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Analyse der Trauma-Darstellung in Alfred Hitchcocks "Marnie"

Titel: Analyse der Trauma-Darstellung in Alfred Hitchcocks "Marnie"

Hausarbeit , 2014 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Filmkritik wird der Psychothriller "Marnie" (1964) als Wendepunkt in Alfred Hitchcocks Karriere bezeichnet: die einen sehen darin sein letztes Meisterwerk, die anderen den Fall eines grandiosen Regisseurs. Besonders die psychologische Naivität und die technische Realisierung des Films wurden häufig bemängelt. Aus finanzieller Sicht war "Marnie" im Vergleich zu Hitchcocks Vorgängerfilmen "Psycho" und "The Birds" ebenfalls ein Misserfolg. Erst Jahre später beginnt "Marnie" eine fast magische Anziehungskraft auf die Filmwissenschaft auszulösen, in der die vermeintlichen Nachteile des Films zu Vorteilen umcodiert werden: aufgrund der vereinfachten Tricktechnik erinnert der Film an einen Traum und hilft dem Zuschauer das belastende Trauma Marnies nachzufühlen, während die oberflächliche Psychologie des Films bei genauem Hinsehen komplexe Deutungsmöglichkeiten eröffnet (vgl. Moral, 7ff). Zahlreiche akademische Schriften belegen die wissenschaftliche Relevanz von Hitchcocks "Marnie", besonders in Bezug auf die Themen Sexualität, Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen, Mutter-Kind-Beziehung sowie die Darstellung von Traumata.

Die vorliegende Arbeit soll nicht nur Marnies Trauma, sondern auch die psychische Verfassung von Mark Rutland und Berenice Edgar untersuchen. Meine These lautet, dass Mark und Berenice ebenso psychisch krank sind wie Marnie und ihre eigene Schutzdichtung auf dieselbe projizieren. Zunächst werde ich auf Ähnlichkeiten mit Hitchcocks vorherigen Filmen eingehen. Im folgenden Kapitel möchte ich Marnie als Trägerin eines Geheimnisses zeigen. Danach sollen jeweils die Symptome von Marnie und Mark sowie von Marnie und Berenice nebeneinander gestellt werden, um anschließend zu zeigen, wie sowohl ihr Mann als auch ihre Mutter die eigenen psychischen Dispositionen auf Marnie projizieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psycho, The Birds, Marnie – eine Trilogie

3. Das Geheimnis des Mädchens namens Marnie

3.1. Marnie und Mark – eine Liebesgeschichte?

3.1.1. Polizist und Kriminelle

3.1.2. Jäger und Wild

3.1.3. Psychologe und Patientin

3.2. Marnie und ihre „Mama“ – Vererbung eines Traumas

3.2.1. Das Gefühl des Mangels

3.2.2. Die Krypta als Ort des Familiengeheimnisses

4. Fazit: Projektion von Marks und Berenices Schutzdichtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die psychische Verfassung von Marnie, Mark Rutland und Berenice Edgar im Film Marnie von Alfred Hitchcock. Das zentrale Ziel ist es, die These zu belegen, dass Mark und Berenice an ähnlichen psychischen Störungen wie Marnie leiden und ihre eigene Schutzdichtung auf sie projizieren.

  • Analyse der Analogien zu Hitchcocks Psycho und The Birds.
  • Untersuchung der komplexen Dynamik zwischen Marnie und Mark Rutland.
  • Darstellung der Mutter-Kind-Beziehung und der transgenerationalen Traumaübertragung.
  • Analyse der Inszenierung des Traumas durch filmische Mittel und psychoanalytische Deutung.
  • Erforschung von Rollenbildern wie Jäger/Wild, Polizist/Kriminelle und Psychologe/Patientin.

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Jäger und Wild

Im Trailer zu Marnie stellt Alfred Hitchcock seine beiden Hauptfiguren vor: Mark Rutland bezeichnet er als einen Mann, der stets auf einer Fährte ist, Margret Edgar nennt er dessen Wild. Dieses Verhältnis von Jäger und Beute wird an mehreren Szenen des Films deutlich.

Mark, der eigentlich Zoologie studieren und sich mit dem instinktiven Verhalten von Tieren auseinandersetzen wollte, wusste bereits seit dem Vorstellungsgespräch in der Firma seines Vaters von Marnies Plan, ihn auszurauben. Da ihm die Tatsache, dass Marnie eine Diebin ist, interessant erschien, stellt er ihr eine Falle und wartet darauf, dass die attraktive Sekretärin hineintritt. Zunächst bestellt er sie an einem Samstagnachmittag in sein Büro, wo sie einen Text über „Die Lebensgewohnheiten der Raubtiere im brasilianischen Urwald“ abtippen soll. Auf seinem Schreibtisch befindet sich ein Bild des schwarzen Jaguars Sophie, der einst von Mark gezähmt wurde und dem er beibrachte, ihm zu vertrauen. Analog zu Sophie will er auch Marnie unter Kontrolle bringen. Der Möchtegern-Zoologe erklärt seiner Angestellten, dass unter den weiblichen Tieren die räuberischen Neigungen besonders stark ausgeprägt sind und will sie damit in Verlegenheit bringen. Als plötzlich ein Gewitter ausbricht, wird Mark jedoch Zeuge einer völlig anderen Szene. Aufgrund dieses Triggers drängen sich Marnie Erinnerungsbilder des traumatischen Erlebnisses ihrer Kindheit auf. Sie gerät in Panik und verfällt in eine dissoziative Trance, in der sie Farben assoziiert und eine Art Bewegungsstarre erleidet. Hitchcock stellt die Panikattacke durch einen roten Farbfilter filmisch dar. Am Höhepunkt ihres Anfalls bricht ein Baum durch das Fenster. Dieser kann als Phallussymbol gedeutet werden und verweist auf die darauffolgende sexuelle Annäherung Marks. Als Marnie sich vor Angst windet, nutzt ihr Chef die Gelegenheit, sie zu küssen. Daraufhin erwacht sie aus ihrer Trance. Anhand dieser Situation erkennen wir, dass Mark Marnies Schwäche schamlos ausnutzt und durchaus reizend findet (vgl. ebd., 611).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wissenschaftliche Relevanz und die psychologischen Themen des Films Marnie ein und stellt die zentrale These der Arbeit auf.

2. Psycho, The Birds, Marnie – eine Trilogie: Dieses Kapitel arbeitet Analogien zwischen den drei genannten Hitchcock-Filmen heraus und beleuchtet die gemeinsamen, psychoanalytisch geprägten Motivstrukturen.

3. Das Geheimnis des Mädchens namens Marnie: Dieses Kapitel analysiert Marnies Identitätswechsel und ihre Fluchtbewegung sowie die Interaktionen mit ihrem Umfeld.

3.1. Marnie und Mark – eine Liebesgeschichte?: Dieser Abschnitt hinterfragt die scheinbare Paarbeziehung zwischen Marnie und Mark und legt deren destruktives Rollenspiel offen.

3.1.1. Polizist und Kriminelle: Hier wird untersucht, wie Mark seine Machtposition gegenüber Marnie als Polizist ausübt und ihre Kriminalität als Mittel zur Manipulation nutzt.

3.1.2. Jäger und Wild: Dieses Kapitel beleuchtet das Machtgefälle, in dem Mark als Jäger Marnie als sein "Wild" betrachtet und domestiziert.

3.1.3. Psychologe und Patientin: Hier steht Marks Versuch im Fokus, Marnie unter dem Deckmantel der Psychoanalyse zu therapieren, um sie gefügig zu machen.

3.2. Marnie und ihre „Mama“ – Vererbung eines Traumas: Dieser Abschnitt thematisiert die problematische Mutter-Kind-Bindung und die daraus resultierende Weitergabe traumatischer Belastungen.

3.2.1. Das Gefühl des Mangels: Dieses Kapitel erörtert den emotionalen und materiellen Mangel, der die Beziehung zwischen Berenice und Marnie prägt.

3.2.2. Die Krypta als Ort des Familiengeheimnisses: Hier wird das Konzept der "Krypta" als intraphyschischer Ort für verdrängte Traumata und Familiengeheimnisse erläutert.

4. Fazit: Projektion von Marks und Berenices Schutzdichtung: Das Fazit fasst zusammen, wie Mark und Berenice ihre eigenen psychischen Dispositionen auf Marnie projizieren, und bewertet den Ausgang der Heilungsversuche.

Schlüsselwörter

Alfred Hitchcock, Marnie, Trauma, Psychoanalyse, Projektion, Hysterie, Identitätswechsel, Mutter-Kind-Beziehung, Machtverhältnis, Kleptomanie, Schutzdichtung, Freud, Filmwissenschaft, Symbolik, Dissoziation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert den Psychothriller Marnie von Alfred Hitchcock unter dem Aspekt der psychischen Verfassung der Hauptfiguren und der Darstellung traumatischer Erfahrungen.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?

Zentral sind die Darstellung von Traumata, die Dynamik von Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen, die psychodynamische Mutter-Kind-Beziehung sowie die Anwendung psychoanalytischer Konzepte auf Filmcharaktere.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu belegen, dass nicht nur Marnie psychisch erkrankt ist, sondern dass auch Mark Rutland und Berenice Edgar eigene psychische Störungen aufweisen und ihre persönlichen Schutzmechanismen auf Marnie projizieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die systematische Filmanalyse in Verbindung mit psychoanalytischen Theorien, um die Charaktere und deren Handlungen innerhalb der Filmhandlung zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der "Trilogie" (Psycho, The Birds, Marnie), die Untersuchung von Marnies Identitätswandel sowie die detaillierte Betrachtung der Rollenverhältnisse zu Mark (Jäger/Wild, Psychologe/Patientin) und zur Mutter (Traumaübertragung).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Trauma, Projektion, Hysterie, Identitätswechsel, Krypta und transgenerationelles Spuken.

Wie interpretiert die Autorin Marks Verhalten gegenüber Marnie?

Mark wird nicht als bloßer Retter gesehen, sondern als eine Person, die ihre eigene psychische Störung durch die Kontrolle über Marnie kaschiert und ihre Schwäche schamlos ausnutzt.

Welche Bedeutung kommt der Rolle der Mutter Berenice im Film zu?

Berenice fungiert als Ursprung des Traumas. Durch ihre eigene Vergangenheit als Prostituierte und ihre Unfähigkeit, Marnie Liebe entgegenzubringen, überträgt sie ihre eigene Scham und psychische Belastung auf ihre Tochter.

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Details

Titel
Analyse der Trauma-Darstellung in Alfred Hitchcocks "Marnie"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Trauma und Film
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V376295
ISBN (eBook)
9783668534346
ISBN (Buch)
9783668534353
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alfred Hitchcock Marnie Trauma Krypta Traumatisierung Freud Ödipuskomplex
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2014, Analyse der Trauma-Darstellung in Alfred Hitchcocks "Marnie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376295
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Leseprobe aus  17  Seiten
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