Spezielle didaktische Ansätze. Outdoor-Training, das Prinzip der "Vollständigkeit von Aufgabenstellungen", das Konzept des gleichberechtigten Vergleichens, die "Big Five"


Einsendeaufgabe, 2017

11 Seiten


Leseprobe

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Lernmöglichkeiten und -grenzen von Outdoor-Trainings
Outdoor- Trainings sind berufliche Weiterbildungsmaßnahmen, die sowohl außerhalb
des Arbeitsplatzes als auch außerhalb geschlossener Räume stattfinden. Ziel ist es
dabei, dass sich die Teilnehmer mit natürlichen Bedingungen und Herausforderungen,
meist in einer Gruppe, auseinandersetzen müssen. Im Speziellen werden mit dieser
Form des Trainings mehrere Bereiche der Teilnehmer angesprochen. Dazu gehört zum
einen die
Psychomotorik bzw. die körperliche Belastbarkeit
. Durch die Erfahrungen im
Bewegen in der freien Natur wird körperliche Belastbarkeit vorausgesetzt und aber auch
die Möglichkeit geschaffen, diese zu trainieren. Des Weiteren gilt es das
soziale Lernen
zu unterstützen. Die Outdoor- Trainings finden meist in Gruppen statt, das bedeutet,
dass die Teilnehmer in einer unbekannten Belastungssituation auch neue Formen des
sozialen Umgangs kennenlernen. Themen wie Kooperation, Verlässlichkeit oder auch
Vertrauen werden in dieser neuen Situation neu gedacht und erfahren. Besonders das
gemeinsame Entwickeln von Handlungsstrategien und ein entsprechendes soziales
Gespür wird den Teilnehmern abgefordert und eben auch der Rahmen geschafft, diese
zu erweitern. Betrachtet man weiterhin die Möglichkeiten der Gruppenarbeit, tritt vor
allem die Förderung der
Teamentwicklung
in den Fokus. Wenn Outdoor- Trainings
Abteilungsweise oder in Projektgruppen stattfinden, entstehen Möglichkeiten, dass sich
die Gruppen neu finden und sortieren können. Eine weitere Möglichkeit, die Outdoor-
Trainings mit sich bringen, ist das
Erlernen neuer Konzepte und Regeln
. Dies betrifft vor
allem die Handlungsfähigkeit im Umgang mit der Natur. Das bedeutet für die meisten
Teilnehmer eine neue unbekannte Situation vorzufinden, die in den meisten Fällen noch
nicht mit Handlungsmustern belegt sind, und dadurch Möglichkeiten entstehen, die
eigene Handlungsfähigkeit zu erweitern. In diesem Lernbereich werden eher kognitive
Ziele angesprochen.
Die aufgeführten Zielbereiche ermöglichen den Teilnehmern von Outdoor- Trainings,
ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Von besonderer Bedeutung ist dabei auch das
emotionale Lernen. Outdoor- Trainings werden als die aktivste Form des
Handlungslernens angesehen, da dabei unter realen Bedingungen reales Handeln mit
all seinen Konsequenzen von den Teilnehmern gefordert aber auch gefördert wird. Die
Natur lehrt uns und bestraft unsere Fehler unmittelbar, d.h. der Lerneffekt tritt stante
pede ein. In der unbekannten Belastungssituation werden demnach einige verschiedene
Lernmöglichkeiten geschaffen (Höffer- Mehlmer, 2012, S. 71ff).
Diese Möglichkeiten des Trainings in realen Handlungssituationen findet man in
,normalen` Weiterbildungsveranstaltungen eher sehr selten. Dort sind die Situationen
eher künstlich erzeugt und wenig spürbare Konsequenzen treten in Erscheinung, die
eindringliche Aha- Effekte verschaffen.

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Die Grenzen an Lernmöglichkeiten eines Outdoor- Trainings sind zum einen im
einzelnen Teilnehmer mit seinen Möglichkeiten zu sehen, als auch in der
Zusammensetzung der Gruppe zu sehen. Die Teilnehmer gestalten den Verlauf des
Trainings und je nachdem wie in einer Situation gehandelt wird, tauchen neue
Herausforderungen für den Einzelnen und die Gruppe auf. Anhängig davon sind
entsprechend auch die Lernmöglichkeiten für die Teilnehmer. Vergleicht man das mit
,normalen` Weiterbildungsveranstaltungen gibt es durchaus Gemeinsamkeiten. Auch
hier gestalten die Teilnehmer die Veranstaltung nach Möglichkeit aktiv mit und durch die
Erfahrungen, die jeder Einzelne in die Gruppe mit einbringt, eröffnen sich neue
Lernerfahrungen für die anderen. Ein weiterer Aspekt der zum Thema Grenzen der
Outdoor- Trainings zu nennen ist, ist die Transfersicherung. Wie können die Teilnehmer
ihre neuen Erfahrungen in ihren beruflichen als auch privaten Alltag übertragen und
mitnehmen?
Trainern von Outdoor- Trainings werden im Vergleich zu ,normalen`
Weiterbildungsveranstaltungen zusätzliche Kompetenzen abverlangt. Dazu gehört ein
besonders hohes Maß an sozialer und emotionaler Kompetenz, besonders
gruppendynamische Prozesse während der Maßnahme im Blick zu haben und bei
Bedarf entsprechend handeln zu können. So kann es bei den Teilnehmern während des
Trainings durchaus zu emotionalen Stresssituationen kommen, wo es eines Eingreifens
seitens des Trainers bedarf. Weiterhin müssen sowohl in der Vorbereitung als auch in
der Durchführung dieser Trainings strenge Sicherheitsregeln im Auge behalten werden
und vorausschauend die wohlmöglich auftretenden Situationen bedacht werden. Dazu
gehören sowohl technische Details, als auch redundante Sicherheitssysteme, d.h. fällt
ein Sicherheitssystem aus, muss ein anderes greifen. Weiterhin müssen
sicherheitsrelevante Einrichtungen mittels Vier- Augen- Prinzip kontrolliert werden. Bei
Bedarf
werden
auch
externe
Überprüfungen
durchgeführt.
Sämtliche
Sicherheitseinrichtungen und -abläufe müssen in Handbüchern dokumentiert werden.
Sollte es dennoch zu Zwischenfällen kommen, werden diese akribisch protokolliert, um
anschließend Mängel abstellen zu können und Verbesserungen einzuleiten. Das
bedeutet, in der Nachbereitungsphase sollte jedes Training sowohl im Verlauf als auch
auf Verbesserungen im sicherheitstechnischen Bereich hin reflektiert werden (Höffer-
Mehlmer, 2012, S. 76).
Diese
besonderen
Sicherheitsaspekte
findet
man
in
,normalen`
Weiterbildungsveranstaltungen wohl eher nicht. Hingegen werden im Bereich der
Weiterbildung der Persönlichkeitsentwicklung auch ein hohes Maß an sozialer und
emotionaler Kompetenz erfordert, da es auch hier für die Teilnehmer zu emotionalen
Stresssituationen kommen kann. Das Betreten neuer unbekannter Situationen eröffnet

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zum einen Möglichkeiten zu neuen Lernerfahrungen, bringt aber gleichzeitig auch die
Gefahr mit sich, für die Teilnehmer nicht bewältigbar zu sein. Hier ist die Kompetenz des
Trainers erforderlich, der dies im Blick behält.

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Voraussetzungen und Konsequenzen des Prinzips der ,,Vollständigkeit von
Aufgabenstellungen"
In der beruflichen Weiterbildung als auch in der Berufsbildung trifft man immer wieder
auf den Begriff der Handlungsorientierung als einem didaktischen Prinzip. Dabei geht es
vorwiegend um die Vermittlung von beruflich relevantem Handlungswissen an Hand von
komplexen Aufgabenstellungen. Hier kommt dem Prinzip der
,,Vollständigkeit von
Aufgabenstellungen" zentrale Bedeutung zu.
Inhalt des Prinzips ist es, dass sich Aufgaben für die Lernenden an realen
Arbeitsabläufen orientieren. Die Wahrnehmung, das Denken und das Tun sollen bei
der Er- und Bearbeitung der Aufgaben sinnvoll miteinander verbunden werden. Die
praktische Bedeutung berufstheoretischer Erkenntnisse soll dadurch erfahrbar
werden und im Umkehrschluss auch wieder zum Hinterfragen der theoretischen
Erkenntnisse führen. Eine Aufgabenstellung kann als vollständig angesehen werden,
wenn alle zu erlernenden Handlungen umfassend berücksichtigt werden. Demnach
besteht
eine
vollständige
Handlung
aus
den
Elementen
der
Informationsbeschaffung, der Abwägung von Handlungsalternativen, einer Phase
der Entscheidung für eine Vorgehensweise, der eigentlichen Durchführung der
Arbeit, der Kontrolle der Arbeitsergebnisse und der Bewertung und Auswertung der
Ergebnisse und des Arbeitsprozesses (Höffer- Mehlmer, 2012, S. 37ff).
Als Beispiel kann die Arbeit an Projekten herangezogen werden. Hier treffen die
Lernenden auf komplexe Aufgaben, bei deren Bearbeitung neue Kenntnisse und
Fertigkeiten erworben werden. Ein Projekt durchläuft grundsätzlich mehrere Phasen der
Bearbeitung.
In
einer
ersten
Definitionsphase
werden
Informationen
zusammengetragen, Ziele definiert und die Situation analysiert. In einer Planungsphase
werden sowohl die einzelnen Aufgabenpakete verteilt, Handlungsalternativen erarbeitet
und die zeitliche Planung durchgeführt und das Vorgehen festgelegt. In einer
anschließenden Durchführungsphase werden die Aufgaben abgearbeitet. Auch in dieser
Phase werden die Arbeitsergebnisse überwacht und gesteuert. Bei auftretenden
Schwierigkeiten müssen neue Handlungsalternativen gefunden werden und genau hier
setzt ein sehr wichtiger Lerneffekt für die Projektmitglieder ein, die Handlungsfähigkeit
wird gefördert. In einer letzten Phase, der Abschlussphase, werden die
Arbeitsergebnisse vorgestellt und bewertet. Der Auftraggeber erhält sein
Projektergebnis und in einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung werden sowohl der
Ablauf des Projektdurchlaufs, sprich der Arbeitsprozess, als auch die Ergebnisse kritisch
reflektiert.
Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Spezielle didaktische Ansätze. Outdoor-Training, das Prinzip der "Vollständigkeit von Aufgabenstellungen", das Konzept des gleichberechtigten Vergleichens, die "Big Five"
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V376126
ISBN (eBook)
9783668535268
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Outdoor-Training, Vollständigkeit von Aufgabenstellungen, gleichberechtigtes Vergleichen, Big Five
Arbeit zitieren
Daniela Nöllert (Autor), 2017, Spezielle didaktische Ansätze. Outdoor-Training, das Prinzip der "Vollständigkeit von Aufgabenstellungen", das Konzept des gleichberechtigten Vergleichens, die "Big Five", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376126

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