Die Entwicklung der Jugendsprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen von Jugendsprache

3. Merkmale von Jugendsprache

4. Jugendsprache im Wandel der Zeit
4.1 Jugendsprache vor 1945
4.2 Jugendsprach nach 1945

5. Fazit- Sprachwandel oder Sprachverfall?

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1) Einleitung

„Ich hör es gern, wenn auch die Jugend plappert: Das Neue klingt, das Alte klappert.“

-Johann Wolfgang von Goethe

Jugendsprache ist kein neues Phänomen, auch wenn es häufig von vielen Erwachsenen so dar- gestellt wird. Jugendliche versuchen sich schon seit Jahrhunderten mit ihrer Sprache von der Erwachsenenwelt abzugrenzen; sei es um Protest auszudrücken oder um vor Gleichaltrigen als „cool“ zu gelten. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen über die Varietät der Ju- gendsprache, welche von jungen Sprechern neben der Standartsprache verwendet wird. Unsere Eltern sprachen sie, unsere Großeltern und selbst deren Großeltern sprachen sie: Jugendsprache. Doch so alt wie die Jugendsprache an sich, ist auch ihre Kritik. Vielen missfällt der Sprachge- brauch Jugendlicher und sie sehen nicht nur einen sprachlichen sondern auch einen gesellschaft- lichen Rückschritt mit der Verwendung von Jugendsprache. Es gebe einen langsamen, aber stetigen und unaufhaltsamen Verfall der Standartsprache durch die Sprechweisen der Jugend- lichen. Der Niedergang der deutschen Sprache gehe also mit der Jugendsprache einher.

Demnach möchte ich in der vorliegenden Arbeit die Frage klären, ob die deutsche Sprache durch die Jugendsprache verfällt. Dafür habe ich mich mit der Geschichte und dem Wandel der Jugendsprache befasst und die Einflüsse auf unsere heutige Sprache näher betrachtet. Um sich mit der Thematik der Jugendsprache beschäftigen zu können, stelle ich zunächst den For- schungsstand zur Jugendsprache dar. Beginnen werde ich mit einigen Definitionen von Jugend und Jugendsprache. Anschließend werde ich die Merkmale von Jugendsprache vorstellen, wel- che durch die Zeit hinweg in allen Jugendsprachen der letzten Jahrzehnte zu finden waren. Da- bei werde ich mich an den Merkmalen der Jugendsprache von Hermann Ehmann in „voll kon- kret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache“ von 2001 orientieren und aktuelle Beispiele aus dem Langenscheidt Jungenwörter Lexikon „100% Jugendsprache“ von 2016 mit einbringen. Danach werde ich die Entwicklung der Jugendsprache darstellen, wobei ich auf die Einteilung in verschiedene historische Epochen der Jugendsprache nach Lapp (1989) Bezug nehmen werde. Aufgrund meiner vorangegangenen Darstellungen möchte ich abschließend in meinem Fazit die Frage nach dem Sprachverfall der deutschen Sprache klären.

2) Definitionen von Jugendsprache

Die Jugendsprache ist in den letzten Jahrzehnten zu einem beliebten Forschungsgegenstand geworden und wurde von vielen Linguisten auf unterschiedliche Arten kategorisiert. Um sich überhaupt mit der Jugendsprache beschäftigen zu können, muss man zunächst die Jugend defi- nieren. Die Jugend wird in der Soziologie als eine Lebensperiode beschrieben. Ein Mensch der sich in dieser befindet, wird nicht mehr als Kind betrachtet, obwohl er noch nicht den Status, die Rollen und die Funktionen eines Erwachsenen einnimmt (Brockhaus 1996). Während Men- schen von ihrem 14. bis zu ihrem 17. Lebensjahr vom deutschen Recht als Jugendliche bezeich- net werden, wird in der Soziologie ein deutlich größerer Lebenszeitraum in der Jugendfor- schung betrachtet. Laut Lenzen (1997) seien Menschen zwischen 13 und 25 Jahren als jugend- lich einzuordnen. Häufig wird in der Soziologie die Postadoleszenz (25. bis 35. Lebensjahr) als eine weitere Lebensphase, der Jugend zugeordnet. Daher wird in der Forschung häufig von einer „Relativität des Jugendbegriffs“ ausgegangen.

Bei der Untersuchung der Jugendsprache ist aber nicht nur der Zeitraum der Jugend relevant, sondern auch die Abgrenzung der Jugend in Form einer Gruppe. Die Jugendlichen werden häufig als soziale Gruppe angesehen, welche aber nicht als eine einzelne homogene Gruppe existiert, die alle Jugendlichen umfasst, sondern sich in vielen verschiedenen Jugendgruppen ausprägt (Tenbruck 1965: 66).

„Gewiss existiert sie im strengen Sinne nicht kompakt als eine einzige Gruppe, die alle Jugendlichen einschließt, sondern tritt in einer Mannigfaltigkeit von jugendlichen Gruppenbildungen in Erscheinung, die aber nun ihrerseits auf mannigfache Weise durch das Bewusstsein gemeiner Art, die Gleichaltrigkeit der sie ins Leben rufenden und auf sie einwirkenden Kräfte und Bedingungen, sowie durch Überschneidung zwischen den Gruppen, verbunden sind“ (Tenbruck 1965:66)

So wie es keine große, in sich geschlossene Jugendgruppe gibt, kann man auch nicht von einer einzelnen Jugendsprache ausgehen. Die Jugendsprache setzt die Standardsprache voraus und bildet sich unter Einflussnahme verschiedener Gruppensprachen. Seit den 80er Jahren ist die Thematik der Jugendsprache in der Linguistik sehr zentral vertreten und wird seit dem auf ver- schiedene Weisen definiert. Da die Jugendsprache zum einen eine ausgrenzende Funktion hat, zum anderen aber eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit zeigt, definiert Möhn (1980) die Ju- gendsprache als Sondersprache.

„Als Sondersprachen wurden früher sämtliche gruppenspezifischen Sprachen betrachtet. Später wurden dann die Schichten- und Fachsprachen ausgegliedert und das Charakteristikum der Sondersprachen in der verhüllenden Funktion der Sprachform von Minderheiten gesehen, die von der Gesellschaft geächtet (dis- kriminiert) wurden und/oder sich selbst absonderten (Suche nach Gruppenidentität).“ (Gross 1998: 171) Vier Jahre später wird die Jugendsprache von Pörksen (1984) als Varietät des Deutschen ein- geordnet und von Henne (1986) mit der Heterogenität dieser, näher definiert. Nach Le- wandowski (1990) sei die Jugendsprache ein unkonventioneller Sprachstil von Jugendlichen, welcher sowohl regional als auch sozial differenziert werden müsse. Heute wird Jugendsprache meist nach Schlobinski, Kohl und Ludewigt (1993: 12) als ein komplexes sprachliches Register definiert.

3) Merkmale von Jugendsprache

Obwohl die Jugend als homogene Gruppe nicht existiert, gibt es doch einige Merkmale, welche sich durch die verschiedenen Gruppensprachvarietäten von Jugendlichen ziehen. So besteht die Jugendsprache aus jugendspezifischen Besonderheiten, die sich in der Grammatik und der Laut- und Wortbildung von der Standartsprache unterscheiden und weist eine ausgeprägte Schnelllebigkeit auf (Ehmann 1996:23) Trotz der schnellen Veränderungen innerhalb der Ju- gendsprache, gibt es zeitübergreifende Merkmale. Im Folgenden werde ich auf die wichtigsten Merkmale von Jugendsprache eingehen und mich dabei an Hermann Ehmann „voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache“ von 2001 orientieren. Die genannten Beispiele sind zum großen Teil nicht mehr in der aktuellen Jugendsprache vertreten. Aus diesem Grund werde ich zusätzlich zu Ehmanns Beispielen, neue jugendsprachliche Beispiele aus dem Langen- scheidt Jugendwörterlexikon „100% Jugendsprache“ von 2016 mit anbringen.

Das erste wichtige Merkmal von Jugendsprache sind Bedeutungsverschiebungen und Bedeu- tungsveränderungen von Lexemen. Diese stellen eine semantische Variation der Standartspra- che dar und lassen sich nur teilweise von den standartsprachlichen Bedeutungen ableiten. Als erstes Beispiel hierfür nennt Ehmann das Adjektiv fundamental was sich vom lateinischen Le- xem fundus (dt. Bodengrund) ableitet. Dieses wird in der Standartsprache gleichbedeutend mit grundlegend oder wesentlich verwendet und beschreibt die Unabdingbarkeit eines entsprechen- den Gegenstandes für die Wirksamkeit oder Existenz eines anderen Gegenstandes. In der Ju- gendsprache hat sich die Semantik von fundamental verschoben und wird im Sinne von prima oder super verwendet. Als Bespiel für Bedeutungsveränderung bring Ehmann das Substantiv Bonsai, welches standartsprachlich einen kleinen, traditionell japanischen Baum bezeichnet. In der Jugendsprache würde dieses Lexem laut Ehmann als Bezeichnung für einen kleingewach- senen Jungen verwendet werden. Ein aktuelles Beispiel für Bedeutungsveränderung findet man beim Substantiv Abschleppwagen, welches jugendsprachlich für Aufreißer verwendet wird. Des Weiteren werden häufig ursprünglich standartsprachliche Bedeutungen von Lexemen erweitert, was auch semantische Addition genannt wird. Ehmann nennt als Beispiel das Adjektiv fett, welches durch die Bedeutungen super oder schön in seiner Semantik erweitert wird. In der aktuellen Jugendsprache werden dem Adjektiv episch weitere Bedeutungen wie ü berragend oder toll zugeordnet. Neben den jugendsprachlichen Bedeutungserweiterungen von Lexemen, treten auch, wenn auch deutlich seltener Bedeutungsverengungen auf. Ehmann nennt als Bei- spiel das englische Substantiv Looser, welches nicht im allgemeinen Sinne als Verlierer ver- standen, sondern eher als Beschreibung für im Leben erfolglose Personen verwendet wird. Auch im Langenscheidt Jugendwörterlexikon von 2016 tritt Looser noch gleichbedeutend auf. Auch semantische Paradoxa, auch Bedeutungsumkehrungen genannt, sind ein Merkmal von Jugendsprache. Das Substantiv Massage, welches in der Standtartsprache eine eher angenehme Tätigkeit bezeichnet, wird jugendsprachlich im Sinne von Schlägerei verwendet. Im Jugend- wörterlexikon von 2016 lässt sich kein neues Beispiel für Bedeutungsumkehrung finden. (Eh- mann 2001:8)

Bei der Jugendsprache gibt es aber nicht nur Variationen der Bedeutung standardsprachlicher Lexeme, sondern auch lexikalische Variationen in Form von Wortveränderungen. Diese lexi- kalischen Mutationen erinnern entfernt an standartsprachliche Lexeme, wurden aber leicht ab- geändert und an die jeweilige Jugendkultur angepasst um eine neue Bedeutung zu implizieren. Ehmann nennt als Beispiel das Verb bläken. Dieses erinnert an das Lexem blöken, welches die Laute von Schafen beschreibt. Durch das Ersetzen des ö durch ein ä wird die Bedeutung ver- ändert und nun im Sinne von jähzornig brüllen verstanden. Im Jugendwörterlexikon von 2016 findet man auch Wortveränderungen. Hacktivist erinnert an das Lexem Aktivist aus der Stan- dartsprache. Durch die lexikalische Mutation verengt sich aber die Bedeutung von Aktivist, und bezeichnet nur noch politisch motivierte Hacker und nicht mehr die gesamten politisch moti- vierten Personen. In der Jugendsprache werden ursprüngliche Lexeme nicht nur verändert son- dern auch gänzlich neu erschaffen. Somit ist ein weiteres Merkmal der Jugendsprache die Wort- neuschöpfung oder auch Neologismus genannt. Ehmann bringt als Beispiel das Verb alken an. Dieses wird von Jugendlichen zur Bezeichnung von hemmungslosem Betrinken verwendet und leitet sich von dem Substantiv Alkohol ab. Im Jugendwörterlexikon von 2016 sind Neologismen die am meisten vertretenen Lexeme. Häufig sind diese Neologismen an englische Lexeme an- gelehnt.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Jugendsprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V375839
ISBN (eBook)
9783668523739
ISBN (Buch)
9783668523746
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Sprachwandel, Sprachverfall, Entwicklung der Jugendsprache
Arbeit zitieren
Christina Lindemann (Autor), 2016, Die Entwicklung der Jugendsprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375839

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