„Eine Bewegung muss in erster Linie gefühlt werden“, erklärte die internationale Primaballerina Polina Semionova in einem Zeitungsinterview gegenüber der „Zeit“ und verwies darauf, dass eine sehr gute Technik allein nicht ausreiche. Persönlich ist Polina Semionova eine meiner größten Vorbilder des Balletts. Sie verkörpert alles, wovon die Welt des Balletts meines Erachtens lebt: Perfektion ohne perfekt zu sein, Ästhetik, Liebe, Leidenschaft, Disziplin, Kreativität, Härte und auch jede Menge Schmerz. Sie ist für mich der Inbegriff einer widersprüchlichen Welt. In der Rolle als „Giselle“ am Schiller Theater Berlin tanzte sie mehr als nur ein Bauernmädchen, es war ihre Lebensrolle. Das fantastisch, romantisch und historisch prägende Ballett „Giselle“ von Théophile Gautier faszinierte mich als unterrichtende Ballettlehrerin für tänzerische Früherziehung, Ballett und Jazz schon immer sehr. Ich wollte einen Teil meiner Faszination zum Ballett, Polinia Semionova und dem Stück „Giselle“ in etwas Gebräuchliches für meine neu bezogene Wohnung verwandeln. Hinzu kam der Gedanke meine baldige Kunstausstellung im Erfurter Café Paulinchen, zu der Thematik des Balletttanzes, um ein weiteres Ausstellungsstück zu bereichern. Somit erschien mir das Seminar „Laut und scharf, sicheres und kreatives Bearbeiten von Holz“ aus dem Ästhetischen Wahrnehmungsvermögen des Studiums Fundamentale als ideale Gelegenheit. Als ich nach dem Einführungsseminar durch den Baumarkt und einige Dekorationsläden schlenderte, lief ich an der amerikanischen Lindenholzscheibe vorbei. Sie entfachte den kreativen Funken in mir eine Giselle-Ballettwanduhr, passend zu meiner Wohnung, im Naturdesign, herzustellen. Ich suchte schon länger nach einer Uhr im Ballettstil. Jedoch blieb die Suche bisher erfolglos. Es gibt kaum Ballettwanduhren auf dem Markt und die paar, die es gibt, sind viel zu teuer für das meiner Meinung nach billige Herstellungsmaterial. Des Weiteren verlangte das Seminar etwas, was transportierbar, im Rahmen der Zeit umsetzbar, individuell, kreativ und ästhetisch ist. Die Idee meiner Giselle-Ballettwanduhr im Naturdesign verfestigte sich. Ich begann erste grobe Skizzen zu zeichnen und ließ der kreativen Entwicklung freien Lauf. Aufgrund der Nachfrage zum Inhalt des Ballettstücks „Giselle“ am Tag meiner Präsentation am 10. Juni 2017, ist dieses in ausführlicher Form zum Nachlesen im Anhang im Kapitel 6.1 rezitiert. Der Inhalt des Stücks ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Planung
2.1 Materialienwahl
2.2 Methoden
2.3 Zeitplan
3 Ablauf des Arbeitsprozesses
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
6 Anhang
6.1 Giselle. Fantastisches Ballett in zwei Akten
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die kreative Anfertigung einer individuellen Ballettwanduhr im Naturdesign, die als dekoratives Element für die eigene Wohnung sowie als Ausstellungsstück für eine Kunstausstellung dient. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die praktische Umsetzung und Gestaltung eines funktionalen Objekts, das eine thematische Verbindung zum Ballettstück „Giselle“ und der Primaballerina Polina Semionova herstellt.
- Materialanalyse und Auswahl von Werkzeugen zur Holzbearbeitung
- Künstlerische Interpretation und Integration des Balletts „Giselle“ in ein Designobjekt
- Methodische Vorgehensweise beim Schnitzen, Brennen und Dekorieren
- Prozessdokumentation der handwerklichen Herstellung und Materialkalkulation
Auszug aus dem Buch
2.2 Methoden
Zuerst wird skizziert und gezeichnet (mit Kohlepapier). Daraufhin bietet sich die Methode des Stemmens und Schnitzens, wegen der hohen Druckempfindlichkeit, an. Die Rückseite der Uhr wird mit einem Stemm-/Stechbeitel und Bildhauerklüpfel vorsichtig zu einem für das Quarzuhrwerk passenden Zapfenloch ausgestemmt. Zu berücksichtigen ist, dass in die Mitte des Zapfenlochs mit der Handbohrmaschiene ein Loch für den Euroschaft durchgeborht werden muss. Es sollte vermieden werden, dass bei dieser Methode etwas vom Mark durchbricht. Außerdem sollte die Holzscheibe mithilfe einer Temperguss-Schraubzwinge sowie einem Stück Abfallholz (um Druckstellen zu vermeiden) für den Vorgang gefestigt werden. Gestemmt wird in Faserrichtung des Holzes und vom Körper weg. Für die geraden Kanten bietet sich ein höherer Ansatzwinkel des Stemm-/Stechbeitels an. Für die Wolke auf der Vorderseite wird ebenso verfahren. Für den Feinschliff des Zapfenloches, der Giselle sowie der Wolke, werden Feinschnitzwerkzeuge verwendet. Hierbei wird längs der Maserung sowie auch mit halbkreisförmigen Bewegungen und mit sowie ohne Bildhauerklüpfel gearbeitet. Das Holz wird vorsichtig gerissen und herausgetrennt.
Herausgetrenntes muss regelmäßig aufgesogen werden, um ein sauberes Arbeiten zu ermöglichen. Im Anschluss wird vorsichtig geschmiergelt. Mit einem Fein-Lötkolben auf höchster Erhitzungsstufe sollen die Buchstaben und Zahlen per Hand eingebrannt werden. Die unterschiedlichen Dekorationsbestandteile werden auf der Uhr geleimt und festgeklebt. Parallel dazu erfolgt die Bemalung der Giselle. Sodann wird die Uhr zum Trocknen im Raum gelassen oder nach draußen gelegt. Zu guter Letzt werden die Klappösen mithilfe der Rundkopfstifte vorsichtig auf die Uhr genagelt. Geometriedreieck und Wasserwaage dienen als Hilfe für die austarierte Aufhängung an der Wand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin, eine Ballettwanduhr zu gestalten, inspiriert durch Polina Semionova und das Ballett „Giselle“.
2 Planung: Dieses Kapitel listet alle benötigten Materialien und Werkzeuge detailliert auf und erläutert die Auswahl der amerikanischen Lindenholzscheibe als Basis.
3 Ablauf des Arbeitsprozesses: Hier wird der praktische Herstellungsprozess beschrieben, von der ersten Skizze über das Stemmen und Schnitzen bis hin zur finalen Dekoration und Montage.
4 Fazit: Das Fazit reflektiert den Arbeitsprozess, bewertet die Herausforderungen bei der Umsetzung des Zeitplans sowie der handwerklichen Anforderungen und zieht ein positives Resümee.
5 Literaturverzeichnis: Umfasst die verwendeten Quellen unterteilt in Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetlinks.
6 Anhang: Enthält eine detaillierte Zusammenfassung der Handlung des Balletts „Giselle“ in zwei Akten.
Schlüsselwörter
Ballett, Giselle, Polina Semionova, Wanduhr, Holzbearbeitung, Schnitzen, Naturdesign, Lindenholz, Handwerk, Kreativität, Kunstausstellung, Designobjekt, Materialkunde, Zapfenloch, Montage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die konzeptionelle Planung und praktische Umsetzung einer kreativen Ballettwanduhr aus Lindenholz, die eine persönliche Hommage an das Ballettstück „Giselle“ darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die ästhetische Gestaltung, die Materialkunde bei der Holzbearbeitung, kunsthandwerkliche Techniken und die historische Einordnung des Ballettstücks.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel war es, ein ästhetisch ansprechendes und funktionales Ausstellungsstück für eine Kunstausstellung zu fertigen, das die Faszination für das Ballett in ein Naturdesign-Objekt überführt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit folgt einer prozessorientierten Dokumentation, in der die theoretische Planung durch Tabellen, Skizzen und schrittweise methodische Beschreibungen der praktischen Handwerkskunst validiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Materialauswahl, die exakte Dokumentation der Arbeitsschritte wie Stemmen, Schnitzen und Einbrennen sowie die finale Montage und Dekoration der Uhr.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Ballett, Handwerk, Holzbearbeitung, Giselle und Design charakterisiert.
Warum wurde ausgerechnet Lindenholz für das Projekt gewählt?
Lindenholz wurde aufgrund seiner Beschaffenheit als Weichholz gewählt, welches sich gut für Schnitzarbeiten eignet und die für das Projekt notwendige Leichtigkeit besitzt.
Wie wurde die Herausforderung des aus dem Holz ausgebrochenen Marks gelöst?
Das ausgebrochene Mark wurde als kreative Chance genutzt und nachträglich mit Moos befüllt, um die natürliche Ästhetik des Objekts weiter zu unterstreichen.
Warum spielt das Thema "Graffiti" eine Rolle bei der Gestaltung der Ziffern?
Der Graffiti-Stil wurde bewusst gewählt, um einen bewussten Kontrast zur klassischen Welt des Balletts zu setzen und das „Gekratzte“ handwerklich durch den Fein-Lötkolben widerzuspiegeln.
- Arbeit zitieren
- Lisa Tretow (Autor:in), 2017, Planung und Bau einer Giselle-Ballettwanduhr aus amerikanischem Lindenholz im Naturdesign, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376085