Soziale Rolle - Soziale Norm


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1-2


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Begriffserklärung
2.1. Soziale Rolle
2.2. Soziale Norm

3. Darstellung und Kritik der wichtigsten rollentheoretischen Konzeptionen
3.1. Dahrendorf
3.1.1. Homo sociologicus
3.1.2. Kritik an Dahrendorf
3.2. Opp
3.2.1. Allgemeine Verhaltenstheorie
3.2.2. Verhältnis zur Rollentheorie
3.3. Parsons
3.3.1. Rollenbegriff bei Parsons
3.3.2. Parsons Problematik
3.4. Mead
3.4.1. Rolle und Symbol
3.4.2. Folgerungen
3.4.3. Grenzen des symbolischen Interaktionismus

4. Die Analyse von Rollen
4.1. Individualpsychologische Faktoren adäquaten Rollenverhaltens
4.2. Gestaltungsspielraum einer Rolle
4.3. Stellung der Rolle im Rollensystem
4.4. Ziel der Rollenanalyse

5. Die normativ bestimmten Verhaltensbereiche
5.1. Der Bereich der Tabus
5.2. Der Bereich der Konventionen
5.3. Der Bereich der Moden

6. Die nicht normativ bestimmten Verhaltensbereiche
6.1. Der Bereich der Selbstverständlichkeiten
6.2. Der Bereich der individuellen Freiheit

7. Struktur und Entstehung der Norm
7.1. Das Spektrum innerhalb jeder Norm
7.2. Die Entstehung von Normen

8. Übersicht über Normtypologien
8.1. Die Typologie von Sumner
8.2. Die Typologie von Morris
8.3. Die Typologie von Gibbs

9. Bestimmen von Normsender, Normempfänger und Sanktionssubjekt
9.1. Bestimmung von Normsender (Alter)
9.2. Bestimmung von Normempfänger (Ego)
9.3. Bestimmung von Sanktionssubjekt

10. Die Kontrolle normativen und rollengemäßen Verhaltens
10.1. Kontrolle durch negative Sanktionen
10.2. Kontrolle durch positiven Anreiz
10.3. Kontrolle durch Einsicht in sachliche Notwendigkeit
10.4. Kontrolle durch Einschränken von Handlungsalternativen

11. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Das soziale Zusammenleben der Menschen untereinander wird von zwei Regulationsfaktoren „soziale Rolle“ und „soziale Norm“ geordnet. Voraussetzung für ein friedliches Zusammen- leben ist die Bestimmung dieser Normen und deren Einhaltung. Erklären kann man dies an dem Beispiel der Spielregeln: Gebe es sie nicht, könnte ein geregeltes Spiel nicht stattfinden, de jeder das Spiel nach seiner Auffassung spielen würde. Daraus kann man schließen, dass es nur zur Kooperation kommen kann, wenn sich eine Person den Erwartungen der Mitmenschen nach, also gemäß seiner Rolle, verhält. In dieser Abhandlung soll erklärt werden, wie soziale Interaktion, sei es durch Bestimmung von Normen und Rollen oder durch die Kontrolle des Verhaltens eines Menschen mittels der Normen, bzw. Rollen funktioniert.

2. Begriffserklärung

2.1. Soziale Rolle

Jeder Mensch spielt in seinem Leben mehrere Rollen, zum Beispiel spielt eine Frau die Rolle der Mutter, der Ehefrau, usw. Um den Begriff „Rolle“ am ehesten zu zitieren, muss man ihn gegen den Begriff der „sozialen Position“ absetzen. Die „soziale Position“ stellt den Status des Menschen im sozialen System dar (vgl. Thomas, 1991, S. 80). Rolle ist der dynamische Aspekt des statistischen Begriffs Position.

Die Verhaltenserwartungen werden zwar an Individuen herangetragen, beziehen sich aber auf die sozialen Positionen, also auf die Individuen als Positionsträger. Von dem Träger wird seitens der Bezugsgruppen ein bestimmtes Verhalten erwartet, spezielle Sachen zu machen und andere dagegen zu unterlassen. Würde die Person nicht so handeln, wie es die Bezugsgruppen erwarten, wären diese sehr verwundert – Sie hätten antizipatorische Erwartungen.

2.2. Soziale Norm

Eine Norm ist die in den Gruppenmitgliedern gemeinsame und von ihnen geteilte Erwartung darüber, wie man sich in einer bestimmten Situation verhalten und denken soll (vgl. Thomas, 1991, S. 72). Jedes Gruppenmitglied weiß also von der Erwartung und ist sich auch bewusst, dass die anderen Mitglieder sie auch kennen. Thomas greift die These von Durkheim (1898) auf, die besagt, dass Normen zwei grundlegende Charakteristika besitzen: 1. Sie werden von der Person als von außen kommend erlebt, als nicht von ihr selbst erschaffen (Externalität), und 2. Diese Normen üben über die genannten Erwartungen einen Zwang auf das Denken und das Verhalten der Person aus, ganz gleich, ob diese Person diese Normen nun anerkennt oder nicht (vgl. Thomas, 1991, S. 73). Dabei muss man beachten, dass der Externalitätsgrad bei einer von Medien bestimmten Gesellschaft zunimmt. Somit klassifiziert man die Norm nach dem Grad des handlungssteuernden Einflusses auf die Person, und nach dem Grad, in dem die Person die Erwartung von außen kommend wahrnimmt.

3. Darstellung und Kritik der wichtigsten rollentheoretischen Konzeptionen

3.1. Dahrendorf

3.1.1. Homo sociologicus

Der homo sociologicus stellt ein Konstrukt dar, welches den Menschen als Rollenträger bezeichnet. Rolle meint hier, dass der Positionsträger mit einem Bündel von normativen Verhaltenserwartungen konfrontiert wird (vgl. Joans, Hans, 1973, S. 17). Diese Erwartungen richten sich sowohl auf das Verhalten des Positionsträgers seiner Umwelt gegenüber, als auch auf seinen Charakter. Die Bezugsgruppe ist bei Dahrendorf der Vermittler der Erwartungen, die er als Rollensegement oder Rollensektor bezeichnet. In dem Falle, dass Erwartungen aus verschiedenen Bezugsgruppen aufeinander treffen spricht Dahrendorf von einem Infra-Rollenkonflikt, der allerdings zu unterscheiden ist von dem Inter-Rollenkonflikt, welcher entsteht, wenn eine Person mehrere Positionen in sich trägt und diese miteinander in Konflikt stehen (vgl. Dahrendorf, 1963).

Durch die Sanktionierung erhalten die Rollenerwartungen einen normierten Charakter, Dahrendorf nennt hier drei Schärfengrade von Sanktionen: a) Musserwartungen, die sich auf die rechtlich festgelegten Pflichten des Rollenträgers beziehen und bei Abweichung harte Sanktionen nach sich ziehen, b) die Sollerwartungen, die in Satzungen, z.B. in Betrieben, niedergelegt sind, und c) die allein im Bewusstsein der Menschen verankerten und nicht kodifizierten Kannerwartungen (vgl. Joas, Hans, 1973, S. 18).

3.1.2. Kritik

Homo sociologicus war nicht so konzipiert, dass man eine empirische oder diskutierbare Aussage über das Wesen des Menschen machen konnte. So erklärte Dahrendorf, Homo sociologicus sei als mindestens stilisierende, tatsächlich wohl empirisch beinahe willkürliche Konstruktion geradezu der ausdrückliche Verzicht auf ein soziologisches Menschenbild – nämlich ein Zeugnis dafür, dass man erklärungskräftige Theorien des sozialen Handelns gebe und nicht das Wesen des Menschen richtig und realistisch beschreiben wolle (vgl. Dahrendorf, Ralf, 1963, S. 104). Aus dem Dilemma allerdings, dass durch die Verwechslung von prognostischer und präskriptiver Kraft einer Theorie entsteht findet Dahrendorf, sowie seine Kollegen, nicht hinaus.

3.2. Opp

3.2.1. Allgemeine Verhaltenstheorie

Karl-Dieter Opps „Allgemeine Verhaltenstheorie“ (vgl. Joans, 1973, S. 22), welche ein Mittel darstellt um Prognosen des menschlichen Handelns aufzustellen, basiert auf dem Modell von Parsons: Dessen „action frame of reference“ (vgl. Parsons, 1937, S.43f) enthält einen Handelnden (Akteur), dessen Ziel die Situation der Handlung ( Bedingung bzw. Mittel) und die Norm des Akteurs seine Mittel zur Erreichung des Ziels einzusetzen. Opp will allerdings nicht wie Parsons ein Modell des menschlichen Handelns konstruieren, sondern vielmehr geht es ihm um wichtige Variablen, die das Handeln der Menschen erklären, und mit deren Hilfe man dann eine Vorhersage über die Aktivität machen kann.

Um dieses Modell enttäuschungsfest zu machen, muss man die Variablen präzisieren. „Ziel bedeutet dann einen Wunsch, soweit zur unmittelbaren Realisierung dieses Wunsches vom Standpunkt des Akteurs aus ein anderer Wunsch besteht, Mittelvorstellung einen Wunsch der zur Realisierung eines anderen Wunsches dient.“ (vgl. Joans, 1973, S.23). Beide können unterschiedlich intensiv sein.

Eher bedeutungsleer sind die „Informationen“ eines Akteurs, deren „Wirksamkeit“ und letztlich die „Objekte“, die dem Akteur zur Verfügung stehen. Diese Variablen benutzt Opp (vgl. Opp, 1970, S. 34f.) um die zwei folgenden Formeln aufzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.2. Verhältnis zur Rollentheorie

Das Problem bei Opps Modell ist, dass die Rolle als Aktivität zu verstehen sein muss, um sie in die Formel einbringen zu können. Dies wäre möglich, wenn die Rolle selbst lediglich als Klasse von Aktivitäten zu begreifen wäre, zum anderen, diese aber selbst den Charakter einer Aktivität haben. In beiden Fällen wird Opp allerdings scheitern. Im ersten Fall entzieht sich das Zusammenschließen der einzelnen Handlungen der Oppschen Theorie, im zweiten Fall verschiebt er das Problem zu den geäußerten Erwartungen/Normen der anderen (vgl. Joans, 1973, S.25).

Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass Opps Ergebnisse nur auf Befragung der Handelnden beruht und sein Modell deshalb über kein System verfügt. Opps Ansatz sieht also von den Problemen der Interpretation und des nicht-intentionalen Handelns einfach ab. Auch seine Vorstellung von Wert ist mangelhaft, da er ihn als Bedrohung für bestimmte Aktivitäten definiert.

3.3. Parsons

3.3.1. Rollenbegriff bei Parsons

Bei dem Modell von Parsons hat die Rolle einen zentralen Charakter (vgl. Joans, 1973, S. 27), wobei dieser Begriff allerdings anfangs verwirrend war, aufgrund seiner vielen Definitionen.

Parsons unterscheidet zwischen drei Systemen, dem personality system (Organisation der Wertorientierung und Handlungsmotivation eines einzelnen Akteurs), dem social system (interdependenter Zusammenhang der Aktionen mehrerer Handelnder), und dem cultural system (umfasst allgemeine Muster der sozialen Umwelt aller Handelnden und gewährleistet vorgänig die Stabilität der Beziehungen) (vgl. Joans, 1973, S. 27f). Das letzte System wird in die beiden ersten integriert, Parsons nennt dies im ersten Fall Internalisierung, mit ihr werden Normen gestaltet, um eine gleichmäßige Verteilung der Gratifikation zu garantieren. Des Weiteren beschreibt er jene Einheit als Element des sozialen Systems, die sich aus den Werten ergibt, auf Interaktionen bezieht und auf Bedürfnispositionen stützt. Er bezeichnet diese entweder als Status oder als Rolle.

3.3.2. Parsons´ Problematik

Bei Parsons´ Modell ist die Vorstellung, dass es eine Variable wie individuelle Selbstbestimmung und Freiheit (Dahrendorf) gibt unmöglich. Für ihn ist die Vergesellschaftung identisch mit der Unterwerfung aller unter ein weiter nicht ableitbares, rational nicht begründbares und daher auch nicht kritisierbares Wertesystem (vgl. Joans, 1973, S. 33). Vergesellschaftung ist charakterisiert durch ein Handeln, das sich am Regelsystem einer Ordnung (Satzung) orientiert, wobei die Sitzung für diese Ordnung zweckrational zur Strukturierung von Handlungen und Handlungsfolgen entworfen wurde und auch das Subjekt sich zweckrational an dieser Ordnung orientiert.

Krappman kritisiert das Parsonsche Modell (vgl. Krappmann, L., 1971, S. 24-34) dahingehend, dass bereits während der Sozialisation eines jeden die Gesellschaft und der damit verbundenen Anforderungen an das Individuum (Rollenverhalten) ausschlaggebend für die weitere Entwicklung seien.

Die Individuen würden durch die immer neuen Rollen, die sie im Sozialisationsprozess spielen müssten, auf die Gesellschaft vorbereitet, sie würden sich zwecksrational an der vorgegebenen Ordnung in ihrem Handeln orientieren.

In Bezug hierauf wirft Krappman die Frage auf, ob dieses Modell in der Lage sei, den Sozialisationsprozess zugleich als Individuierungsprozess zu begreifen, also in einem Prozess, in dem das Individuum lernt, sich Normen gegenüber reflektierend zu verhalten und Situationen durch Interpretation neu zu definieren.

Krappman (vgl. Krappman, 1971, S. 24-34) bezweifelt diese Fähigkeit für das strukturell-funktionale Rollenkonzept. Er stellt diesem Modell das interaktionistische Rollen-Konzept gegenüber, in dem besonders die für das Rollenspiel erforderliche Ich-Leistung der Rollenspieler herausgearbeitet werden.

Hier wird die Bedeutungsgleichheit nicht vorausgesetzt, sondern als Ergebnis von Verständigungsprozessen gesehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Soziale Rolle - Soziale Norm
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
Seminar
Note
1-2
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V37553
ISBN (eBook)
9783638368537
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Rolle, Soziale, Norm, Seminar
Arbeit zitieren
Monika Blazek (Autor), 2004, Soziale Rolle - Soziale Norm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37553

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