Portfolio zum Thema "Unterricht für Menschen mit Komplexer Behinderung"


Ausarbeitung, 2016

15 Seiten, Note: 1,5

Anonym


Leseprobe

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1. Beschreiben Sie den Personenkreis: Menschen mit schwerer Behinderung unter der
Bezugnahme der Begrifflichkeit Menschen mit Komplexer Behinderung. Legen Sie
dar, warum im Unterricht dieser Personenkreis besonderer Beachtung bedarf.
Menschen mit schwerer Behinderung stellen denselben Personenkreis dar, wie Menschen mit
Komplexer Behinderung. In beiden Fällen legen Menschen ohne Behinderung fest, was den
betreffenden Personenkreis ausmacht. Die Wahl des Begriffs macht allerdings einen großen
Unterschied in Hinsicht auf den Blick und die Suggestionen bezüglich dieser Menschen. Alle
Bezeichnungen, also auch die der schweren und Komplexen Behinderung, setzen
unterschiedliche Schwerpunkte und beschreiben ein anderes Menschenbild. Der Begriff der
schweren Behinderung versucht die ,,besondere, durch die Schwere der Schädigung und
Beeinträchtigung definierte Bedürfnislage zu kennzeichnen" (Schmuhl 2007, 36, zitiert nach
Bernasconi, Böing 2015, 17) und legt damit fest, was diesen Personenkreis scheinbar
ausmacht. Somit wird die schwere Schädigung und damit verbunden ein hoher
Arbeitsaufwand, um diese Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen, zentral. Der Begriff
beschreibt die Sicht der Außenstehenden auf den Personenkreis und den schwierigen Umgang
mit ihnen in Hinblick auf beispielsweise Kommunikation, Mobilität und Selbstständigkeit.
Mit diesem Begriff sind fast ausschließlich negative Konsequenzen verbunden. Er erhöht die
Exklusion und tangiert das Recht auf das eigene Leben, zum Beispiel durch die
Pränataldiagnostik und suggeriert, dass der Umgang mit dem Personenkreis ,,schwer" ist.
Trotzdem ermöglicht dieser Titel auch Anspruch auf besondere Sozialleistungen, die oft mit
finanzieller und personeller Unterstützung zusammenhängen und bringt somit in dieser
Hinsicht Vorteile.
Der Begriff ,,Komplexe Behinderung" versucht den Menschen in seiner individuellen
Situation zu beschreiben und berücksichtigt die Kontextbedingungen dieser Leute. Die
Behinderung wird also nicht nur durch die Krankheiten, Beeinträchtigungen und besonderen
Bedürfnisse des Menschen ausgemacht. Zusätzlich werden Faktoren, wie die
Lebensbedingungen und die vorhandenen Ressourcen, miteinbezogen. Der Begriff
verdeutlicht also wie vielseitig eine Behinderung ist und dass dessen Ausmaß nicht nur an der
betroffenen Person, sondern auch an dessen Umwelt, zu messen ist. Dieser Begriff hebt laut
Fornefeld die Exklusionsgefahr und die ,,systembedingten Kontextfaktoren" stärker hervor

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und bezieht sozial-gesellschaftliche Bezüge stärker mit ein (vgl. Bernasconi, Böing 2015, 18).
Doch auch diese Definition bleibt lediglich ein Versuch von Außenstehenden, die
Lebensbedingungen mit den Hilfesystemen und Exklusionsgefahren nachzuvollziehen und in
den Begriff der Komplexen Behinderung zu integrieren.
Auch wenn der Begriff der Komplexen Behinderung versucht, die vielen Faktoren und
Umstände, die beachtet werden müssen, in sich zu vereinen, ist auch er aber nur ein Name der
einer Personengruppe von Außenstehenden gegeben wurde und diese Menschen nur aus der
außenstehenden Sicht beurteilt und betitelt. Viel besser wäre es, wenn die betroffenen
Menschen den Begriff selbst bestimmen und prägen würden. Hierbei besteht aber das
Problem, dass sie dies oft nicht können und deshalb in manchen Fällen nur der Weg der
Außenbetitelung bleibt, der deshalb aber nie den Menschen gerecht werden kann.
Im Unterricht muss der Personengruppe der Menschen mit Komplexer Behinderung aus
mehreren Gründen besondere Beachtung geschenkt werden. Die Einführung von
individuellem, inklusivem Unterricht von Paul Baerecke et al. weist auf viele wichtige Punkte
hin, die bei der Unterrichtsgestaltung eingeplant werden müssen (vgl. Baerecke et al. 2015).
Zum einen müssen die örtlichen Bedingungen stimmen, um Unterricht und Aufenthalt dieser
Personen zu ermöglichen. An inklusiven Schulen müssen dafür zum Beispiel Pflegeräume
und Fahrstühle eingerichtet werden, die an Förderschulen immer vorhanden sind. Im
Klassenraum muss genug Platz sein, um RollstuhlfahrerInnen zu ermöglichen, sich im
Klassenraum zu bewegen, ohne durch Tische oder ähnliches eingeschränkt zu werden.
Ein weiterer Punkt ist die Unterrichtsplanung. Hier müssen als erstes die
Kommunikationswege und ­mittel der Schülerinnen und Schüler beachtet werden und die
Lernausgangslage in allen Bereichen genau analysiert werden, um Aspekte des Förderbedarfs
zu erkennen und dementsprechend den Unterricht und dessen Bestandteile zu planen. Die
Lehrperson muss also die hohe Heterogenität der Lernenden beachten, auf die einzelnen
Lernbedingungen eingehen und dementsprechend den Unterricht planen und gestalten. Hierzu
zählt auch die Zeitplanung, die bei manchen Klassenmitgliedern zusätzliche Zeit für Pflege,
Therapien und weiteres mit einrechnen muss. Bei der Auswahl der Unterrichtsthemen
müssen mehrere Aspekte geprüft werden, um sicher zu stellen, dass sie für Menschen mit
Komplexer Behinderung geeignet sind.

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So muss das Thema genügend Lernzugänge ausweisen, um allen Schülerinnen und Schülern
ein Lernen auf deren Niveau zu ermöglichen. Also muss sich verstärkt die Frage stellen, ob
das Thema oder der Gegenstand geeignet ist, um Lernen auf unterschiedlichen Niveaus und
mit verschiedenen Materialien zu realisieren und somit individuelles Wachstum der
Lernenden zu ermöglichen. Das leitet zum letzten Punkt über, der hier festhalten werden soll:
Und zwar die Tatsache, dass auch die Menschen mit Komplexer Behinderung im Unterricht
lernen sollen und nicht lediglich beschäftigt und therapiert werden sollen, um die Schulzeit zu
füllen. Sie müssen gefördert und unterrichtet werden, um individuelles Erleben und das
Erfahren der Umwelt zu ermöglichen und ihre Selbstständigkeit zu fördern und Teilhabe zu
ermöglichen.
2. Stellen Sie die im Seminar bearbeiteten Bausteine der Unterrichtsplanung dar.
Die Hinweise zur schriftlichen Unterrichtsplanung des Seminars Sonderpädagogik Köln
erläutern die fünf Elemente der sonderpädagogischen Unterrichtsplanung. Mithilfe dieses
Leitfadens soll die Planung von qualitativer und individueller Förderung erleichtert werden.
Es wird darauf hingewiesen, dass diese Art der Planung nur eine Orientierungsmöglichkeit
bietet und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, da jede Planung abhängig von den
Vorlieben der Lehrperson, der Unterrichtsform, der Schülerschaft und der Themenauswahl ist
und deshalb immer unterschiedlich verläuft.
Der erste Baustein der Unterrichtsplanung ist die Zielsetzung. Hier werden die gewünschten
Ergebnisse der Unterrichtseinheit, orientiert an den individuellen Lernvoraussetzungen,
festgehalten. Dabei sind unterschiedliche Arten der Ziele zu beachten. Zum einen ist es
wichtig zu wissen, ob das Ziel von der Lehrperson oder von den SchülerInnen selbst gesetzt
wurde und ob es sich um ein Fachziel handelt, oder ein Entwicklungsziel ist, die jeweils aus
den Unterrichtsfächern und den Entwicklungsbereichen abgeleitet werden. Auch ist es
wichtig, festzulegen, ob es sich bei dem festgehaltenen Ziel um das gewünschte Ergebnis der
Unterrichtsstunde handelt, oder ob es beispielsweise für das Ende der Unterrichtsreihe
festgehalten wird und ob es sich um ein Ziel für die gesamte Gruppe oder für einzelne
Lernende handelt. Zum Schluss des ersten Bausteins ist die Beachtung der Gütekriterien
wichtig, die ein gut formuliertes Ziel aufweisen muss. Die Kriterien besagen, dass die Ziele
unter anderem präzise und eindeutig sein müssen, logisch mit Fachinhalten und

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Entwicklungsaspekten verknüpft sein müssen und an didaktischen Konzepten orientiert sein
müssen.
Das zweite Element befasst sich mit dem Kontext der geplanten Unterrichtssequenz. Diese
wird in den unterrichtlichen Gesamtzusammenhang eingeordnet, wobei es wichtig ist, dass in
diesem Schritt eine schülerorientierte Themenformulierung vorgenommen wird und dass der
,,rote Faden" erkennbar ist und eine entwicklungslogische Struktur verfolgt wird. Für diesem
Schritt empfiehlt der Leitfaden die Darstellung in einer Tabelle oder in einem Diagramm. Die
Wahl der Darstellungsform hängt davon ab, wie sehr die Fach- und Entwicklungsziele
miteinander verknüpft sind.
Daraufhin folgt die didaktische Begründung, die sowohl Inhalt, als auch die geplanten
Methoden, theoriegeleitet erläutert. Bei den fachlichen Aspekten ist es wichtig, dass der
Bezug zu den Schülerinnen und Schülern, der Fachdidaktik und den Richtlinien hergestellt
wird. Die entwicklungsbezogenen Planungen sollten sich an Didaktik, Förderkonzepten und
Empfehlungen für die Förderschwerpunkte orientieren.
Der nächste Schritt ist die Darlegung der Lernausgangslage der Lernenden, um eine
individuelle Planung zu ermöglichen. Dafür muss sowohl der inhaltliche, als auch der
entwicklungspsychologische Stand der Lernenden eingeschätzt werden und für mindestens
zwei Personen genauer dargestellt werden. Dieser Arbeitsschritt der Planung für die
Schülerschaft einsehbar sein soll, muss er deshalb so formuliert werden, dass er für die
Lernenden verständlich ist. Es ist hilfreich, wenn ressourcen- und entwicklungsorientiert
vorgegangen wird und die Ausarbeitung situationsbezogen und konkret formuliert ist. Nun
folgt die ,,Entflechtung". Hier sollen die Fördermaßnahmen wissenschaftlich begründet
werden, wofür die Fach- und Entwicklungsaspekte analysiert werden müssen. Dies geschieht
durch
fachwissenschaftliches
Einordnen,
fachdidaktische
Begründungen
und
Elementarisierung auf die Lerngruppe. Nach dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung
folgt die Vernetzung der Teilaspekte, entweder im Fließtext oder in einer Grafik. Dabei sind
folgende Beurteilungskriterien zu beachten: die Inhaltsaspekte müssen fundiert und
differenziert dargestellt werden und einen Bezug zur Literatur haben. Außerdem sollen
Teilkompetenzen für Lernvoraussetzungen aufgezeigt werden und die Stunde muss
fachbezogen
verknüpft
werden.
Hierbei
gibt
es
unterschiedliche
mögliche

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Schwerpunktsetzungen, die abhängig von der Anzahl und der Art der Verknüpfung der Fach-
und Entwicklungsaspekte, sind. Ziel ist dabei vor allem die Darstellung der beiden Aspekte
und die darauffolgende Verknüpfung (vgl. Seminar Sonderpädagogik Köln). Mithilfe dieser
Hinweise können vor allem Lehrpersonen mit wenig Berufserfahrung individuellen Unterricht
planen, der sowohl die einzelnen Lernenden, deren Lernvoraussetzungen und persönlichen
Bedürfnisse, beachtet, als auch didaktische Konzepte und fachwissenschaftliche Erkenntnisse
einbezieht und all diese miteinander verknüpft.
3. Erarbeiten Sie folgende relevante Unterrichtsprinzipien für Menschen mit Komplexer
Behinderung.
a. Differenzierung
Die Prinzipien der Differenzierung, Elementarisierung und Kommunikation müssen in jedem
Unterricht und ihrer Planung stets beachtet und eingebracht werden. Die Differenzierung stellt
dabei die Abstimmung der Aneignungsebenen mit dem Bildungsinhalten dar. Dazu müssen
vier wichtige Punkte bedacht und analysiert werden. Zum einen die Sachstruktur, die immer
gegeben sein muss und die menschliche Entwicklung. Dazu kommen die Tätigkeitsstruktur,
die die entwicklungspsychologischen Stufen beachtet, und die Handlungsstruktur. Diese vier
Elemente beeinflussen und bestimmen dann den ausgewählten und zu thematisierenden
Inhalt, der elementar und fundamental ist, und die daraus abgeleiteten Lernziele. Zur
Festsetzung der Lernziele muss die Zone der aktuellen Entwicklung berücksichtigt, also die
Tätigkeiten, die bereits allein durchgeführt werden können, und analysiert werden. Dazu
werden die bereits vorhandenen Tätigkeiten eingestuft, ob sie zum Beispiel der perzeptiven,
explorierenden oder gegenständlichen Stufe entsprechen und Überlegungen angestellt, wie
diese Fähigkeiten nun mit der Zone der nächsten Entwicklung verknüpft werden können.
Dazu muss die zu erlernende Tätigkeit in verschiedene Handlungsabläufe aufgeteilt werden,
die wiederum aus einzelnen Operationen bestehen. Die Tätigkeit stellt somit das Motiv zum
Erlernen dar, die Handlungen das Ziel und die Operationen dann die Teilziele.
Laut Feuser ist aber nicht nur der individuell aufbereitete Unterricht wichtig, sondern dass die
Kinder, obwohl sie alle auf ihrem eigenen und unterschiedlichen Niveau lernen, dies trotzdem
Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Portfolio zum Thema "Unterricht für Menschen mit Komplexer Behinderung"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,5
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V375554
ISBN (eBook)
9783668529007
ISBN (Buch)
9783668529014
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
portfolio, thema, unterricht, menschen, komplexer, behinderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Portfolio zum Thema "Unterricht für Menschen mit Komplexer Behinderung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375554

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