Die Bedeutung der Beratung von DrogenkonsumentInnen im Strafvollzug

Welchen Beitrag leistet die Suchtberatung bei der Resozialisierung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

19 Seiten, Note: 2,0

Anonym (Autor)


Leseprobe

Gliederung
1. Einleitung
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2. Resozialisierung als Vollzugsziel
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2.1. Begriffserklärung Resozialisierung
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2.2. Umsetzung der Resozialisierung im Strafvollzug
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3. Suchtberatung
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3.1. Sucht
5
3.2. Arbeitsprinzipien in der Suchtberatung
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4. Beratung, Betreuung und Behandlung inhaftierter Drogenabhängiger
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5. Fazit
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6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Konsumenten von illegalen Drogen geraten auf zwei verschiedene Weisen mit dem Gesetz
in
Konflikt.
Zum
einen
ist
der
Gebrauch
illegaler
Drogen
nach
dem
Bundesbetäubungsmittelgesetz (BtMG) strafbar, zum anderen wird der Unterhalt der Sucht
häufig durch Straftaten gedeckt.
Drogenabhängige Gefangene machen einen Anteil von etwa 30-40% an der
Gesamtpopulation der Gefangenen in Deutschland aus. Der überwiegende Teil ist aufgrund
von Beschaffungskriminalität inhaftiert, welche als Folge der hohen Kosten der Sucht häufig
unvermeidlich ist (vgl. Eder, 2012, S. 21).
Im Strafvollzug wird das Ziel verfolgt, den Gefangenen während seiner Haftzeit zu befähigen,
nach seiner Entlassung, ein Leben in sozialer Verantwortung und ohne Straftaten zu führen
(vgl. § 2 StVollzG). Der Inhaftierte soll resozialisiert werden. Vor allem im Umgang mit
inhaftierten Drogenabhängigen stellt dies kein leichtes Unterfangen dar und doch besteht
insbesondere hier ein erhöhter Bedarf an resozialisierenden Maßnahmen. Vor allem der
suchttherapeutischen Beratung scheint an dieser Stelle eine besondere Wichtigkeit und
Notwendigkeit zu zukommen.
Welchen Beitrag die Suchtberatung im Strafvollzug bei der Resozialisierung leistet, soll im
Verlauf dieser Arbeit geklärt werden.
Dafür wird zunächst erläutert, wie sich der Begriff der Resozialisierung definieren lässt, um
dann anschließend darzustellen, wie sich die Umsetzung von resozialisierenden
Maßnahmen im Strafvollzug gestaltet. Im folgenden Teil dieser Arbeit wird die Thematik
Suchtberatung behandelt. Hier soll zunächst geklärt werden, was unter der Begrifflichkeit
Sucht zu verstehen ist und welche Formen der Sucht bestehen können. Weiterführend findet
eine Auseinandersetzung mit den Arbeitsprinzipien der Suchtberatung statt. Im Folgenden
wird dann die Beratung, die Betreuung, sowie die Behandlung von inhaftierten
Drogenabhängigen genauer beleuchtet. Abschließend soll eine zusammenfassende
Beantwortung der Fragestellung erfolgen und ein Fazit gezogen werden.

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2. Resozialisierung als Vollzugsziel
Am 1. Januar 1977 trat das Strafvollzugsgesetz (StVollzG) mit einer Festlegung auf
Resozialisierung als Vollzugsziel in § 2 Satz 1 in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.
Seit dem 3. Oktober 1990 hat es mit dem Einigungsvertrag in ganz Deutschland Gültigkeit
(vgl. Cornel & Maelicke, 1995, S. 62). § 2 StVollzG formuliert das für den Strafvollzug
gelt
ende Vollzugsziel und eine Bekenntnis zur sozialen Eingliederung von Straftätern: ,,Im
Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer
Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel).
Der Vollzug der
Freihei
tsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten."
Wie sich der Begriff der Resozialisierung definieren lässt und wie die Resozialisierung als
Vollzugsziel praktisch im Strafvollzug umgesetzt wird, soll im Folgenden geklärt werden. Die
Darstellung der Umsetzung von resozialisierenden Maßnahmen im Strafvollzug bezieht sich
auf den Erwachsenenvollzug.
2.1. Begriffserklärung Resozialisierung
Der Begriff der Resozialisierung ,,ist weniger ein Fachbegriff mit klar definierter Bedeutung
,
als vielmehr Kurzform oder Synonym für ein ganzes Programm"
(Cornel, 1995, S. 14). Es
gestaltet sich somit als sehr schwierig eine allgemein akzeptierte und geltende Definition der
Resozialisierung zu finden. Nachfolgend sollen dennoch drei Definitionen präsentiert werden,
die zumindest einen Überblick darüber verschaffen, was der Begriff der Resozialisierung
meint. ,,Ganz allgemein versteht man in der einschlägigen Literatur unter Resozialisierung
die Wiedereinführung des Gefangenen in das soziale Leben oder seine Wiedereingliederung
in die menschliche Gemeinschaft" (Cornel, 1995, S. 15 zitiert nach Deimling, 1968, S. 257).
Nach Mealicke wird Resozialisierung als ein Teil eines lebenslangen Sozialisationsprozesses
verstanden, ,,wobei die Vorsi
lbe >re-< ausdrücken soll, dass ein Teil der Sozialisation
außerhalb der gesellschaftlich vorgegebenen Normen und Wertvorstellungen stattgefunden
hat, sodass eine >Wieder<-
Eingliederung notwendig ist" (Cornel, 1995, S. 15f. zitiert nach
Maelicke, 1993, S. 783). Eine weitere Definition formuliert Schüler-Springorum mit der
Aussage, dass der Gefangene durch die Resozialisierung lernen soll, sich straffrei zu
verhalten (vgl. Cornel, 1995, S. 16). Versucht man inhaltlich die Definitionen
zusammenzufassen, so geht der Begriff der Resozialisierung von der Vorstellung aus, ein
Straftäter habe sich durch seine Tat außerhalb der Gesellschaft gestellt beziehungsweise ist
durch seine Straftat nicht im erforderlichen Maße in die Gesellschaft eingebunden. Der
Begriff der Resozialisierung beschreibt also das Ziel, den Täter wieder in die Gesellschaft

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einzugliedern. Vor dem Hintergrund, dass Resozialisierung als Prozess zu verstehen ist,
beziehen sich die resozialisierenden Maßnahmen nicht nur auf den Strafvollzug selbst,
sondern auch auf Angebote außerhalb des Vollzugs. Dieser Gesamtprozess strebt die
Befähigung des Inhaftierten zu einem Leben ohne (Rechts-)Konflikte nach der Entlassung
an.
2.2. Umsetzung der Resozialisierung im Strafvollzug
Um den Gefangenen eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach dem Strafvollzug zu
ermöglichen, sollte die Vollzugszeit möglichst alltagsorientiert gestaltet sein. Zunächst muss
jedoch die Frage des offenen oder geschlossenen Vollzuges geklärt werden. Wenn die
Voraussetzungen dafür gegeben sind, also zum Beispiel keine Flucht- und Rückfallgefahr
besteht, kann der Gefangene tagsüber einer selbst gewählten Arbeit nachgehen oder
persönliche Besorgungen machen und muss lediglich abends in das Gefängnis zurück
kehren (vgl. Mênil, 1995, S. 21). Außerdem kommt der Schwere der Tat eine tragend Rolle
zu, denn die Resozialisierung ist zwar das Hauptziel des Vollzuges, auch für lebenslänglich
Verurteilte, dennoch soll an dieser Stelle ,,nicht der Gedanke nach Sühne und Strafe
übergangen"
(Mênil, 1995, S. 22) werden. Je schwerer die Tat, desto später wird mit
Vollzugslockerungen und anderen weitergehenden resozialisierenden Maßnahmen
begonnen.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich mich ausschließlich auf den geschlossenen
Vollzug beziehen.
Besonders
schwere
Straftäter,
wie
beispielsweise
Sexualverbrecher
oder
Wiederholungstäter, solche mit Psychosen oder auch Freiwillige, können ihre Strafe in einer
sozialtherapeutischen Anstalt verbüßen. Die Gefangenen sollen in kleinen Wohngruppen bis
zu acht Personen mit persönlichen Rückzugsmöglichkeiten untergebracht werden, sodass
der Kontakt zu anderen Inhaftierten zwar möglich ist, aber im Gegensatz zur Unterbringung
in Massen, die Subkulturbildung unterbunden wird. Außerdem lassen sich kleinere Gruppen
besser überschauen und Drogenhandel oder Gewalt besser kontrollieren. Leider sind die
baulichen Voraussetzungen dafür noch nicht in allen deutschen Gefängnissen gegeben.
Wenn möglich, soll dem Gefangenen wirtschaftlich ergiebige Arbeit im Vollzug angeboten
werden, sodass der Einstieg in das Berufsleben nach der Entlassung erleichtert wird. Besitzt
er keine ausreichende Schul- oder Ausbildung, kann er diese, wenn er dazu bereit ist,
während seiner Strafzeit nachholen. Außerdem besteht die Möglichkeit eines Fernstudiums

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an der Uni Hagen. Allerdings können in Anstalten mit höherem Sicherheitsniveau nicht
immer alle notwendigen Materialien, beispielsweise Bücher, in ausreichendem Umfang,
Computer oder Internetzugang zugesichert werden. Kann ein Gefangener keine
wirtschaftlich ergiebige Tätigkeit, zum Beispiel aufgrund seiner Fähigkeiten ausüben, werden
arbeitstherapeutische Maßnahmen durchgeführt. Diese sollen ihn an einen geregelten
Arbeitsablauf gewöhnen, seine Fähigkeiten trainieren und ihm Erfolgserlebnisse und
Selbstvertrauen verschaffen. Dabei sollen stets die Neigungen und Fertigkeiten des
Gefangenen mit einbezogen werden. Allerdings hat er dabei, mit Ausnahme der
Bildungsmaßnahmen, kaum Mitspracherecht.
Sozial lern- aber nicht therapiebedürftige Gefangene können auch an Maßnahmen des
sozialen Trainings teilnehmen. In Gruppenseminaren werden frustrierende Situationen und
Alltagsprobleme in Rollenspielen nachgestellt und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Den Gefangenen wird ein breites Maß an Freizeitmöglichkeiten angeboten. So sollen
Interessen geweckt werden, die auch nach dem Strafvollzug die Freizeitgestaltung
beeinflussen können und Möglichkeiten des Aggressionsabbaus bieten. Beispiele hierfür
sind Boxtraining, Motorradfahren, Videoarbeit oder künstlerische Aktivitäten. Eine besondere
Rolle wird hierbei dem Sport zugewiesen, der zur Herstellung des körperlichen und
seelischen Wohlbefindens beitragen soll. Als Mannschaftssportart fungiert er zudem als
zwanglose Form des sozialen Trainings (vgl. Mênil, 1995, S. 30ff).
Die Hilfeform zur Resozialisierung von Straftätern umfasst die sogenannte Justizförmige
Straffälligenhilfe, wie Gerichtshilfe, Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und Soziale Hilfe in
der Untersuchungshaft und im Straffvollzug und die Freie Straffälligenhilfe nach § 72 BSHG
durch öffentliche oder private Träger. Freie Straffälligenhilfe wird geleistet für Personen,
denen aufgrund besonderer sozialer Schwierigkeiten die Teilnahme an einem
gesellschaftsfähigen Leben nicht möglich ist. Die resozialisierenden Maßnahmen der
Straffälligenhilfe umfassen, neben den schon beschriebenen Aufgaben, folgende Tätigkeiten:
persönliche Hilfen, Beratung, Vermittlung von Lebensunterhalt und Wohnung,
Diagnostizieren, Begutachten, Kontrollieren, Berichterstatten und die Überwachung von
Auflagen und Weisungen (vgl. Maelicke, 1995, S. 135ff.). Viele begleitende und spezifische
Hilfen werden innerhalb des Vollzuges durch den Sozialdienst geleistet. Allgemeine
Aufgaben des Sozialdienstes umfassen die Beratung und die Unterstützung bei Problemen
der Lebensbewältigung und bei der Entlassungsvorbereitung. Dabei geht es meistens um
,,die Vermeidung von Schulden, Schwierigkeiten bei Arbeit, Beruf und Wohnung und das
Zurechtfinden im Behördendschungel"
(Justiz-Online, 2007). Die Bewältigung vieler
Probleme findet aber auch im zwischenmenschlichen Bereich statt, wie zum Beispiel in
persönlichen Gesprächen mit den Mitarbeitern des Sozialdienstes. Konkret umfasst das
Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Beratung von DrogenkonsumentInnen im Strafvollzug
Untertitel
Welchen Beitrag leistet die Suchtberatung bei der Resozialisierung?
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V376222
ISBN (eBook)
9783668532731
ISBN (Buch)
9783668532748
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, beratung, drogenkonsumentinnen, strafvollzug, welchen, beitrag, suchtberatung, resozialisierung
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2016, Die Bedeutung der Beratung von DrogenkonsumentInnen im Strafvollzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376222

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