Die Textgrammatik als eine Forschungsrichtung der Textlinguistik versucht, die traditionelle Grammatik auf der Ebene der Texte widerzuspiegeln. Sie geht hierfür davon aus, dass ein Text sich als „eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“ (Brinker 1992) definieren lässt. Ein Text ist demnach nicht nur eine bloße Aneinanderreihung von Sätzen, sondern lässt inhaltlich und formal auch komplexe Zusammenhänge erkennen.
Im Rahmen der Arbeit soll dies durch eine textgrammatische Analyse, welche sich an "Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache" von Kessel/Reimann orientiert, an einem konkreten Beispiel verdeutlicht werden. Hierzu wird ein Zeitungsartikel aus der regionalen Tageszeitung „Straubinger Tagblatt“ vom 12. April 2012 mit dem Titel "Frühchen überlebt im Leichenraum".
In einem ersten Teil der Arbeit wird versucht, den Text hinsichtlich textinterner und -externer Merkmale zu charakterisieren und einzuordnen. Anschließend steht in einem zweiten Schritt eine textgrammatische Analyse des vorliegenden Textes im Vordergrund. Hier wird mithilfe der Bestimmung von minimalen Texteinheiten, Referenzketten, Isotopien und Struktur-Rekurrenz ein übergeordnetes Textthema rekonstruiert. Darüber hinaus soll die Frage, ob und in welcher Form der Text dieses Thema wiedergibt, beantwortet werden. Zudem wird in einem weiteren Punkt auch die Überschrift unter die Lupe genommen und das Verhältnis zwischen Überschrift und Textthema analysiert. Schließlich wird eine Bewertung des Textes hinsichtlich seiner textsortenspezifischen Merkmale und der aus der textgrammatischen Analyse gewonnenen Ergebnisse vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
A. Vorbemerkungen
B. Textgrammatische Analyse der Nachricht Frühchen überlebt im Leichenraum
1. Textsorte
1.1 Textinterne Kriterien
1.1.1 Graphische Merkmale
1.1.2 Stil
1.1.3 Textinhalte
1.2 Textexterne Kriterien
1.2.1 Textfunktion
1.2.2 Kommunikationssituation
2. Rekonstruktion des Textthemas
2.1 Minimale Texteinheiten
2.2 Bestimmung von Referenzketten
2.3 Struktur-Rekurrenz
2.4 Bestimmung Isotopieebenen
2.5 Textthema
2.6 Überschrift
C. Abschließende Gedanken
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen konkreten Zeitungsartikel mittels textgrammatischer Methoden zu analysieren, um dessen textsortenspezifische Merkmale sowie die thematische Struktur zu rekonstruieren und zu bewerten. Dabei steht die Untersuchung der Verbindung zwischen textinternen und -externen Kriterien, Referenzketten, Isotopien und dem Gesamtthema der Nachricht im Vordergrund.
- Textsortenanalyse einer Nachrichtenmeldung
- Strukturelle Untersuchung von Referenzketten
- Semantische Analyse mittels Isotopieebenen
- Rekonstruktion des zentralen Textthemas
- Kritische Reflexion des Verhältnisses von Überschrift und Inhalt
Auszug aus dem Buch
2.1 Minimale Texteinheiten
Im Folgenden wir der Text Frühchen überlebt im Leichenraum aus der regionalen Tageszeitung „Straubinger Tagblatt“ vom 12. April 2012 in minimale Texteinheiten gegliedert:
Supra-Text 1: Frühchen überlebt im Leichenraum
Supra-Text 2: Eltern retten das für tot erklärte Baby nach zwölf Stunden aus der Kühlkammer
MTE 1: Passender Name für ein Wunderkind: „Luz Milagros“ heißt ein Baby in Argentinien
MTE 2 : - „Licht Wunder“.
MTE 3: Zwölf Stunden überlebte das Mädchen im Leichenraum, bevor es seine Eltern retteten.
MTE 4: Ärzte eines Krankenhauses hatten das Frühchen nach der Geburt für tot erklärt, wie die Behörden der Provinz Chaco am Dienstag […] mitteilten.
MTE 5 (Parenthese): (Ortszeit)
MTE 6: Die Eltern bestanden jedoch darauf, ihre Tochter noch einmal zu sehen [und]
MTE 7: fanden die Kleine lebend in einer Kiste im eisigen Leichenraum der Klinik. […]
MTE 8: «Ich ging mit meinem Mann zu der kleinen Kiste», erzählte die Mutter der Tageszeitung «La Voz del Chaco».
MTE 9: Beim Öffnen habe sie ein Wimmern gehört, berichtete sie weiter.
MTE 10: In dem Kühlraum sei das Kind schon von Reif bedeckt gewesen. […]
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkungen: Einführung in die textgrammatische Forschungsrichtung und Vorstellung des zu analysierenden Zeitungsartikels.
Textgrammatische Analyse der Nachricht Frühchen überlebt im Leichenraum: Umfassende Untersuchung des Textes hinsichtlich seiner formalen und inhaltlichen Struktur zur Einordnung in die Textsorte Nachricht.
Textsorte: Charakterisierung des Textes durch Analyse graphischer Merkmale, des Stils, der Inhalte sowie der Textfunktion und Kommunikationssituation.
Rekonstruktion des Textthemas: Methodische Herleitung des zentralen Textthemas durch Gliederung in minimale Texteinheiten, Analyse von Referenzketten, Struktur-Rekurrenz und Isotopieebenen.
Abschließende Gedanken: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse und Bewertung der Übereinstimmung von Überschrift und Textthema im Vergleich zu anderen Nachrichtenquellen.
Schlüsselwörter
Textgrammatik, Textlinguistik, Nachrichtenanalyse, Zeitungsartikel, Referenzkette, Isotopieebene, Textthema, Textsorte, Struktur-Rekurrenz, Informationsfunktion, Medienkommunikation, Frühchen, Leichenraum, Journalistik, Textanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer linguistischen, speziell textgrammatischen Untersuchung eines Zeitungsartikels, um dessen strukturelle Merkmale und thematische Kohärenz aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Einordnung in die Textsorte "Nachricht", die Bestimmung von Referenzketten, die Erstellung von Isotopieebenen und die Analyse des Textthemas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu zeigen, wie durch linguistische Methoden das übergeordnete Textthema rekonstruiert werden kann und ob die gewählte Überschrift diesen Inhalt adäquat wiedergibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt Ansätze der Textlinguistik nach Klaus Brinker sowie Grundlagen der deutschen Gegenwartssprache nach Kessel/Reimann zur strukturierten Textanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Text in minimale Einheiten, identifiziert Referenzketten zu Akteuren und Orten, untersucht den Tempusgebrauch und analysiert semantische Isotopien wie 'Tod', 'Leben' und 'Justiz'.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Textgrammatik, Referenzkette, Isotopieebene, Nachrichtentext und Textthema.
Warum wird der Artikel "Frühchen überlebt im Leichenraum" als Fallbeispiel gewählt?
Dieser Artikel dient als konkretes Beispiel, da er komplexe Zusammenhänge in einfacher Nachrichtenstruktur abbildet und eine Diskrepanz zwischen der dramatischen Überschrift und dem tatsächlichen Textverlauf aufweist.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Überschrift?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die gewählte Überschrift zwar journalistisch geschickt einen Leseanreiz schafft, jedoch im strengen textgrammatischen Sinne nur ein Subthema und nicht das gesamte Hauptthema des Artikels abbildet.
- Arbeit zitieren
- Michael Hüttinger (Autor:in), 2012, Textgrammatische Analyse des Zeitungsberichts "Frühchen überlebt im Leichenraum", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375760