Die Anthroposophische Ernährungslehre nach Rudolf Steiner. Die Anwendung im Waldorfkindergarten


Hausarbeit, 2017
26 Seiten, Note: keine Benotung

Leseprobe

Die Anthroposophische Ernährungslehre Steiners im Waldorfkindergarten
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Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung ... 3
2. Die Ernährung im historischen Kontext ... 5
3. Biografie Rudolf Steiner ... 6
4. Der Waldorfkindergarten ... 9
4.1 Das Menschenbild in der Waldorfpädagogik ... 9
4.2 Das pädagogische Konzept der Waldorfpädagogik ... 10
4.3 Der Tagesablauf im Waldorfkindergarten ... 10
4.4 Die Waldorfpädagogin ... 11
4.5 Der Rhythmus im Waldorfkindergarten ... 13
5. Die Sinne ... 13
6. Die Temperamente ... 16
7. Die besonderen Merkmale der Anthroposophischen Ernährungslehre Steiners ... 17
8. Fazit und Resümee ... 21
9. Literatur ... 23
10. Bildquellen ... 26

Die Anthroposophische Ernährungslehre Steiners im Waldorfkindergarten
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1.Einleitung
Die Generation von Morgen sollte lernen, achtsam mit den Ressourcen unserer Umwelt
umzugehen. Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Tagtäglich kommen Lebensmittel in
die Mülltonne, obwohl viele Menschen kaum genug Geld haben, um ihre Kinder ausgewogen
zu ernähren. Hier müssen wir Verantwortung übernehmen und die Kinder für Umwelt und
Natur sensibilisieren. Steiners Anthroposophische Ernährungslehre könnte ein Vorbild für die
pädagogische Praxis sein. Durch den Einkauf biologisch erzeugter Lebensmittel auf dem
Markt oder beim Bauern sowie gemeinsame Vorbereitung des Frühstücks mit
selbstgebackenen Brötchen, Haferbrei mit Apfelkompott oder Müsli könnten Kinder auf
spielerische Weise die wichtigsten Grundlagen für das spätere Leben in Bezug auf eine
gesunde Ernährung im Alltag lernen. Es wird immer noch zu wenig Geld investiert, um
Gesundheitsbildung in den Kindergärten zu fördern. Die Lebenserwartung zwischen sog.
,,
bildungsfernen
"
und
,,
bildungsnahen
"
Menschen unterscheidet sich um ca. ganze zehn
Jahre. Gesundes Kindergartenessen beugt gesundheitlichen Problemen vor. Viele Kinder
leiden heute schon an z.B. Diabetes, Übergewicht, Fettleber oder psychosomatischen
Erkrankungen. Ernährungswissenschaftler schlagen Alarm, weil sich in westlichen Ländern
die Fettpolster der Kinder zu einem Problem entwickelt haben.
In Rahmen der Globalisierung erleben wir in verschiedenen Kulturen einen anderen Umgang
bezüglich der Ernährung. Bei den arktischen Völkern, z.B. den Inuit, gibt es kaum Allergien.
Die Eskimos essen viel fetten Fisch und das ewige Eis gibt keine pflanzliche Kost her.
Studien haben ergeben, dass das Essen von Fisch im ersten Lebensjahr das Risiko für eine
Sensibilisierung auf Fischeiweiß senkt und z.B. allergische Entzündungen der Haut bei
Kindern kaum auftreten. Grund dafür könnte die Omega-3-Fettsäure DHA sein, weil sie die
Entzündungsreaktion im Blut abschwächt. Bei den Inuit steht ab dem fünften Monat Fisch auf
dem Speiseplan (vgl. Burger, 2011, S. 86). Volksgruppen in Westafrika legen großen Wert
darauf, dass Kinder schon früh teilen lernen. Sie bieten den Kleinkindern Nahrungsmittel und
Gegenstände an, die sie zurückgeben oder an Andere weiterreichen müssen. Dadurch
lernen die Kinder, dass die Güter der Gemeinschaft gehören und entwickeln ein
Bewusstsein, wie wichtig die gerechte Verteilung ist. Sie lernen und entwickeln die Fähigkeit
zum vorübergehenden Verzicht (vgl. Fontanel, d` Harcourt, 2011, S. 48).
Für Eltern nimmt das Thema ,,Ernährung" einen großen Bestandteil
der Erziehung ein. Die
Beobachtung, die ich in den vergangenen Jahren im Kindergarten gemacht habe ist, dass
Eltern bei dem
Thema ,,gesunde
Ernähru
ng"
gerne die Verantwortung an das pädagogische
Personal delegieren
. Nach dem Motto ,,ge
sunde Ernährung ist uns sehr wichtig, aber der

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Kindergarten sollte bitte diese Verantwortung übernehmen. Zuhause soll das Kind essen
können, was es gerne möchte!
"
Die Kindheit ist geprägt von Erinnerungen an gemeinsame
Mahlzeiten. Meist fällt uns das Familienessen ein, wenn wir an die Vergangenheit denken.
Besondere Gerüche oder Speisen haben sich uns eingeprägt. Das soziale Umfeld, das heißt
die Familie, die Freunde, der Kindergarten oder die Esskultur eines Landes sind
ausschlaggebend dafür, was wir essen oder nicht. Geschmacksrichtungen und Essverhalten
werden durch Erfahrungen von Geburt an geprägt und Kinder lernen durch Nachahmung.
Wenn ich an meine eigene Kindheit zurück denke, ist sie geprägt von Schafsfleisch. Mein
Großvater züchtete Schafe und als Kind spielte ich im Frühling gemeinsam mit den Lämmern
auf der Wiese. Bei der gemeinsamen Gartenarbeit gab mein Großvater mir Obst zum Essen,
also Pflaumen, Äpfel und Birnen frisch vom Baum gepflückt. Diese frühkindlichen
Erfahrungen haben mein weiteres Leben geprägt, sodass ich heute beim Essen von
Lammfleisch oder frischem Obst die Gerüche meiner Kindheit im Gedächtnis habe.
In meiner Abschlussarbeit zum Zertifikat
,,Anthroposophie"
werde ich mich mit Steiners
Anthroposophischer Ernährungslehre befassen. Fast überall in der Welt gibt es
Waldorfkindergärten, ein Drittel (ca. 1500) davon allein in Deutschland (vgl. Vereinigung der
Waldorfkindergarten, letzte Ausgabe, S. 8). Kerngedanke von Steiners Pädagogik war, jedes
Kind auf seinem eigenständigen und individuellen Weg in die Welt zu unterstützen. In der
Waldorfpädagogik umfasst der Begri
ff ,,Gesundheit" mehrere Aspekte: Und zwar n
icht nur
gesunde Ernährung, sondern die Sinnes-, die Sprach-, die seelische- und psychische
Entwicklung helfen dem Kind, seinen individuellen Weg zu gehen. (vgl. Suggate, 2015, S.
14).
Im ersten und zweiten Abschnitt befasse ich mich mit der Ernährung im 21. Jahrhundert und
beschäftige mich mit historischen Aspekten der Ernährung. Im dritten Abschnitt setze ich
mich mit Steiners Biografie auseinander mit einem Schwerpunkt auf seiner Kindheit. Dem
folgt im vierten Abschnitt die Auseinandersetzung mit der Waldorfpädagogik. Ich gehe auf
Menschenbild, pädagogisches Konzept, Tagesablauf, Arbeit der Waldorfpädagogen und den
Rhythmus der Waldorfpädagogik ein. Inhalt des fünften und sechsten Abschnitt ist die
Sinnes- und Temperamentslehre Steiners und ihre Funktion. Im siebten Abschnitt erkläre ich
die besonderen Merkmale der Anthroposophischen Ernährungslehre Steiners und gehe auf
die Umsetzung im Waldorfkindergarten ein. Die Zusammenfassung der gesamten Arbeit und
ein persönlicher Ausblick sind der Inhalt des achten Abschnittes und ich befasse mich dort
mit der Grundlage der gesunden Entwicklung eines Kindes.

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Der Einfachheit
halber habe ich mich auf die weibliche Form ,,Waldorfpädagogin" festgelegt.
Natürlich sind auch Männer gemeint, also ,,Waldorfpädagogen".
2. Die Ernährung im historischen Kontext
Die Geschichte des Menschen ist die Geschichte des Mangels bezüglich der Ernährung.
Mangelernährung, Krankheiten und Sorgen zu verhungern prägten Jahrtausende lang die
Menschen in unserem Breitengrad. Märchen der Brüder Grimm erzählen uns Geschichten
über Hunger und Not. Heutzutage plagen die Eltern diese Sorgen nicht mehr, wie sie ihre
Kinder durch den nächsten Hungerwinter bringen sollen. Im Jahr 2000 hat die WHO
Übergewicht zum am schnellsten wachsenden Gesundheitsrisiko der Industrieländer erklärt.
Übergewicht und Adipositas (chronisches Übergewicht), gekoppelt mit Diabetes und Herz-
Kreislauf-Erkrankungen ist leider der Preis für das Schlaraffenland. Die WHO befürchtet,
dass im Jahr 2040 bereits die Hälfte aller Erwachsenen in den Industrieländern an Adipositas
leiden werden. Mediziner und Experten sprechen bereits von einer
,,
Übergewichtsepidemie
"
(vgl. Rützler, 2007, S. 14-18). Der rasante Anstieg von Adipositas-Erkrankungen zeigt, dass
der menschliche Körper mit dem Überfluss an Zucker, Fett usw. bei gleichzeitigem
Bewegungsmangel überfordert ist (vgl. ebd., S. 21). Das Bewusstsein, dass Fehlernährung
durch Überfluss und einer einseitigen, zu üppigen Ernährung verursacht wird, ist noch nicht
bei allen Menschen vorhanden.
Die historische Wende begann vor 150 Jahren. Noch nie wie in den vergangenen 150
Jahren hat sich unsere Lebenswelt so rapide verändert. Aus der Gesellschaft der
Selbstversorger, die zuhause tagtäglich ihr Brot selber produzierte, wurde ein neuer
Gesellschaftstypus. Die industrielle Revolution brachte mit sich, dass sich auch das
Nahrungsmittelangebot erweiterte. Dies bedeutete, dass man für Geld alles kaufen konnte
(vgl. ebd., S.19).
Seit den 60er Jahren stehen uns in den Industrieländern Lebensmittel tatsächlich fast
unbegrenzt zu Verfügung:
Früher mussten wir durch saisonale Lebensmittelangebote essen, was gerade
vorhanden war.
Heute ist die Fertigstellung von Nahrungsmitteln durch den rasanten Zuwachs an
Fertig- und Halbfertigprodukten (Convenience-Produkten) und der simplen
Zubereitung dieser Produkte vereinfacht.

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Nicht selten fühlen wir uns überfordert durch das Warenangebot auf dem
Nahrungsmarkt. Vegan, vegetarisch, glutenfrei oder andere Ernährungsrichtungen
stehen zur Auswahl. Aus ideologischen Gründen geben manche Eltern ihren Kindern
bestimmte Nahrungsmittel wie z.B. Fleisch nicht zu essen. Hier kann es zu einer
Unterversorgung kommen. Als Fleischersatz kann man Sojagranulat verwenden und
dieses mit Gemüsebrühe anrühren. Veganer und Vegetarier haben oft einen Mangel
an Vitamin B12. Dieses Vitamin kommt in tierischen Nahrungsmitteln vor. Kinder, die
vegan ernährt werden, sollten als Bestandteil ihrer Ernährung unterschiedliche
Nährstoffe bekommen, wie z.B. Quinoa, Buchweizen, Hafer oder Amaranth (vgl.
Karmel, 2009, S. 168-169).
Eine Auswahl wie im Schlaraffenland. Das ganze Jahr hindurch stehen uns alle Obst-
und Gemüsesorten zur Verfügung
­
alles, was das Herz begehrt. Wir gewöhnen uns
rasch an neue Entwicklungen und halten sie für selbstverständlich (vgl. Rützler, 2007,
S.14-18).
Aber, wie geht es den Menschen heute im 21. Jahrhundert? In den ersten neun Monaten vor
der Geburt wird der Embryo noch durch die Nabelschnur der Mutter versorgt. Wenn das
Baby auf die Welt kommt, haben Eltern viele Fragen bezüglich die Ernährung des Kindes.
Sollen wir den ersten Brei selber herstellen oder nur Industrieprodukte kaufen? Füttern wir
Bio- oder Normalkost, vegan oder vegetarisch? Wie soll der Speiseplan im Kindergarten
aussehen? Ratlosigkeit und Verwirrung verunsichern die heutigen Eltern. Die Fernseh- und
Zeitschriftenwerbung beeinflusst den Frühstücks- und Mittagstisch und zielt auf das
,,Verantwortungsgefühl und das gute
Gewissen" der Eltern. ,,Ernährungsfehler in den ersten
Lebensjahren können die körperliche und seelische Entwicklung beeinträchtigen und sich
später noch negativ auf die Gesundheit
auswirken" (Verbraucherzentrale
, 2002, S. 4).
3. Biografie Rudolf Steiner
Rudolf Steiner wird am 25. Februar 1861 in Kraljewec im damaligen Ungarn, heute Kroatien,
geboren. Die Mutter Franzika Steiner, geb. Blie (1834-1918) und sein Vater, Johann Steiner
(1829-1910), waren österreichischer Herkunft. Der Vater übte vor der Familiengründung den
Beruf des Jägers im gräflichen Dienst an der Donau aus. Er wechselt den Beruf und wird
Telegraf bei der österreichischen Südbahn. Später ziehen die Eltern der Arbeit wegen von
der Steiermark nach Kraljevic an die ungarisch-kroatische-Grenze. Die Familie wechselt
mehrmals den Wohnort und Rudolf Steiner bekommt eine Schwester und einen Bruder.
Seine Kindheit ist geprägt durch den Beruf des Vaters. Er wächst neben der Bahnstrecke im
Stationsgebäude auf und verbringt seine Kindheit in der Polarität von Natur und Technik. Die

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Familie lebt in einfachen Verhältnissen. Seine Schullaufbahn wurde durch den katholischen
Glauben und die Dorfschule geprägt (vgl. Steiner, 1988, S. 8-17). In diesem Zeitraum wird
der Grundstein für seine Pädagogik und sein natur- und geisteswissenschaftliches Interesse
gelegt. In seiner Autobiografie sucht man vergeblich nach Angaben von Jugendfreunden
oder Hinweisen
von Spielen mit anderen Kindern. Sein Vater galt als ,,Freigeist" und Gegner
jeglicher Form von Religion und kirchlicher Autorität. Seine Mutter wird als schweigsam und
unnahbar beschrieben. Steiners Vater unterrichtet seinen Sohn schon früh im Lesen und
Schreiben. Er findet Befriedung beim Lernen und es gibt Hinweise, dass er ein einsamer und
sensibler Junge ist (vgl. Lippert, 2001, S. 11-13). Als Realschüler verbessert er das
Einkommen der Eltern durch Nachhilfeunterricht.
Von 1879 bis 1882 besuchte Steiner die Technische Hochschule und war Hauslehrer von
1884 bis 1890 bei der Familie Specht. Steiner wurde mit der Herausgabe von Goethes
naturwissenschaftlichen Schriften beauftragt. 1892 promoviert Rudolf Steiner und wird
Doktor der Philosophie. Zwischen seiner Promotion und der Eröffnung der ersten freien
Waldorfschule in Stuttgart entwickelt Steiner die Anthroposophie (vgl. Suggate, 2015, S. 45-
46). 1904 schreibt er das Buch
,,Theosophie", die grundlegende
Gedanken der
Anthroposophie erfasst. Steiner heiratet 1899 im Alter von 38 Jahren die Witwe Anna
Eunika. Sie brachte fünf Kinder in die Ehe ein. Er hatte in seiner Weimarer Zeit bei ihr als
Untermieter gewohnt. Sie starb 2011 nach mehreren Jahren der Trennung von Rudolf
Steiner (vgl. Seitz/Hallwachs, 2007, S. 104-105). Seine zweite Ehefrau, Maria von Sivers,
lernte er in einem Kreis für fernöstliche Weisheitslehre und Esoterik kennen (vgl. Stumpf,
2007, S. 118).
Rudolf Steiner hielt Vorträge in ganz Europa und gründete 1913 die Anthroposophische
Gesellschaft (vgl. Mehringer 2012, S. 3). Im schweizerischen Dornach bauen Steiner und
seine Mitarbeiter das Goetheanum. Durch Brandstiftung geht das fast ganz aus Holz
gebaute Gebäude in der Silvesternacht 1922/ 1923 in Flammen auf. Das neue Goetheanum
wird aus Beton gebaut und erst dreieinhalb Jahre nach seinem Tod eingeweiht (vgl. Steiner
1988, S. 163). In September 1924 erkrankt Rudolf Steiner an Krebs und stirbt am 30. März
1925 in Dornach (vgl. Suggate, 2015, S. 47).
Biografische Schnittstelle:
Steiner hat später erwähnt: ,,
So ist es gekommen, dass mein Geburtsort weit abliegt
von der Erdgegen
d, aus der ich stamme" (Steiner
1988, S. 8). Hier bezieht er
Stellung zu den ersten Jahren nach seiner Geburt. Seine Eltern verließen ihre
Heimat, weil der Vater sich beruflich verändert hatte. Ein weiterer Umzug im Alter von

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2 Jahren findet statt. Steiner lebt gemeinsam mit den Eltern vom zweiten bis zum
achten Lebensjahr an der Bahnstation Pottschach in Niederösterreich. Dort wird
seine Naturbegeisterung geweckt. Der Ausblick auf die Berge und wunderschöne
Naturereignisse wie Licht und Atmosphäre im Kontrast zu moderner Technik der
Eisenbahn inspirieren ihn (vgl. Steiner, 1988, S. 8-11).
Bei der Familie Specht unterrichtet Steiner den Sohn Otto, der aufgrund eines
Wasserkopfes (Hydrocephalus) als kaum lernfähig galt. Der Junge erwarb dennoch
bald die ersten Elemente des Lesens, Schreibens und Rechnens. Unter Steiners
Betreuung holte Otto in der Schule auf und studierte später Medizin. Diese
persönlichen Erfahrungen bei der Familie Specht waren die Quelle für einige
Leitgedanken der Waldorfpädagogik. Er entwickelte in seinem Leben vielfältige Ideen
und Interessen. Er beschäftigte sich mit Medizin, dem biologisch-dynamischen
Landbau, Pädagogik, Philosophie, Architektur, Christologie, Naturwissenschaft und
Psychologie. Steiner hinterlässt der Nachwelt eine Fülle von Schriften und Vorträgen
(vgl. Suggate, 2015, S. 46-47).
Als Rudolf Steiner am 13. April 1919 vor den Arbeitern der Waldorf-Astoria-
Zigarettenfabrik in Stuttgart einen Vortrag zur sozialen Dreigliederung hält, herrscht in
Deutschland Revolution. Das Kaiserreich ist zusammengebrochen. Die soziale Not
hat große Bevölkerungsschichten entwurzelt. Die zurückgekehrten Soldaten des
Krieges sind unzufrieden und die meisten sind arbeitslos. Deutschland ist jetzt eine
Republik und Steiner spricht in seinem Vortrag vom Bildungsnotstand des
Proletariats (vgl. Hellmich, Teigeler, 2007, S. 50). Die Gründung der Schule und die
veränderte politische Situation in Deutschlands fallen zusammen. Die erste freie
Waldorfschule (1919) wurde durch den Unternehmer und Sozialreformer Emil Molt
ermöglicht. Molt wollte die Lebensqualität der Familien seiner Beschäftigten
verbessern. Die Schule wurde für die Arbeiterkinder der Waldorf-Zigaretten-Fabrik
eingerichtet und Steiner übernahm die Leitung (vgl. Suggate, 2015, S. 47).
Rudolf Steiner hält im Zeitraum zwischen dem 22. September 1923 und dem 2.
August 1924 vier Vorträge über gesunde Ernährung in Dornach/ Schweiz. Er hält
seine Vorträge vor Arbeitern. Nicht Steiner wählt die Themen seiner Vorträge aus,
sondern die Arbeiter, die schlicht, humorvoll und empfindungsreich sprachen. Die
Vorträge fanden nach dem Frühstück statt, also nach den ersten Arbeitsstunden.
Während dieser Zeit waren die Arbeiter noch nicht müde und am aufnahmefähigsten.
Der dritte Vortrag behandelt die Ernährung für Kinder, Abhärtung und
,,
Düngung
"
.
Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Anthroposophische Ernährungslehre nach Rudolf Steiner. Die Anwendung im Waldorfkindergarten
Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter  (Bildungswissenschaften)
Note
keine Benotung
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V375495
ISBN (eBook)
9783668527928
ISBN (Buch)
9783668527935
Dateigröße
1075 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anthroposophie, Ernährung, Reformpädagogik, Kindergarten, Rudolf Steiner
Arbeit zitieren
Chantal Wellens (Autor), 2017, Die Anthroposophische Ernährungslehre nach Rudolf Steiner. Die Anwendung im Waldorfkindergarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375495

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