Die vorliegende Hausarbeit versucht, das ‚Wesen‘ der umstrittenen Epoche „Barock“ zu ergründen und basiert auf dem Artikel „Barock oder Manierismus?“ von Horst Hartmann, der in dem Sammelband „Der literarische Barockbegriff“, herausgegeben von Wilfried Barner 1975, erschienen ist. Der Autor untersucht in seinem Aufsatz die Eignung kunsthistorischer Termini für die Kennzeichnung der Literatur des 17. Jahrhunderts, auch nachdem bereits Bedenken gegen die Begrifflichkeiten vorgebracht worden sind.
Zunächst sollen kurz die literaturgeschichtlichen und sozialen Hintergründe des „Barock“-Zeitalters mit den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und der verrufenen deutschsprachigen Literatur umrissen werden, bevor dargelegt wird, was unter dem Terminus verstanden wird. Daraufhin werden die Thesen Hartmanns bezüglich des „Barock“- und weiterhin auch bezüglich des „Manierismus“-Begriffs aus seiner oben genannten Abhandlung wiedergegeben und erläutert. Kontrastierend dazu wird anschließend Andreas Gryphius‘ Biographie und eines seiner bekanntesten Werke – „es ist alles eitel“ – vorgestellt und in einem weiteren Schritt auf den „Barock“-Begriff angewendet. Die Arbeit schließt letztlich mit einem Fazit ab, in dem die wichtigsten Punkte der Arbeit prägnant resümiert und anschließend mein eigener Standpunkt zur Verwendung des Terminus „Barock“ dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturgeschichtliche und soziale Zusammenhänge
3. Barock oder Manierismus?
3.1. Der Begriff „Barock“
3.2. Thesen Horst Hartmanns
3.3. Der Begriff „Manierismus“
3.4. ‚Manierismus‘ statt Barock?
4. Andreas Gryphius
4.1. Biographie
4.2. „Es ist alles eitel“
4.3. Zuordnung zum „Barock“
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die Eignung kunsthistorischer Begrifflichkeiten wie „Barock“ und „Manierismus“ zur Charakterisierung der deutschsprachigen Literatur des 17. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Thesen von Horst Hartmann.
- Historischer Kontext und soziale Einflüsse des 17. Jahrhunderts
- Kritische Analyse des literarischen Epochenbegriffs „Barock“
- Vergleich und Einordnung des „Manierismus“-Begriffs
- Biographische und werkanalytische Untersuchung von Andreas Gryphius
- Interpretation des Sonetts „Es ist alles eitel“ als Musterbeispiel
Auszug aus dem Buch
4.2. „Es ist alles eitel“
„Andreas Gryphius fand gegenüber dem opitzianischen Klassizismus zu einem neuen Ton, der […] auf einem bisher in deutscher Lyrik unerhörten Pathos der Rede [beruht], das sich das ganze affekterregende Repertoire der Rhetorik zunutze macht.“ (Meid 2008, S. 100) Obwohl unzählige religiöse Dichtungen im 17. Jahrhundert entstanden sind, sticht Gryphius mit seiner rhetorischen Intensität und Dynamik hervor.
Gryphius befolgte die Opitz’sche Metrik und Poetik sehr genau und beabsichtigte eine Intensivierung des Rhetorischen, weshalb er spätere Auflagen seiner Werke häufig abänderte. Große lyrische Themen wie Liebe oder Natur thematisierte er in seinen Gedichten kaum, vielmehr interessierte er sich für Vergänglichkeit des Lebens sowie die menschliche Sündhaftigkeit. Seine Dichtung beschäftigt sich immerzu mit der Situation der Menschen und klingt nicht ermutigend. Der Mensch lebt in einer Welt, die angesehen wird als Schauplatz eines Krieges zwischen dem Bösen, „vertreten durch alles, was Menschen gewöhnlich schätzen: Ruhm, Reichtum, Macht, Frauen“ und dem Guten, das „allein im beständigen Glauben an Gottes Verheißung [beruht].“ (Browning 1980, S. 92f.) Gryphius stellt in seinen Texten das Problem der Menschheit dar, in einer Welt, die geprägt ist vom trügerischen Schein, den Glauben an Gott zu bewahren. In seiner Lyrik möchte er auf die Nichtigkeit irdischer Prachtentfaltung aufmerksam machen und so den Leser bekehren. „Kurzum, Gryphius ist in erster Linie ein Prediger.“ (ebd., S. 93)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Epochenbegriffs „Barock“ ein und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit, die sich auf die Thesen von Horst Hartmann stützt.
2. Literaturgeschichtliche und soziale Zusammenhänge: Das Kapitel erläutert die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen des 17. Jahrhunderts, insbesondere die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges.
3. Barock oder Manierismus?: Hier werden die Definitionen und die kontroversen wissenschaftlichen Diskurse um die Begriffe „Barock“ und „Manierismus“ kritisch hinterfragt.
3.1. Der Begriff „Barock“: Eine Darstellung der Entstehung des Begriffs in der Kunstgeschichte und seiner Übertragung auf die Literaturwissenschaft.
3.2. Thesen Horst Hartmanns: Dieses Kapitel präsentiert die Argumente von Horst Hartmann, der die Eignung des „Barock“-Begriffs für die Literatur des 17. Jahrhunderts entschieden ablehnt.
3.3. Der Begriff „Manierismus“: Eine kurze Erläuterung der Bedeutung und stilistischen Bewertung des „Manierismus“-Begriffs in der Literaturgeschichte.
3.4. ‚Manierismus‘ statt Barock?: Eine Analyse, warum auch der Begriff „Manierismus“ als Ersatz für „Barock“ in der Literaturwissenschaft kritisch zu bewerten ist.
4. Andreas Gryphius: Ein biografischer Abriss über das Leben von Andreas Gryphius, der als einer der bedeutendsten Dichter dieser Zeit gilt.
4.1. Biographie: Detaillierte Darstellung des schulischen und persönlichen Lebenswegs des Dichters sowie dessen Aufstieg.
4.2. „Es ist alles eitel“: Eine werkanalytische Untersuchung des berühmten Sonetts unter Berücksichtigung der Rhetorik und Thematik.
4.3. Zuordnung zum „Barock“: Eine Einordnung des Sonetts in den Kontext der normativen Poetik und des Weltbildes der Zeit.
5. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Autorin ihre eigene Ablehnung eines universellen Epochenbegriffs für die Literatur des 17. Jahrhunderts darlegt.
6. Literaturverzeichnis: Eine Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Barock, Manierismus, Andreas Gryphius, Es ist alles eitel, Literaturgeschichte, 17. Jahrhundert, Dreißigjähriger Krieg, Epochenbegriff, Rhetorik, Vanitas, Lyrik, Sprachgesellschaften, Humanismus, Vergänglichkeit, Geistliche Dichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, ob kunsthistorische Begriffe wie „Barock“ oder „Manierismus“ geeignet sind, die deutschsprachige Literatur des 17. Jahrhunderts treffend zu kennzeichnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung mit Epochenbegriffen, die soziokulturelle Situation des 17. Jahrhunderts sowie die Analyse eines bedeutenden literarischen Werks von Andreas Gryphius.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die Auseinandersetzung mit den Thesen von Horst Hartmann und einer praktischen Werkanalyse zu prüfen, ob der „Barock“-Begriff als Epochenbezeichnung für die Literatur haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, die auf Fachliteratur basiert, sowie eine hermeneutische Interpretation des Sonetts „Es ist alles eitel“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung historischer Hintergründe, eine theoretische Diskussion der Epochenbezeichnungen und eine biographische sowie werkanalytische Untersuchung von Andreas Gryphius.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Barock, Manierismus, Andreas Gryphius, Vanitas, 17. Jahrhundert und literarischer Epochenbegriff.
Warum wird Andreas Gryphius als Beispiel herangezogen?
Er gilt als einer der wichtigsten und bekanntesten Dichter der Zeit, dessen Werk „Es ist alles eitel“ als Musterbeispiel für die zeitgenössische Stilistik und den Vanitas-Gedanken dient.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin im Fazit?
Die Autorin lehnt sowohl „Barock“ als auch „Manierismus“ als allgemeine Epochenbezeichnung für die Literatur ab, erkennt jedoch die Relevanz der Begriffe innerhalb der Architektur und für spezifische rhetorische Merkmale an.
- Arbeit zitieren
- Franziska Feis (Autor:in), 2017, Barock oder Manierismus? Eignen sich kunsthistorische Termini für die Kennzeichnung des 17. Jahrhunderts?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375936