Die vorliegende Diplomarbeit soll einen Theorie-Praxistransfer abbilden bezüglich systemtheoretischer Grundlagen und deren Ableitungen für das Pflegemanagement, der – so die Leithypothese – aktuell für Manager in der Pflege erforderlich wird, damit sie die Bedingungen von Pflege als System im Gesundheitswesen in Koppelung mit dem System der Gesellschaft mitgestalten können.
Die formulierten Hypothesen stellen die Eckpunkte des Diskurses der vorliegenden Arbeit dar: So wird erstens davon ausgegangen, dass der Wandel im Gesundheitswesen ein systemisches und konzeptionelles Management erfordert, und zweitens, dass systemisches Management grundsätzlich anderer Kompetenzen erfordert und herkömmlichen, linear-kausalen angelegten Denk- und Handlungsmustern an Effizienz überlegen ist. Das Pflegemanagement bietet die Voraussetzungen für systemische Herangehensweisen in einem hohen Maß aufgrund der Verortung der Grundlagen der Pflege in systemischen Perspektiven und Handlungsmustern.
Die Fokussierung der veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen (Gesetzgebung, Wertewandel, Ökonomisierung) bedarf einer Entsprechung im Management, die sich in einem theorie- und konzeptgeleiteten Anforderungsprofil äußert.
In der Gesellschaft besteht aktuell Verunsicherung und Widerstand hinsichtlich des Anteils an finanziellen Eigenleistungen und Eigeninitiative - beispielsweise in der Vorbereitung ambulanter und stationärer Eingriffe (Finanzierungszusage der Krankenkasse, Beibringen diagnostischer Vorbefunde etc.). Nach systemischem Verständnis sind diese Reaktionen Indikatoren für die politische Gestaltung enger und intensiver Koppelungen, die das Gesellschafts- und das Gesundheitssystem verbinden und ausdifferenzieren.
Bei genauer Betrachtung dieser Veränderungen und ihrer Wirkungen stehen die Berufsgruppen im Gesundheitswesen mitten in diesem Spannungsfeld, das sich aufgrund sozialhistorischer, politischer und ökonomischer Impulse anderer Systeme eröffnet. Die Arbeit möchte sich den Phänomenen, den Wirkzusammenhängen, sowie den Chancen und Risiken dieser Trends für das Pflegemanagement widmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Beschreibung der Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung der Diplomarbeit
2 Grundlagen der Systemtheorie
2.1 Entwicklungsgeschichte der Kybernetik und Systemtheorie
2.2 Grundlagen der Kybernetik und Systemtheorie
2.3 Systemtheoretischer Ansatz nach LUHMANN
2.3.1 Bezugsrahmen der Systemtheorie nach LUHMANN
2.3.2 Kommunikation und Handlung
2.3.3 Die Rolle der Gesellschaft und ihrer Funktionssysteme
2.3.4 Das Medizinsystem
2.4 Bedeutung der Systemtheorie für soziale Organisationen
3 Organisationen im Gesundheitswesen
3.1 Eigenschaften der Organisationen im Gesundheitswesen
3.2 Das Umfeld der Organisationen
3.3 Phänomene des Wandels
3.4 Einfluss auf das System der Organisationen
4 Pflege im Gesundheitswesen
4.1 Tradition und Organisation der Pflege
4.2 Das System Pflege
4.3 Die Rolle der Pflegenden im multiprofessionellen Team
4.4 Aufgaben und Kompetenzen des Managers im Gesundheitswesen
5 Kompetenzen des Managements in sozialen Systemen
5.1 Linear-kausale versus systemische Konzepte des Managements
5.2 Beziehungen im Netzwerk
5.3 Neurolinguistisches Programmieren als Basis professioneller Kommunikation
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Theorie-Praxis-Transfer zwischen systemtheoretischen Grundlagen und dem modernen Pflegemanagement abzubilden, um das Verständnis für komplexe Zusammenhänge in Gesundheitsorganisationen zu vertiefen.
- Systemtheoretische Grundlagen nach Niklas Luhmann
- Organisationsstrukturen im Gesundheitswesen und deren Umfeld
- Pflegemanagement im Kontext systemischer Anforderungen
- Methoden zur Gestaltung professioneller Kommunikation (NLP)
- Kompetenzentwicklung für Führungskräfte in sozialen Systemen
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Kommunikation und Handlung
MAX WEBER definiert soziales Handeln als einen besonderen Fall von Handeln, bestimmt durch die sozial gerichtete Intention. „Für PARSONS ist .... die Bildung sozialer Systeme analytisch ausdifferenzierter Beitrag zur Emergenz von Handlung schlechthin. Soziale Systeme beruhen demnach auf einem Typ von Handlung oder auf einem Aspet von Handlung und über Handlung kommt sozusagen das Subjekt ins System“ (LUHMANN 1984, S. 191).
LUHMANN sieht durch diese Perspektive nicht die Fülle der Aspekte von Kommunikationen und Handlungen erfasst und schreibt weiter: “Sozialität ist kein besonderer Fall von Handlung, sondern Handlung wird in sozialen Systemen über Kommunikationen und Attribution konstituiert als eine Reduktion der Komplexität, als unerlässliche Selbstsimplifikation des Systems“ (ebd., S. 192).
LUHMANN beschreibt in diesem Zusammenhang den basalen Prozess der Autopoiesie der Elemente in sozialen Systemen als determiniert von Kommunikationen und Handlungen unter Ausschluss psychologischer Bestimmungen. Diese Determinanten zu unterscheiden, anstatt sie zusammenfassend als „kommunikatives“ (= soziales) Handeln zu deklarieren, die Differenz aufrechtzuerhalten, um die Wirkung ihres Verhältnisses als „Reduktion eigener Komplexität“ zu begreifen, stellt eine elementare Aussage der Soziologie im Verständnis der Theorie sozialer Systeme bei LUHMANN dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Ausgangssituation im Gesundheitswesen, die von strukturellem Wandel, Privatisierungstendenzen und Verunsicherungen geprägt ist, und definiert das Ziel der Arbeit.
2 Grundlagen der Systemtheorie: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung der Kybernetik und führt in den systemtheoretischen Ansatz von Niklas Luhmann ein, inklusive der Analyse von Kommunikation und sozialen Funktionssystemen.
3 Organisationen im Gesundheitswesen: Hier werden die Eigenschaften und das Umfeld von Organisationen im Gesundheitswesen sowie die Phänomene des Wandels und deren Einfluss auf die Systemstrukturen untersucht.
4 Pflege im Gesundheitswesen: Dieses Kapitel beschreibt die historische Tradition der Pflege, das Pflegesystem an sich sowie die Rolle der Pflegenden und des Managements im multiprofessionellen Team.
5 Kompetenzen des Managements in sozialen Systemen: Der Fokus liegt hier auf dem Vergleich zwischen linearen und systemischen Managementkonzepten sowie der praktischen Anwendung von Kommunikationstechniken wie NLP.
6 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und evaluiert den Transfer der systemtheoretischen Ansätze in das konkrete Pflegemanagement.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Kybernetik, Pflegemanagement, Organisationen, Gesundheitswesen, Kommunikation, Autopoiesie, System-Umwelt-Differenz, Soziale Systeme, Neurolinguistisches Programmieren, Führungskompetenz, Strukturwandel, Soziale Organisation, Managementkonzepte, Professionelle Pflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Management von Organisationen im Gesundheitswesen auf Basis der Systemtheorie und beleuchtet, wie systemische Prinzipien die Steuerung professioneller Pflege unterstützen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Systemtheorie nach Luhmann, die Organisationsanalyse im Gesundheitssektor, die Professionalisierung der Pflege sowie moderne Managementansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist der Theorie-Praxis-Transfer systemtheoretischer Grundlagen auf das Pflegemanagement, um Bedingungen für eine sinnstiftende und professionelle Gestaltung in Gesundheitsorganisationen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Theorieanalyse sowie auf kybernetische Modelle zur Darstellung komplexer Wirkungszusammenhänge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systemumwelt von Organisationen, die Geschichte und Struktur der Pflege sowie konkrete Führungskompetenzen für Manager, inklusive Kommunikationstechniken wie NLP.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Systemtheorie, Pflegemanagement, Soziale Systeme, Kybernetik und Organisationswandel.
Warum spielt Kommunikation für Führungskräfte eine so wichtige Rolle?
Nach systemischem Verständnis ist Kommunikation das basale Element, durch das soziale Systeme entstehen und sich erhalten; eine professionelle Gestaltung ist daher für die Steuerung unverzichtbar.
Welchen Mehrwert bietet das NLP in diesem Kontext?
NLP bietet Werkzeuge, um innere Modelle und komplexe Kommunikationsprozesse zu strukturieren, wodurch Berater und Führungskräfte ihre Wirksamkeit in der Mitarbeiterführung verbessern können.
- Quote paper
- Susanne Englisch (Author), 2006, Systemtheorie als Grundlage für ein konzeptionelles Pflegemanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375895