Einleitung
Innerhalb meines Studiums der Sozialarbeit/Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Hannover hatte ich in den letzten Jahren immer wieder mit dem Arbeitsfeld Schulsozialarbeit zu tun. So arbeitete ich zum einen im gleichnamigen Projekt, beschäftigte mich zum anderen in vielen Seminaren und Vorlesungen mit Themen, die sich direkt auf die Schule bezogen. Vor allem dem Thema Gewalt in Schulen widmete ich immer wieder einen Großteil meiner Studienzeit.
Es stellte sich mir die Frage, was denn der Schule von heute eigentlich fehlt, inwieweit sie selbst beteiligt ist an den enormen Schwierigkeiten, die sich für die Kinder und Jugendlichen von heute immer massiver zeigen. Die Ergebnisse der PISA-Studie sowie Ereignisse massiver Gewalt von Schülern/innen gegen sich selbst und andere Personen (z.B. in Erfurt), zeichnen eine prekäre Lage ab, für die nicht nur die Außenwelt der Schule (strukturelle Bedingungen usw.) verantwortlich sein kann. Vielmehr weist alles darauf hin, dass ebenso die Struktur und das Klima einer Schule selbst ihre Probleme hervorrufen. Eine Entwicklung von Lernkultur und Sozialklima wäre somit dringend erforderlich. Dieser Vermutung werde ich in dieser Arbeit auf den Grund gehen. Darüber hinaus erörtere ich die daraus folgenden Aufgaben und Herausforderungen für die Schulsozialarbeit.
In Kapitel zwei beschreibe ich die heutige Situation von Schule. Zum einen gehe ich auf die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ein, zum anderen beschreibe ich die Schule und ihre Defizite. Wo liegen die Aufgaben von Schule und an welchen stellen wird sie den Anforderungen, vor allem den Wünschen und Nöten ihrer Schüler/innen, nicht gerecht?
Kapitel drei geht sowohl auf die konventionelle, als auch auf die wünschenswerte Lernkultur von Schule ein – was macht sie aus, was steht ihr im Wege? Diese Fragen sollen beantwortet und nötige Veränderungen vorgeschlagen werden.
Ähnlich verfahre ich in Kapitel vier zum Thema Sozialklima. Sowohl ihre Relevanz für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen soll hier erläutert, als auch Vorschläge für ihre Entwicklung erbracht werden.
Das fünfte Kapitel beschreibt zunächst die Entwicklung, sowie die Aufgaben und Ziele von Schulsozialarbeit. Es wird erarbeitet, inwieweit die Entwicklung von Lernkultur und Sozialklima auch zu den Aufgaben von Schulsozialarbeit gehört...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schule heute
2.1. Die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler
2.1.1. Familie und Freizeit
2.1.2. Der Bildungsweg
2.1.3. Persönlichkeitsentwicklung in der heutigen Gesellschaft
2.2. Schule und ihre Defizite
2.2.1. Die Aufgabe der Schule
2.2.2. Die aktuelle Schulsituation
2.2.3. Schule aus Sicht der Schüler/innen
2.2.4. Belastungssymptome im Schulalltag
2.2.5. Belastungsregulations- und Bewältigungsstrategien
2.2.6. Defizite der Schule
3. Lernkultur
3.1. Die konventionelle Lernkultur in der Schule
3.2. Der Einfluss von Lernkultur auf das Verhalten und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
3.3. Reformorientierte Veränderungen der Lernkultur und ihre Auswirkungen
3.3.1. Entfalten differenzierter Arrangements für Lernen und Erfahrung
3.3.2. Vermeidung von Leistungsdruck, Schaffen einer gerechten Chancenstruktur
3.3.3. Fördern von Leistungschancen, Verhindern von Schulversagen
4. Sozialklima
4.1. Begriffsklärung Sozialklima
4.2. Die Relevanz des Sozialklimas für die Entwicklung und das Verhalten der Schüler/innen
4.3. Sozialklima entwickeln – Vorschläge und Beispiele
4.3.1. Förderung von Gemeinschaft und Herstellen sozialer Bindungen
4.3.2. Verbesserung des Lehrerverhaltens in Konflikten
4.3.3. Erweiterung der sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen
4.3.4. Etablierung von Regeln und das Setzen von Grenzen
4.3.5. Vermeiden von Etikettierungen
5. Herausforderungen für Schulsozialarbeit
5.1. Abriss der Entwicklung von Schulsozialarbeit
5.2. Zielsetzungen und rechtliche Grundlagen der Schulsozialarbeit
5.3. Der integrationsorientierte Ansatz von Schulsozialarbeit
5.4. Schulsozialarbeit und Lernkultur
5.4.1. Bewegte Schule
5.4.2. Tandemarbeit und runde Tische
5.4.3. Projektlernen zum Thema „Mittelalter“
5.5. Schulsozialarbeit und Sozialklima
5.5.1. Sozialtraining und Mediation
5.5.2. Regeln in der Schule
5.5.3. Einzelfallhilfe und Beratung
6. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Lernkultur und Sozialklima als zentrale Faktoren für die Schulentwicklung und die Arbeit der Schulsozialarbeit. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine Veränderung dieser Bereiche dazu beitragen kann, die Persönlichkeitsentwicklung und soziale Integration von Kindern und Jugendlichen zu fördern sowie Gewalt an Schulen präventiv entgegenzuwirken.
- Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen heute
- Analyse schulischer Defizite und Belastungssymptome
- Entwicklung von Reformansätzen für eine zeitgemäße Lernkultur
- Gestaltung eines positiven Sozialklimas an Schulen
- Rolle und Aufgaben der Schulsozialarbeit als Partnerin der Schulentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Entfalten differenzierter Arrangements für Lernen und Erfahrung
Eine der dominantesten Forderungen in der Literatur zu dieser Thematik ist die nach mehr Lebenswelt- und Praxisbezug der Lerninhalte. „Es gilt (einmal mehr in der Entwicklung der Schule), die entstandene Kluft zwischen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu überwinden. ‚Macht die Schule auf, lasst das Leben rein’ (Zimmer und Niggemeyer 1986) klingt wie der verzweifelte Ruf nach Lebensweltorientierung der wichtigsten Sozialisationsinstanz neben der Familie.“
Darüber hinaus sollte der Schule klar werden, dass sie selbst einen entscheidenden Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen einnimmt. Vor allem in einer Zeit in der immer deutlicher auf Ganztagsbetreuung gesetzt wird. In der Vision einer modernen Schule (von Naak und Walz), steht der/die Schüler/in im Mittelpunkt. In einer ganztägigen Lern- und Freizeitbetreuung werden die Schüler/innen mit den notwendigen sozialen und methodischen Kompetenzen ausgerüstet. Schule wird zu einem Ort des Lebens und Lernens.
Auch Grunder betont, dass sich Schule, um Jugendlichen Unterstützung in deren Orientierungs- und Lernprozessen bieten zu können, als Lern- und Erfahrungsraum verstehen muss, in dem sich die jungen Menschen erst- und angenommen fühlen. Er prophezeit, dass die Jugendlichen, sollte die Schule ihre Lebenslage in Unterricht und Schulleben weiterhin nicht berücksichtigen, dem Ziel sachgerechten, selbstverantwortlichen Handelns in sozialer Verantwortung niemals näher kommen würden. Zu diesem Zweck muss Schule sich öffnen. Um den Herausforderungen, die sich aus der skizzierten Individualisierung der kindlichen und jugendlichen Lebensläufe ergeben, gerecht zu werden, muss sie Ansätze erfahrungsorientierten Lernens mit einer partizipativen Schul- und Unterrichtskultur sowie sozialpädagogischen Beratungs- und Betreuungsaufgaben verbinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz der Arbeit angesichts aktueller Bildungsstudien und die Notwendigkeit, Schule durch eine verbesserte Lernkultur und ein positives Sozialklima weiterzuentwickeln.
2. Schule heute: Dieses Kapitel analysiert die aktuelle Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sowie die strukturellen Defizite des heutigen Schulsystems, die häufig zu Leistungsdruck und Gewalt führen.
3. Lernkultur: Der Fokus liegt auf der konventionellen Lernkultur, deren Auswirkungen auf Schüler sowie notwendige reformorientierte Veränderungen, um ganzheitliches Lernen zu ermöglichen.
4. Sozialklima: Hier wird der Begriff Sozialklima geklärt und dessen entscheidende Bedeutung für das Verhalten und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie Möglichkeiten zur positiven Gestaltung erörtert.
5. Herausforderungen für Schulsozialarbeit: Das Kapitel behandelt die Entwicklung der Schulsozialarbeit, ihre gesetzlichen Grundlagen und ihre Rolle als systemischer Partner bei der Verbesserung von Lernkultur und Sozialklima.
6. Abschließende Betrachtung: Eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die Notwendigkeit der Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe unterstreicht.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Lernkultur, Sozialklima, Schulentwicklung, Gewaltprävention, Sozialkompetenzen, Lebensweltorientierung, Schulversagen, Partizipation, Identitätsbildung, Bildungsgerechtigkeit, Kooperation, systemische Beratung, Ganzheitliches Lernen, Schlüsselqualifikationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse von Lernkultur und Sozialklima an Schulen und der Rolle, die die Schulsozialarbeit bei der Bewältigung der aktuellen schulischen Herausforderungen spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Lebenswelt heutiger Schüler, die Defizite des konventionellen Schulbetriebs, Ansätze zur Reform der Lernkultur sowie Methoden zur Verbesserung des Sozialklimas und der Gewaltprävention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Notwendigkeit einer Öffnung der Schule für Kooperationen aufzuzeigen und zu erarbeiten, wie Schulsozialarbeit durch ihre spezifischen Ansätze zur Schulentwicklung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und Ergebnisse aus verschiedenen Studien (wie PISA oder der hessischen Schülerbefragung) sowie Praxisbeispiele integriert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird detailliert auf die heutige Situation an Schulen, die Bedeutung einer reformorientierten Lernkultur und die Gestaltung eines positiven Sozialklimas eingegangen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schulsozialarbeit, Lernkultur, Sozialklima, Schulentwicklung, Gewaltprävention und soziale Kompetenzen.
Wie wird das Konzept der „Bewegten Schule“ als Beispiel beschrieben?
Am Beispiel der Fridtjof-Nansen-Grundschule in Hannover wird die Umsetzung von fünf Elementen des Schulprogramms aufgezeigt, welche Schule als lernendes System im Stadtteil begreifen.
Welche Rolle spielt die „Tandemarbeit“ bei der Kooperation?
Die Tandemarbeit bezeichnet die gemeinsame berufsbegleitende Weiterbildung von Lehrkräften und Schulsozialarbeitern, um den Austausch zu vertiefen und gemeinsam Strategien für den Schulalltag zu entwickeln.
- Quote paper
- Anne Meyer-Bothling (Author), 2004, Lernkultur und Sozialklima als Herausforderung für Schulsozialarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37552