Entwicklungsgeschichtlich kann behauptet werden, dass es immer unterschiedliche Voraussetzungen gab, welche gegeben sein mussten, um an der Spitze der Gesellschaft stehen zu können. So war es beispielsweise im Mittelalter die Herkunft und das Geblüt, welche entschieden haben an welcher Stelle der Gesellschaft das Individuum eines Tages zu stehen hat. Im Zeitalter der Industrialisierung lag die Gewichtung anders und es war ausschlaggebend viel Geld zu haben um gesellschaftlichen Einfluss zu bekommen. Heute ist unsere Kultur dadurch geprägt, dass sie den Intellekt sehr hoch bewertet und mit dieser Ressource kann eine entsprechend hohe Position in der Gesellschaft eingenommen werden. Ein guter Bildungsabschluss eröffnet einem Menschen fast alle Türen in unserer heutigen Gesellschaft, auch wenn die Eltern aus ärmlichen Verhältnissen stammen und keinen Adelstitel tragen. Natürlich muss das Individuum über verschiedene Schlüsselkompetenzen und Formen des Kapitals verfügen, um seinen Weg entsprechend ebenen zu können. Aber darauf soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Unsere heutige Gesellschaft definiert sich also primär über den Geist, den Verstand und das kognitive Wissen!
Aus der Perspektive des reformpädagogischen, ganzheitlichen Ansatzes betrachtet, hat dies allerdings zur Folge, dass die Entwicklung und Förderung der intuitiven und instinktiven Wahrnehmungsformen und Fähigkeiten im hohen Ausmaß vernachlässigt werden. Bei extremen Verstandesmenschen kann sich somit ein Mangel im sinnlichen Erfahrungsbereich ausbilden und zu einer Erlebnisunfähigkeit führen. Die kognitive Ebene ist also nur eine Möglichkeit, sich Wissen anzueignen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Arbeit und Erlebnispädagogik
3. Soziale Kinder- und Jugendarbeit
4. Handlungsmethode
5. Das „Transferproblem“
6. Studie
6.1 „Erlebnispädagogik mit Jugendlichen: Einflüsse auf Symptombelastungen und Selbstwert“
6.2 Ergebnisse
7. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Legitimation der Erlebnispädagogik als Methode der Sozialen Arbeit, insbesondere unter dem Aspekt, ob die in erlebnispädagogischen Settings gewonnenen Erfahrungen erfolgreich in den Alltag transferiert werden können.
- Methodische Grundlagen der Sozialen Arbeit nach Galuske
- Das „Transferproblem“ in der erlebnispädagogischen Praxis
- Analyse von Wirksamkeitsstudien bei Jugendlichen
- Zusammenhang zwischen Erlebnispädagogik und Identitätsentwicklung
- Förderung von Selbstwert und sozialer Kompetenz
Auszug aus dem Buch
5. Das „Transferproblem“
Ein großes Thema innerhalb der wissenschaftlichen Fachdebatten rund um die Erlebnispädagogik ist die Auseinandersetzung hinsichtlich ihrer Transferleistung in den Alltag. Es wird die Frage aufgeworfen, inwiefern die Erfahrungen und Erlebnisse, welche innerhalb erlebnispädagogischer Aktivitäten gemacht werden, in das Alltagsleben transferiert werden können.
Anette Reiners versteht unter Transfer in diesem Zusammenhang eine Lernübertragung von Lern- auf Anwendungssituation im Alltag: „Als Transfer wird das Fortschreiten des Lernenden vom Konkreten zum Abstrakten verstanden, indem er neue Verhaltensweisen in der konkreten (Kurs-)Situation entdeckt, diese Lernerfahrung generalisiert und auf andere (Alltags-)Situationen überträgt.“ Josef Bühler betont in seinen Ausführungen allerdings, dass die Ähnlichkeit zwischen Lern- und Anwendungssituation eine Grundbedingung für eine entsprechende Lernübertragung darstellt. Das bedeutet, dass beispielsweise soziale Kompetenzen wie Fairness, Empathiefähigkeit, Hilfebereitschaft oder Rücksichtnahme nur auf solche Situationen übertragen werden können, welche der Lernsituation gleichen.
Als Medium für die erlebnispädagogische Arbeit hingegen gelten zum größten Teil Natursportarten, wie beispielsweise Wanderungen, Klettern und Abseilen, Kanu-, Rafting-, Ski- und Fahrradtouren, Höhlenbegehungen oder Segeltörns. Die entsprechenden Erfahrungen und Erlebnisse werden also nicht im gewohnten Umfeld, sondern milieufern gemacht, sodass eine Übertragung auf das alltägliche Leben nach Bühler sichtlich erschwert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der Erlebnispädagogik als ganzheitliche Methode in einer auf kognitive Leistungen fokussierten Gesellschaft dar und führt in die zentrale Fragestellung des Wirkungstransfers ein.
2. Soziale Arbeit und Erlebnispädagogik: Das Kapitel verortet die Erlebnispädagogik innerhalb der vielfältigen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit und unterstreicht deren Bedeutung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
3. Soziale Kinder- und Jugendarbeit: Hier werden die präventiven Ziele und die Bedeutung der Erlebnispädagogik zur Förderung der Lebensfähigkeit und innerer Ressourcen in der Kinder- und Jugendarbeit erläutert.
4. Handlungsmethode: Es wird definiert, welche Kriterien ein methodisches Vorgehen erfüllen muss, um in der Sozialen Arbeit als legitim zu gelten, wobei der Fokus auf Planbarkeit und Überprüfbarkeit liegt.
5. Das „Transferproblem“: Dieses Kapitel thematisiert die kritische Debatte darüber, ob milieufern gemachte Erfahrungen tatsächlich in den alltäglichen Lebensraum der Zielgruppen übertragen werden können.
6. Studie: Es wird eine spezifische Untersuchung vorgestellt, die mittels eines Kontrollgruppendesigns die Auswirkungen erlebnispädagogischer Programme auf den Selbstwert von Jugendlichen analysiert.
7. Reflexion: Zusammenfassend wird bewertet, inwieweit die Ergebnisse der Studie die Erlebnispädagogik als legitimierte Methode stützen und wo weiterführender Forschungsbedarf besteht.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Soziale Arbeit, Transferleistung, Wirkungstransfer, Jugendhilfe, Selbstwert, Handlungsmethode, Ganzheitlichkeit, Identitätsentwicklung, Evaluation, Sozialkompetenz, Prävention, Milieuferne, Methoden der Sozialen Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob die Erlebnispädagogik als Methode der Sozialen Arbeit wissenschaftlich legitimiert ist, insbesondere im Hinblick auf ihre Wirksamkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der methodische Einsatz von Erlebnispädagogik, die theoretischen Anforderungen an Methoden der Sozialen Arbeit und die Problematik des Transfers von Lernerfahrungen in den Alltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern die Erlebnispädagogik eine legitimierte Handlungsmethode der Sozialen Arbeit darstellt, wenn sie hinsichtlich ihrer spezifischen Wirkung und Transferleistung stark umstritten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie auf die Analyse einer beispielhaften Prä-Post-Follow-up-Studie zur Wirksamkeit erlebnispädagogischer Programme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die methodischen Anforderungen an die Soziale Arbeit, das theoretische „Transferproblem“ und die empirische Überprüfung dieser Problematik anhand einer Studie mit Jugendlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erlebnispädagogik, Transferleistung, Legitimation, Sozialarbeit und Selbstwert geprägt.
Warum wird die Milieuferne bei erlebnispädagogischen Maßnahmen kritisiert?
Kritiker führen an, dass das in der Sozialen Arbeit propagierte Prinzip der Lebenswelt- und Alltagsorientierung durch ein milieufernes Setting (z.B. Segeltörns auf dem Atlantik) verletzt wird, was den Transfer des Gelernten in das gewohnte Umfeld erschweren könnte.
Welche Langzeiteffekte konnten bei der untersuchten Gruppe festgestellt werden?
Die untersuchten Jugendlichen zeigten insbesondere eine langfristige Stabilisierung und Stärkung des Selbstwerts sowie eine verbesserte Standfestigkeit in sozialen Situationen.
Konnten in allen untersuchten Kategorien langfristige Erfolge nachgewiesen werden?
Nein, in Bezug auf allgemeine Leistungsfähigkeit, Problembewältigungsfähigkeit oder Entscheidungssicherheit konnten keine langfristigen Erfolge durch die untersuchte Maßnahme erzielt werden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zur Legitimation?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Erlebnispädagogik durch die positive Beeinflussung des Selbstwerts und der Identitätsentwicklung ihre Legitimation als Methode der Sozialen Arbeit im Rahmen der untersuchten Studie erfüllt hat.
- Quote paper
- MA Eleonore Esser (Author), 2014, Erlebnispädagogik als Methode Sozialer Arbeit. Soziale Kinder- und Jugendarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375532