Interkulturelles Lernen im Spanischunterricht. Dossier für die Unterrichtspraxis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

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1. Einleitung
Interkulturelle Kompetenz ist das Ziel interkulturellen Lernens. Der Begriff soll
beschreiben, welches Wissen und welche Fähigkeiten die Schüler erwerben
müssen, um interkulturell agieren zu können. Die Ausbildung interkultureller
Kompetenz ist zu einem Leitziel des Fremdsprachenunterrichts geworden.
Interkulturelles Lernen ist das untergeordnete Ziel der sogenannten
interkulturellen Kompetenz. Hierbei ist es laut Volkmann (2002) wichtig, dass
Irrtümer und Hemmungen in der Kommunikation zwischen Menschen
verschiedener Kulturen vermieden werden. Somit versteht sich der Begriff
interkulturelle Kompetenz als Fähigkeit und Fertigkeit von Fremdsprachenlernen
sowie von Angehörigen einer interkulturellen Begegnung. Dieser lässt sich
außerdem verstehen als über Differenzen zwischen der eigenen und der Zielkultur
zu wissen und diese in bestimmten Situationen zu erkennen und Strategien zu
entwickeln, als auch einfühlsam auf die Gebräuche der anderen Kulturen
einzugehen (Volkmann 2002: 12). Das Bewusstsein für kulturelle Unterschiede
zwischen Sprach- und Kulturräumen nimmt im Kontext der Globalisierung der
Handelsbeziehungen einen ständig wachsenden Stellenwert ein. Wenn
kulturbedingte Kommunikationsarten des Gegenübers nicht berücksichtigt
werden, kann es in der interkulturellen Kommunikation zu Fehldeutungen
kommen (vgl. Lüsebrink 2008: 32).
Des Weiteren findet sich Interkulturalität in Werbungen wieder, da Werbungen
Träger von Kulturspezifika sind. Hier zählen unter anderem Traditionen,
Moralitäten, Denken und Handeln dazu, die in unterschiedlichen Kulturen
konventionalisiert und geprägt sind. Werbung ist erst dann verständlich, wenn die
Botschaft für den Sender und Empfänger die gleiche Bedeutung hat und wenn die
Kommunikation zwischen ihnen auf der Ebene der gleichen Bedeutungssysteme
erfolgt, welches an sich schon zu Problemen zwischen den Kulturen führen kann
(vgl. Kloss 2012: 389).
In dieser Arbeit wird im ersten Teil auf die Stellenwerte von interkultureller
Kompetenz in curricularen Prämissen eingegangen. Daraufhin wird die
Bedeutung von Werbung zur Förderung der interkulturellen Kompetenz innerhalb
des Spanischen erläutert. In den unterrichtlichen Prämissen werden die

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Anwendung von Werbungen im Unterricht sowie die Lerngruppe und der
Lernstand dargelegt. Im zweiten Teil wird das Dossier vorgestellt, das aus der
Einführung und den detaillierten Vorstellungen dreier Unterrichtsstunden mit
Arbeitsblättern besteht. Abschließend wird ein Ausblick gegeben.
2. Prämissen
Interkulturelle Kompetenz wird seit langer Zeit im Spanischunterricht gefördert
und ist ein zentraler Aspekt des Fremdsprachenunterrichts, welches unter anderem
durch die verbindliche Einführung der Bildungsstandards 2004 deutlich wird.
Interkulturelle Kompetenz erhält durch curriculare Prämissen höchste Priorität
und sie wird fachdidaktisch kontrovers diskutiert, während bei den
unterrichtlichen Prämissen Unsicherheit herrscht, welche dazu führt, dass
interkulturelles Lernen häufig auf die Vermittlung von Landeskunde
eingeschränkt wird (vgl. Grünewald 2011). Im weiteren Verlauf werden auf
weitere Aspekte eingegangen.
2.1. Curriculare Prämissen
In der Fachdidaktik wird im Spanischunterricht interkulturelles Lernen allgemein
als Basis für sprachliche Kompetenzen, zielkulturelles und landeskundliches
Wissen erläutert. Zu diesem gehören unter anderem Alltagsphänomene und die
sogenannten Gebräuche. In Bezug auf die fachbezogenen bzw. fach-
übergreifenden Themen und Inhalte ist es wichtig, dass unter anderem über
gesicherte Fähigkeiten und Fertigkeiten zum mehrperspektivischen Umgang mit
kulturellen Phänomenen und zur Auseinandersetzung mit sprachlicher und
kultureller Vielfalt unter Nutzung des komplexen medialen Informations-
angebotes gewährleistet werden (vgl KMK 2004: 7). Außerdem sollen im
Spanischunterricht die interkulturelle Kommunikation gefördert und der Umgang
mit kulturell sensiblen Themen und Situationen, Vorurteilen und Stereotypen
gepflegt werden. Zudem liegt der Schwerpunkt in der interkulturellen

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Kommunikation durch die Dimension der Verwendung der Fremdsprache als
Arbeitssprache. Im Unterricht sollten wichtige Unterschiede zwischen den Sitten
und Gebräuchen, Einstellungen und Werten spanischsprachiger Gesellschaften
und der eigenen der Schülerinnen und Schüler geachtet werden (vgl. ebd). Daher
ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler auf die interkulturelle
Begegnung mit Mitgliedern anderer Sprach- oder Kulturgemeinschaften
vorbereitet werden. So eignet sich der Fremdsprachenunterricht besonders als Ort
zur Förderung interkultureller Kompetenz (vgl. Breugnot 2000: 288).
Die Vorgaben im Kernlehrplan stellen neben der funktionalen kommunikativen
Kompetenz vor allem die interkulturelle Kompetenz in den Fokus der
Unterrichtsziele. Der Kernlernplan sieht vor funktionale und interkulturelle
kommunikative Kompetenzen unter dem Leitziel der interkulturellen
Handlungsfähigkeit zu vermitteln, wie das im Lehrplan übernommene Schema der
Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache für die Allgemeine
Hochschulreife zeigt (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes
Nordrhein-Westfalen 2013: 15f.).
So lauten die Aufgaben und Ziele in der Sekundarstufe I:
,,Im Rahmen des zusammenwachsenden Europas und der Globalisierung ist es erforderlich, dass
sich der Spanischunterricht bei der Ausbildung von kommunikativen Fähigkeiten und
interkulturellen Handlungsfähigkeit auf konkrete Anwendungsbezüge konzentriert."
In der Sekundarstufe II lauten sie wie folgt:
,,Fremdsprachenlernen mit dem Ziel individueller Mehrsprachigkeit gewinnt angesichts der
politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung Europas und der Globalisierung stetig an
Bedeutung. Der Fremdsprachenunterricht der gymnasialen Oberstufe vermittelt sprachlich-
kommunikative und interkulturelle Kompetenzen, die eine wichtige Voraussetzung für
angemessenes und erfolgreiches Handeln im privaten wie beruflichen Leben sind."
Durch das ,,Zusammenspiel" (ebd.: 16) von funktional kommunikativem
Kompetenz, interkulturell kommunikativem Kompetenz, Text- und
Medienkompetenz, Sprachlernkompetenz und Sprachbewusstheit sollen die oben
genannten Aufgaben und Ziele des Faches erreicht werden.
Die interkulturelle kommunikative Kompetenz bezieht sich auf fünf Merkmale
(Verstehen, Handeln, Wissen, Einstellungen und Bewusstheit) (vgl. ebd: 16).
Handeln als sprachliche Interaktion bezeichnet den direkten Kontakt mit dem
Gegenüber in möglichst unverfälschten und glaubwürdigen Situationen. Handeln
können wir erst, wenn wir verstehen und verstehen können wir erst, wenn wir

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wissen oder uns bestimmte Aspekte bewusst werden. Hier sollen Schülerinnen
und Schüler verschiedene Wissenskomponenten als Hilfe für das Verstehen und
Handeln nutzen. Dazu zählen ihr fremdkulturelles Wissen, insbesondere in der
Form soziokulturellen Orientierungswissens, und ihre Einsichten in die
kulturellen Prägungen von Sprache und Sprachverwendung, auch bezogen auf den
Gebrauch der Fremdsprache. Angemessene Einstellungen insbesondere die
Bereitschaft und Fähigkeit werden vorausgesetzt, um anderen respektvoll zu
begegnen, sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen und beim eigenen
Sprachhandeln sprachliche und inhaltliche Risiken einzugehen. Unter
Bewusstsein versteht sich, dass die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit und
Bereitschaft entwickeln, ihr persönliches Verstehen und Handeln zu hinterfragen
und mit den eigenen Standpunkten Unvereinbares auszuhalten und in der
interkulturellen Auseinandersetzung zu reflektieren (vgl. ebd: 20ff.).
In den Abitur-Vorgaben für NRW im Jahr 2016 stellt interkulturelle Kompetenz
ein wesentliches Element des fremdsprachlichen Bildungskonzepts der
gymnasialen Oberstufe dar. Die Lernenden sollen durch das oben genannte
,,Zusammenspiel" (ebd.: 16) von Kompetenzen die in fremdsprachigen und
fremdkulturellen Texten enthaltenen Informationen, Sinnangebote und
Handlungsaufforderungen erschließen und sie vor dem Hintergrund ihres eigenen
kulturellen und gesellschaftlichen Kontextes reflektieren. Zudem sollen sie Texte
in ihren unterschiedlichen Dimensionen möglichst differenziert erfassen und
deuten, ohne diese vorschnell zu bewerten. Durch diese Merkmale sollen die
Schülerinnen und Schüler die Voraussetzungen erwerben, zur kulturellen
Beschaffenheit Empathie wie auch kritische Distanz zu entwickeln, ein
begründetes persönliches Urteil zu fällen und ihr eigenes kommunikatives
Handeln situationsangemessen und adressatengerecht zu gestalten (vgl. KMK
2004: 8f.).
Des Weiteren wird in der gymnasialen Oberstufe zusätzlich in dem Leistungskurs
interkulturelle Erziehung und Bildung von Nieke behandelt. Die Schülerinnen und
Schüler verfügen über Einblicke in das gesellschaftliche Leben Spaniens (u.a. zur
aktuellen Situation der Jugendlichen / los jóvenes indignados,
Auswanderungstendenzen) sowie ein vertieftes Orientierungswissen zum Thema
La inmigración a España. So ist beispielsweise in den Abiturvorgaben das

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Thema Movimientos migratorios vorhanden, in dem die interkulturelle
Kompetenz durch die Nord-Süd Konflikte an den Grenzen zwischen Mexiko und
den USA erarbeitet werden und außerdem Spanien als Migrationsland behandelt
wird (vgl. Schulministerium 2016: 3).
Bedeutsam für die Anforderungen in der schriftlichen Abiturprüfung ist es, dass
die Schülerinnen und Schüler in komplexer Weise auf die unterschiedlichen
Kompetenzbereiche der Bildungsstandards in den Fremdsprachen Bezug nehmen.
Insbesondere im verpflichtenden Prüfungsteil Schreiben sind die funktionale
kommunikative Kompetenz, die interkulturelle kommunikative Kompetenz und
die Text- und Medienkompetenz so miteinander verbunden, dass Schülerinnen
und Schüler eine eigenständige komplexe Leistung erbringen (vgl. ebd).
2.2. Fachdidaktische Prämissen
Der Begriff Werbung bezeichnet ein Phänomen, das im medialen Alltag in
verschiedensten Varianten auftaucht und daher eine große Aufmerksamkeit in der
Bevölkerung erhält. Sie gehört zu unserem Alltag dazu, die sprachlich kreativ und
ästhetisch ansprechend ist. Sie ist fester Bestandteil der Alltagskultur der
Schülerinnen und Schüler, zumal sie in einer Generation voller Medien leben und
dadurch dem medialen Alltag ausgesetzt sind. Werbung ist "[...] eine absichtliche,
zwangsfreie Form der Beeinflussung, welche die Menschen zur Erfüllung der
Werbeziele veranlassen soll" (Patermann & Jürgens 2009: 66).
Interkulturelles Lernen steht mit Werbung in einer Korrelation, da Werbung
Kultur gebunden ist, um erfolgreich zu überzeugen und mögliche Konnotationen
und Assoziationen, die die Empfänger mit den Werbebotschaften verbinden, zu
verstehen. Somit geben Werbungen in Bild und Sprache kulturelle Merkmale und
Konventionen der einzelnen Kultur wieder. Es werden nicht nur spezifische und
stilistische Merkmale des Herkunftslandes gezeigt, sondern auch lexikalische,
syntaktische und stilistische Ausdrucksformen sind in den Werbesprachen der
einzelnen Kulturen unterschiedlich (vgl. Janich & Runkehl 2010: 216). Daher
eignen sich Werbungen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz im
Spanischunterricht sehr gut. Die Thematik sollte den Schülerinnen und Schülern
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Lernen im Spanischunterricht. Dossier für die Unterrichtspraxis
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V376265
ISBN (eBook)
9783668536128
ISBN (Buch)
9783668536135
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanischunterricht, Didaktik, Fremdsprachendidaktik, Werbung, publicacion, interkulturell
Arbeit zitieren
Betül Can (Autor), 2016, Interkulturelles Lernen im Spanischunterricht. Dossier für die Unterrichtspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376265

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