Da die Diskussion um die Vorteile von handlungsorientierten gegenüber traditionellen Lehr-Lernarrangements in Bezug auf das Lernen meist normativ geführt wird, sollen in dieser Arbeit die empirischen Untersuchungen über traditionelle und handlungsorientierte Lehr-Lernarrangements hinzugezogen werden, um die Forschungsergebnisse mit der präskriptiven Sichtweise zu vergleichen. Ob von einem solchen Vorteil ausgegangen werden kann, wird anhand der Ergebnisse aus der Lehr-Lernforschung analysiert und ist die Basis dieses Vergleichs.
Ziel dieser Arbeit ist es, die bisher meist normativ aufgeladene Diskussion durch einen detaillierten und fundierten Überblick über die empirischen Forschungsergebnisse auf einer eher evidenzbasierten Ebene zu diskutieren. Somit können die normativen Vorgaben auf Basis empirischer Studien kritisch geprüft werden. Letztendlich soll die Frage beantwortet werden, ob die normativen Forderungen nach handlungsorientierten Lehr-Lernarrangements durch die Empirie gestützt werden können oder diese revidiert werden müssen.
Um Kriterien für traditionelle sowie für handlungsorientierte Lehr-Lernarrangements abzuleiten werden im zweiten Kapitel die normativen Forderungen im beruflichen Lehr-Lernprozess analysiert. Anhand der analysierten normativen Forderungen werden die damit verbundenen Erwartungen in der Unterrichtspraxis unter einer ersten Einbeziehung empirischer Forschungsergebnisse diskutiert. Im weiteren Verlauf werden die empirischen Forschungsrichtungen differenziert und systematisiert, um im folgenden Kapitel einen detaillierten Überblick der Forschungsergebnisse darstellen zu können.
Dabei wird das dritte Kapitel in zwei Bereiche unterteilt, den der deskriptiven Studien und den der effektivitätsorientierten Studien. Beide Forschungsrichtungen sind für das folgende Kapitel relevant, da zum einen die Erkenntnisse der tatsächliche Umsetzung der Lehr-Lernarrangements aus der deskriptiven Forschung und zum anderen die Erkenntnisse der Auswirkungen von dem Einsatz der jeweiligen Lehr-Lernarrangements aus der effektorientierten Forschung gebraucht werden, um die im zweiten Kapitel abgeleiteten Kriterien für traditionelle und handlungsorientierte Lehr-Lernarrangements im vierten Kapitel zu optimieren. Dazu werden die im zweiten Kapitel dargelegten normativen Vorgaben den Resultaten aus der deskriptiven und der effektorientierten Lehr-Lernforschungen gegenübergestellt und evaluiert. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kriterien für traditionelle und handlungsorientierte Lehr-Lernarrangements
3 Lehr-Lernarrangements in der beruflichen Bildung
3.1 Traditionelle Lehr-Lernarrangements
3.1.1 Deskriptive Untersuchung
3.1.2 Effektivitätsorientierte Untersuchung
3.2 Handlungsorientierte Lehr-Lernarrangements
3.2.1 Deskriptive Untersuchung
3.2.2 Effektivitätsorientierte Untersuchung
4 Diskussion der Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen normativen Forderungen nach handlungsorientiertem Unterricht und der empirischen Realität in beruflichen Lehr-Lernarrangements, um die Wirksamkeit beider Ansätze auf die Kompetenz- und Motivationsentwicklung von Lernenden zu evaluieren.
- Vergleich von traditionellen vs. handlungsorientierten Lehr-Lernarrangements
- Analyse der Verbreitung und Umsetzung in der beruflichen Bildung (Deskriptive Forschung)
- Untersuchung der Effektivität in Bezug auf kognitive und motivationale Ergebnisse
- Diskussion der Bedeutung von Qualität und methodischer Vielfalt im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Traditionelle Lehr-Lernarrangements
Der Ursprung des traditionellen Lehr-Lernarrangement liegt im 18. und 19. Jahrhundert, als Reaktion auf die hohe Anzahl von Schülerinnen und Schülern (vgl. Terhart 1997, S. 16 f.). Traditionelle Lehr-Lernarrangements zeichnen sich überwiegend durch einen verbalen, thematisch orientierten sowie stark kognitiver Unterricht mit geringem Anwendungs- und Praxisbezug aus. Wesentlich für einen traditionellen Unterricht ist die Lehrerzentrierung, deren Dominanz sich an einem hohen Aktivitäts- und Redeanteil des Lehrers nachweisen lässt. Zusätzlich obliegt dem Lehrer die zentrale Steuerung des Unterrichtsprozesses (vgl. Neef 2008, S. 162).
Das Ziel der Wissensaneignung steht im Mittelpunkt des traditionellen Unterrichts, während die Aufnahmebereitschaft der Schülerinnen und Schüler für das Erreichen des Ziels vorausgesetzt wird. Dabei wird deklaratives und prozedurales Fachwissen erworben. Einen Beitrag zur situationsgerechten Anwendung eines solchen Wissens zur Förderung der Problemlösefähigkeit und zur Entwicklung der Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler leisten die traditionellen gegenüber den handlungsorientierten Lehr-Lernarrangements nicht (vgl. Jank und Meyer 2000, S. 338 ff.; Riedl 2004, S. 118; Gudjons 2007, S. 27; Neef 2008, S. 157; Wiechmann 2009, S. 202 f.). Besonders der geringe Anwendungs- und Praxisbezug des traditionellen Unterrichts, die passiv-rezeptive Rolle der Schülerinnen und Schüler sowie der Erwerb von additiven Wissen, das zum „trägen Wissen verkommen kann, werden in normativen Schriften kritisiert (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Qualifikationsanforderungen und die daraus resultierende normative Forderung nach handlungsorientierten Lehr-Lernarrangements in der beruflichen Bildung.
2 Kriterien für traditionelle und handlungsorientierte Lehr-Lernarrangements: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen, Kompetenzmodelle und Kriterien, die den Unterschied zwischen traditionellen und handlungsorientierten Lernumgebungen kennzeichnen.
3 Lehr-Lernarrangements in der beruflichen Bildung: Dieser Hauptteil analysiert empirische Studien zur Verbreitung und Effektivität beider Ansätze, unterteilt in deskriptive und effektivitätsorientierte Untersuchungen.
4 Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse der empirischen Studien werden kritisch diskutiert, um zu klären, inwieweit normative Forderungen durch die Empirie gestützt werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine pauschale Bevorzugung eines Arrangements nicht haltbar ist und plädiert stattdessen für qualitätsorientierten Unterricht und Methodenvielfalt.
Schlüsselwörter
Berufliche Bildung, Handlungsorientierung, Lehr-Lernarrangements, Frontalunterricht, Kompetenzentwicklung, Motivationsentwicklung, Deskriptive Untersuchung, Effektivitätsorientierte Untersuchung, Fachkompetenz, Problemlösefähigkeit, Methodenpluralismus, Lehr-Lernforschung, Unterrichtsqualität, Berufsschule, Wissenserwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsverhältnis zwischen normativen, bildungspolitischen Forderungen nach handlungsorientiertem Unterricht und der empirischen Realität in beruflichen Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition und der Vergleich von traditionellen und handlungsorientierten Lehr-Lernarrangements, deren Verbreitung in der Unterrichtspraxis sowie deren Auswirkungen auf Kompetenzaufbau und Motivation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu untersuchen, ob die weit verbreiteten normativen Forderungen nach Handlungsorientierung durch empirische Forschungsergebnisse gestützt werden oder ob eine differenziertere Betrachtung notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine systematische Auswertung und Analyse existierender empirischer Studien (Meta-Analyse-Charakter) zu diesem Thema vornimmt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine deskriptive Analyse zur Verbreitung verschiedener Lehr-Lernarrangements und eine effektivitätsorientierte Analyse, die deren Wirkung auf Lernergebnisse wie Kompetenzzuwachs und Motivation vergleicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Berufliche Bildung, Handlungsorientierung, Lehr-Lernarrangements, Frontalunterricht, Kompetenzentwicklung, Methodenpluralismus und Unterrichtsqualität.
Welche Rolle spielt der Frontalunterricht laut den Ergebnissen?
Trotz gegenteiliger normativer Vorgaben zeigt die Empirie, dass der Frontalunterricht in den untersuchten Bereichen der beruflichen Schulen weiterhin eine dominante Rolle einnimmt.
Zu welchem Schluss kommt der Autor in Bezug auf handlungsorientierten Unterricht?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass handlungsorientierter Unterricht nicht pauschal als überlegen gelten kann; vielmehr ist die Qualität des Unterrichts innerhalb des jeweiligen Arrangements wichtiger als die bloße Wahl der Methode.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Münscher (Autor:in), 2017, Empirische Forschungen zu traditionellen und handlungsorientierten Lehr-Lernarrangements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375794