schnittfestigkeit von Schutzhandschuhen nach DIN EN 388
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
60
Katalognummer
V375478
ISBN (eBook)
9783668528932
ISBN (Buch)
9783668528949
Dateigröße
1876 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schutzhandschuhe, DIN EN 388, Schnittfestigkeit, Sicherheitstechnik, Handschuhe
Arbeit zitieren
Sören Schmidt (Autor), 2014, Beitrag zur Ermittlung der Schnittfestigkeit von Schutzhandschuhen nach DIN EN 388, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375478

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