In dieser Arbeit soll nach dem Versuch einer umfassenden Definition des Begriffes der „Medialisierung der Politik“ auch diese Ambivalenz politischer Medienwirkungen genauer beschrieben werden. Im Besonderen soll danach auf die Medialisierung des Wahlkampfes in Deutschland als Teilbereich der Politik eingegangen werden. Die differenzierte Sichtweise auf die politische Medialisierung im Allgemeinen soll dabei später die Definierung möglicher Folgen der Medialisierung des Wahlkampfes ermöglichen. So sprechen Blumler und Gurevitch beispielsweise von „immer unappetitlicher geführten politischen Kampagnen, einer Reduzierung von Argumenten auf Slogans und Schmähungen und einer übertriebenen Personalisierung und Dramatisierung im politischen Journalismus. Ob dies die einzige Folge politischer Medienwirkungen auf den Wahlkampf ist, oder diese auch positive Auswirkungen haben, soll in Punkt dieser Arbeit untersucht werden. Wagner sieht in der zunehmenden Medialisierung des Wahlkampfes die Suche von Parteien nach neuen Wegen, um vom Wähler wahrgenommen zu werde. In diesem Zusammenhang wird auch von einem amerikanischen oder amerikanisierten Wahlkampf in Deutschland gesprochen, welcher von Wagner genauer untersucht wurde und in dieser Arbeit auch in Kapitel. weiter erläutert wird. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf eine mögliche Weiterentwicklung des politischen Medienwirkungsprozesses, insbesondere der Wahlkampfführung in Deutschland, gegeben.
Nach Pfetsch und Marcinkowski ist im1. Jahrhundert jede Demokratie auch automatisch eine Mediendemokratie. Denn Medieneinflüsse auf die Politik „werden allgemein als selbstverständlich unterstellt. In einer Zeit der partizipativen Medien und gesteigertem Medieninteresse der Rezipienten gewinnen die Massenmedien immer mehr Bedeutung für die Demokratie und die Politik. Im Zusammenhang mit diesem Einfluss der Medien auf die Politik wird auch von einer „Medialisierung der Politik“ gesproche. Trotz einer Uneinigkeit in der Wissenschaft über die Definition dieses Begriffes, gibt es sowohl optimistische, als auch pessimistische Annahmen zum politischen Medieneinfluss. Nach Schulz gibt es auf der einen Seite Befürchtungen problematischer Folgen der Einflussnahme, auf der anderen Seite Erwartungen und Forderungen politischer Einflussnahme durch die Medien. Medien in diesem Gewand seien „ein wesentlicher Aspekt der Demokratietheorie
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der politischen Medialisierung
3. Die Anzeichen einer Medialisierung des Wahlkampfes
4. Folgen der Medialisierung des Wahlkampfes
4.1. Folgen für die Wahlkampfführung
4.2. Folgen für das Wählerverhalten
4.3. Amerikanisierung des Wahlkampfes
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Medialisierung des Wahlkampfes in Deutschland, wobei der Fokus auf den Anzeichen dieser Entwicklung sowie ihren Auswirkungen auf die Wahlkampfführung und das Wählerverhalten liegt. Zentrale Forschungsfrage ist dabei die Ambivalenz des Medieneinflusses und die Klärung, ob deutsche Wahlkämpfe eine fortschreitende Amerikanisierung erfahren oder lediglich einen allgemeinen Modernisierungsprozess durchlaufen.
- Definition und theoretische Einordnung der politischen Medialisierung
- Empirische Anzeichen der Medialisierung in modernen Wahlkampagnen
- Differenzierte Analyse der Folgen für Parteien und Wähler
- Diskussion der Amerikanisierungs- versus Modernisierungsthese
Auszug aus dem Buch
3. Anzeichen einer Medialisierung des Wahlkampfes
Winfried Schulz (2006) definiert die Medialisierung des Wahlkampfes als „solche Veränderungen, die aus Interpendenzen zwischen Medien und Wahlkampagnen resultieren, insbesondere zwischen dem Medienwandel und dem Wandel der Wahlkampfführung“15. Er stellt vier Veränderungen der Kampagnen im Prozess der Medialisierung fest:
• Die Erweiterung der raum-zeitlichen Grenzen der Wahlkampfführung,
• die Substitution der nicht-medialen Kampagnenakitivitäten durch den Medienwahlkampf,
• die Integration spezifischer Medienfunktionen und Medienformate in die Kampagnenorganisation durch Verschmelzung medialer und nicht-medialer Aktivitäten
• und die Anpassung der Wahlkampfführung an die Medienlogik, „insbesondere an die Aufmerksamkeitsregeln und Darstellungsformate des Fernsehens“16.
Diese Veränderungen seien trotz der Möglichkeit dieser Unterscheidung aber alle miteinander verbunden17.
Die Erweiterung der raum-zeitlichen Grenzen der Wahlkampfführung wurde zum ersten Mal bei der flächendeckenden Verbreitung des Radios in den USA durch die empirischen Daten der Erie-County-Studie (Lazarsfeld, Berelson und Gaudet 1944) verdeutlicht. Das Radio wurde zu der Zeit für die Wähler zur wichtigsten Informationsquelle, da der Wahlkampf im Radio den Hörern das Gefühl gab, selbst dabei zu sein, und den Wahlkampf dramatischer erscheinen ließ, als in der Presse18. Das Fernsehen steigerte diese Wahrnehmung bei den Wählern und löste somit das Radio als Leitmedium ab19. Nach Einführung des Internets wurde erneut die Reichweite der Kampagnen gesteigert, auf, theoretisch, ein „globales Auditorium“20. Das Internet spielt hier besonders für die Individualisierung der Wahlkampagnen eine große Rolle, da es zum einen den einzelnen Kandidaten eine Darstellung der eigenen Persönlichkeit in beispielsweise sozialen Netzwerken ermöglicht, zum anderen den Wählern die Möglichkeit gibt, sich nach eigenen Präferenzen selbstständig über Partei und Kandidaten zu informieren21.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext der Mediendemokratie und benennt die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Definition der politischen Medialisierung: Dieses Kapitel erörtert verschiedene wissenschaftliche Definitionen und beleuchtet die Ambivalenz zwischen optimistischen und pessimistischen Annahmen über den Medieneinfluss.
3. Die Anzeichen einer Medialisierung des Wahlkampfes: Hier werden vier zentrale Indikatoren für den Medialisierungsprozess nach Winfried Schulz vorgestellt und ihre historische Entwicklung durch Radio, Fernsehen und Internet erläutert.
4. Folgen der Medialisierung des Wahlkampfes: Dieses Kapitel analysiert sowohl die Auswirkungen auf die strategische Gestaltung von Wahlkampagnen als auch die Konsequenzen für die Wahrnehmung und das Verhalten der Wählerschaft.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass langfristige empirische Daten fehlen, während zugleich ein Trend zur Nüchternheit in der politischen Kommunikation prognostiziert wird.
Schlüsselwörter
Medialisierung, Wahlkampf, Mediendemokratie, Politikvermittlung, Amerikanisierung, Wahlkampfführung, Wählerverhalten, Medienlogik, Politikverdrossenheit, Agenda-Setting, Modernisierung, Massenmedien, Personalisierung, Kampagnenmanagement, Politische Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich der Medieneinfluss auf politische Wahlkämpfe in Deutschland auswirkt und welche Veränderungen sich daraus für Akteure und Wähler ergeben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Medialisierung, den messbaren Anzeichen in Kampagnen, den Auswirkungen auf das politische System und der Debatte um die Amerikanisierung deutscher Wahlkämpfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Medialisierung des Wahlkampfes differenziert zu beschreiben und zu klären, ob die mit ihr einhergehenden Veränderungen eher als positiv oder negativ zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der existierende Konzepte, empirische Studien und Theorien führender Kommunikationswissenschaftler zusammengeführt und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert betrachtet?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen vertieft, die vier Hauptmerkmale der Medialisierung anhand technischer Medienentwicklungen beleuchtet und die Konsequenzen für Parteien sowie Wähler differenziert aufgeschlüsselt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Medialisierung, Medienlogik, Amerikanisierung, Wahlkampfführung und die Interdependenz zwischen Medien und Politik.
Was besagt die Amerikanisierungsthese im Kontext deutscher Wahlkämpfe?
Die These geht davon aus, dass deutsche Parteien zunehmend amerikanische Kommunikations- und Wahlkampfstile übernehmen. Die Arbeit stellt jedoch fest, dass deutsche Parteien eher zurückhaltend agieren und von einer echten Amerikanisierung nicht gesprochen werden kann.
Warum fehlt laut Autor häufig eine eindeutige Bewertung der Medialisierung?
Es fehlen oft langfristige empirische Daten. Zudem ist der Einfluss der Medien ambivalent: Er kann sowohl zu mehr Information und Aktivierung führen als auch zur Trivialisierung und Entsachlichung der Politik beitragen.
Welche Rolle spielen moderne Kommunikationsmittel wie das Internet?
Das Internet wird als Katalysator für die Individualisierung von Wahlkämpfen beschrieben, da es Kandidaten direkte Selbstdarstellung ermöglicht und Wählern einen selbstständigen Informationszugang bietet.
- Arbeit zitieren
- Marie Lechtenberg (Autor:in), 2014, Die Anzeichen und Folgen der Medialisierung des Wahlkampfes in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375924