In dieser Ausarbeitung des Referates zum Thema „Wenderoman“ werden die Kontraste zwischen den beiden Romanen "Als wir träumten" des Leipziger Autors Clemens Meyer und Sven Regeners "Herr Lehmann", deren Handlungen in die historische Wende- bzw. Nachwendezeit fallen, untersucht.
Aufgrund der großen Unterschiede, die beide Werke vorzuweisen haben, fiel die Wahl auf diese beiden Romane. Sie sollen speziell als Beispiele für den Vorwenderoman aus westdeutscher Perspektive und den Nachwenderoman aus ostdeutscher Sicht dienen. Dabei sollen vor allem die Kriterien herausgearbeitet werden, die eine Einordnung in die verschwommene Genrebezeichnung „Wenderoman“ zulässig machen oder eben jene, welche gegen eine genaue Zuteilung zu dieser Gattung sprechen. Hierfür werden die grundliegenden Unterschiede in der perspektivischen und narrativen Darstellung beider Romane dargestellt. Der Schwerpunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit liegt hierbei darauf eine Schnittmenge von Übereinstimmungen im Kontext des Genres „Wenderoman“ herauszuarbeiten. Um diese Kriterien offenlegen zu können, beschäftigt sich der erste Teil dieser Arbeit mit der Frage, was einen „Wenderoman“ ausmacht und die Bedeutung jener Gattung für das deutsche Feuilleton in den letzten Jahrzehnten. In der Folge werden beide Werke und deren Verfasser vorgestellt. An diesem Punkt sollen vor allem die Unterschiede im Erzählstil und der historischen Perspektive aufgezeigt werden. Weiterführend werden im letzten Teil der Ausarbeitung die gemeinsamen Merkmale beider Romane, die für die Zuordnung zum Genre „Wenderoman“ sprechen, benannt. In der Schlussbetrachtung wird die vorangestellte Frage beantwortet, ob es sich bei den beiden Texten um Wendeliteratur handelt, und wenn ja, wieso.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wenderoman – eine Definition
2.1 Konsens und Diskussion im Feuilleton
2.2 Das ausschlaggebende Merkmal
3. Exkurs: Die beiden Autoren
3.1 Sven Regener
3.2 Clemens Meyer
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Werke
4.1 Inhaltlicher Überblick über beide Werke
4.2 Perspektivische und narrative Darstellung
Zeit und Raum
Erzählperspektive
4.3 Merkmale eines Wenderomans
5. Schlusskapitel – Ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Ausarbeitung untersucht die Kontraste zwischen den Romanen „Als wir träumten“ von Clemens Meyer und „Herr Lehmann“ von Sven Regener, um zu klären, inwieweit diese Werke als „Wenderomane“ kategorisiert werden können und welche Kriterien dabei eine Rolle spielen.
- Analyse der Genrebezeichnung „Wenderoman“ im deutschsprachigen Feuilleton.
- Kontrastive Betrachtung von west- und ostdeutscher Perspektive auf die Wendezeit.
- Untersuchung der narrativen Strukturen und Erzählperspektiven beider Romane.
- Identifikation gemeinsamer Merkmale trotz unterschiedlicher literarischer Ansätze.
Auszug aus dem Buch
Erzählperspektive
Nach Gerard Genette lässt sich die Art, mit der ein fiktionaler Erzähler spricht, in drei Kategorien unterordnen. In der heterodiegetischen Erzählung spricht ein nicht in die Geschichte eingebundener Erzähler in der dritten Person von Erlebnissen anderer. Von der homodiegetischen Erzählung spricht man hingegen, wenn der Erzähler auch Teil der Geschichte ist. Ist der Erzähler nicht nur Teil der Geschehnisse, sondern es ist seine eigene Geschichte (in der er selbst Hauptprotagonist ist), spricht man laut Genette vom autodiegetischen Erzähler.
Die sogenannte Fokalisierung teilt Genette in drei verschiedene Klassen ein: Bei der Nullfokalisierung übersteigt das Wissen des Erzählers das der anderen Figuren. Im Falle der internen Fokalisierung weiß er dasselbe wie eine der Figuren (in der Regel die eigene, also die des Erzählers) und bei externer Fokalisierung weniger als alle anderen Protagonisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik des Wenderomans ein und stellt die beiden zu untersuchenden Romane sowie die methodische Vorgehensweise vor.
2. Wenderoman – eine Definition: Dieses Kapitel beleuchtet die literaturkritische Debatte um den Begriff „Wenderoman“ und diskutiert notwendige Merkmale für diese Genrebezeichnung.
3. Exkurs: Die beiden Autoren: Hier werden die Biographien von Sven Regener und Clemens Meyer kurz vorgestellt und auf ihre autobiographischen Einflüsse in den Werken eingegangen.
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Werke: Das Kapitel bietet einen inhaltlichen Überblick, vergleicht narrative Strukturen sowie Zeit und Raum und analysiert die Kriterien für eine Einordnung als Wendeliteratur.
5. Schlusskapitel – Ein Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Frage, ob die Texte als Wendeliteratur einzustufen sind, wobei die schwierige Definition des Genres betont wird.
Schlüsselwörter
Wenderoman, Wendeliteratur, Sven Regener, Clemens Meyer, Herr Lehmann, Als wir träumten, deutsche Einheit, Feuilleton, Erzähltheorie, Genette, Fokalisierung, Ostalgie, West-Berlin, Leipzig, Literaturkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Romane „Herr Lehmann“ und „Als wir träumten“ im Kontext der literarischen Aufarbeitung der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Definitionsversuche des „Wenderomans“, die literarische Darstellung der Wendezeit aus ost- und westdeutscher Sicht sowie formale Aspekte wie Erzählperspektive und Milieudarstellung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Kriterien ein Werk erfüllen muss, um als „Wenderoman“ zu gelten, und ob die beiden untersuchten Romane diesem Genre zugeordnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, wobei insbesondere erzähltheoretische Ansätze nach Gerard Genette herangezogen werden, um die narrative Struktur der Texte zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Wenderomans, einem biographischen Exkurs zu den Autoren, einem inhaltlichen Vergleich der Romane sowie der detaillierten Analyse der erzählerischen Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Ausarbeitung am besten?
Die zentralen Begriffe sind Wenderoman, Erzählperspektive, deutsche Einheit, Literaturkritik und die beiden besprochenen Autoren Regener und Meyer.
Warum wurden gerade diese beiden Romane für den Vergleich ausgewählt?
Die Wahl fiel auf diese Werke, da sie als gegensätzliche Beispiele dienen: „Herr Lehmann“ repräsentiert die westdeutsche Vorwende-Perspektive, während „Als wir träumten“ die ostdeutsche Nachwende-Sicht widerspiegelt.
Inwiefern spielt die „Ostalgie“ eine Rolle in der Analyse?
Der Begriff wird als atmosphärischer Faktor diskutiert, der vielen Texten zur Nachwendezeit einen melancholischen Stempel aufdrückt, auch wenn er kein bewusstes formales Kriterium darstellt.
Welche Rolle spielt die „Fokalisierung“ bei der Untersuchung der Romane?
Die Fokalisierung dient als methodisches Werkzeug, um zu zeigen, dass „Herr Lehmann“ eine heterodiegetische Erzählung mit Nullfokalisierung ist, während „Als wir träumten“ intern fokussiert aus der Ich-Perspektive erzählt wird.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Klassifizierung als Wenderoman?
Der Autor schließt, dass beide Werke trotz ihrer Unterschiede die Kriterien für Wendeliteratur erfüllen, betont jedoch, dass die Diskussion über eine exakte Zuteilung zum Genre „Wenderoman“ aufgrund fehlender Konsensbildung offen bleibt.
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- Jannis Holl (Author), 2016, Die Kontraste zwischen den beiden Romanen "Als wir träumten" und "Herr Lehmann" von Meyer und Regeners, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375950