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Der Sündenbockmechanismus als Ursprung des Opfers und der Kultur. Anwendung von René Girards "Das Heilige und die Gewalt" auf Voodoo-Zeremonien in Haiti

Title: Der Sündenbockmechanismus als Ursprung des Opfers und der Kultur. Anwendung von René Girards "Das Heilige und die Gewalt" auf Voodoo-Zeremonien in Haiti

Bachelor Thesis , 2017 , 37 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Lia Jil Kluß (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Die vorliegende Arbeit verschafft einen kritischen Überblick von René Girards allgemeiner Kulturtheorie, inklusive einer Anwendung seiner Thesen auf ein Ritual im haitianischen Voodoo.

Das Verhältnis von Religion und Gewalt ist ein viel und kontrovers diskutiertes Thema von großem öffentlichen Interesse. Im Mittelpunkt des Diskurs zur Korrelation von Religion und Gewalt steht oft die religiöse Praxis der Blutopfers. In der Reihe der Opfertheorien gliedert sich zwischen Marcel Mauss, Sigmund Freud und Walter Burkert der Literaturwissenschaftler René Girard ein, der Erkenntnisse und Materialien aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen kombiniert. Girards Theorie ist insofern interessant, als dass sie nicht nur eine Theorie über das Verhältnis von Religion und Gewalt ist, sondern auch deutlich macht, welche Rolle die Religion ganz allgemein für das soziale Miteinander der Menschen spielt.

In dieser Arbeit wird René Girards Theorie, mit besonderer Betrachtung seines Werks "Das Heilige und die Gewalt", vorgestellt. Ein grundlegendes Verständnis der mimetischen Theorie ist unabdingbar, um Girards These zu verstehen. Daher steht eine knappe Zusammenfassung der mimetischen Zusammenhänge am Anfang der Ausführungen über Girard. Ihr folgt die Erläuterung des Sündenbockmechanismus, der für Girard das Ende der gegenseitigen Gewalt und gleichzeitig den Ursprung der Kulturen und Religionen ausmacht. Was diese ersten Formen von Religion und Kultur ausgemacht haben, wird daraufhin erörtert.

Auf die Darstellung Girards Theorie folgt der Versuch, ethnographisches Material - hier eine Zeremonie im haitianischen Voodoo - nach seinem Modell auszuwerten. Ein kritisches Fazit erlaubt, die Möglichkeiten und Grenzen von Girards Theorie anzuerkennen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. René Girard – Leben und Werk

3. Das Heilige und die Gewalt

3.1 Das mimetische Begehren

3.2 Der Sündenbockmechanismus

3.3 Das Opfer, die Mythen und die Verbote

4. Das Heilige und die Gewalt im Voodoo

4.1 Voodoo in Haiti

4.2 Pantheon und Praxis

4.3 Voodoo-Zeremonie

5. Fazit und Kritik

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion und Gewalt, indem sie René Girards kulturwissenschaftliche Sündenbocktheorie vorstellt und diese anschließend auf ethnographische Daten einer haitianischen Voodoo-Zeremonie anwendet, um deren Funktionalität für die soziale Ordnung zu prüfen.

  • Grundlagen des mimetischen Begehrens und der Entstehung von Gewalt
  • Der Sündenbockmechanismus als Ursprung von Kultur und Religion
  • Funktion von Mythen, Riten und Verboten in archaischen Gesellschaften
  • Ethnographische Analyse einer Voodoo-Zeremonie in Haiti
  • Kritische Evaluation der universellen Geltung von Girards Kulturtheorie

Auszug aus dem Buch

3.2 Der Sündenbockmechanismus

Nach Girard sind die Mechanismen zur Kanalisierung der mimetischen Rivalität so alt wie die Kultur selbst. Denn die erste erfolgreiche Überwindung der mimetischen Krise begründet für Girard auch die ersten Formen einer kulturellen Ordnung. Die mimetische Krise kennzeichnet sich vor allem durch einen völligen Verlust der Unterschiede (Entdifferenzierung). Im Sinne der Gegenspielermimesis hat die mimetische Gewalt/Rivalität, begünstigt durch soziale, geistige und räumliche Nähe (interne Vermittlung), vorhandene Strukturen und Hierarchien einer vorgesellschaftlichen Gruppe aufgelöst und eben jene Gruppe in ein gewalttätiges Chaos – alle gegen alle – gestürzt.

Wie bereits im vorausgegangenen Kapitel beschrieben, zeichnet sich die Gegenspielermimesis, die in der mimetischen Krise herrscht, durch die Ablösung des ursprünglichen Objekts von der reziproken Gewalt als Konfliktmittelpunkt aus. Würde nach wie vor das Objekt im Zentrum stehen (Aneignungsmimesis), und somit von allen Mitgliedern der Gruppe begehrt werden, könnte der Konflikt nur enden, wenn ein Rivale alle anderen besiegt und damit seine eigene Gruppe auslöscht. Die Gegenspielermimesis bietet einen anderen Ausweg. Mit der Gewalt als zentrale Kraft in der mimetischen Krise bietet sich die Möglichkeit aus ‚alle gegen alle’ ‚alle gegen einen’ zu bilden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wissenschaftliche Debatte um das Verhältnis von Religion und Gewalt ein und umreißt das Ziel der Arbeit, René Girards Theorien zu erläutern und empirisch zu prüfen.

2. René Girard – Leben und Werk: Hier wird der biographische und akademische Werdegang von René Girard nachgezeichnet, inklusive seiner intellektuellen Entwicklung und Konversion zum Christentum.

3. Das Heilige und die Gewalt: Dieses Hauptkapitel erläutert Girards kulturtheoretische Grundpfeiler, darunter das mimetische Begehren, den Sündenbockmechanismus sowie die zentrale Rolle von Mythen und Verboten.

4. Das Heilige und die Gewalt im Voodoo: Hier wird die Theorie Girards auf eine spezifische ethnographische Fallstudie, eine Voodoo-Zeremonie in Haiti, übertragen und auf ihre Anwendbarkeit hin analysiert.

5. Fazit und Kritik: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung, in der die Grenzen von Girards universellem Theorieanspruch gegenüber ethnographischen Befunden diskutiert werden.

Schlüsselwörter

Religion, Gewalt, Sündenbockmechanismus, Mimesis, mimetisches Begehren, Opfer, Voodoo, Kultur, Ritual, Mythos, soziale Ordnung, Entdifferenzierung, Girard, Opfertheorie, Ethnologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Religion und Gewalt aus der theoretischen Perspektive von René Girard.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die mimetische Theorie, die Entstehung von kultureller Ordnung durch Opferrituale und die Überprüfung dieser Konzepte anhand von Voodoo-Praktiken.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, Girards kulturtheoretische Hypothese des Sündenbockmechanismus anhand von konkretem ethnographischem Material auf ihre Plausibilität hin zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftlich fundierte Theorie vorgestellt, die anschließend mit ethnographischen Feldforschungsdaten (Voodoo in Haiti) vergleichend analysiert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Girards Konzepte und eine darauffolgende Anwendung dieser Konzepte auf die Voodoo-Zeremonie, insbesondere die Rolle von Blutopfern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Sündenbockmechanismus, mimetisches Begehren, Opfer, rituelle Gewalt und kulturelle Ordnung geprägt.

Welche Rolle spielen die ‚Marasa‘ im haitianischen Voodoo laut der Autorin?

Sie haben als Zwillingsgeister einen herausragenden Stellenwert und werden als besonders sensibel und gewaltbereit eingestuft, weshalb ihre exakt gleichberechtigte Behandlung eine mimetische Eskalation innerhalb der Familie verhindern soll.

Warum hält die Autorin Girards universellen Anspruch für utopisch?

Da der Kulturbegriff in der Ethnologie selbst umstritten ist, erscheint der Versuch, ein universelles Gesetz der Kulturbildung für alle Gesellschaften aufzustellen, als theoretisch kaum haltbar.

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Details

Title
Der Sündenbockmechanismus als Ursprung des Opfers und der Kultur. Anwendung von René Girards "Das Heilige und die Gewalt" auf Voodoo-Zeremonien in Haiti
College
University of Münster  (Institut für Ethnologie)
Grade
1,3
Author
Lia Jil Kluß (Author)
Publication Year
2017
Pages
37
Catalog Number
V376068
ISBN (eBook)
9783668533363
ISBN (Book)
9783668533370
Language
German
Tags
René Girard Opfer Kultur Ursprung Gewalt und Religion Religion Voodoo Mimesis mimetisches Begehren Gewalt Ursprung der Kultur Ursprung des Opfers religiöses Opfer Blutopfer Sündenbock Sündenbockmechanismus mimetische Krise Krise des Opferkultes Kulturtheorie Gegenspielermimesis Aneignungsmimesis Gründungsgewalt Mythen Verbote Kulturanthropologie Sozialanthropologie gewaltätige Einmütigkeit versöhnendes Opfer Wiedervereinigungsmimesis Sakralisierung des Opfers Opferkult Verkennung rituelles Opfer Opferung Opferstellvertretung Das Heilige König Ödipus Ödipus Ödipus Mythos griechische Mythologie Sündenbocktheorie Religionswissenschaft Theologie Allgemeine Religionswissenschaft Vergleichende Religionswissenschaft Voodoo in Haiti Haiti Afroamerikanische Religionen Voodoo Kult Vodoo Voodoo Zeremonie Voodoo Ritual Ursprung der Religion primitiv cultures primitive society primitive cultures primitive Gesellschaften primitive Religion
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Lia Jil Kluß (Author), 2017, Der Sündenbockmechanismus als Ursprung des Opfers und der Kultur. Anwendung von René Girards "Das Heilige und die Gewalt" auf Voodoo-Zeremonien in Haiti, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376068
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