Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Bundesregierung verpflichtet, die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Diese eingegangene Verpflichtung bedeutet für das deutsche Schulwesen, in welchem immer noch das Prinzip der Separation überwiegt, eine völlige Umwälzung. Die Analyse widmet sich der Aufgabe, einige didaktische Umsetzungsmöglichkeiten eines inklusiven Unterrichts explizit im Fach „Sport“ aufzuführen, welche in Bezug auf den Rahmenlehrplan Berlin-Brandenburg ihre Legitimation erhalten. Zentrale Prinzipien des Sportunterrichts, die sich für inklusive Pädagogik anbieten und mögliche Leistungsbeurteilungen innerhalb eines inklusiven Sportunterrichts werden erläutert. Ein inklusiver Sportunterricht ist schon heute mit bereits bestehendem didaktischen Material umsetzbar. Jedoch wird in der Analyse deutlich, dass bis sich das deutsche Schulwesen wirklich inklusiv nennen darf, sich grundlegende Veränderungen im deutschen Bildungssystem vollziehen werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1 Einleitung
2 Definitionen der Begrifflichkeiten
2.1 Behinderung
2.1.1 „Behinderung“ oder „Das alte Verständnis von Behinderung“
2.1.2 „Mensch mit Behinderung“ oder „Das neue Verständnis von Behinderung“
2.1.3 Sonderpädagogische Förderbereiche
2.2 Integration
2.3 Inklusion
2.4 Gegenüberstellung von Integration und Inklusion
3 Historische Entwicklung
3.1 Vom Versehrtensport bis zu den Paralympics
3.2 Von der Separation zur Inklusion
3.3 Bildung und Sport im Fokus der UN-Behindertenrechtskonvention
4 Umsetzungsmöglichkeiten eines inklusiven Sportunterrichts
4.1 Inklusiver Sportunterricht unter den Bedingungen des Rahmenlehrplans Berlin-Brandenburg
4.1.1 Kompetenzen
4.1.2 Leistungsbeurteilung
4.2 Zentrale Prinzipien für einen inklusiven Sportunterricht
4.2.1 Individualisierung
4.2.2 Binnendifferenzierung
4.2.3 Kooperatives Lernen
4.3 Mögliche Leistungsbeurteilungen im inklusiven Sportunterricht
4.3.1 Individuelle Bezugsnorm
4.3.2 Bewertung sozialen Lernens
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht didaktische Umsetzungsmöglichkeiten für einen inklusiven Sportunterricht in heterogenen Lerngruppen. Das primäre Ziel ist es, auf Basis des Rahmenlehrplans Berlin-Brandenburg zu legitimieren, wie Sportlehrkräfte durch fachdidaktische Prinzipien einen inklusiven Sportunterricht gestalten und soziale Lernprozesse fördern können.
- Historische Entwicklung des Behindertensports und der Inklusionsdebatte
- Grundlegende Begriffsdefinitionen (Behinderung, Integration, Inklusion)
- Didaktische Prinzipien: Individualisierung, Binnendifferenzierung und kooperatives Lernen
- Leistungsbeurteilung und soziale Kompetenz im inklusiven Setting
Auszug aus dem Buch
3.1 Vom Versehrtensport bis zu den Paralympics
Als Ausschlaggebend für die Ausprägung des Behindertensports benennen Krüger und Wedemeyer-Kolwe (2012) die große Anzahl von Kriegsversehrten, welche aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hervorgegangen sind. Diese Menschen waren von einer Gesellschaft mit einem starken militärischen Hintergrund geprägt. Sie waren insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus sportlich sozialisiert und betrachteten sich nicht als Menschen mit einer Behinderung, sondern vielmehr als „verhinderte Gesunde“. Viele von ihnen wollten sich auch nach ihrer Verwundung weiterhin sportlich betätigen (vgl. Krüger & Wedemeyer-Kolwe, 2012, S. 116 f.).
Nach Heubach (2013) bildeten sich aufgrund dessen nach dem Ersten Weltkrieg die ersten Sportgruppen für Kriegsversehrte heraus. Das Reichsversehrtensportabzeichen wurde eingeführt und es bestand die Möglichkeit durch Leistungssportwettkämpfe besondere Ehrungen zu erlangen. Zu Beginn der 60er Jahre wurden die ersten deutschen Versehrtensportmeisterschaften abgehalten und führten 1951/52 zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport“ (ADV). 1960 wurde die ADV in „Deutscher Versehrten Bund“ (DVS) umbenannt (vgl. Heubach, 2013, S. 35). Die Versehrtensportler bildeten für einige Jahrzehnte die breite Masse des Behindertensports. Nachdem sich jedoch die Kriegsgeschädigten aufgrund ihres fortgeschrittenen Altes aus dem Sport zurück zogen bildete sich eine neue Generation an Behindertensportlern heraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Bedeutung von Inklusion im deutschen Schulwesen ein und stellt die Fragestellung nach didaktischen Umsetzungsmöglichkeiten im Sportunterricht vor.
2 Definitionen der Begrifflichkeiten: Hier werden die zentralen Begriffe „Behinderung“, „Integration“ und „Inklusion“ definiert und voneinander abgegrenzt.
3 Historische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den Weg vom Versehrtensport bis zur aktuellen UN-Behindertenrechtskonvention nach.
4 Umsetzungsmöglichkeiten eines inklusiven Sportunterrichts: Im Hauptteil werden didaktische Prinzipien wie Individualisierung, Differenzierung und kooperatives Lernen im Kontext des Rahmenlehrplans Berlin-Brandenburg analysiert.
5 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit flexibler Bewertungsmethoden für eine inklusive Sportdidaktik.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sportunterricht, Behinderung, Integration, UN-Behindertenrechtskonvention, Rahmenlehrplan, Individualisierung, Binnendifferenzierung, Kooperatives Lernen, Leistungsbeurteilung, soziale Kompetenz, Sportdidaktik, Heterogenität, Sonderpädagogik, Leistungsbewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der inklusiven Gestaltung des Sportunterrichts an allgemeinen Schulen und der Frage, wie trotz heterogener Lerngruppen alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung des Behindertensports, Begriffsdefinitionen der Inklusion und konkrete fachdidaktische Konzepte für den Sportunterricht ab.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie inklusive Pädagogik im Fach Sport praktisch umgesetzt werden kann und wie dies durch den Rahmenlehrplan Berlin-Brandenburg legitimiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis aktueller Fachliteratur und offizieller Rahmenlehrpläne sowie gesetzlicher Grundlagen wie der UN-BRK.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Prinzipien der Individualisierung, Binnendifferenzierung und des kooperativen Lernens sowie neuen Wegen der Leistungsbeurteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Inklusion, Sportunterricht, Individualisierung, Differenzierung und Leistungsbewertung charakterisieren.
Welche Rolle spielt der Rahmenlehrplan Berlin-Brandenburg?
Er dient als exemplarische Grundlage, um die Legitimation für inklusive Lehr- und Bewertungsmethoden im Sportunterricht zu belegen.
Wie unterscheidet sich die individuelle Bezugsnorm von herkömmlichen Noten?
Während bei einer sachlichen oder sozialen Bezugsnorm die Leistung mit anderen oder einem Standard verglichen wird, fokussiert die individuelle Bezugsnorm auf den Lernfortschritt des einzelnen Schülers, was besonders leistungsschwache SuS motiviert.
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- Eleonore Esser (Author), 2015, Inklusion und Sport. Umsetzungsmöglichkeiten im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375522