Ausgehend von der Annahme, dass Frauen mit Behinderungen häufiger von sexueller Gewalt betroffen sind, soll diese Arbeit den Fragen nachgehen, wie hoch das tatsächliche Ausmaß sexueller Gewalt ist und welche Zusammenhänge und Bedingungen zu diesem erhöhten Risiko führen. In diesem Zusammenhang soll außerdem analysiert werden, wie sich ihre Situation hinsichtlich Hilfe und Unterstützung nach sexuellen Gewalterfahrungen darstellt und ob beziehungsweise welche Veränderungen im Zusammenhang mit Präventionsmaßnahmen sowie Intervention und Unterstützung notwendig sind.
Ziel dieser Arbeit ist es damit, einen Beitrag zum besseren Verständnis der Thematik der sexuellen Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen zu leisten und auf dieser Basis Schlussfolgerungen für einen verbesserten Umgang mit dieser Problematik darzustellen.
Seit einigen Jahren arbeite ich mit Menschen mit Behinderungen und habe dabei immer wieder Frauen mit Behinderungen kennengelernt, die in unterschiedlicher Weise Erfahrungen mit Gewalt und insbesondere auch mit sexueller Gewalt gemacht haben. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag mit Vorurteilen und diskriminierenden Verhaltensweise und Bedingungen konfrontiert werden.
Aufgrund der Kombination dieser Erfahrungsbereiche habe ich begonnen, mich intensiver mit der Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen auseinanderzusetzen. Dabei bin ich auch immer wieder mit zwei widersprüchlichen Aspekten konfrontiert worden: einerseits wird in der Literatur vielfach eine Negierung der Sexualität von Menschen mit Behinderungen beschrieben. Andererseits wird insbesondere in der jüngeren Literatur auf eine große Betroffenheit von sexueller Gewalt bei Mädchen und Frauen mit Behinderungen aufmerksam gemacht. Vor diesem Hintergrund entstand der Wunsch nach einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Thematik der Betroffenheit von sexueller Gewalt bei Frauen mit Behinderungen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen
- Historischer Überblick und Wandel des gesellschaftlichen Umgangs
- Der Begriff der Behinderung und seine Konstruktionen
- Aktuelle Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen
- Theoretische Grundlagen der Geschlechterforschung
- Geschlechterrollen und Behinderungskonstruktionen
- Sexualitätskonstruktionen und Einfluss auf Menschen mit Behinderungen
- Sozialisationsbedingungen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen
- Betroffenheit von Frauen mit Behinderungen durch sexuelle Gewalt
- Begriff der sexuellen Gewalt
- Empirische Ergebnisse zu sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
- Häufigkeit und Formen sexueller Gewalt
- Täter/innen und Risikofaktoren
- Folgen sexueller Gewalt
- Probleme und Barrieren bei der Inanspruchnahme von Unterstützung
- Notwendige Veränderungen für Intervention, Unterstützung und Prävention
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und analysiert strukturelle Bedingungen, die zu einem erhöhten Risiko führen. Ziel ist es, das Ausmaß der Betroffenheit zu untersuchen, verfügbare Hilfe und Unterstützung zu beleuchten und notwendige Veränderungen im Bereich Prävention, Intervention und Unterstützung aufzuzeigen.
- Strukturelle Bedingungen sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
- Ausmaß und Formen der Betroffenheit von sexueller Gewalt
- Verfügbare Hilfe und Unterstützung nach sexueller Gewalterfahrung
- Notwendige Veränderungen im Bereich Prävention, Intervention und Unterstützung
- Mögliche Entwicklungen im Umgang mit sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einem Überblick über die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen in Deutschland und beleuchtet den historischen Wandel des gesellschaftlichen Umgangs sowie den Begriff der Behinderung als soziale Konstruktion. Anschließend werden theoretische Grundlagen der Geschlechterforschung und deren Relevanz für die Lebenslagen von Frauen mit Behinderungen dargestellt. Kapitel 4 fokussiert auf die Betroffenheit von Frauen mit Behinderungen durch sexuelle Gewalt, wobei empirische Ergebnisse zur Häufigkeit, Formen, Täter/innen, Risikofaktoren und Folgen von sexueller Gewalt beleuchtet werden. Abschließend werden Probleme und Barrieren bei der Inanspruchnahme von Unterstützung sowie notwendige Veränderungen im Bereich Prävention, Intervention und Unterstützung diskutiert.
Schlüsselwörter
Sexuelle Gewalt, Frauen mit Behinderungen, strukturelle Bedingungen, Betroffenheit, Hilfe und Unterstützung, Prävention, Intervention, empirische Forschung, Sozialisation, Geschlechterverhältnisse, Behinderungsbegriff, Dekategorisierung.
Häufig gestellte Fragen
Haben Frauen mit Behinderungen ein höheres Risiko für sexuelle Gewalt?
Ja, die Arbeit geht davon aus und belegt durch empirische Ergebnisse, dass Frauen mit Behinderungen aufgrund struktureller Bedingungen und Abhängigkeitsverhältnissen häufiger betroffen sind.
Welche Barrieren gibt es bei der Inanspruchnahme von Hilfe?
Barrieren können physischer Natur (nicht barrierefreie Beratungsstellen) oder kommunikativer Natur sein, aber auch Vorurteile und eine mangelnde Sensibilisierung des Umfelds spielen eine Rolle.
Wie wird Behinderung in der Arbeit definiert?
Die Arbeit betrachtet Behinderung als soziale Konstruktion und beleuchtet den historischen Wandel im gesellschaftlichen Umgang mit betroffenen Personen.
Welche Rolle spielen Sexualitätskonstruktionen?
Häufig wird die Sexualität von Menschen mit Behinderungen negiert, was dazu führen kann, dass Grenzverletzungen nicht erkannt oder ernst genommen werden.
Welche Veränderungen sind für eine bessere Prävention notwendig?
Notwendig sind barrierefreie Hilfsangebote, eine bessere Ausbildung von Fachkräften und die Stärkung des Selbstbestimmungsrechts von Mädchen und Frauen mit Behinderungen.
- Quote paper
- Heike Hiemstra (Author), 2012, Sexuelle Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen. Hintergründe, Prävention und Hilfsangebote, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376258