Die Arbeit stellt die Ansichten einiger Philosophen über die Selbsttötung vor. Statt nun einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Philosophie des Suizids zu geben, sollen ausgewählte Autoren ausführlich betrachtet und vor allem zitiert werden. Mit Platon, Aristoteles, Seneca, Augustinus und Thomas von Aquin werden die für das Thema vielleicht wichtigsten Autoren der Antike und des Mittelalters behandelt; von den neuzeitlichen Philosophen werden die Überlegungen Humes (als eines wichtigen Vertreters der Opposition gegen die damals vorherrschende Verurteilung des Suizids) und Kants dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Suizid in der Philosophie von Platon bis Kant – Darstellung
2.1 Platon
2.2 Aristoteles
2.3 Lucius Annaeus Seneca
2.4 Aurelius Augustinus
2.5 Thomas von Aquin
2.6 David Hume
2.7 Immanuel Kant
2.7.1 Ethikvorlesung
2.7.2 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
2.7.3 Kritik der praktischen Vernunft
2.7.4 Die Metaphysik der Sitten
2.7.5 Aus anderen Schriften
3 Auswertung
3.1 Kommentierende Zusammenfassung
3.2 Der Suizid als ethisches Problem
3.2.1 Argumente gegen die Erlaubtheit der Selbsttötung
3.2.2 Andere ethische Probleme
3.3 Weitere Aspekte
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Ansätze zum Thema Suizid von der Antike bis zur Aufklärung. Ziel ist es, die Positionen zentraler Denker wie Platon, Aristoteles, Seneca, Augustinus, Thomas von Aquin, David Hume und Immanuel Kant detailliert nachzuzeichnen und kritisch zu hinterfragen, um ein differenzierteres Verständnis der historischen Suiziddebatte zu ermöglichen.
- Historische Rekonstruktion philosophischer Suizidargumentationen.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen religiösen Verboten und individueller Freiheit.
- Kritische Würdigung der Argumente gegen die Selbsttötung (Natur, Gesellschaft, Gott).
- Untersuchung der Relevanz von Begriffen wie "Freitod", "Selbstmord" und "Suizid".
- Vergleich der Argumentationslinien von der Antike über das Mittelalter bis hin zur kantischen Philosophie.
Auszug aus dem Buch
2.1 Platon
Die Kernstellen zum Thema befinden sich im Phaidon und in den Gesetzen. Platons Phaidon gemäß lässt Sokrates kurz vor seinem Tod Euenos ausrichten, „er solle wohlleben und, wenn er klug wäre, mir nachkommen. Ich gehe aber, wie ihr seht, heute, denn die Athener befehlen es.“ Platon schreibt weiter, dass ein Philosoph „dem Sterbenden zu folgen wünsche“. „Nur Gewalt wird er sich doch nicht selbst antun; denn dies, sagen sie, sei nicht recht.“ Zwar könne er, Sokrates, „nur vom Hörensagen davon reden;“ es möge „unvernünftig zu sein scheinen“, dass die Selbsttötung „allein unter allen Dingen schlechthin“ „nicht recht“ sein soll, obwohl doch manchen „besser wäre zu sterben“ – es aber „diesen Menschen nicht erlaubt sein solle, sich selbst wohlzutun, sondern sie einen anderen Wohltäter erwarten sollen“; aber das Selbsttötungsverbot hätte „doch auch wieder einigen Grund.“ Er führt zuerst, Lehren der Orphik bzw. der Pythagoreer aufgreifend, an, „daß wir Menschen wie in einer Feste sind und man sich aus dieser nicht selbst losmachen und davon gehen dürfe“.
Ein weiteres Argument besteht darin, dass der Mensch nicht sich selbst, sondern den Göttern gehöre: „die Götter [sind] unsere Hüter und wir Menschen eine von den Herden der Götter“. Sokrates fährt an Kebes gewendet fort: „Also auch du würdest gewiß, wenn ein Stück aus deiner Herde sich selbst tötete, ohne daß du angedeutet hättest, daß du wolltest, es solle sterben, diesem zürnen und, wenn du noch eine Strafe wüßtest, es bestrafen? – Ganz gewiß, sagte er [Kebes]. – Auf diese Weise nun wäre es also wohl nicht unvernünftig, daß man nicht eher sich selbst töten dürfe, bis der Gott irgendeine Notwendigkeit dazu verfügt hat wie die jetzt uns gewordene“, gemeint ist die in Sokrates’ Todesurteil bestehende.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema und erläutert die terminologische Problematik der verschiedenen Suizid-Begriffe unter Berücksichtigung philosophischer Kontexte.
2 Der Suizid in der Philosophie von Platon bis Kant – Darstellung: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte, deskriptive Aufarbeitung der Ansichten ausgewählter antiker, mittelalterlicher und neuzeitlicher Philosophen zur Selbsttötung.
3 Auswertung: Hier werden die zuvor dargestellten Positionen kritisch zusammengefasst und einer systematischen ethischen Analyse unterzogen.
4 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die philosophischen Argumente gegen den Suizid bei genauerer Betrachtung oft schwach sind und das Thema meist nur am Rande behandelt wurde.
Schlüsselwörter
Suizid, Selbsttötung, Philosophiegeschichte, Platon, Aristoteles, Seneca, Augustinus, Thomas von Aquin, David Hume, Immanuel Kant, Ethik, Freitod, Selbstmord, Vorsehung, Kategorischer Imperativ
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert philosophische Haltungen zum Suizid von der griechischen Antike (Platon, Aristoteles) bis zur Aufklärung (Hume, Kant).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ethische und religiöse Bewertung der Selbsttötung sowie die Frage, ob diese moralisch verboten oder in bestimmten Fällen legitimiert werden kann.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die exakte Darstellung der Argumentationen verschiedener Philosophen, um zu verstehen, wie diese zum Verbot oder der restriktiven Sicht auf den Suizid gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische philosophische Untersuchung und Interpretation von Primärquellen, ergänzt durch einen Diskurs mit relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil bietet eine kapitelweise Darstellung der Philosophen und eine anschließende systematische Auswertung der Argumente, unterteilt in metaphysische, soziale und individualethische Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Suizid, Selbsttötung, Philosophiegeschichte, Freiheit, Vorsehung, Pflicht, Autonomie, Moralität.
Wie bewertet Platon den Suizid?
Platon ist zwiespältig: Einerseits lehnt er Suizid als Verstoß gegen göttliches Eigentum ab, andererseits lässt er Ausnahmen bei unentrinnbarem Unglück oder göttlicher Notwendigkeit zu.
Was unterscheidet Kant von seinen Vorgängern bei der Begründung des Suizidverbots?
Kant begründet das Suizidverbot erstmals unabhängig von Gott oder religiöser Offenbarung, sondern rein aus der Moralität und der Würde der Menschheit als Zweck an sich selbst.
Gibt es bei Hume eine Rechtfertigung für den Suizid?
Ja, Hume argumentiert in seinem Essay, dass der Suizid weder gegen Gott, noch gegen die Gesellschaft, noch gegen Pflichten gegenüber sich selbst verstößt, sofern das Leben zur unerträglichen Last geworden ist.
- Arbeit zitieren
- Jens Ostwald (Autor:in), 2017, Das Problem der Selbsttötung in der Philosophie von Platon bis Kant, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375638