Das Jahr 2015 ist vor allem ein Grund für die Vereinten Nationen (VN) einen runden Geburtstag zu feiern. 70 Jahre sind seit ihrer Gründung am 26. Juni 1945 vergangen. Die Vereinten Nationen gehen als direkte Konsequenz aus dem Zweiten Weltkrieg hervor. Nie wieder sollte ein Krieg derartigen Ausmaßes die Welt in Schutt und Asche legen, sodass die vier Siegermächte mit weiteren Nationen zusammen kamen, um die Charta der Vereinten Nationen unterzeichneten. Man wollte ein System der Sicherheit erschaffen, um „wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen.“ (VN-Charta Art. 1) Das wichtigste Organ für die Umsetzung dieser Vorsätze ist der VN-Sicherheitsrat, der am 17.01.1946 ins Leben gerufen wurde.
Seit dieser Zeit hat sich das weltpolitische Geschehen allerdings stark verändert. Der Kalte Krieg ist vorübergegangen, die Berliner Mauer gefallen, Deutschland wieder vereint und die Sowjetunion hat sich aufgelöst. Die Welt, die einst durch Bipolarität gekennzeichnet war, ist nun multipolar geprägt. Auch hat sich die Kriegsführung verändert, wo früher hauptsächlich Kriege zwischen einzelnen Staaten herrschten, findet man heute hauptsächlich innerstaatliche Konflikte vor, die sich durch asymmetrische Kriegsführung auszeichnen. Allgemein steht die Welt vor komplexen Problemen, die gerade durch die Globalisierung nicht nur einzelne Staaten betreffen, sondern von der Staatengemeinschaft zusammen gelöst werden müssen.
Trotz dieses gewaltigen Wandels hat sich der Sicherheitsrat sich seit seiner Gründung vor fast 60 Jahren überhaupt nicht verändert. Dass ein Missverhältnis zwischen der Form des Sicherheitsrats und dem aktuellen politischen Weltgeschehen vorliegt, lässt sich nicht leugnen. Darin sind sich so gut wie alle Staaten einig. So kam der Wunsch nach Reformen schon Anfang der 1990er Jahre in der Generalversammlung auf, auch Deutschland machte sich wiederholt dafür stark dafür. Trotz alldem hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt nichts verändert.
Die folgende Arbeit soll genau hier ansetzen und der Frage nachgehen, inwiefern eine Reform des UN-Sicherheitsrats überhaupt realistisch ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der UN-Sicherheitsrat
2.1. Strukturen
2.2. Funktionen
2.3. Effektivität, Repräsentativität, Legitimität
3. Reform des UN-Sicherheitsrat
3.1. Reformbemühungen und -bedarf
3.2. Verschiedene Modelle
3.2.1. Razali-Plan
3.2.2. High-Level-Panel
3.2.3. G4
3.2.4. Vorschlag der Afrikanischen Union (AU)
3.2.5. Uniting for Consensus
3.2.6. Panama
3.3. Alternative Lösungsansätze
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Reformierbarkeit des UN-Sicherheitsrats vor dem Hintergrund der veränderten weltpolitischen Lage seit 1945 und analysiert, warum bisherige Reformmodelle scheiterten und welche pragmatischen Ansätze zur Steigerung der Effektivität und Legitimität dennoch realisierbar erscheinen.
- Strukturen und Funktionen des VN-Sicherheitsrats
- Legitimitätskrise und Repräsentativitätsdefizite
- Vergleichende Analyse verschiedener Reformvorschläge
- Die Rolle der Vetomächte (P5)
- Pragmatische Ansätze zur Effizienzsteigerung
Auszug aus dem Buch
3.2. Verschiedene Modelle
Die Reformierbarkeit des UN-Sicherheitsrats ist ein Thema, das alle Staaten betrifft und das zudem schon seit Jahrzehnten auf der Agenda der Vereinten Nationen steht. Folglich haben sich schon sehr viele Menschen mit diesem Thema beschäftigt und so sind unterschiedliche Modelle entstanden. Die im Folgenden vorgestellten Modelle stellen nur eine geringe Auswahl dar und haben kein Anspruch auf Vollständigkeit.
3.2.1. Razali-Plan
Das erste Modell, das ernsthaft in der Literatur diskutiert wurde, basiert auf einem Vorschlag des malaysischen Diplomaten Razali Ismail. Dieser war 1997 Vorsitzender der OEWG und Hauptinitiator des nach ihm benannten Modells.
Der Razali-Plan sieht neun weitere Mitglieder vor (fünf ständige und vier nichtständige). Die fünf ständigen Mitglieder würden wie folgt besetzt werden: zwei Plätze an Westeuropa und ein Platz jeweils an Asien, Afrika und Lateinamerika/Karibik. Alle neuen ständigen Mitglieder hätten allerdings kein Vetorecht. Von den vier neuen nichtständigen Mitgliedern würde jeweils ein Sitz an die Regionen Asien, Afrika, Osteuropa und Lateinamerika/Karibik gehen.
Das Modell greift zum ersten Mal drei verschiedene Kategorien der Mitgliedschaft auf: ständige Mitglieder mit Vetorecht, ständige Mitglieder ohne Vetorecht und nichtständige Mitglieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrats und thematisiert das Missverhältnis zwischen der historischen Struktur und dem aktuellen globalen Wandel.
2. Der UN-Sicherheitsrat: In diesem Kapitel werden die Strukturen, Funktionen und die zentralen Legitimitätsprobleme des Sicherheitsrats analysiert, insbesondere im Kontext von Effektivität und Repräsentativität.
3. Reform des UN-Sicherheitsrat: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Reformmodelle wie den Razali-Plan oder den G4-Vorschlag und bewertet die Hürden sowie alternative, kleinschrittige Lösungsansätze.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass große Reformschritte aktuell nicht umsetzbar sind, plädiert jedoch für eine schrittweise Reform durch Maßnahmen wie die Aufhebung des Wiederwahlverbots.
Schlüsselwörter
UN-Sicherheitsrat, Reform, Vereinte Nationen, Vetorecht, Legitimität, Repräsentativität, Effektivität, Generalversammlung, Weltfrieden, Reformmodelle, Razali-Plan, G4, Uniting for Consensus, Strukturwandel, Internationale Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen einer Reform des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen unter Berücksichtigung der aktuellen weltpolitischen Machtverhältnisse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Legitimitäts- und Repräsentativitätsproblem des Sicherheitsrats, die Rolle des Vetorechts sowie die Vergleichsanalyse verschiedener Reformkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Realisierbarkeit einer Reform des Sicherheitsrats zu hinterfragen und praktische Ansätze aufzuzeigen, die trotz hoher rechtlicher Hürden eine Verbesserung der Arbeitsweise ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse, die auf offiziellen Dokumenten, reformpolitischen Modellen und fachwissenschaftlichen Einschätzungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der aktuellen Strukturen, die detaillierte Vorstellung zahlreicher Reformmodelle und eine kritische Diskussion möglicher alternativer Lösungswege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind VN-Sicherheitsrat, Reformierbarkeit, Vetorecht, P5, Repräsentativität und Effektivitätssteigerung.
Warum wird der Razali-Plan in der Arbeit hervorgehoben?
Der Razali-Plan wird als das erste ernsthaft in der Fachliteratur diskutierte Modell hervorgehoben, das die Kategorisierung der Mitgliedschaft im Sicherheitsrat systematisch aufbrach.
Welche Rolle spielt Artikel 108 der VN-Charta bei den Reformbemühungen?
Artikel 108 bildet die größte rechtliche Hürde, da er eine Zweidrittelmehrheit in der Generalversammlung sowie die Zustimmung aller fünf ständigen Mitglieder für Satzungsänderungen erfordert.
Warum hält der Autor die Aufhebung des Wiederwahlverbots für sinnvoll?
Der Autor argumentiert, dass dies den Rechtfertigungsdruck auf nichtständige Mitglieder erhöht und somit zu einer höheren Arbeitsqualität und gesteigerter Effektivität führt.
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- Anonym (Autor:in), 2015, Die Reformierbarkeit des UN-Sicherheitsrats. Eine Utopie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375503