Arbeit als Grundlage menschlicher Existenz. Zum Problem eines allgemeinen Arbeitsbegriffs nach Günter Voß

Lernzusammenfassung in Stichpunkten


Vorlesungsmitschrift, 2014

16 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

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1. Gegenstand und Problemstellung
1.1. Was ist Arbeit?
Nicht einfach zu beantworten, keine eindeutige Definition
Arbeit in ihren verschiedenen gesellschaftlichen Ausformungen
Arten und Weisen, wie sich Arbeit unter den Bedingungen fortgeschrittener
industriell-kapitalistischer Gesellschaften darstellt und verändert
Die Frage nach einer grundsätzlichen Bestimmung des Begriffs der Arbeit im Kern
der Arbeitssoziologie wurde selten ernsthaft gestellt und intensiver behandelt
Arbeit als vielgestaltige menschliche Tätigkeit sowie als Grundlage von
Gesellschaften
Einbezug von Tätigkeiten und gesellschaftlichen Tätigkeitsbereichen auch jenseits
erwerbsbezogener Formen abhängiger Arbeit im engeren ,industriellen` Bereich
Frage nach einem Arbeitsbegriff hat auch andere Wissenschaften beschäftigt (Physik
,Arbeit = Kraft x Weg`, Etymologie: Arbeit als ,,schwere körperliche Anstrengung,
Mühsal, Plage" und ,,unwürdige mühselige Tätigkeit" (Duden 2007: 43), Philosophie)
Alltagspraktischer Arbeitsbegriff (zwei Studien aus den USA (Weiss/Kahn 1960) und
aus Großbritannien (Thorns 1971)): Arbeit ist eine Aktivität, die (1) ,,notwendig ist,
aber keinen Spaß macht", (2) ,,Anstrengung erfordert", (3) ,,produktiv ist" und (4)
,,von anderen organisiert wird."
Fast alle Vorstellungen von Arbeit durch Ambivalenzen gekennzeichnet: belastet das
menschliche Leben und bereichert es zugleich, Grundlage für eine erhoffte Befreiung
aus Mühsal und Elend/Feld der schöpferischen Selbstentfaltung des Menschen
Arbeit = Aktivität
Weitere, aber umstrittene Kriterien:
o
Spezifisch menschliche Eigenschaft oder Tätigkeit;
o
Bewusstheit, Zweckgerichtetheit, Planmäßigkeit;
o
Werkzeuggebrauch
o
Kraftanwendung, Anstrengung, Mühe, Last, Elend;
o
Nützlichkeit/Gebrauchswertbildung, Produktivität, Werkhaftigkeit, Schöpfung,
ökonomische Wertbildung;

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o
Vom Prozess ablösbares überdauerndes Ergebnis, sozialer Austausch der
Ergebnisse;
o
Kooperation, gesellschaftliche Einbindung und Anerkennung der Aktivität;
o
Gratifizierung, insbesondere Bezahlung.
2. Entwicklungslinien und Wissensbestände
Weiterführung des Begriffs im 20. Jahrhundert
Vorwurf der Reduzierung des Gegenstands auf erwerbsförmige Arbeit bzw. auf
abhängige Beschäftigung im industriellen Betrieb
Bis in die 1980er Jahre Definition von A. als formelle erwerbsförmige Tätigkeit
lohnabhängiger Arbeitskräfte in betrieblichen Zusammenhängen
,,Arbeit als gesellschaftlich organisierte, durch Herrschaftsstrukturen vorgeprägte, d.h.
meist fremdbestimmte Tätigkeit (...)." (Vilmar/Kißler 1982: 18ff.) Arbeit als
gesellschaftliches Phänomen: zweckmäßige, bewusste, stets gesellschaftlich
vermittelte Tätigkeit von Menschen zur Bewältigung ihrer Existenzprobleme]
Betrieblich organisierte Arbeit als eigentlicher Gegenstand
Arbeitssoziologie: Dominante Erscheinung von A. unter spezifischen
gesellschaftlichen Bedingungen
Spiegelt in jener historischen Phase das herrschende Verständnis von Arbeit in der
Gesellschaft wieder
Marx` Überlegungen als Basis für den allg. Arbeitsbegriff in der Arbeitssoziologie;
jedoch zunächst Vernachlässigung
Marx will Arbeit nicht allein ,,abstrakt geistig" sehen, sondern als das wirkliche, tätige
Verhalten des Menschen." (Marx 1985: 574, Hervorh. i.O.)
Betonung des sich ,,gegenständlich" entäußernde Naturwesens Mensch sowie dessen
,,materieller" Naturbezug und die technische Vermittlung (Werkzeuge)
Arbeit als dialektischer Prozess der Selbstformung des Menschen
Mensch als ein arbeitendes Wesen

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2.1. Was ist Arbeit bei Karl Marx?
Eine Annäherung in Schritten
Arbeit ist...
o
... Das dynamische Wesen des Menschen
o
... Naturprozess
o
... Naturprozess ­ in den der Mensch aktiv vermittelnd eingreift
o
... Tätigkeit des Menschen ­ als leibliche Bewegung auf Basis natürlicher
Potenziale
o
... Aneignung der Natur
o
... lebensdienliche Formveränderung
o
... Veränderung der äußeren Natur
o
... Selbstveränderung des Menschen
o
... Entfaltung der Potenzen der menschlichen Natur
o
... Beherrschung der menschlichen Natur durch den Menschen
o
... rudimentär auch bei Tieren zu finden
o
... beim entwickelten Menschen bewusste und imaginierte Ziele anstrebende,
sich selbst-beherrschende Tätigkeit
o
... zweckgerichtete und kontinuierlich willentlich kontrollierte und dabei
Aufmerksamkeit erfordernde Tätigkeit
o
... keine Tätigkeit als sich selbst genügendes genießendes Spiel der Kräfte
o
... Gebrauch von Arbeits-Mitteln

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2.2. Der allgemeine Arbeitsbegriff von Karl Marx ( Komprimierung)
Arbeit lässt sich wie folgt bestimmen:
o
Arbeit ist im weitesten Sinne Naturprozess und dabei entscheidende
Eigenschaft des Naturwesens Mensch.
o
Arbeit ist lebendige, körperlich basierte (aber dabei immer auch geistige)
Tätigkeit
o
Arbeit ist ein Prozess der Aneignung von Momenten der (natürlichen) Welt
durch und für den Menschen.
o
Arbeit ist lebensdienliche Formung, genauer: Umformung des Vorgefundenen.
o
Arbeit ist aktive Selbstbeherrschung und dadurch Selbstveränderung des
Arbeitenden wie auch Beherrschung und (sich vergegenständlichende)
Veränderung der (natürlichen) Welt.
o
Arbeit ist auch bei Tieren zu finden, wird aber in ihrer voll entfaltenden Form
beim Menschen zur bewussten und zweckgerichteten sowie willentlich
beherrschten und zumindest kontrollierende Anstrengung erfordernden
Tätigkeit, die (meist technisch oder medial i.w.S.) vermittelt wird.
,Zusammenfassung`: Arbeit in ihren ,,einfachen und abstrakten Momenten (...) ist
zweckmäßige Tätigkeit zur Herstellung von Gebrauchswerten, Aneignung des
Natürlichen für menschliche Bedürfnisse, allgemeine Bedingung des Stoffwechsels
zwischen Mensch und Natur, ewige Naturbedingung des menschlichen Lebens und
daher unabhängig von jeder Form dieses Lebens, vielmehr allen seinen
Gesellschaftsformen gemeinsam." (Marx 1969a: 198)
Unterscheidung des Menschen von den Tieren durch die Produktion von
Lebensmitteln, bedingt durch die körperliche Organisation Produktion ihres
materiellen Lebens

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2.3. Besonderheiten des allgemeinen Arbeitsbegriffs von Karl Marx
(1) Tatsächliche Existenz des Begriffs; philosophisch-anthropologischer Arbeitsbegriff
größter Allgemeinheit als Basis für die historische Betrachtung
(2) Weder ökonomistisch noch technizistisch verengt; dezidierte Vorstellung von
bewusster Steuerung und Planung, also von ,,Geist" und ,,Bewusstsein"
(3) ,,Stoffwechsel mit der Natur", Einordnung des Menschen und seine Aktivität in einen
ökologischen Kontext (Naturgeschichte)
(4) Arbeit als komplexer Wechselprozess von menschlichen Aneignungen und
Entäußerungen, die den Menschen und auch die Welt im weitesten Sinne verändern
(5) Arbeit ist rational geleitete Selbststeuerung und Selbstkontrolle zur Erreichung
definierter Zwecke; körperlicher Prozess, durch geistige Tätigkeit angeleitet
(6) Dynamische und relationale Definition von Arbeit; eine Tätigkeit ist mehr oder
weniger Arbeit, je nachdem wie stark sie sich selbst genügt bzw. durch den planenden
und steuernden menschlichen Willen beherrscht wird
2.4. Implizierte Engführungen des marxschen Konzepts
(1) Unterwerfung der äußeren (,,Welt" steht der Arbeit und dem Arbeitenden
objektivistisch zur freien Verfügung) und der inneren Natur (des Menschen selbst;
Mensch macht sich in der instrumentellen Unterwerfung des Objekts selbst zum
Objekt)
(2) Idealismus des marxschen Arbeitsbegriffs; Reduzierung der A. auf eine
zweckrationale oder eng instrumentelle Variante des Geistigen ­ A. darf keine primär
sinnliche Tätigkeit und keine sich selbst überlassene Entfaltung der Körperlichkeit
sein (= animalische A. oder A. von geknechteten Menschen)
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Arbeit als Grundlage menschlicher Existenz. Zum Problem eines allgemeinen Arbeitsbegriffs nach Günter Voß
Untertitel
Lernzusammenfassung in Stichpunkten
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V376278
ISBN (eBook)
9783668531024
ISBN (Buch)
9783668531031
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Arbeit als Grundlage menschlicher Existenz. Zum Problem eines allgemeinen Arbeitsbegriffs nach Günter Voß, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376278

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