Entsorgungslogistik


Hausarbeit, 2005

34 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Geschichtliche Entwicklung
1.2 Entsorgungssituation in Unternehmen
1.3 Entsorgungssituation in privaten Haushalten

2. Entsorgungslogistik
2.1 Definition
2.2 Aufgaben der Entsorgungslogistik
2.2.1 Entstehung von Reststoffen
2.2.2 Sammlung und Trennung
2.2.3 Transport
2.2.4 Förderung
2.2.5 Umschlag
2.2.6 Lagerung
2.2.7 Zusammenfassung

3. Abfallwirtschaft
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Abfallentstehung in Wirtschaftsunternehmen
3.3 Abfallentstehung in privaten Haushalten
3.4 Nachhaltige Abfallpolitik
3.4.1 Zielhierarchie der Abfallwirtschaft
3.5 Verwertungsquoten
3.6 Besondere Regelungen zu einzelnen Produkten
3.6.1 Einweg-Getränkeverpackungen
3.6.2 Altautos
3.6.3 Elektro- und Elektronikgeräte

4. Entsorgung
4.1 Das Duale Abfallwirtschaftssystem
4.2 Recycling
4.2.1 Recycling am Beispiel von EPS (Styropor©)

5. Ausblick und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Geschichtliche Entwicklung

Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre wurde die Wirtschaft erst durch ein sehr großes Wachstum, mit einem sich ständig verschärfenden internationalen Wettbewerb und dann durch eine starke Rezession geprägt. Dies führte zu einer bis dahin noch nicht dagewesenen Dynamik der Wirtschaft mit extremen Veränderungen in allen Bereichen. Die Unternehmen versuchten sich diesen großen Veränderungen durch Entwicklung neuer und effektiverer Managementkonzepte, wie z.B. „Just in Time“ oder „Make or Buy“, anzupassen. Dabei vernachlässigten jedoch die meisten Unternehmen einen wesentlichen Aspekt – den des Umweltschutzes.

Bis Mitte der achtziger Jahre herrschte sogar eine totale Irrelevanz im Bezug auf den Umweltschutz. Umweltschutzrelevante Ansätze waren nicht existent. Ein Beispiel dafür wäre die Entsorgung von Abfall auf völlig ungeeigneten Deponieren oder die Ableitung des unbehandelten Abwassers in Flüsse oder Gewässer. Die Auswirkungen davon sind teilweise heute noch spürbar, z.B. bei der Schwermetallbelastung des Rheins.

Diese Haltung änderte sich ab Ende der achtziger bis Mitte der neunziger Jahre (die Zeit der extremen Veränderungen in der Wirtschaft), wo sich aus der Irrelevanz eine Akzeptanz entwickelte. Allerdings war zu dieser Zeit das Verhalten der meisten Unternehmen noch defensiv und abwartend. Nur partiell wurden Umweltschutzaspekte berücksichtigt.

Zum Ende der neunziger Jahre änderte sich dies jedoch grundlegend. Durch die steigende Umweltsensibilisierung der Bevölkerung und die Knappheit natürlicher Ressourcen wurde aus der Akzeptanz des Umweltschutzes eine Dominanz. Unternehmen begannen die Entsorgung von betrieblichem Abfall offensiv nach Umweltschutzaspekten vorzunehmen [6, Seite 2f.].

Mittlerweile haben viele, vor allem große Unternehmen den Schutz der Umwelt als wichtiges Ziel in der Unternehmenszielhierarchie festgelegt. Kleine und mittlere Unternehmen sind davon jedoch teilweise noch weit entfernt.

Manche große Unternehmen sind sogar so weit gegangen, den Umweltschutz und die Wirtschaftlichkeit als gleichrangiges Ziel zu nennen. Allerdings herrscht meist eine große Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis.

Die positiven Marketingaspekte des Umweltschutzes sind für die Unternehmen von hoher Wichtigkeit. Werden Umweltverstöße öffentlich, verliert ein Unternehmen nachweislich an Glaubwürdigkeit (Stichwort: „Shell-Ölplattform“) und riskiert so seinen dauerhaften Fortbestand. Es zeigt sich, dass sie nur dann eine langfristige Sicherung ihrer Produktion gewährleisten können, wenn sie eine gesicherte, rechtlich einwandfreie und kostenoptimale Entsorgung durchführen. Bereits heute lässt sich feststellen, dass die Sicherung der Entsorgung für Wirtschaftsunternehmen eine zukunftsorientierte Aufgabe von zentraler Bedeutung ist [6, Seite 3f.; 7, Seite 2ff.].

1.2 Entsorgungssituation in Unternehmen

Die positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre in der Bundesrepublik Deutschland führte zu einem hohen Lebensstandard, sowie zu einem wachsendem Konsumbedürfnis der Gesellschaft.

Aufgrund dieses Prozesses sind im gleichen Zeitraum die zu entsorgenden Abfallmengen privater, öffentlicher und industrieller Erzeuger drastisch angestiegen. Außerdem ist zu beobachten, dass durch neuartige Produktionsverfahren und spezielle Werkstoffe das Risiko- und Gefahrenpotential der zu entsorgenden Güter ebenfalls kontinuierlich zugenommen hat.

Der Zunahme der Abfallmengen und ihrer Gefährdungspotentiale stehen in der Entsorgung ein unverhältnismäßig großer Nachholbedarf für die Entwicklung, Beschaffung und Sicherung der Entsorgungswege gegenüber. Die heutige Situation der Entsorgung kann anhand der folgenden Beispiele exemplarisch dargestellt werden:

- Der vorhandene Deponie- und Haldenraum in der Bundesrepublik Deutschland ist derart begrenzt, dass in einigen Regionen bereits die Maximalkapazität erreicht bzw. überschritten wurde.
- Die Kapazitäten der 48 Großverbrennungsanlagen sind ebenfalls begrenzt. Die meisten Anlagen müssen ständig (d.h. im 24-Stunden-Betrieb) über alle Linien gefahren werden, um die angelieferten Abfallmengen bewältigen zu können. Nach Abschluss des Verbrennungsprozesses verbleiben teils hoch schadstoffreiche Rückstände in den Anlagen.
- Die Entsorgungskosten steigen kontinuierlich an. Dies kann unter anderem auf die mengenmäßige Erhöhung von Spezialabfällen und Gefahrstoffen zurückgeführt werden.
- Für die Entsorgung geeignete technische Geräte und Hilfsmittel sind noch nicht ausreichend automatisiert. Hier besteht die Möglichkeit durch zunehmende Automatisierung den steigenden Entsorgungskosten entgegenzuwirken.

Der Schwerpunkt der heutigen und zukünftigen Entsorgung und der damit verbundenen Aufgaben der Entsorgungslogistik liegt also eindeutig in der Vermeidung und Entsorgung von betrieblichen, bzw. privaten Abfällen der Wirtschaftsunternehmen bzw. der privaten Haushalte [8, Seite 14ff.].

1.3 Entsorgungssituation in privaten Haushalten

Ein großer Teil der Haushaltsabfälle wird heutzutage noch immer auf Deponien abgelagert. Da die Kapazität der circa 7.500 Deponiestandorte in der Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Haushaltsabfälle eng begrenzt ist, müssen Alternativwege der Entsorgung bestritten werden. Auch der Druck auf die politischen Kräfte, besonders seit der Regierungsbeteiligung der Partei Bündnis 90/Die Grünen, wächst stetig. Ein gestiegenes Umweltbewusstsein der Bevölkerung verleitet außerdem auch den Handel und die Industrie dazu, mehr Verantwortung für der Vermeidung und Verminderung von Haushaltsabfällen zu übernehmen. Die Einführung des Dualen Abfallwirtschaftssystems, auf das später noch eingegangen wird, erzwingt dauerhaft eine verstärkte Wertstoffrückgewinnung aus den privaten Haushalten [8, Seite 20; 4, Seite 1f.].

2. Entsorgungslogistik

2.1 Definition

Der Begriff „Entsorgungslogistik“ geht auf eine Zusammenführung der Begriffe „(Abfall-) Entsorgung“ und Logistik zurück.

Daher ist es sinnvoll, zuerst beide Begriffe getrennt zu untersuchen:

- (Abfall-) Entsorgung:

Seit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes (1996) Oberbegriff für Abfallverwertung und Abfallbeseitigung.

Im Gegensatz zum früheren Abfallrecht werden auch Rest- oder Wertstoffe, wie ungebrauchte Produktionsreste oder recyclingfähiges Altpapier, vom Abfallbegriff erfasst. Die Abfallentsorgung schließt alle Maßnahmen und technischen Verfahren bis zur Verwertung oder Beseitigung einer Sache ein. Vorrangig sollen Abfälle ohne weitere Prioritätensetzung stofflich oder energetisch verwertet werden. Die Beseitigung wird auf das unvermeidliche Maß reduziert. Die Grenzen zwischen energetischer Verwertung und thermischer Behandlung (Beseitigung) sind fließend. Auf die Abfallwirtschaft wird später noch genauer eingegangen [2, §2 Absatz 1-5].

- Logistik:

Mit Logistik bezeichnet man den zeit- und raumbezogenen Sachgüterfluss oder die Versorgung der verschiedenen Wirtschaftseinheiten eines Unternehmens mit Sachgütern. Gleichzeitig sollen alle Mengen-, Termin- und Ortsprobleme in der Verknüpfung zwischen Einkauf und Vertrieb gelöst werden [5, Seite 247].

Aus der Definition für Logistik wird die starke Fokussierung der Logistik auf Versorgungsprozesse deutlich. Genau dies soll durch die Entsorgungslogistik geändert werden: Durch die Kombination der Prozesse Entsorgung und Logistik wird diese Fokussierung aufgebrochen und quasi umgekehrt.

Zur Definition für Entsorgungslogistik gibt es verschiedene Ansätze, die sich jeweils jedoch nur in ihrem inhaltlichen Schwerpunkt unterscheiden. Zum einen kann man Entsorgungslogistik objektorientiert, zum anderen aber auch flussrichtungsorientiert definieren. Des weiteren gibt es Definitionen, die Aspekte beider Schwerpunkte besitzen.

Exemplarisch für die vielen verschiedenen Definitionen wird hier jeweils nur eine Variante zu jedem inhaltlichen Schwerpunkt vorgestellt:

- Objektorientiert:

„Entsorgungslogistik befasst sich mit der Sammlung, dem Transport, Umschlag und der Lagerung aller in den Industriebetrieben, im Handel bzw. auf dem privaten Sektor anfallenden Abfall-, Rest-, und Schadstoffe. Das Gestaltungsfeld der Entsorgungslogistik ist die Beseitigung der bereits angefallenen Abfälle mit der Zielvorgabe zu einer Wieder- bzw. Weiterverwertung zu kommen“ [8, Seite 21].

- Flussrichtungsorientiert:

„Entsorgungslogistik umfasst alle Prozesse der ganzheitlichen Planung, Steuerung, Optimierung und Kontrolle des kosteneffektiven und sicheren Abfallflusses von seinem Entstehungspunkt zu einer erneuten Verwendung oder Verwertung bzw. zur endgültigen Beseitigung. Sie schließt die Erhebung und Verarbeitung aller mit dieser Aufgabe verbundenen Informationen sowie die Integration aller damit verbundenen Schnittstellen ein“ [17, Seite 157].

- Sonstige:

Entsorgungslogistik umfasst „die konsequente Anwendung der Methoden der Logistik [...] im Bereich der Entsorgungslogistik“ [17, Seite 158].

Abschließend und vereinfacht kann man sagen, dass Entsorgungslogistik als ein Teilgebiet des Gesamtsystems der Logistik angesehen werden kann und ein weit gefächertes Spektrum umfasst. Dieses Spektrum kann durch engere Definitionen eingegrenzt werden. Zum Beispiel zählen manche Definitionen zur Entsorgungslogistik nur die Entsorgung, d.h. die Deponierung, Verbrennung oder Kompostierung der Objekte, nicht aber deren Wiederverwertung [17, Seite 159].

Der wichtigste Aspekt im Rahmen der Entsorgungslogistik ist aber der primäre Umgang mit Abfallstoffen jeder Art und Qualität und deren Rückführung in den Wirtschaftskreislauf unter Vermeidung von Umweltschäden.

2.2 Aufgaben der Entsorgungslogistik

Die Entsorgungslogistik befasst sich mit der Sammlung und Trennung, dem Transport, dem Umschlag und der Lagerung aller in den Industriebetrieben, im Handel bzw. auf dem privaten Sektor anfallenden Abfall-, Rest- und Schadstoffe.

Da Sammlung, Transport, Umschlag und Lagerung der Stoffe von deren Art und Entstehung abhängen, ist es sinnvoll, zuerst die Entstehung von Reststoffen genauer zu untersuchen.

2.2.1 Entstehung von Reststoffen

Für die weitere Gestaltung des Entsorgungssystems ist eine Analyse der Reststoffentstehung erforderlich, um unerwünschte Vermischungen von Restoffen bereits am Entstehungsort zu vermeiden. Reststoffe fallen normalerweise hauptsächlich in der Produktion an, wo sie der betrieblichen Entsorgung übergeben werden. Typische Beispiele für Reststoffe in der Produktion wären Holz- oder Metallspäne, aber auch Ausschussware oder nicht verwendbare Rohstoffe. Eine weitere Reststoffquelle wäre z.B. der Bergbau, wo der Einsatz modernster Technik dazu geführt hat, dass selbst Vorkommen mit sehr niedrigen Rohstoffgehalten noch abgebaut werden. Die resultierende Reststoffmenge wird dadurch immer größer [8, Seite 32ff.].

Bereits bei der Entstehung in der Produktion muss eine Identifikation der Reststoffe erfolgen. Grundsätzlich lassen sich bei der Entstehung drei Reststoffkategorien unterscheiden:

1. Der Reststoff besteht aus nur einer Stoffkomponente.
2. Mehrere Komponenten sind vermischt. Die Namensgebung bezieht sich auf die Bezeichnung der mengenmäßig bedeutsamsten Komponente oder auf die gefährlichste Komponente des Reststoffgemisches.
3. Es handelt sich um ein Stoffgemisch ohne arteigenen Charakter mit wechselnder Zusammensetzung. Es kann hier nur ein Sammelbegriff gewählt werden, der keine Aussagen über die enthaltenen Stoffe macht.

Eine eindeutige Identifikation ist nur bei der ersten der genannten Kategorien möglich. Bei den letzten beiden reicht dagegen die Benennung zur Beschreibung der Reststoffe nicht aus.

Die große Anzahl verschiedener Stoffkomponenten und Kombinationsmöglichkeiten ergibt eine Vielzahl nicht eindeutig benennbarer und in ihrer Zusammensetzung stark schwankender Reststoffe. Die Beschreibung dieser Reststoffe stützt sich auf vielfältige Merkmale, deren Auswahl je nach Situation zu erfolgen hat. Folgende Merkmale sind dabei zu unterscheiden:

- Merkmale der Beschaffenheit (z.B. Abmessungen, stoffliche Zusammensetzung oder physikalische Eigenschaften). Informationen dazu erhält man unter anderem in den Rezepturen, Stücklisten, Stoffdatenbanken oder Herstellerinformationen.
- Physiologische Merkmale (z.B. Farbe, Geruch oder Erscheinungsbild). Informationen hierzu erhält man unter anderem durch Sichtprüfung der vorliegenden Reststoffe.
- Medizinische Merkmale (z.B. Grad der Toxizität). Informationen hierzu findet man unter anderem in Unfallmerkblättern.
- Ökonomische Merkmale (z.B. Entsorgungskosten oder Verkaufserlöse). Informationen dazu kann man zum Beispiel bei Verwerterbetrieben einholen.
- Gesetzliche Merkmale (z.B. Schutzbestimmungen). Informationen dazu finden sich unter anderem in der Gefahrgutverordnung.
- Produktionsmerkmale (z.B. Entstehungsort oder Verursacher). Informationen dazu kann man im Betrieb vor Ort erhalten.

Die Beschreibung der stofflichen Zusammensetzung ist für den späteren Wiedereinsatz der Reststoffe in der Produktion, das Recycling oder weiterführende Behandlungsverfahren von besonderer Bedeutung.

Um die Reststoffe später sachgerecht entsorgen zu können, müssen diese möglichst genau klassifiziert werden. Hierzu werden Merkmale, die die Sammlungs-, Transport-, Umschlag-, Lager- und Behandlungsprozesse beeinflussen, herangezogen.

Die genauere Beschreibung kann sich am Aggregatzustand, Gefahrenpotential oder an Größenverhältnissen orientieren. Diese bestimmen dann die von der Entsorgungslogistik bereitzustellenden Lager-, Transport- und Behälterkapazitäten [12, Seite 48ff.; 17, Seite 221f.].

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Entsorgungslogistik
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
34
Katalognummer
V37606
ISBN (eBook)
9783638368988
Dateigröße
1243 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entsorgungslogistik
Arbeit zitieren
Matthias Bönneken (Autor), 2005, Entsorgungslogistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37606

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