Rezeptionsprobleme literarischer Texte im Fremdsprachenunterricht Deutsch in Algerien


Essay, 2017

8 Seiten


Leseprobe

2
2-Die Frau fühlt sich vergessen wie ein Tier; sie ist ein Symbol für einen Menschen in
einem armen Land, denn in wohlhabenden Ländern wird mehr für die Tiere gemacht,
als für die Menschen.
3-Die Frau symbolisiert den Zustand der Welt. Früher hat man dem Nachbarn gerne
geholfen; die Welt war überschaubar.
Heute weiß man von dem Elend und man kann nicht jedem helfen. Deshalb ist das
Tier der Frau näher als die hungernden Menschen in anderen Erdteilen.
4-Die Frau kann sich nicht denken, dass diese "kleinen Sachen", die sie in den
Sammeltopf wirft, für Menschen bestimmt sein können.
5-Die Frau egal wie sie handelt, bleibt ein Mensch, auch dann, wenn sie sich wie ein
Tier fühlt.
6-Ihr Verhalten ist typisch für die industrialisierte Welt.
Anhand dieser verschiedenen Erklärungsmuster stellt man fest, dass jeder Leser je
nach seiner Herkunft eine Meinung vertritt und hat versucht, eine Interpretation aus
seiner kulturellen Ferne zu geben, d.h. jeder Leser hat sein Verständnis auf der
Grundlage der eigenen hervorgerufenen Kultur notiert, obwohl "die Autor-Vorstellung
im Text vom Leser bereits implizit enthalten ist. "
1
Viele Wissenschaftler haben sich bemüht, die Aufmerksamkeit auf den lesenden und
verstehenden Leser zu lenken und somit wird die Rezeptionsforschung begründet.
Untersucht werden auch die "Gebrauchsweisen" der literarischen Texte, die
bedeutsam sind d.h. welche Art von Lektüre bevorzugt wird.
Die Rezeptionstheorie strebt aber auch danach und "versucht jetzt zu bestimmen, wie
Leser anhand von literarischen Texten Bedeutungen bilden"
2
Die Literaturwissenschaft und die Literaturdidaktik ­ obwohl beide als benachbarte
Forschungsdisziplinen betrachtet sind und die mit demselben Problem und denselben
1
Vgl. J. Baurmann 1980, S.5
2
Vgl. Jürgen Donnerstag1989, S.32

3
Fragestellungen zu befassen scheinen ­ versuchen im Großen und Ganzen, Fragen der
Textrezeption und die Beziehung zwischen Text und Leser zu thematisieren.
Das "Lesen" war immer lange Zeit als eine gleichartige Tätigkeit verstanden, und man
hatte immer den "Wahrnehmungsprozeß des Leseaktes zu erklären versucht."
3
Unter dem Einfluss der Kommunikationstheorie ist die unterschiedliche
"Zweckgerichtetheit"
4
des Lesens in verschiedenen Lesesituationen erst von
Bedeutung bzw. erkannt worden.
Das will heißen, dass die Funktionalität des Lesens auch erkannt und beschrieben
worden ist, d.h. "die Tatsache, daß wir Texte in verschiedenen Lesesituationen mit
unterschiedlichen Gebrauchsabsichten lesen wollen, müssen oder sollen."
5
Speziell
bei
literarischen
Texten
handelt
es
sich
eigentlich
um
Lesegebrauchsabsichten, die meist unter dem Begriff der "Leseweisen"zu verstehen
sind.
Diese Leseweisen sind immer nach Baurmann/Nündel/Schlotthaus unterschiedlich
voneinander so beschrieben:
-
das Lesen zur Unterhaltung
-
das Lesen aus Informationsbedürfnissen
-
das kritische Lesen
- das identifikatorische (auch personale) Lesen.
In diesem Sinne hat die Nündel/Schlotthaus-Untersuchung, die mit verschiedenen
berufstätigen Deutschlehrern nach ihren Leseinteressen und Leseabsichten
durchgeführt ist, weiterhin bewiesen, dass die älteren Gymnasiallehrer wertvolle
Literatur weniger um Schüler-Bedürfnisse geht, finden; während andere jüngere
Gymnasiallehrer dagegen sind und finden, dass der Umgang mit literarischen Texten
zur besseren Erkenntnis der eigenen Probleme und Lage bestimmt ist.
Für viele Deutschlehrer, insbesondere an Gymnasien steht das Lesen in Beruf wie in
Freizeit unter unterrichtsbezogenem Aspekt, und geschieht nicht aus Unterhaltungs-
oder Erkenntnisinteresse.
Es ist daher zu notieren, dass man schulisches und außerschulisches Lesen
unterscheidet:
3
Vgl. Baurmann/Nündel/Schlotthaus 1980, S.8
4
Ebenda
5
Ebenda

4
a) Das schulische Lesen
Das schulische Lesen ist methodisch und planvoll aufgebaut und findet unter den
institutionellen Bedingungen der Schule statt, ist aber auch "verpflichtend und Zeit-
sowie ortsgebunden. "
6
Man stellt hier fest, das dem individuellen Lesen wenig Raum gegeben wird und
dieses Lesen findet in einer Klasse statt.
Diese "Leseerfahrungen sind in der Schule zu veröffentlichen und werden häufig
bewertet. "
7
Dieses Lesen gilt als "ein Bündel von Anweisungen für den Schüler, wie er sich
Texten gegenüber verhalten soll " (Kügler 1978, S.43 nach Baurmann/
Nündel/Schlotthaus S.9)
b) Das außerschulische Lesen
Demgegenüber findet man das offene außerschulische Lesen, das auch von Rupp
"wildes Lesen "
8
bezeichnet ist und es ist das wenig planvoll und reichlich ungezielt
und ohne Respekt vor der "Autorität "der Texte.
Dieses Lesen ist aber weder von Mitstudenten noch von Lehrer bewertet, denn es
findet selbstverständlich außerhalb der Bedingungen der Schule statt und es ist weder
von Ort noch von Zeit gebunden.
Für die Lektüre der Lerner wäre dann die Auswahl von literarischen Texten
maßgeblich und man soll dabei das Ziel des Literaturunterrichts beachten, das
nicht nur die Kenntnis literarischer Meisterwerke, sondern auch die Ausbildung der
Fähigkeit ansehen soll. Diese Beschäftigung mit solchen Texten wird den Lernern
ermöglichen, mit ihren eigenen Problemen fertig zu werden, damit sie sich als
gesellschaftliches Wesen der Situation angemessen richtig handeln werden.
Man konstatiert also, dass beim Lesen fremdsprachlicher Texte Leseprobleme
wachsen, die durch eine "eine Distanz - sprachlicher Art ­ der Lesewelt zur
dargestellten Welt "
9
herbeigeführt sind, und der Text bleibt außerdem wegen seiner
denotativen Wortbedeutung unverstanden.
6
Vgl. Baurmann/Nündel/Schlotthaus 1980,, S.9
7
Ebenda
8
Vgl. Barbara Rupp, in: Müller-Michael 1978
9
Vgl. Jürgen Donnerstag 1989, S.48

5
Der Text lässt sich darüber hinaus auch auf konnotativen Elementen aufbauen, die
eigentlich mit soziokulturellen Codes verbunden sind.
Diese spezifischen Codes "bilden das eigentliche Problem beim Verstehen der
fremden Literatur. "
10
Davon ausgehend sollen unsere Überlegungen darauf gelenkt werden, dass man
eigene kulturelle Codes schafft, die in poetischer Art dargeboten werden und die aus
der eigenen Umgebung entstehen.
Denn bei dieser Realisierung wird eine interpretatorische Seite des
Rezeptionsprozesses erleichtert und dabei werden auch "Verstehensspielräume"
11
geboten.
Es ist schließlich zu merken, dass die Rezeption in zwei Teilprozesse aufgeteilt ist
und zwar in das Lesen und das Interpretieren. Beim Lesen geht es darum ,to produce
text within text', beim Interpretieren ,to produce text upon text'(Robert Scholes 1985,
p.24 nach J.Donnerstag1989, S.47)
Unter den Aufgaben der Literatur sind eben fremdsprachliche Leseerfahrungen zu
entwickeln und Einblicke in die Literatur des fremden Sprachraumes zu vermitteln.
Dies kann verwirklicht werden, nur wenn der Lerner (in diesem Fall auch Leser)
Leseerfahrungen machen kann, die auch mit angemessenem Verstehen
fremdsprachiger Texte begleitet werden.
Es versteht also dann, dass die Begegnung zwischen Text und Leser eine besondere
Fähigkeit der Lerner voraussetzt. Diese Fähigkeit erklärt sich durch den Prozess des
Verstehens, der auch eine "gesamte "Person (des Lesers) verlangt, mit anderen
Worten: die sogenannte Fähigkeit verlangt die Gesamtheit der Persönlichkeit des
Lesers.
Dieses Verstehen ist aber auch die Subjektivität ­ insbesondere bei der Rezeption-,
die die individuellen Vorstellungen und die eigenen Erfahrungen charakterisiert.
Es werden dann die persönlichen Erwartungen und Vorurteile des Lesers dem Text
gegenüber vorkommen.
Es ist dann so zu denken, dass man die Rolle des Lesers im Rezeption- und
Verstehensprozess bestimmt und methodische Verfahren entwickelt, um all das
obenerwähnte herausfordern zu können bzw. zu überwinden.
10
Vgl. Jürgen Donnerstag 1989, S.4
11
Vgl. Baurmann/Nündel/Schlotthaus 1980, S.5
Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Rezeptionsprobleme literarischer Texte im Fremdsprachenunterricht Deutsch in Algerien
Hochschule
University of Oran
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V375608
ISBN (eBook)
9783668534308
ISBN (Buch)
9783668534315
Dateigröße
750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rezeptionsprobleme, texte, fremdsprachenunterricht, deutsch, algerien
Arbeit zitieren
Dr Abdelkader Behilil (Autor), 2017, Rezeptionsprobleme literarischer Texte im Fremdsprachenunterricht Deutsch in Algerien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375608

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