„Sozialpolitik ist Verteilungspolitik“ heißt es. Die Kernfrage sozialpolitischer Diskussionen richtet sich darauf, was verteilt wird, in welchem Umfang verteilt wird, an wen und aus welchen Gründen, mit welchem Ziel verteilt wird und von wem die Verteilungsmasse genommen wird. Verteilt werden Gelder und Dienstleistungen.
Beides muss aufgebracht bzw. finanziert werden. Hierfür bieten sich zwei Möglichkeiten: Die Erhebung von staatlichen Steuern oder die Erhebung von z. B. Versicherungsbeiträgen. Jedoch ist schon der Umfang der Verteilungsmasse strittig.
Allein für die „Pflichtversicherungen (Rente, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Pflege) liegen die Beitragssätze bei 40 – 44 %, d. h. dass ein Arbeitnehmer mehr als 20 % seines Bruttoverdienstes für die pflichtige Sozialvorsorge auszugeben hat und somit weniger Geld für den privaten Konsum zur Verfügung hat.“1 Die andere Hälfte der Gelder wird von Arbeitgebern aufgebracht, die dadurch geringere Summen für Investitionen aufbringen können. Hinzu kommen die eigenen Leistungen zur privaten Altervorsorge und zur privaten Krankenvorsorge wie Zuzahlungen zu Arzneimitteln und Kuren. Nicht zu vergessen ist, dass auch große Teile der zu zahlenden Steuern in soziale Aufgaben fließen. Insgesamt umfasst das Sozialbudget in der Bundesrepublik ca. ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes.
Dies wirft die Frage auf, ob das Sicherungssystem überhaupt noch finanzierbar ist und ob es nicht eine zu große Belastung für die Wirtschaft und die Arbeitnehmer bedeutet. „Ziel der Sozialpolitik ist es, die Lebenssituation ausgewählter Bevölkerungsgruppen zu verbessern, Menschen gegen Risiken – wie Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit, Verarmung – zu schützen.“2 Doch was wäre ohne Soziale Sicherung?
Dies wird deutlich anhand der Ziele einzelner ausgewählter Sozialleistungen und Sozialversicherungen.
[...]
1 Groh/Schröer (2001), S. 227
2 Ehrenfeld, S. 45
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Sozialversicherungen
2.1. Krankenversicherung
2.1.1. Geschichte
2.1.2. Wer ist versichert?
2.1.3. Leistungen
2.1.4. Finanzierung
2.2. Pflegeversicherung
2.2.1. Versicherte
2.2.2. Wer ist pflegebedürftig?
2.2.3. Leistungen
2.2.4. Finanzierung
2.3. Rentenversicherung
2.3.1. Versicherte
2.3.2. Wer ist versichert?
2.3.3. Leistungen
2.3.4. Finanzierung
2.4. Arbeitslosenversicherung
2.4.1. Geschichte
2.4.2. Versicherte
2.4.3. Leistungen
2.4.4. Finanzierung
2.5. Unfallversicherung
2.5.1. Rechtliche Grundlagen der Unfallversicherung
2.5.2. Ziele und Gründe der Einführung
3. Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe
3.1. Sozialhilfe
3.1.1. Definition
3.1.2. Geschichte
3.1.3. Hilfe zum Lebensunterhalt
3.1.4. Hilfe in besonderen Lebenslagen
3.2. Arbeitslosenhilfe
3.2.1. Bedeutung
3.2.2. Finanzierung
3.2.3. Bewilligung
3.2.4. Höhe der Arbeitslosenhilfe
4. Kindergeld und Erziehungsgeld
4.1. Rechtliche Grundlagen Kindergeld
4.2. Rechtliche Grundlagen Erziehungsgeld
4.3. Ziele und gründe der Einführung
5. Elternzeit
5.1. Rechtliche Grundlagen
5.2. Ziele und Gründe der Einführung
6. Berufsausbildungsförderung (Bafög)
6.1. Gesetzliche Grundlagen zum Bafög
6.2. Ziele und Gründe der Einführung
7. Gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung
7.1. Grundlagen
7.2. Ziele und Gründe der Einführung
8. Wohngeld
8.1. Rechtliche Grundlagen
8.2. Ziele und Gründe der Einführung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den Zielen der Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Sie untersucht die Funktionsweise und Finanzierung des sozialen Sicherungssystems, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten, inwiefern diese Leistungen zur Verbesserung der Lebenssituation beitragen und welchen Belastungen sie gegenüberstehen.
- Analyse der fünf Säulen der gesetzlichen Sozialversicherung
- Untersuchung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe als existenzsichernde Maßnahmen
- Bewertung familienpolitischer Instrumente wie Kindergeld, Erziehungsgeld und Elternzeit
- Betrachtung von staatlicher Bildungsförderung (Bafög) und Einkommensverteilung
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
„Sozialpolitik ist Verteilungspolitik“ heißt es. Die Kernfrage sozialpolitischer Diskussionen richtet sich darauf, was verteilt wird, in welchem Umfang verteilt wird, an wen und aus welchen Gründen, mit welchem Ziel verteilt wird und von wem die Verteilungsmasse genommen wird. Verteilt werden Gelder und Dienstleistungen. Beides muss aufgebracht bzw. finanziert werden. Hierfür bieten sich zwei Möglichkeiten: Die Erhebung von staatlichen Steuern oder die Erhebung von z. B. Versicherungsbeiträgen. Jedoch ist schon der Umfang der Verteilungsmasse strittig. Allein für die „Pflichtversicherungen (Rente, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Pflege) liegen die Beitragssätze bei 40 – 44 %, d. h. dass ein Arbeitnehmer mehr als 20 % seines Bruttoverdienstes für die pflichtige Sozialvorsorge auszugeben hat und somit weniger Geld für den privaten Konsum zur Verfügung hat.“
Die andere Hälfte der Gelder wird von Arbeitgebern aufgebracht, die dadurch geringere Summen für Investitionen aufbringen können. Hinzu kommen die eigenen Leistungen zur privaten Altervorsorge und zur privaten Krankenvorsorge wie Zuzahlungen zu Arzneimitteln und Kuren. Nicht zu vergessen ist, dass auch große Teile der zu zahlenden Steuern in soziale Aufgaben fließen. Insgesamt umfasst das Sozialbudget in der Bundesrepublik ca. ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung definiert Sozialpolitik als Verteilungspolitik und thematisiert das Spannungsfeld zwischen Finanzierbarkeit des Sozialbudgets und dem Schutz der Bürger vor Lebensrisiken.
2. Sozialversicherungen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die fünf Säulen der Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung) und beleuchtet jeweils deren Geschichte, Struktur, Leistungen und Finanzierung.
3. Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe: Hier werden die Mechanismen der existenzsichernden Sozialhilfe sowie die Bedeutung und Bewilligungsvoraussetzungen der Arbeitslosenhilfe erläutert.
4. Kindergeld und Erziehungsgeld: Die Analyse konzentriert sich auf die rechtlichen Grundlagen und die Ziele dieser staatlichen Leistungen zur finanziellen Unterstützung von Familien.
5. Elternzeit: Dieses Kapitel erläutert den Anspruch auf Elternzeit sowie die Absichten des Staates, jungen Eltern die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Erwerbsleben zu erleichtern.
6. Berufsausbildungsförderung (Bafög): Der Fokus liegt auf der gesetzlichen Förderung der Ausbildung und des Studiums zur Steigerung des Bildungsniveaus und zur Förderung der Chancengleichheit.
7. Gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung: Eine volkswirtschaftliche Betrachtung der Faktoren, die zur Einkommensbildung führen, und die Frage nach der staatlichen Notwendigkeit einer Umverteilung.
8. Wohngeld: Abschließend wird die Bedeutung des Wohngeldes als Instrument zur Sicherung eines menschenwürdigen Wohnraums bei hohen Mietpreisen untersucht.
Schlüsselwörter
Sozialpolitik, Verteilungspolitik, Sozialversicherung, Solidaritätsprinzip, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenhilfe, Elternzeit, Bafög, Einkommensverteilung, Wohngeld, Sozialstaat, Generationenvertrag, Lebensrisiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über das soziale Sicherungssystem in Deutschland, von den Sozialversicherungen bis hin zur Sozialhilfe und speziellen Förderprogrammen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die fünf Säulen der Sozialversicherung, Maßnahmen zur Existenzsicherung, Familienpolitik sowie Bildungs- und Verteilungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Ziele der staatlichen Sozialpolitik zu hinterfragen und zu analysieren, wie diese Leistungen die Lebenssituation der Bürger beeinflussen und finanziert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die aktuelle Gesetzeslagen und wirtschaftspolitische Zusammenhänge der Jahre 2004 betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich systematisch in die einzelnen Bereiche der sozialen Sicherung, wobei für jedes Feld rechtliche Hintergründe und die jeweilige Intention der Einführung beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialversicherung, Solidaritätsprinzip, Existenzsicherung, Umverteilung und Chancengleichheit im Bildungssystem.
Warum ist die Rentenversicherung als Generationenvertrag strukturiert?
Das Umlageverfahren des Generationenvertrags sorgt dafür, dass die aktuell arbeitende Generation mit ihren Beiträgen unmittelbar die Renten der aktuellen Rentnergeneration finanziert.
Welche Rolle spielt das Bafög bei der sozialen Chancengleichheit?
Das Bafög ermöglicht es auch finanziell schwächeren Studierenden, sich auf ihre Ausbildung zu konzentrieren, und fördert so das Bildungsniveau in Deutschland unabhängig vom sozialen Hintergrund.
- Quote paper
- Nicole Taschewski (Author), 2004, Sozialpolitische Ziele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37632