Homophobie als Dialektik zum Outing-Prozess im Jugendalter. Möglichkeiten der Hilfestellungen durch die Soziale Arbeit


Bachelorarbeit, 2017

81 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis
Vorwort
3
Einleitung
6
1.
Abriss der deutschen Geschichte der Homosexualität
1.1
Ursprünge
der
Homosexuellenverfolgung
9
1.2
Homosexualität im deutschen Kaiserreich, Weimarer
Republik und im Nationalsozialismus
10
1.3
,,Verhütungsgesetz des erbkranken Nachwuchses
und Gemeinschaftsfremdengesetz"
14
1.4
Homosexuelle
im
Konzentrationslager
16
1.5
Homosexualität nach der Wiedervereinigung Deutschlands
25
1.6
Homosexualität in Literatur und den Märchen
27
2.
Stigma -Theorie nach Erving Goffman
2.1
Theorie
30
2.2
Identitätsbildung
und
Stigma
31
2.3
Stigma
Homosexualität
33
2.4
Homophobie
36
3.
Homosexualität
3.1
Definition:
homosexuell
/
schwul
40
3.2
Adoleszenz und die Entwicklung männlicher Adoleszenz
41
3.3
Entwicklung von Homosexualität - Theoretische Annahmen
43
4.
Coming - Out
4.1
Definition
des
Coming-Out
45
4.2
Die
Prä-Coming-Out-Phase
46
4.3
Die
eigentliche
Coming-Out-Phase
46
4.4
Die
explorative
Phase
47
4.5
Eingehen
einer
(festen)
Beziehung
47
4.6
Die
Integrationsphase
48
4.7
Coming-Out ­ Bedeutung für die eigene Sozialisation
48
4.8
Expertise zur Lebenssituation von Homosexuellen
53
5.
Homosexualität und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit
55
6.
Schlussbetrachtung
61
7.
Literatur-
und
Quellenverzeichnis
66
Tabellenverzeichnis
74
Abbildungsverzeichnis
75

76
8
1
Anhang
Nachwort

Vorwort
Zum Ende meines Studiums der Sozialen Arbeit an der Technischen Hochschule Köln im Jahr
2017 fasste ich den Entschluss, durch einige Erfahrungen im Rahmen des Studiums meine
Bachelorthesis zum Thema ,,Homophobie als Dialektik zum Outing - Prozess im
Jugendalter" zu verfassen. Durch mein absolviertes Praxissemester in einem Jugendzentrum
der Stadt Köln erlebte ich immer wieder Situationen, in denen Jugendliche bei mir indirekten
Rat ersuchten, um mit ihrer eigenen sexuellen Identität zurecht zu kommen. Auch wenn die
Einholung des Rates in erster Linie durch für mich unbekannte Szenerien erfolgte, versuchte
ich in enger Zusammenarbeit mit den anderen Mitarbeitern das Thema Homosexualität etwas
präsenter zu machen. Dies war für mich zumindest mein Wunschdenken, womit ich
weitgehend gescheitert bin.
Durch Erfahrungen, welche ich innerhalb der letzten Jahre und auch im Jugendzentrum
machen durfte, habe ich festgestellt, dass das Thema Homosexualität immer noch ein sehr
stark tabuisiertes darstellt und die Gesellschaft eher zur Homophobie neigt. Irritierend für
mich ist, dass wir mittlerweile im 21. Jahrhundert leben und die ganze Bandbreite an
,,alternativen Lebensformen" kein Problem mehr darstellen sollten und dennoch Homophobie
existiert? Wie passt das alles zusammen?
Ich selber bin auch homosexuell und weiß, wie schwer sich ein Outing - Prozess gerade in der
Jugendphase gestalten lässt. Ich erinnere mich, wie häufig ich gerade auch in der Schule mit
für mich belastenden Äußerungen konfrontiert wurde. Feststellen konnte ich, dass ich
verschiedene Phasen durchleben musste, bis ich mich dann mit 19 Jahren outen konnte. Der
Weg zum Outing gestaltete sich sehr schwer, da ich in einem streng katholischen Haushalt
groß geworden bin. Erinnerungen an erste Gedanken, in denen ich mich mit dem männlichen
Geschlecht auseinandergesetzt habe, waren für mich sehr belastende Erfahrungen. Es war für
mich nicht möglich, offen über meine Gefühlswelt zu reden, da das Thema Sexualität bei mir
zu Hause damals nicht angesprochen wurde, insbesondere natürlich nicht Homosexualität.
Dies bedeutete für mich, meine Gedanken und Gefühle für mich zu behalten und mit mir
selbst in ständigem Konflikt zu stehen. Für mich war es anfänglich nicht zu ertragen, dass ich
unter Umständen homosexuell ­ also anders - sein könnte. Hier möchte ich gerne ein für mich
passendes Zitat von George Michael heranziehen:

<< Ich war nicht davon überzeugt, dass ich schwul bin, bis ich mich zum ersten Mal in einen
Mann verliebt habe. Von da an war es klar. Es geht nicht darum, ob du mit einem Mann oder
einer Frau ins Bett gehst, sondern in wen du dich verliebst. >>
(Der Spiegel Nr. 15 vom 5. April 2004)
Diesem Zitat stimme ich in voller Gänze zu, denn diese Erfahrungen habe ich dann auch
gemacht, als ich meine erste Partnerschaft eingegangen bin. Zu jener Zeit war es ebenfalls
noch ein Tabuthema, sich zu outen. Ich habe mich zunächst bei Freunden geoutet, um zu
sehen, welche Resonanz ich damit erzielen konnte. Ich habe viele positive Rückmeldungen
erhalten, welche mich bestärkt haben, bei allen ­ auch Freunden - dazu zu stehen.

6
Einleitung
,,Man gab mir einen Orden, weil ich zwei Männer tötete, und man hat mich gefeuert,
weil ich einen Mann liebte" [(Leonard Matlovich, US-amerikanischer Unteroffizier
(1943-1988)]
Mit dem angeführten oberen Zitat soll die Bachelorthesis eröffnet werden und einen ersten
Einblick in das geben, was im weiteren Verlauf näher behandelt werden soll. Das Interesse für
die Thematik kann sich bereits aus dem Vorwort ersehen lassen, weshalb gerade dieser
Themenkomplex gewählt wurde. Homosexuelle Menschen gab es schon in Epochen zuvor
und werden auch in der Zukunft weiter fortbestehen bleiben ­ auch wenn die normative
Haltung der Gesellschaft in diesem Bezug eher andere Vorstellungen vermuten lässt. Eine
Zeitreise durch die deutsche Geschichte soll verdeutlichen und verständlich machen, dass
Homosexualität seit Menschengedenken existiert und zum heutigen Zeitpunkt keine
Überraschung mehr darstellt. Klar auf der Hand liegt, dass die Deutschen über die Geschichte
schon bereits in der Schule unterrichtet worden sind. Aus Erinnerungen an die Schulzeit in
den 90er Jahren, kann berichtet werden, dass Einblicke in die deutsche Geschichte gegeben
worden sind. Im Vordergrund gerade zur ,,dunklen" Geschichte des Nationalsozialismus,
standen die Juden-, Behinderten-, Kinder-, Kommunisten-, Zeugen Jehovas-, Sinti- und
Romaverfolgungen im Vordergrund. Zur Sprache kam jedoch nie die Gruppe der
Homosexuellen. Es soll an dieser Stelle beleuchtet werden, mit welcher Situation sich
Homosexuelle konfrontiert sehen mussten, welchen Gefahren sie ausgesetzt waren und wie
die Zustände in den Konzentrationslagern gewesen sind. Wie in der Literaturrecherche
festgestellt werden konnte, gehörten sie zu den Minderverfolgten - jedoch ist zu erforschen,
was Menschen dazu gebracht hat, sie zu verfolgen. Durch die Wiedervereinigung
Deutschlands hat sich die Situation für Schwule und Lesben stark verändert, sodass hier von
einer weiteren gesellschaftlichen Anerkennung gesprochen werden kann. Der absolute
Meilenstein für die Geschichte der Schwulen und Lesben wurde erst kürzlich am 30.06.2017
im Bundestag gesetzt: ,,Die Ehe für alle".
Die Literatur, Lyrik und Märchenwelt hat sich auch im 18./19. Jahrhundert bereits mit dem
Thema der Homosexualität beschäftigt. Hier wären zum Beispiel Thomas Mann und die
Brüder Grimm anzuführen, welche auf teilweise indirekte Art das Thema behandelten ­ doch

7
bei näherer Betrachtungsweise fällt dies auf. So veranschaulichte Thomas Mann durch
verschiedene Werke, dass Homosexualität als Liebe des höchsten Gutes gelte. Durch
Recherche und Sichtung der Literatur wurde auffällig, dass auch Schriftsteller versucht haben,
eine wahre Begründung zur Entstehung von Homosexualität zu finden. Somit ist zu vermuten,
dass Homosexualität auch aus literarischer Sicht als Thema weiter eine Rolle spielen wird.
Es soll in der Studienarbeit auch herausgearbeitet werden, wie durch die zuvor beschriebene
historische Entwicklung eine Stigmatisierung entstehen kann. Hierzu soll der Theoretiker
Erving Goffman zu Rate gezogen werden, der versucht, das Phänomen der Stigmatisierung
darzustellen. Weiter soll dargelegt werden, wie ein Stigma in die eigene Identität eingebunden
werden kann, andererseits aber auch Störungen hervorrufen kann. So soll durch seine
Annahmen eine Brücke zur Entstehung des Stigmas Homosexualität geschlagen werden.
Durch Einbeziehung der theoretischen Annahmen von Goffman soll herausgefunden werden,
wie sich daraus eine zum Thema bezogene Phobie bzw. Abneigung ergeben kann. Durch
einen Exkurs in die Psychologie ­ Entstehung von Einstellungen und Vorurteilen soll eine
Verbindung zum Phänomen Homophobie geschaffen werden.
Im dritten Kapitel wird zunächst eine Definition von ,,homosexuell" und ,,schwul" gegeben
werden, um deutlich zu machen, welcher Auffassung die Wissenschaft über das Thema ist.
Des Weiteren soll herausgefunden werden, welche Besonderheiten sich zur männlichen
Adoleszenz herausarbeiten lassen. Dies soll einen ersten Eindruck vermitteln, welche
Bezugspunkte schon in diesem Ansatz für eine spätere Betrachtung für die Soziale Arbeit als
wichtig angesehen werden können. Um das Kapitel letztlich abschließen zu können, werden
theoretische Annahmen zur Entstehung von Homosexualität geschildert und aus
verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Im Anschluss wird eine der wohl wichtigsten Phasen in der Adoleszenz von betroffenen
Jugendlichen beschrieben, das Coming-Out. Hier soll das Coming-Out als Prozess
ausgearbeitet werden, um verstehen zu können, was Jugendliche unter Umständen in dieser
Lebensphase erleben müssen. Der Prozess ist ebenfalls von großer Bedeutung für die
jugendliche Sozialisation und kann unter Umständen eine Welle von Gefühlen mit sich
bringen. An dieser Stelle soll auch herausgestellt werden, wie diese Gefühlswellen auf den

8
Jugendlichen hereinbrechen können, um damit eine weitere Brücke zum Thema Soziale
Arbeit bzw.Sozialpädagogik zu schlagen.
In Kapitel fünf soll eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität
und Sozialer Arbeit/Sozialpädagogik erfolgen. Hier soll herausgestellt werden, wie
wichtig die Begleitung und Beratung für Jugendliche ist, da sie gerade in ihrer Lebensphase
ihrer eigenen Adoleszenz in einen Prozess gelangen, wo sie sich fragen könnten, ob das
alles so stimmt oder ihre Gefühlswelt sie täuschen könnte. Die Wechselwirkung zwischen
der normativen Gesellschaft im Vergleich zu ihrer eigenen Identität spielt eine große Rolle
und soll in diesem Kapitel näher beleuchtet werden. Für die Bearbeitung dieses
Kapitels sollen bekannte Theoretiker wie Lothar Böhnisch, Hans Thiersch und Virginia
Satir zu Rate gezogen werden. An diesen Theorien soll die Arbeit mit homosexuellen
Jugendlichen verdeutlicht werden. Die Ansätze dieser Theoretiker werden an dieser Stelle
als wichtig erachtet, da diese gerade im Rahmen der Sozialen Arbeit einen wichtigen
Stellenwert hat und Soziale Arbeit für Homosexuelle einen wichtigen Anker in der
Beziehungsarbeit darstellen kann. In den Fokus soll auch die soziale Beratung rücken, da
dies gerade auch für den Coming-Out-Prozess einen wichtigen Punkt darstellt. Zum
Abschluss dieses Kapitels soll deutlich gemacht werden, vor welche Herausforderungen die
Soziale Arbeit und die Homosexuellen gestellt werden.
Aus formalen Gründen wird in dieser Thesis grammatikalisch überwiegend nur die männliche
Variante verwendet, wobei aber auch die Frauen gleichermaßen gemeint sind. Die
Begrifflichkeiten ,,lesbisch" oder ,,schwul" werden in dieser Arbeit bewusst benutzt, da
lesbische Frauen und schwule Männer diese Bezeichnungen selber aufgreifen und die
Begriffe gerade in der Identitätsfindung von großer Bedeutung sind. Durch diese
Bezeichnungen werden sie im Gegensatz zu ,,homosexuell" als ganze Menschen betrachtet
und nicht auf ihre Sexualität reduziert (vgl. Nieslony, Kläser, 2004, S. 45).
In dieser Bachelor Thesis geht es um die Darstellung und Beschreibung der Situation und
Problematiken gleichgeschlechtlich empfindender Jugendlicher in Bezug auf die
gesellschaftliche Entwicklung und soll durch ein Fazit und einem Nachwort abgerundet
werden.

9
1. Abriss der deutschen Geschichte der Homosexualität
1.1 Ursprünge
der
Homosexuellenverfolgung
Eine grundlegende Verachtung und die Verfolgung von gleichgeschlechtlich liebenden
Menschen in Europa geht in ihrem Kern auf das 13. Jahrhundert vor Christus zurück, jener
Zeit, die heute für den Beginn biblischer Überlieferung angesehen wird (Die Heilige Schrift
1985, S. 15). Es soll angemerkt werden, dass die homosexuelle Liebe natürlich nicht der
Fortpflanzung diente, deshalb wird von einer Gefahr für die Gemeinschaft gesprochen und als
todeswürdiges Unzuchtverbrechen deklariert (vgl. Levitikus 20,13). Ebenso wollte sich das
jüdische Volk vor benachbarten Religionen abschirmen, welche homosexuelle Handlungen in
ihre Kultur miteinbezogen hatten. Ferner begann die christliche Kirche sich zu
institutionalisieren und hat die archaischen Verhaltensmuster gegenüber Homosexuellen
restlos übernommen (vgl. Römer 1,26 ­ 32). Der römische Kaiser Theodosius I. erklärte
380/381 das Christentum zur Staatsreligion und verschärfte seine Vorgehensweisen gegen
jene, welche eine schändliche Gewohnheit besaßen, ,,sich in nichts mehr von Frauen (zu)
unterscheiden", indem sie ,,in Anwesenheit des ganzen Volkes den rächenden Flammen
übergeben werden sollen, damit alle erkennen, dass das Wohnhaus der männlichen Seele allen
heilig ist" (vgl. Hergemöller 1990, S. 15). Durch den Kaiser Justinian I. wurde der im 6.
Jahrhundert existierenden Gesetze eine starke Verschärfung gegeben, welche sich gegen die
,,Concubitores masculorum" (Beischläfer von Männern) richtete und somit weitreichendere
Konsequenzen hatte:
Erstellung einer Kausalbeziehung zwischen Sodomie (Bezeichnung zur damaligen
Zeit existierenden Homosexualität) und Naturkatastrophe mittels Androhung
göttlicher Racheakte
Sodomitisches Handeln wurde als dämonisch deklariert
Willkürlicher Ermessensspielraum bei Bestrafung der Delinquenten
Im Mittelalter galt der Kaiser Justinian I. als christlicher Imperator, so setze er
Strafbestimmungen im Zusammenhang einer homosexuellen Handlung starken juristischen
Handlungen aus (vgl. Hergemöller, 1990, S. 15ff.). Papst Innozenz III. und Kaiser Friedrich
II. schufen im 13. Jahrhundert rechtliche Rahmenbestimmungen, welche sich an jene
richteten, welche solche Zuwiderhandlungen begangen haben. Somit wurde zu diesem

10
Zeitpunkt auf Homosexualität die Todesstrafe ausgesetzt. Die Verfolgungsrate stieg schnell
an (vgl. Hergemöller, 1990, S. 19f.).
Unter Kaiser Karl V. in der beginnenden Neuzeit, verabschiedete der Regensburger Reichstag
um 1532 die sogenannte Carolina, eben jene ,,Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. und
des Heiligen Römischen Reiches", welche gleichliebende Menschen Mördern gleichsetzte
(vgl. van Dijk, 2001, S. 46). Das erlassene Gesetzeswerk, welches für die ganze deutsche
Nation galt, blieb mit unterschiedlicher Verbindlichkeit etwa 300 Jahre bestehen. Durch
dieses erlassene Werk begann im christlichen Abendland für eine Epoche grausamer
Verfolgung homosexueller Menschen. Hinrichtungen wurden hier ebenfalls in drastischer
Anzahl vollzogen (vgl. Hergemöller 1990, S. 22).
Erst ca. gegen Ende des 18. Jahrhunderts löste sich das Strafrecht von den theologischen
Rahmenvorstellungen, sodass durch Aufklärung die Todesstrafe und Sodomie in Arbeits- und
Gefängnisstrafen umgewandelt worden sind (vgl. Hergemöller, 1990, S. 26).
1.2 Homosexualität im deutschen Kaiserreich, Weimarer Republik und im
Nationalsozialismus
1871 gab es eine Vereinigung von verschiedenen Königreichen, welche sich zum deutschen
Reich vereinigten. Doch die Verfahren der Königreiche waren sehr unterschiedlich, was die
Bestrafung gleichgeschlechtlicher Orientierungen betraf. Bemerkenswert sei an dieser Stelle
anzumerken, dass Bayern und Elsass-Lothringen keine Bestrafung für homosexuelle
Handlungen vollzog. Jedoch sah Preußen dafür Zuchthäuser, Prügelstrafen und Verbannung
vor, um die Täter sittenwidrigen Verhaltens zu bestrafen. Im Königreich Württemberg und
dem Herzogtum Braunschweig konnte widernatürliche Unzucht auf ,,Klage des Beleidigten
hin" mit Gefängnisstrafe von Minimum sechs Monaten geahndet werden. Das Königreich
Hannover hingegen entließ zwar den Juristen Karl Heinrich Ulrichs wegen seiner
Homosexualität, es erfolgte jedoch keine Gerichtsverhandlung. Davon ließ er sich aber nicht
beeindrucken, entwarf 1865 die Satzung für einen Bund männerliebender Männer und
forderte Straffreiheit. Zu diesem Zeitpunkt ist die Idee einer Homosexuellenorganisation
geboren worden (vgl. Herzer, 1990, S. 30).

11
Wenn fortlaufend das 19. Jahrhundert betrachtet wird, ist festzustellen, dass in den anderen
deutschen Staaten bis in die 50er Jahre eine Tendenz zur Strafminderung herrschte. Mit
Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde der § 175 Reichsstrafgesetzbuch (RStGB)
(Anhang 1) eingeführt, welcher inhaltlich dem § 143 des Preußischen Strafgesetzbuches
ähnelte. Der neu eingeführte Paragraph entsprach in seinen Grundzügen dem Gesetz, welches
1533 Kaiser Karl V. erlassen hatte. Bedauerlicherweise konnte Preußen sich nicht dazu
entscheiden, Homosexualität zu entkriminalisieren. Jedoch wurde die weibliche
Gleichgeschlechtlichkeit unbedeutsam fallengelassen. Mitunter trat die Gefängnisstrafe an die
Stelle der Todesstrafe (vgl. van Dijk, 2001, S. 47). Die Verurteilung brachte viele
Homosexuelle dazu, Suizid zu begehen, da sie Angst hatten, strafverfolgt oder denunziert zu
werden (vgl. van Dijk, 2001, S. 47).
Historisch gesehen musste sich auch die Gesellschaft Gedanken machen, woraus
Homosexualität resultiert. Dieser Frage widmeten sich Menschen in Form einer medizinisch-
psychiatrischen Diskussion, um zu ergründen, wie Homosexualität in einem Wesen entstehen
kann. Die Sexualwissenschaft versuchte nun, Homosexualität mit der naturwissenschaftlichen
Medizin zu erklären, wonach eine Gleichgeschlechtlichkeit einer Krankheit gleichzusetzen sei
und aus diesem Grunde kein strafwürdiges Verbrechen darstellt. Aus dieser Erkenntnis
forderten mehrere Sexualforscher eine Milderung des Strafrechtes, jedoch sind sie mit dieser
Forderung letztlich gescheitert. Insbesondere der Eulenburg-Prozess, in welchem der Berater
und Freund von Kaiser Wilhelm II., Graf Philip zu Eulenburg homosexueller Handlungen
beschuldigt wurde, löste in der Gesellschaft eine große Welle antihomosexueller Stimmungen
aus (vgl. Herrn, 1999, S. 18 f.).
Dr. Magnus Hirschfeld gründete 1897 in Charlottenburg mit dem Verleger Max Spohr, dem
Juristen Eduard Oberg und dem Schriftsteller Max von Bülow die weltweit erste Organisation
Homosexueller, genannt das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WHK), mit welchem sie
versuchten, die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Liebe unter Männern abzuschaffen.
Es wurde durch verschiedene renommierte Personen versucht, einen neuen Gesetzesentwurf
für das Strafgesetzbuch zu erwirken, was jedoch aufgrund des Ausbruches des 1. Weltkrieges
nicht möglich gewesen war (vgl. Hergemöller, 1990, S. 76).

12
Mit dem Sturz der Monarchie im November 1918 und die damit einhergehende Etablierung
der bürgerlich parlamentarischen Demokratie, sowie die Liberalisierungstendenzen in der
Weimarer Republik ließen in den zwanziger Jahren neben den politisch agierenden
Organisationen eine vielfältig aufgegliederte Schwulenbewegung entstehen: religiöse
Gruppen, freimauerisch orientierte Logen, Wandergruppen, Jugendgruppen,
Frauenabteilungen und Transvestiten-Clubs (vgl. Sternweiler, 1997, S. 13).
Nicht nur einzelne Menschen beschäftigten sich mit der Thematik Homosexualität, auch der
zu dem damaligen Zeitpunkt existierende Journalismus befasste sich schon ausreichend mit
diesem Thema. Die Entwicklung der schwul-lesbischen Medien verlief in verschiedenen
Wellen. Dies lässt sich mit den gesellschaftlichen Einflüssen und der daraus resultierenden
Lebenswelt der Homosexuellen erklären. Den Medien und dem Journalismus wurde es
erschwert, hier weiterführend recherchieren zu können und es kam zwischenzeitlich auch auf
diesem Segment zu einem Zusammenbruch, da es geradezu im Übergang zum
Nationalsozialismus fast unmöglich gewesen ist (vgl. Siniawski 2009, S. 44).
Nach Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 begann für homosexuelle
Menschen die brutalste Periode in der neueren Geschichte.
Die Antihomosexuellenpolitik musste hier nicht am Punkt Null ansetzen, denn wie sich
bereits aus dem historischen Kontext feststellen lässt, existiert die Thematik schon weitaus
früher, als erst im Nationalsozialismus. Somit mussten Hitler, Himmler und die anderen
Volksgenossen kein neues Gesetz erfinden, oder auch keinen neuen Apparat neu installieren.
Die Nationalsozialisten hatten eines zum Ziel: Formierung der Gesellschaft nach völkischen
Idealen, jedoch mussten sie dazu erst einmal an die Macht kommen (vgl. Grau, 2004, S. 29).
Die Verfolgung männlicher Homosexueller forderte eine sehr hohe Anzahl von Todesopfern
und ist somit die Extremform dessen, was sich die menschliche Vorstellungskraft vorstellen
kann. Auch wurden andere alternative Lebensformen verfolgt, aber die Tendenz ist fallend
gewesen. Die homosexuellen Männer rückten in der NS-Zeit stark in den Vordergrund, da
Hitler diese Subkultur als ,,Verseuchung des Volkes" bezeichnete (vgl. Schwartz 2014, S. 12
ff.).

13
Da Schwule und Lesben nicht zur Fortpflanzung der ,,Herrenrasse" beitrugen, erfüllten sie
nicht die Vorstellungen der Nationalsozialisten und mussten ausgemerzt werden (vgl. Vander,
2010, S. 2). Wie bereits erwähnt, musste Hitler nicht für neue Hilfsmittel zur Bestrafung von
homosexuellen Neigungen erfinden, so wurde das Gesetz im § 175 Reichsstrafgesetzbuch um
den § 175 a verschärft, indem homosexuelle Männer in die Konzentrationslager deportiert
worden sind. Dies war
aber nicht genug, die Homosexuellen mussten weitaus mehr gepeinigt
werden. Sie wurden durch den ,,rosa Winkel" gekennzeichnet, der 1935 eingeführt wurde.
(Abbildung 1: Vander, 2010, S. 2)
Jedoch gab es auch andere Möglichkeiten, Homosexuelle zu kennzeichnen, doch dies war die
einfachste Form, abweichendes Verhalten kenntlich zu machen (vgl. Vander, 2010, S. 2).
Kriminalität und asoziales Verhalten galten nach der Ansicht der Nationalsozialisten als
angeborene Persönlichkeitsmerkmale, welche weitervererbt werden konnten.
Anfang der 1930er Jahre kamen immer mehr Magazine und Zeitschriften für Schwule und
Lesben auf den Markt, welche durchaus wöchentlich erschienen sind. Deutschland wurde zum
,,Stammland" der schwul-lesbischen Presse und Berlin war ihr Zentrum. Zu den beliebten
Zeitschriften gehörten: Der Eigene, Insel, Blätter für Menschenrecht, Freundschaftsblatt,
Hellas-Bote und Uranos (vgl. Siniawski 2009, S. 46). Jedoch ordneten die Nationalsozialisten
im März 1933 die Schließung von Homosexuellenlokalen und insbesondere auch die
Einstellung der Homosexuellenzeitschriften an. Durch die ganzen Aktivitäten der
Nationalsozialisten mit Anordnung zur Vernichtung aller Unterlagen durch Plünderung des
Institutes für Sexualwissenschaften und Erteilung an alle Polizeistellen ,,eine Liste sämtlicher
Personen anzufertigen, die sich homosexuell betätigt haben", wurde die Schwulenbewegung
letztlich komplett zerschlagen (vgl. Herrn, 1999, S. 31).
Homosexualität galt als Gefahr für Bevölkerungswachstum und die sogenannte arische Rasse.
Verurteilungen durch Gerichte von Homosexuellen erreichten Größenordnungen von rund
50.000 Männern. Ziel war es, das Phänomen ,,soziale Gefahr" zu bekämpfen (vgl. Schwartz,
2014, S. 43 ff.). Als eine weitere Zielgruppe neben den Homosexuellen wurden zur NS-Zeit

14
auch die Juden, Hitlers Erzfeinde, verfolgt. Um Hitlers Gedankengänge einmal etwas
anschaulicher zu machen, soll folgendes Zitat seine Ansicht verdeutlichen: >> Der Jude,
Hitlers Erzfeind, galt ihm und den Seinen als ein lüsternes, perverses Wesen, stets gewillt und
bereit, durch ,,Rassenschande" die Reinheit des ,,deutschen Blutes" zu besudeln ­ ein Wesen,
das ­ so der ,,Völkische Beobachter" im Januar 1929 ­ zielstrebig an der ,,Entsittlichung des
deutschen Volkes" arbeite und zu nichts anderem fähig sei, als ,,durch die Genitalien zu
denken".<< Im Vergleich dazu soll angeführt werden, dass Hitlers Ansichten und die seiner
Anhänger, Homosexuelle als ,,minderwertig" anzusehen oder der Versuch Homosexualität zu
therapieren, höchstwahrscheinlich von wenig Erfolg gekrönt war. Deshalb sollte an dieser
Stelle ein neues Ziel in den Focus rücken: Rassenhygiene. Dies bedeutete, dass durch
Sterilisation und Kastration die Beseitigung der ,,Gemeinschaftsschädlinge" gelöst werden
sollte (vgl. Bastian, 2000, S. 59). Im Ärzteverbund, dem Organ des NS-Regimes hat es
geheißen: >> Ratten, Wanzen und Flöhe sind auch Naturerscheinungen, ebenso Zigeuner und
Juden. [...] Asoziale und unnormal ichsüchtige, kriminell-hemmungslose Menschen. Wir
müssen deshalb alle diese Schädlinge biologisch allmählich ausmerzen. << (Bastian 2000, S.
59).
1.3
,,Verhütungsgesetz des erbkranken Nachwuchses und
Gemeinschaftsfremdengesetz"
Politisch gesehen, muss hier eine Differenzierung zwischen Frauen und Männern
vorgenommen werden. Gemeint ist an dieser Stelle, dass im Zusammenhang mit dem Thema
Homosexualität durch gleichliebende Menschen in Bezug auf die Geschlechterrolle Grenzen
überschritten werden bzw. überschritten werden müssen. Weiblichem gleichgeschlechtlichen
Begehren wurde keine sonderliche Beachtung geschenkt, im Gegensatz dazu wurde jedoch
männliches gleichgeschlechtliches Begehren zu jener Zeit politisch als skandalös eingestuft
(vgl. Schwartz 2014, S. 32). Weibliches Begehren ist keine öffentliche Angelegenheit und
somit zu verbergen, also nur in privaten Bereichen auszuleben. Hingegen wurde
homosexuelles Handeln als Störfall und als Bedrohung der politischen Ordnung gewertet.
Eine Abwertung des männlichen Geschlechtes erfolgte hier schon sehr früh, denn Männer,
welche homosexuelle Handlungen begangen hatten, wurden der Weiblichkeit und als
Geschlechterverräter bezichtigt. Letztlich lebten sie öffentlich aus, was Frauen nur in der

15
Privatsphäre zugestanden wurde (vgl. Schwartz, 2014, S. 32). Aus Sicht der
Nationalsozialisten wurde das homosexuelle Verhalten so deklariert: >> Die Homosexuellen
symbolisierten nach allgemeiner Auffassung nicht nur eine Verwirrung der Geschlechter,
sondern auch sexuelle Ausschweifung, also Verletzung des labilen Gleichgewichts der
Leidenschaften. << (Schwartz, 2014, S. 32). Durch öffentliches Begehren wurde dem
homosexuellen Mann vorgeworfen, dass dieser seinen Männerkörper als sexuellen Körper
sichtbar machen würde und somit gegen die Verfassung des nationalsozialistischen Reiches
verstieß (vgl. Schwartz, 2014, S.33).
Im Folgenden soll nun darauf eingegangen werden, wie sich die Verhütung und das
Gemeinschaftsfremdengesetz aus nationalsozialistischer Sicht umsetzen lassen sollte. Es
handelt sich hierbei um die Idee einer Art ,,Ausmerzung" der sittenwidrigen
Verhaltensweisen. Einerseits wurden durch Euthanasieverfahren ,,T 4" Menschen hingerichtet
(etwa 100.000 Menschen), welche aus Sicht der Nationalsozialisten als geisteskrank oder
behindert gegolten haben. Sie führten als weitere Strafe die Sterilisations- und
Kastrationsverfahren ein, ob nun erzwungen oder im Rahmen freiwilliger Unterziehung (vgl.
Bastian, 2000, S. 60). Es war wohl der einzige Weg, Geisteskrankheiten und schwere
Erbleiden zu verhindern ­ es wurde die Ansicht vertreten, dass es sich dabei um
Nächstenliebe handeln würde. Es wurden in den Jahren 1934 bis 1936 ca. 400.000 Menschen
zum Opfer von Sterilisationsverfahrensanträgen (vgl. Bastian, 2000, S. 61). In der Regel
betraf diese Regelung nicht die homosexuellen Männer, aber es gibt immer Möglichkeiten,
um auch diese Gruppe zu treffen. So wurde am 24. November 1933 ein neuer Paragraph in
das Strafgesetzbuch aufgenommen: § 42k, welcher besagt, dass die Möglichkeit für über 21
Jahre alte Männer besteht, sie einer Kastration zu unterziehen, wenn nachweislich feststeht,
dass diese Gewohnheitsverbrecher oder ,,gefährliche Sittlichkeitsverbrecher" sind (vgl.
Bastian, 2000, S. 61). Da das Regime gesehen hatte, dass ,,T4" gut funktioniert hat, wollte es
die ,,Ausmerzung durch Sterilisation" recht zügig umsetzen und rühmten diesen Vorgang als
,,soziale Tat". Die Sterilisation sollte nun tatsächlich auch in die Tat umgesetzt werden, um
die ,,Asozialen und Gemeinschaftsfeinde" endgültig zu schädigen und zu strafen. Da sich aber
mit dem § 42k die Beweisführung für homosexuelle Handlungen schwer gestalten ließ, führte
man am 26. Juni 1935 zum § 14 einen neuen Absatz 2 ein, welcher erlaubte, Homosexuelle
nun strafrechtlich kastrieren zu dürfen (vgl. Bastian, 2000, S. 62, Vander, 2010, S. 2). Weiter

16
wird unterstellt, dass in den meisten Fällen die Verführung von jüngeren Männern durch
ältere Männer erfolgte ­ ,,hier müsste die Entmannung eingeschaltet werden" (Bastian, 2000,
S. 63). Durch den in 1944 beginnenden Kriegseinsatz, musste auf die Zwangskastration
verzichtet werden, denn >> [...], selbst die Gemeinschaftsfremden wurden als Kanonenfutter
noch gebraucht. << (Bastian, 2000, S. 65).
Die gesetzlich eingeführte Kastrationserlaubnis findet sehr schnell ihre praktische Umsetzung,
denn die Nationalsozialisten waren der Meinung, dass durch ein ,,Erlöschen" des
Geschlechtstriebes, insofern eine ,,Unschädlichmachung" des Homosexuellen erreicht werden
müsse (vgl. Bastian, 2000, S. 66). Es haben sich einige Mediziner begeistert gezeigt, diese
Verfahren durchzuführen, um diese Menschen zu ,,behandeln". Prof. Dr. Karl Astel, Präsident
des Thüringischen Landesamtes für Rassewesen, brachte seinen vollen Stolz über die neue
Regelung zum Ausdruck: >> Wer je diese Konzentration von Schwerverbrechern,
Arbeitsscheuen, hochgradig Asozialen, Landes- und Volksverrätern, gemeingefährlichen
Psychopathen, kriminellen Juden und dergleichen mit eigenen Augen gesehen hat, wird nur
den einen Wunsch haben, daß dieses erblich schwerst defekte Gesindel niemals mehr in
Freiheit gelangt. << (Bastian, 2000, S. 66). Der damalige Vorsitzende Prof. Braun der
,,Deutschen Gesellschaft für Chirurgie" forderte dazu auf, alle Kinder und Jugendlichen,
welche unfähig gewesen sind, am Schulunterricht teilzunehmen, ebenfalls unfruchtbar zu
machen, aber auch Blödsinnige, Geisteskranke und Sittenverbrecher (vgl. Bastian, 2000, S.
67). 1936 waren sich die Mediziner allesamt darüber einig, dass Homosexualität sich mit
erkrankten Zellen erklären lässt und durch einen Einsatz von künstlichen Drüsen heilen lässt,
da diese überaus viele männliche Hormone produzieren sollte ­ insgesamt 15 Häftlinge
wurden dieser ,,Heilungsmethode" ausgesetzt. Todesfälle wurden hier ebenfalls verzeichnet
(vgl. Bastian, 2000, S. 69).
1.4 Homosexuelle im Konzentrationslager
In diesem Kapitel soll genauer dargelegt werden, wie Homosexuelle in den
Konzentrationslagern misshandelt und denunziert worden sind. Wie in den Kapiteln zuvor
schon erläutert worden ist, hatte nun die Verfolgung der Homosexuellen ihren Höchststand im
Nationalsozialismus erreicht. Um an die letzte Idee im Nationalsozialismus anzuknüpfen, dass

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die Begründung für eine homosexuelle Neigung wohl in der Medizin zu suchen sei, soll diese
an dieser Stelle noch einmal zusammengefasst werden:
Vermeintliche Minderwertigkeit und Gefährlichkeit, welche Homosexuelle darstellen
Mit jedem Homosexuellen könnte dem Volke ein potentieller Erzeuger verloren gehen
Homosexuelle stellen eine Gefahr für die Jugend dar, denn es wird in diesem
Zusammenhang von einer ,,Verführung" Jugendlicher gesprochen und somit die
Gefahr der ,,Verseuchung" des Volkes gegeben
Neigung der Cliquenbildung ­ vermutet wird somit ein Feind des Gemeinwesens
Gefahr der ,,öffentlichen Sittlichkeit" ­ sexuelle Beziehungen zwischen Menschen
gleichen Geschlechts verletzen das Schamgefühl und würde dazu beitragen, dass die
soziale Gemeinschaft zerfällt (vgl. Grau, 2004, S. 32)
Verschiedene Veröffentlichungen von Zuständen in den Konzentrationslagern lassen sich
zwischen 1946 bis 1962 verzeichnen und versuchen der Gesellschaft zu vermitteln, wie es
tatsächlich in diesen ,,Vernichtungslagern" zugegangen ist. Häufig wird in der Literatur die
Verschleppung der Homosexuellen in die Lager beschrieben, welche als
,,Homosexuellenlager" definiert worden sind - zusätzlich wird das Leben in den ,,schwulen
Blocks" beschrieben (vgl. Schwartz 2014, S. 47). In einem Bericht von 1946 (,,System der
deutschen Konzentrationslager ­ Die Behandlung der Homosexuellen") wurden erste Ansätze
unternommen, der Gesellschaft zu verstehen zu geben, wie Homosexuelle in der Zeit der
,,Rosa-Winkel-Häftlinge" wirklich behandelt, misshandelt, denunziert, gepeinigt und
schlussendlich vernichtet (getötet) worden sind (vgl. Schwartz 2014, S. 46 ff). Es wurde sich
zu jener Zeit nur auf eine knappe Beschreibung beschränkt, aber es wurde beschrieben: >>
Brutal sei die SS gegen diese Häftlinge vorgegangen, möglicherweise gerade weil die
Homosexualität in den Kreisen des preußischen Militärs, der SA und der SS selbst
ursprünglich stark verbreitet war << (Schwartz, 2014, S. 47). Aber auch zu jener Zeit, wurde
nicht öffentlich preisgegeben, was tatsächlich geschehen ist, sondern wurde in diesem
Themenbereich ,,nur" von Terror und Gewalt gesprochen. Auch wird in diesem
Zusammenhang mit der Verfolgung der Homosexuellen von >> [...], der Angehörige des
dritten Geschlechts << (Hergemöller, 1999, S. 13) gesprochen. Durchaus wurde zu Zeiten des
NS-Regimes davon gesprochen, dass es sich bei der Verfolgung der Homosexuellen vom
,,Homocaust" handeln würde, da dies nichts anderes als bei der Judenverfolgung (Holocaust)
Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Homophobie als Dialektik zum Outing-Prozess im Jugendalter. Möglichkeiten der Hilfestellungen durch die Soziale Arbeit
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Fakultät 01 Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
81
Katalognummer
V376075
ISBN (eBook)
9783668534544
ISBN (Buch)
9783668534551
Dateigröße
1269 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homophobie, Schwul, Identitsfindung, Stigma, homosexualität, goffman
Arbeit zitieren
Daniel Rilke (Autor:in), 2017, Homophobie als Dialektik zum Outing-Prozess im Jugendalter. Möglichkeiten der Hilfestellungen durch die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376075

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